Golddrome2

     Reviews online: 590

     Besucher

Onlinemagazin2

Reviews

0-9 A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z Ä-Ü

Django

Original

Django (Italien, 1966)

Laufzeit

90 Minuten (PAL)

Studio

Kinowelt

Regie

Sergio Corbucci

Darsteller

Franco Nero, José Bodalo, Loredana Nusciak, Ángel Álvarez, Eduardo Fajardo u.v.a.

Bildformat

1.66:1 Widescreen (16:9)

Ton

DD-Mono Deutsch, Italienisch

Untertitel

Deutsch

Extras

Making of, Trailer

Preis

Boxset ca. 50 Euro (Ladenpreis)

Bewertung

 2+ /4+/ 2  (Bild/Ton/Extras)

Djangos Rückkehr

Original

Ritorno di Django  (Italien, 1987)

Laufzeit

94 Minuten (PAL)

Studio

Kinowelt

Regie

Nello Rossati aka Ted Archer

Darsteller

Franco Nero, Christopher Connelly, Donald Pleasence, William Berger, u.v.a.

Bildformat

1.78:1 Widescreen (4:3)

Ton

DD-Mono  Deutsch, Italienisch

Untertitel

Deutsch

Extras

Interview, Trailer

Preis

Boxset ca. 50 Euro (Ladenpreis)

Bewertung

 3 / 3- / 4+ (Bild/Ton/Extras)

Django, der Rächer

Original

Texas Addio (Italien, 1966)

Laufzeit

91 Minuten (PAL)

Studio

Kinowelt

Regie

Ferdinando Baldi

Darsteller

Franco Nero, Alberto Dell’Acqua, José Suárez, Livio Lorenzon u.v.a.

Bildformat

2.35:1 Widescreen (16:9)

Ton

DD-Mono Deutsch, Italienisch

Untertitel

Deutsch

Extras

Interview, Trailer

Preis

Boxset ca. 50 Euro (Ladenpreis)

Bewertung

 3 / 4+/ 3-  (Bild/Ton/Extras)

           “Nur eins ist wichtig: das man sterben muss!”

Seine stahlblauen Augen hinter dem Dreitage-Bart sind trügerisch: Django (Franco Nero) ist einfach der Inbegriff lässiger Coolness gegenüber wirklich miesen Zeiten und Typen. Als Ex-Soldat der amerikanischen Nordstaaten-Armee hat er die Nase voll vom Krieg aber nicht vom Töten. In ihm brodelt ein finsterer Rachegedanke, der von einem abgebrühten Zynismus gegenüber der menschlichen Gesellschaft getragen wird. Dieses wandelnde Pulverfass schickt Regisseur Sergio Corbucci in ein unwirtliches Niemandsland an der Grenze zwischen Mexico und den Vereinigten Staaten. Dort heckt der hübsche Bursche mit den finsteren Gedanken einen Plan aus, um gleichzeitig seiner Rache nachzugehen und ebenfalls dabei reich zu werden. Doch sowohl sein Feind - der rassistische Südstaaten-Major Jackson (Eduardo Fajardo) - als auch sein mexikanischer Helfershelfer General Hugo (José Bodalo) entpuppen sich als extrem durchtriebene Zeitgenossen. Düster, trostlos, gewaltätig und vor allem richtig dreckig beschreibt Sergio Corbucci in “Django” den amerikanischen Südwesten als echten Vorhof zur Hölle: eine anarchistische Ausbeuter-Gesellschaft zerfleischt sich hier förmlich selbst. Django ist schließlich genau wie Eastwoods namenloser Ponchoträger in “Für eine Handvoll Dollar” der Funke, der die explosiven Elemente entzündet. Mit einer besonders lässigen deutschen Synchronisation gesegnet, entfaltet dieser archetypische Italowestern sein volles Flair. Oftmals fernab der originalen Texte wird Django zum wandelnden One-Liner - und die verbalen Treffer sitzen genau wie seine blauen Bohnen. Noch vor “Rambo” wurde er deshalb ein Synonym für brachialen Gewalteinsatz zur Durchsetzung persönlicher Ziele.

