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Windtalkers (VÖ: 27.02.03)

Original

Windtalkers (USA, 2002)

Laufzeit

129 Minuten (PAL)

Studio

MGM

Regie

John Woo

Darsteller

Nicolas Cage, Christian Slater, Adam Beach, Roger Willie, Peter Stormare u.v.a.

Bildformat

2.40:1 Widescreen (16:9)

Ton

DD 5.1 Deutsch

Untertitel

Deutsch, Englisch

Extras

2 Kommentare, Making of, Boot Camp u.m.

Preis

ca. 25 € (Ladenpreis)

Bewertung

 1 / 1- / 2- (Bild/Ton(DD/DTS)/Extras)

                                   “Film ist Krieg!”

Obiges Motto gilt für Kugelballettmeister John Woo ganz besonders. Schon bei seiner Hongkong-Abschiedsextravaganz “Hard Boiled” wollte er das finale Krankenhaus-Set derart mit Explosivmaterial vollstopfen, dass sich der Pyrotechniker ihm verweigerte. Für “Windtalkers” hatte der asiatische Pyromane aber freie Hand. In dem 2.Weltkriegsopus fliegt dem Zuschauer alles um die Ohren, was am Set nicht außerhalb der Sicht von “General Woo” war. Doch genau wie bei “Hard Boiled” befindet sich unter dem Action-Overkill eine solide Geschichte. An der Front im Südpazifik sollen die Soldaten Joe Enders (Nick Cage) und Ox Anderson (Christian Slater) auf die indianischen Funker Ben Yahzee (Adam Beach) und Charlie Whitehorse ( Navajo-Indianer Roger Willie) aufpassen. Sie beherrschen den auf der Navajo-Sprache basierenden Kommunikationscode, den der japanische Feind nicht knacken kann. Der Auftrag der Soldaten, den Code “um jeden Preis” zu beschützen, beinhaltet somit auch das Töten der Navajo-Partner im Falle einer Gefangennahme. In der Schlacht um die strategisch wichtige Insel Saipan werden die Waffenbrüder immer schneller mit dieser heiklen Option konfrontiert. Ausgerechnet für “Windtalkers” wollte Woo “einen eher dokumentarischen Stil” einschlagen. Das Ergebnis wirkt zwiespältig. Der erste massive Ansturm der Amerikaner auf die eingegrabenen Stellungen der Japaner wirkt schon imposant: Zwischen hunderten Komparsen rollen Panzer im Dauerfeuer des Gegners in feindliche Bunker, während Bomber dazwischen ihre tödliche Fracht fallen lassen. Das hier die Aufnahmen der feuernden Kriegsschiffe aus schlechten Dokumentaraufnahmen stammen, reißt den Zuschauer aber aus der perfekten Illusion. Für seine Akteure nimmt sich Woo zwischen den Angriffswellen Zeit. Statt patriotischem Hurra-Geschrei im Stile von “Pearl Harbor” gibt’s pessimistische Gedanken: “Zuhause würde ich jetzt bei einem Barbecue Steaks grillen und hier grille ich Menschen mit einem riesigen Zippo”, meint einer der Soldaten mit Flammenwerfer. Dass er wenige Filmminuten später in einer der schockierendsten Momente von “Windtalkers” selbst gegrillt wird ahnt er nicht. Bei den dramatischen Gefühlsgranaten ist “General Woo” allerdings die Munition ausgegangen. Statt einem emotional aufwühlenden Finale im Stile von “Bullet in the Head” lässt er den Zuschauer einfach im Kugelhagel stehen. Da musste der Regisseur wohl selbst den Zuschauer opfern, um den kommerziellen Filmstudio-Code um jeden Preis zu wahren.

Ganz im Gegensatz zum Film kann man das Bild glücklicherweise nicht als Kriegsgebiet bezeichenen. Die Vorlage ist entsprechend des jungen Alters von bester Güte und enthüllt keine Verschmutzungen oder Grieseln. Schärfe und Kontrast sind wohl ausbalanciert und sorgen für ein detailreiches Bild in jeder Situation. Selbst die üblichen Schwierigkeiten (Schmieren, Grieseln Schärfeverlust) bei verrauchten Szenen kommen hier nicht zum tragen. Die wenigen dunklen Szene werden mit einem starken Schwarzlevel stabilisiert. Die Farben kommen ebenfalls sehr stark, fast ein wenig unnatürlich heraus. Da hauptsächlich eine Mischung aus orangem Sand und Erde sowie saftigem Grün von den Grasern der Insel vorherrscht, wird auch der Zuschauer in ein unwirkliches Setting versetzt. Die Kompression bleibt konstant und sorgt für ein stabiles Bild in den vielen Kamerafahrten von Woo-Woo-Choo-Choo. Artefakte oder Bildrauschen wurden nicht festgestellt.

