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Oliver Twist (1948)

Original

Oliver Twist (GB, 1948)

Laufzeit

112 Minuten (PAL)

Studio

Koch Media

Regie

David Lean

Darsteller

Robert Newton, Alec Guinness, Kay Walsh, Francis L. Sullivan u.v.a.

Bildformat

1.33:1 Vollbild

Ton

DD-Mono Deutsch, Englisch

Untertitel

-

Extras

Doku, Reclam-Filmlexikon, Trailer u.m.

Preis

ca. 24 € (Ladenpreis)

Bewertung

 3- / 4+ / 2 (Bild/Ton/Extras)

                               “Londons Underground!”

David Lean, vor allem bekannt durch seine monumentalen Epen “Die Brücke am Kwai” oder “Lawrence von Arabien”, hat mit “Oliver Twist” wahrscheinlich eine der besten Dickens-Verfilmungen abgeliefert. Es wird die bekannte Geschichte um den Waisenjungen Oliver Twist erzählt, der aus seiner kaltherzigen Umgebung nach London flieht, weil man ihn im Armenhaus an finstere Familien als Arbeitssklaven ausgeliehen hat. In der unübersichtlichen Großstadt angekommen gerät er in den Bannkreis des zwielichtigen Fagin, der sich einiger Waisenkinder bedient, die für ihn die wohlhabenden Londoner Bürger bestehlen. Nach anfänglicher Faszination für das neue Zuhause, möchte er aber auch hier entfliehen, da sich ihm die Chance bietet, in ein gutes Elternhaus zu kommen. Da hat er aber die Rechnung ohne Fagin und seine Leute gemacht, die nun um ihre Sicherheit fürchten. Deswegen versuchen sie alles, um Oliver erneut in ihre Fänge zu bekommen. David Lean ist ein großartiger Studiofilm gelungen, der in beeindruckenden Sets die quirlige und dunkle Seite Londons nachgebaut hat. Den düsteren Aspekten der Geschichte, die in realistischer Weise ein Portrait der Verlierer des Kapitalismus zeichnet, stehen märchenhafte Themen gegenüber, die in typischer Dickens-Manier für die rechte Stimmung sorgen. Dabei schwelgt “Oliver Twist” mit seinem kontrasteichen Schwarzweiß-Material in Stadtansichten Londons, die ein Gefühl für den städtischen Kosmos vermitteln. Dichte, ungeordnete Bebauung mit absurden Konstruktionen, wie die über den Dächern der Stadt schwebende Brücke, lassen eine Zeit wieder erstehen, in der sich die gesellschaftlichen Kräfte ohne Lenkung ihren Weg brachen. In der Rolle des struppigen Fagin brilliert Alec Guinness. Zwar greift ihm die Maske hilfreich unter die Arme, aber die gesamte Körperhaltung und vor allem die Sprechweise sind schauspielerische Glanzleistungen des jungen Mimen, den man niemals unter der Maske vermuten würde. Er verleiht der Geschichte ihre beeindruckende Wirkung, so dass man umso mehr um das Schicksal des jungen Oliver Twist zittert.

Unnötig zu erwähnen, dass bei einem Film von 1948 diverse Rauschmuster auf der DVD vorhanden sind. In manchen Szenen ist das Bild recht deutlich in Bewegung. Dennoch geht dies fast nie zu Lasten der Bildschärfe, die sich in einem guten Bereich präsentiert. Auch hat man die Vorlage weitgehend aufgeräumt, so dass nur noch vereinzelt Bildpunkte den Sehgenuss stören. Kontrast und Schwarz-Level sind bei einem, Schwarzweiß-Film naturgemäß sehr gut. Unterm Strich macht die DVD einen ordentlichen Eindruck.

Der Ton liegt in einem englischen sowie deutschen Monoformat vor. Die Synchronisation hat zwar den helleren Klang, kann aber an vielen Stellen ihren recht künstlichen Charakter nicht verleugnen. Demgegenüber wirkt der englische Ton wesentlich dumpfer und mit mehr Rauschen unterlegt, hat aber den Vorteil der größeren Natürlichkeit. Da “Oliver Twist” zum ersten Mal in ungekürzter Fassung vorliegt, hat man die Szenen, für die es keine deutsche Synchronisation gibt, deutsch untertitelt. Eine sehr brauchbare Lösung.

Die DVD enthält eine sehr schöne Dokumentation über die Entstehung des Films. In Interviews kommen hier einige Beteiligte zu Wort, die sich noch gut an den Film erinnern. Ein schönes Extra. Zusätzlich kann man sich die Szenen isoliert ansehen, die ursprünglich aus der deutschen Fassung entfernt wurden. Wer sich für Zensurgeschichte und ihre Folgen interessiert hat hier einen gute Möglichkeit, sich seine eigenen Gedanken zu machen. Daneben ist der DVD die Vollversion von Reclams elektronischem Filmlexikon auf CD-Rom beigelegt. Das Lexikon informiert in übersichtlicher Menüführung über viele Filme und Regisseure. Ein Bonus, das ein wirklicher Leckerbissen ist. Zusätzlich enthält die Scheibe noch den Trailer, eine Fotogalerie und ein sehr schönes Begleitheft, das mit ausführlichen und informativen Texten gestaltet ist. Zusammen mit der aufwendigen Verpackung ergibt das erneut ein großes Plus in der DVD-Aufmachung, von der sich andere Firmen eine Scheibe abschneiden könnten.

Fazit:

David Lean hat den berühmten Roman Charles Dickens kongenial verfilmt. Die wunderbar gestalteten Bilder sowie die großartigen Schauspieler machen das Werk zu einem unvergessenen Klassiker. Die DVD von Koch Media erweist sich als würdig.

26.01.2004 Stefan Dabrock.

Test-Equipment

Player: PANASONIC A-150

TV: LOEWE (4:3), 70-er Bildröhre

 

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