Nach dem erstaunlichen Erfolg dieses Low-Budget Spaghetti-Western dauerte es über 20 Jahre bis eine offizielle Fortsetzung zu “Django” entstand (zahllose Spaghetti-Western bekamen in Deutschland einfach den Zusatz “Django” im Titel verpasst, einschließlich der in der Box enthaltene “Texas Addio”, der auf deutsch entweder “Django 2” oder “Django, der Rächer” betitelt wurde). Nach seinen Eskapaden ist der Pistolero schließlich in einem Kloster untergetaucht, um dort seinen alten Sünden abzuschwören. Doch als ihn die Nachricht erreicht, dass seine verschollene Tochter von dem fiesen Sklavenhalter Orlowsky (Christopher Connely) entführt wurde, holt Django seine alten Waffen wieder hervor. Getarnt schleicht sich unser Held in die von Sklaven bevölkerte Silbermine des Kidnappers ein, um dort einen Aufstand anzuzetteln. Abgesehen von dem seltsamen südamerikanischen Setting des Films ist “Djangos Rückkehr” sicherlich eine große Enttäuschung. Ganz im Gegensatz zu Neros Keoma-Spätwestern-Sequel “Johnathan of the Bears” lässt der Film außer Franco Nero selbst eigentlich alles vermissen, was einem den Originalfilm sympathisch gemacht hat. Da hilft auch Donald Pleasance in einer niedlichen Nebenrolle kaum etwas. Der restaurierte Prolog mit William Berger lässt wenigstens noch ein bisschen Western Flair aufkommen. Ansonsten dürfte dieser Streifen nur für Nero Komplettisten interessant sein.

Ganz anders zeigt sich dafür “Django, der Rächer”, der wie oben schon erwähnt eigentlich gar kein Django Film ist. “Texas Addio” sagen nämlich die Sullivan-Brüder Jim (Alberto dell’Acqua) und Burt (Franco Nero), der auf deutsch in Django umgetauft wurde. Beide verlassen ihren texanischen Heimatort, um in Mexico nach einem Mann namens Delgado (José Suárez) zu suchen, der vor Jahren ihren Vater ermordete. Der Schurke hat sich dort inzwischen als wohlhabender Großgrundbesitzer breit gemacht und terrorisiert die örtliche Bevölkerung. Als ihn die Brüder nach einigen Strapazen und Leichen ausfinding gemacht haben, offenbart Delgado ihnen ein schreckliches Geheimnis. Doch Burt lässt sich nicht einschüchtern und will den Verbrecher auf jeden Fall zurück nach Texas bringen. Ein heißer Kampf entbrennt. Sehr minimalistisch zeichnet Ferdinando Baldi ein zerrissenes Bild von Mexiko und dem Kampf der Brüder gegen ihre Vergangenheit. Nicht ganz so kompakt und schwungvoll inszeniert wie “Django”, kann “Django, der Rächer” aber mit einigen überraschenden Wendungen aufwarten und lehnt sich dabei fleißig an der griechischen Tragödie an. Auch die zentralen Figuren sind nicht unbedingt eindimensional und machen eine interessante Entwicklung durch. Sicherlich ist dieser Italo-Western kein Klassiker geworden, aber befindet er sich doch in der besseren Gesellschaft von inhaltlich motivierten Vertretern des Genres. 