Wie man es von einem zünftigen Woo-Film erwarten kann, wird in “Windtalkers” natürlich richtig Gas gegeben. Bis auf die eher wenigen ruhigen Momente fliegen dem Zuschauer wirklich permanent die Kugeln um die Ohren. Gut ausgewogen gehen Musik, Effekte und Dialoge Hand in Hand ohne sich den Raum zu nehmen. Nur die etwas käsige Marschmusik bei den Kampfszenen schlägt ab und an etwas über die Stränge. Zahlreiche 360-Grad-Effekte und gezielte direktionale Momente wie die Bombing-Runs der Flieger gegen die japanischen Stellungen geben eine gute Surround-Demo ab. Neben dem Kriegskrawall in allen Ausführungen werden die ruhigen Dialogmomente auch mit einem sehr guten atmosphärischen Background begleitet. So bleibt die Soundkulisse konstant lebendig und voll geöffnet. Sehr gut.

Im Gegensatz zur ersten amerikanischen Veröffentlichung von MGM hat die europäische Fassung sofort das Special Edition Treatment spendiert bekommen. Der erste Audiokommentar von Nicholas Cage und Christian Slater ist bei weitem nicht so langweilig wie man zuerst vermuten würde. Auch wenn Cage sich gleich zu Beginn als Spielberg-Jünger outet (“Eigentlich mag ich Audiokommentare nicht, weil hier zuviele Tricks verraten werden und dem Zuschauer die Illusion genommen wird.”) stimmt die Chemie zwischen ihm und Slater. Beide berichten intensiv über die Erfahrung von “Windtalkers” und wieder mit John Woo zusammenarbeiten. Hier gibt es zudem viel über die Konzepte hinter den Figuren zu erfahren und einige kleine Anekdoten. Kommentar Nummer Zwei wird von Navajo-Indianer und Schauspieler Roger Willie und dem Veteran Codetalker Albert Smith gesprochen. Hier geht es fast in den esotherischen Bereich. In erstaunlicher Tiefe sprechen beide über eigene Erfahrungen in Krieg bzw. Film sowie über die indianische Kultur. Die ruhige Sprechweise und die Fülle an Information erfordert allerdings eine große Konzentration beim Zuhören ohne den Faden zu verlieren. Die Dokumentation “Windtalkers Bravo Special” entpuppt sich als 12-minütige PR-Veranstaltung, die aber gerade noch soviel “gute Informationen” vermittelt, dass man damit Leben kann. Das “Actor’s Bootcamp” ist ein 15-minütiger Zusammenschnitt des militärischen Trainingslagers, dass die Akteure durchlaufen mussten. Neben On-Camera Interview sind bei einigen Szenen auch Off-Kommentare der Schauspieler unter die Bilder gelegt worden. Unter “Einblick ins Set” lassen sich vier ca. fünfminütige Videos zu jeweils großen Actionmomenten finden. Hier gibt es unkommentierte Aufnahmen vom Set, die allerdings einen sehr guten Eindruck von der massiven Arbeit hinter und vor der Kamera vermitteln. Eine Fotogalerie beschließt das Zusatzmaterial. Der Trailer zu “Windtalkers” ist aus unerfindlichen Grunden nicht vorhanden.

Fazit:

Mit Sicherheit ist “Windtalkers” der beste Kriegsfilm aus der Hollywood-Propaganda Produktion der letzten Jahre. Trotzdem bleibt er hinter den Erwartungen an einen Woo-Film zurück. Die Scheibe selbst ist gut gelungen und bietet einige nette Extras. Nur der Kommentar von John Woo wird schmerzlich vermisst. Trotzdem eine Empfehlung.

04.02.2003 Kay Pinno.

Test-Equipment

Player: DENON DVD 2800

Receiver: DENON AVR 3801 (DTS-ES/Dolby Digital EX)

TV: GRUNDIG (16:9), 82-er Bildröhre.

 

    Windtalkers Director’s Edition (R1)

    Original

    Windtalkers (USA, 2002)

    Laufzeit

    153 Minuten (NTSC)

    Studio

    MGM

    Regie

    John Woo

    Darsteller

    Nicolas Cage, Christian Slater, Adam Beach, Roger Willie, Peter Stormare u.v.a.

