Golddrome2

     Reviews online: 590

     Besucher

Onlinemagazin2

Reviews

0-9 A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z Ä-Ü

Die 21 Stunden von München

21Stunden

Original

21 Hours to Munich (USA, 1976)

Laufzeit

97 Minuten (PAL)

Studio

MGM / Sony Pictures

Regie

William A. Graham

Darsteller

William Holden, Shirley Knight, Franco Nero,Anthony Quayle, Noel Willman  u.v.a.

Bildformat

1.78:1 Widescreen (16:9)

Ton

DD-Mono Deutsch, Englisch, Französisch

Untertitel

Deutsch, Englisch, Fr, NL

Extras

-

Preis

ca. 15 € (Ladenpreis)

Bewertung

 2-/ 4+/ 6 (Bild/Ton/Extras)

                                     “Sport ist Mord!”

Ganze vier Jahre brauchte Hollywood, um sich der Terror-Tragödie der Olympischen Spiele von 1972 anzunehmen. Mit einer illustren Star Besetzung, die auch zahlreiche bekannte deutschsprachige Schauspieler (u.a. Günther Maria Halmer, Jan Niklas und Herbert Fux) umfasst, spielt der Film minutiös die Umstände des Überfalls des palästinensischen Terror-Kommandos “Schwarzer September” auf das jüdische Olympiateam und dessen fatalen Ausgang durch. Besondere Gänsehaut erzeugt der Umstand, dass Regisseur Graham tatsächlich an den unveränderten Originalschauplätzen im Olympischen Dorf sowie auf dem Flugfeld in Fürstenfeldbruck drehen konnte. Angeführt von ihrem Anführer Issa (Franco Nero) dringen die Terroristen unerkannt in das Olypische Dorf ein und richten schon bei dem Überfall auf das jüdische Team (u.a. Günther Maria Halmer, David Hess und Paul Smith) ein kleines Blutbad an. Es folgt ein mehrstündiger Verhandlungsmarathon mit den zu allem entschlossenen Geiselnehmern: mehrere hundert Palästinenser sollen aus israelischen Gefängnissen entlassen werden, bevor die Geiseln - nach einem Flug in ein sicheres Drittland - freigelassen werden sollen. Geschickt zeigt der Film den politischen Druck, dem sich seinerzeit die deutsche Regierung und die Polizeileitung ausgesetzt sah, und die diplomatische Isolation bei der Lösung des Konflikts zwischen allen Parteien. Gleichzeitig wird den Terroristen durch die Figur von Franco Nero ein ordentliches Leben eingehaucht: hier handelt kein irrer Selbstmord-Islamist, sondern ein zutiefst verzweifelter Mann, der überzeugt ist, für seine Heimat zu den notwendig gewordenen Mitteln zu greifen. “Wir wollen niemanden töten”, betont Nero immer wieder bei seinen Verhandlungen mit der Unterhändlerin des Olympia-Komitees (Shirley Knight). “Aber wir werden es tun, wenn wir dazu gezwungen werden!” Auch der Münchener Polizeichef Manfred Schreiber wird von William Holden gut als Gegenpol verkörpert. Sowohl seine zurückhaltende Strategie im Olympischen Dorf als auch schließlich das Scheitern verschiedener Alternativpläne zur Befreiung der Geiseln erscheinen plausibel. “Die 21 Stunden von München” bleibt deshalb immer noch ein aufrüttelnder Film, der besonders durch seine authentische Atmosphäre überzeugen kann. Bei der Fassung handelt es sich zudem um die ungekürzte US-Version, die einige zusätzliche politische Interaktionen von Bundeskanzler Willy Brandt (u.a. ein Gespräch mit Israels damaliger Präsidentin Golda Meir) sowie einen längeren Pro- und Epilog zeigt.     21Stundenbild1

Der anamorphe Transfer (1.78:1) basiert auf einer sehr guten Vorlage und zeigt so gut wie keine Alterserscheinungen - Dropouts oder Bildpunkte sind so gut wie nicht vorhanden. Schärfe und Kontrast sind ebenfalls sehr gut geraten, aber werden ein wenig von der schwachen Kompression beeinträchtigt, die in bewegten Aufnahmen gerne mal für Rauschmuster in den Hintergründen sorgt. Besonders Auffällig ist dies in dunklen Szenen, die durch den leicht milchigen und nicht sehr detailreichen Schwarzwert begünstigt werden. Die Farben sind realistisch matt, aber nicht als matschig zu bezeichnen. Trotz leichter Mankos ist dies immer noch ein erstaunlich guter Transfer.          21Stundenbild2

Alle drei DD-Monospuren wurden ordentlich aufgeräumt und sind rauschtechnisch auf ein Minimum reduziert worden. Die Dialoge sind klar und deutlich verständlich. Auch die Soundeffekte wirken nicht künstlich überlegt, sondern passen sich homogen ins gesamte Monoklangbild ohne andere Elemente zu überlappen. Die Musik wird spärlich eingesetzt und bleibt eher im Hintergrund. Nur bei wenigen Szenen wird sie stark in den Vordergrund gespielt. Ein sehr solider Monotrack, der natürlich nur innerhalb seiner Möglichkeiten bleiben kann.

Bonusmaterial ist auf dieser DVD schlichtweg gar nicht vorhanden. Nicht mal ein Trailer hat’s auf die Scheibe geschafft.

Fazit:

Gerade aufgrund von Steven Spielbergs Erfolg von “München” ist “Die 21 Stunden von München” ein wirklich interessanter Blick auf die mediale Aufarbeitung dieses Terrorakts in den 70-er Jahren. Minutiös und klinisch wirkt der Film wie die emotionslose Autopsie eines schrecklichen Verbrechens, das zwar vergangen aber noch nicht verarbeitet und bewältigt ist. Die DVD bringt ein gutes Bild aber leider gar keine Extras mit. Trotzdem eine Empfehlung!

11.05.2006 Kay Pinno.

Test-Equipment

Player: PIONEER DV668-AV

Receiver: DENON AVR 3801 (DTS-ES/Dolby Digital EX)

TV: GRUNDIG (16:9), 82-er Bildröhre.

 

    Impressum