Mit der Vorlage des neuen Blue Underground Transfers von “Django” kann sich Kinowelt glücklich schätzen. Das anamorphe Bild (1.66:1) zeigt sich von seiner besten Seite. Trotzdem kann der Film sein Alter nicht ganz verbergen. Extrem sauber aber trotzdem an manchen Stellen seicht grobkörnig sind einige schwere Defekte des Originalnegativs nicht mehr zu reparieren gewesen. Dies kommt aber nur an drei Stellen zum Vorschein und dauert nur wenige Sekunden. Ansonsten hat “Django” nie besser ausgesehen und wird vermutlich auch nie mehr besser aussehen. Nach dem noch etwas grieseligen Vorspann wird das Bild extrem gut. Auch wenn die Schärfe in Wideshots nicht immer ganz mithalten kann, sind viele dreckige Details erkennbar. Ansonsten ist der Transfer extrem scharf und - so weit man das bei einem sodreckigen Film sagen kann - kristallklar. Die urspünglichen Farben und der Schwarzlevel sind sehr kräftig und unterstützen den guten Eindruck. Die Kompression verhindert die Bildung von Artefakten sorgt für einen ruhigen Filmfluss. Fast ein Wunder für diesen alten Film. Abgesehen von dem sehr unscharfen Prolog sieht auch “Djangos Rückkehr” recht ordentlich aus. Trotzdem wurde durch extensiven Rauschfiltereinsatz das nicht-anamorphe Widescreen-Bild (1.78:1) ein wenig beeinträchtigt. Ein leichter Nachzieheffekt ist über die gesamte Lauflänge vorhandnen. Kontrast und Schärfe sind ein wenig schwankend, aber halten sich insgesamt im passablen Bereich. Farben und Schwarzlevel sind ebenfalls ansehnlich. Die Kompression läuft fehlerfrei. Am schlechtesten hat es “Django, der Rächer” erwischt. Dies ist allerings hauptsächlich auf die alte Vorlage des Films zurückzuführen. Dreckspuren und Spratzer ziehen sich durch den kompletten Film. An einigen Stellen wirkt dies etwas störend. Dafür liefert einem das anamorphe Widescreenbild (2.35:1) eine schöne Panoramalandschaft, die einem in bisherigen Inkarnationen vorenthalten wurde. Farben und Kontrast wie Schwarzlevel spielen auch hier ganz gut mit. Die Schärfe hat aber deutliche Probleme, was auch an der Verrauschtheit des Bildes liegt. Ein digitale Reinigung wie bei “Django” hätte diesem Transfer sicherlich auch gut getan.     

Alle drei Filme bringen nur ihre originalen Monosoundtracks in Deutsch und Italienisch mit. Diese wurden allerdings vom unnschönen Erbe ihrer ehemaligen Mono-Master befreit und klingen deshalb rauschfrei und ziemlich klar durch die Soundanlage. Viel Dynamik verbreiten die Tracks natürlich trotzdem nicht. Die Dialoge sind absolut klar und deutlich verständlich. Auch die Musik und die Soundeffekte wurden ein wenig “entstaubt” und hören sich nicht zu alt und kraftlos an. Surroundaktivitäten sind hier selbstverständlich nicht vorhanden. Hier wurde gute Arbeit geleistet und die Tracks lassen sich sehr gut im Stereo-Modus der Surroundanlage anhören. Ein Manko gibt’s noch bei den italienischen Tracks: die deutschen Untertitel entsprechen hier nur der deutschen Synchronisation und nicht den tatsächlichen italienischen Dialogen!   

Abgesehen von den Trailern zu den Filmen hat sich Kinowelt mit den zusätzlichen Interviews von Franco Nero und der gelungenen Blue Underground Dokumentation “Django - The One and Only” (ca. 16 Minuten) versorgt. Neben Nero kommt hier auch Corbuccis Co-Regisseur Ruggero Deodato zu Wort. Mit vielen kleinen Details zur Entstehung und dem seltsamen Erfolg von “Django” erfreuen die beiden den Zuschauer: nie hat es eine bessere Begründung gegeben, Statisten unter roten Masken zu verstecken. Auf “Djangos Rückkehr” und “Django, der Rächer” befindet sich jeweils ein fünfminütiges Interview mit Franco Nero, das sich spezifisch mit dem entsprechenden Film befasst. Nicht sehr ausführlich aber trotzdem interessant gibt der italienische Ausnahmeschauspieler einige nette Anekdoten preis.       

Fazit:

Django ist auf DVD zurück und hat gleich zwei seiner seltsamen filmischen Brüder mitgebracht. Sammler dürfte es freuen, diese Filme ungekürzt und mit der alten deutschen Synchronisation zu bekommen. Besonders die Restauration des unübertroffenen Originals macht diese Box zu einer echten Versuchung, da es die Filme nicht einzeln zu kaufen gibt. Für Nostalgiker und Entdecker des italienischen Westens empfohlen.

26.11.2003 Kay Pinno.

Test-Equipment

Player: DENON DVD 2800

Receiver: DENON AVR 3801 (DTS-ES/Dolby Digital EX)

TV: GRUNDIG (16:9), 82-er Bildröhre.

 

Impressum