“Das Ende ist nah!” Mit dem vierten Teil der “God’s Army”-Serie wird ein neues Kapitel aufgeschlagen. Nachdem die ersten drei Einträge den Kampf des Erzengel Gabriel in Gestalt von Christopher Walken schilderten, wird der himmlische Bürgerkrieg diesmal auf anderen Terrain weitererzählt. Versteckt im rumänischen Bukarest schlummert im Keller einer alten Kirche eine ganz besondere Bibel. Hier scheint es sich tatsächlich um das Buch der Bücher zu handeln, da darin das Kapitel der Offenbarung offenbar von Gott persönlich und permanent aktualisiert wird. Heikel wird die Sache, weil anscheinend die Zeit naht, in der der Schöpfer dort den Namen des Menschen (!?) verkündet, der schließlich die Apokalypse über die Menschheit bringen soll. Dass haut auch den zuständigen Pfaffen aus den Pantinen - und zwar für immer. Der dicke Schreckensschmöker landet deshalb schließlich in den Händen der ahnungslosen Gemeindehelferin Allison (Kari Wuhrer), die sich alsbald im Grabenkrieg zwischen Himmel und Hölle auf Erden wiederfindet. In die spirituelle Schlacht wird auch der Bukarester Hardcore-Bulle Dani (Sean Pertwee) gezogen. Auf der Suche nach einem Serienkiller, der seinen Opfern die Herzen herausreißt, stößt er mit seinem merkwürdigen Interpol-Partner John Riegert (John Light) auf die Spuren der über- bzw. unterirdischen Mächte. Joel Soisson ist als Regisseur bisher nur mit dem schwachen “Maniac Cop 3” in Erscheinung getreten. Als äußerst solider Genre-Drehbuchautor mit Sequel-Faible konnte er sich jedoch einen Namen machen. Neben “God’s Army 3” zeichnet er sich auch für die interessanten Ost-Europa-Fortsetzungen “Dracula 3 - Legacy” (Review hier) und “Hellraiser - Hellworld” (Review hier) verantwortlich. Mit “God’s Army 4” liefert Soisson allerdings sein bisheriges Meisterstück ab. Gekonnt verknüpft er die historisch-politisch schwierige Vergangenheit Rumäniens mit seinen Hauptfiguren und entspinnt damit ein großes Schuld- und Sühne-Drama, das im Kontext von biblischer Verdammnis und Erlösung als herrliches Spiegelbild funktioniert. “God’s Army - Die Offenbarung” ist ein wirklich gelungener B-Film, der fast alle Register zieht und auf eine mehr als solide Besetzung (neben Pertwee, London und Wuhrer darf auch Doug “Pinhead” Bradley mal ohne Nägel im Kopf auftrumpfen!) zurückgreifen kann. Mit seinem knalligen offenen Ende schafft der Film etwas, was sonst kaum bei Werken dieses Kalibers passiert: man will begierig wissen, wie’s weiter geht. Das erfährt man allerdings erst in dem Back-to-Back gedrehten Sequel “God’s Army 5 - Die Apokalypse”.  Das anamorphe Widescreenbild (1.85:1) basiert auf einer recht guten Vorlage. Verunreinigungen oder Spratzer sind nicht auszumachen. Dennoch scheint das Filmmaterial nicht sehr hochwertig gewesen zu sein, da der Film von einem dauerhaften, leichten Grobkörnigkeit gekennzeichnet ist. Besonders auffällig ist dies in dunklen Szenen, die durch einen schwachen Schwarzlevel ebenfalls ein wenig beeinträchtigt sind. Schärfe und Kontrast sind weitestgehend gut, wenngleich einige Szenen wie durch einen matten Filter im Stile der 70-er Jahre gefilmt wirken. Die Farben sind allerdings satt, aber trotzdem recht natürlich. Die Kompression bleibt ansonsten sauber und verhindert weitergehendes Hintergrundrauschen oder Artefaktbildung. In einigen kurzen Momenten zeigt sich allerdings seichtes Zeilenflimmern an den Konturen, was aber nur dem geübten Auge auffallen dürfte.  Der DD5.1 Track liefert eine saubere Surroundumgebung, die besonders bei den Flashback-Szenen im Film zur Geltung kommt. Aber auch sonst bemüht sich der Track mit vielen ambienten Geräuschen für ein gutes 360-Grad-Feeling. Die stimmige Musik verteilt sich ebenfalls recht unaufdringlich über alle Kanäle, während die Dialoge sicher im Center sitzen. Auffällig ist hier allerdings wieder mal, dass die deutschen Dialoge der recht mäßigen Synchronisation deutlich in den Vordergrund gemischt wurden. Der O-Ton wirkt hier wesentlich räumlicher und auch dynamischer. Das große Extra der DVD ist natürlich der Audiokommentar mit Regisseur Joel Soisson, Make-Up-Mann Gary Tunnicliffe, dem ausführenden Produzenten Nick Philips und den Schauspielerinnen Kari Wuhrer und Georgina Rylance. Das Quintett ist sehr gesprächig und hat einige sehr schöne Anekdoten vom Dreh in Rumänien auf Lager. Gemischt mit praktischer Produktionsinfo über spezielle Details der Entstehung des Films sowie Soissons Ausführungen zur Story-Entwicklung wird der Track zu einem unterhaltsamen wie interessanten Hörerlebnis. Das “Making of” besteht leider nur aus einem sehr zusammenhanglosen und kurzen Interview mit Soisson (ca. 6 in.), das mit einigen Filmszenen unterlegt wurde. Die paar erwähnten Fakten lassen sich zudem alle auch im Audiokommentar wiederfinden. Die relativ unspektakulären Probeaufnahmen von John Light, Doug Bradley und Sean Pertwee (zusammen ca. 14 Min.) stehen ebenfalls zur Ansicht bereit. Eine dreiminütige mit Musik unterlegte Slideshow zeigt einige Bilder von Produktion. Fazit: “God’s Army 4” ist tatsächlich der seltene Fall eines wirklich gelungenen B-Films, der nicht nur auf der oberflächlichen Spaßebene funktioniert, sondern tatsächlich etwas mit seinen Figuren anzufangen weiß. Die DVD bietet dazu noch einen guten Audiokommentar, aber leider nur ein durchschnittliches Bild. Dennoch ist die Scheibe ein guter Geheimtipp und einen Kauf absolut wert. 28.05.2006 Kay Pinno. Test-Equipment Player: PIONEER DV668-AV Receiver: DENON AVR 3801 (DTS-ES/Dolby Digital EX) TV: GRUNDIG (16:9), 82-er Bildröhre. |