    Bildformat

    2.40:1 Widescreen (16:9)

    Ton

    DD 5.1 Englisch    DS Französisch

    Untertitel

    Englisch, Französisch, Spanisch, Port.

    Extras

    3 Kommentare, Making of, Boot Camp u.m.

    Preis

    ca. 30 $ (Ladenpreis)

    Bewertung

     1 / 1- / 2+ (Bild/Ton(DD/DTS)/Extras)

                               “Film ist ein langer Krieg!”

    Zum ersten Mal hat John Woo mit “Windtalkers” in den USA die Möglichkeit gehabt, seine eigene Version eines seiner Filme zu präsentieren. An dieser Stelle wird deshalb nur auf die Veränderungen im Director’s Cut eingegangen (SPOILER WARNUNG!). Ein inhaltliches Review findet ihr im obigen Test zur R2-DVD, die die Kinoversion enthält. Insgesamt 20 Minuten hat Woo wieder in den Film hineingeschnitten und auch an einer Stelle etwas kürzer gemacht. Wer jetzt aber auf große neue Offenbarungen hofft, dürfte enttäuscht werden. Die inhaltlichen Veränderungen sind sehr subtil und enthalten oft nur längere Einstellungen oder vereinzelte zusätzliche Bemerkungen. An wirklich neuen Szenen gibt es insgesamt nur drei: 1. Nach der Schlacht auf den Solomon Inseln erhält Joe Enders im Feldlazarett das “Purple Heart” verliehen. 2. Joe ist am Vorabend des Auslaufens zur Insel Saipan mit der Krankenschwester Rita am Strand und wirkt sehr verstört. 3. Vor dem Auslaufen nach Saipan machen die Marines Gruppenfotos. Whitehorse erklärt Joe seine Beziehung zu Ben Yahzee. Enders lässt sich nicht fotografieren. Abgesehen von diesen Szenen sind alle Schlachtenszenen wieder komplett und wirken nicht mehr ganz so holperig(besonders die Eröffnung auf den Solomon-Inseln!). Dabei gibt es viel zusätzliche Gewalt in Form von Einschüssen und insgesamt längeren Einstellungen zu sehen. Etwas gekürzt wurde die Einsatzbesprechung vor dem Auslaufen der Marines. Verschwunden sind auch die unnützen Karteneinblendungen zwischen den einzelnen Schlachten. Die vielen kleinen zusätzlichen Einstellungen und Sätze lassen sich schwer zusammenfassen. Insgesamt wird die Figur von Joe Enders weitaus düsterer und wahnsinniger dargestellt. Zudem wird die aufkeimende Beziehung zwischen den Codetalkern und ihren Beschützern besser vertieft. Eine wichtige Veränderung gibt es noch am Ende. Per Voice-Over wird vermittelt, dass Enders seiner Krankenschwester doch einen Brief vor der finalen Schlacht geschrieben hat. Dies soll wohl Enders Gesinnungswandel dokumentieren, wirkt aber trotzdem ein wenig befremdlich. Insgesamt lässt sich schon festhalten, dass der Director’s Cut runder als die Kinofassung wirkt. Trotzdem bleibt auch hier ein zwiespältiges Gefühl zurück, dass auch das ausgewalzte Trommelfeuer des Schlachtenepos nicht pulverisieren kann.

    In den Technikabteilungen hat sich im Vergleich zu der Kinofassung nicht viel verändert. Deshalb findet ihr an dieser Stelle die identischen Feststellungen. Wichtig ist hierbei noch zu erwähnen, dass die zusätzlichen Szenen sich nicht vom Gesamtbild abheben und gut integriert wurden. Ganz im Gegensatz zum Film kann man das Bild glücklicherweise nicht als Kriegsgebiet bezeichenen. Die Vorlage ist entsprechend des jungen Alters von bester Güte und enthüllt keine Verschmutzungen oder Grieseln. Schärfe und Kontrast sind wohl ausbalanciert und sorgen für ein detailreiches Bild in jeder Situation. Selbst die üblichen Schwierigkeiten (Schmieren, Grieseln Schärfeverlust) bei verrauchten Szenen kommen hier nicht zum tragen. Die wenigen dunklen Szene werden mit einem starken Schwarzlevel stabilisiert. Die Farben kommen ebenfalls sehr stark, fast ein wenig unnatürlich heraus. Da hauptsächlich eine Mischung aus orangem Sand und Erde sowie saftigem Grün von den Grasern der Insel vorherrscht, wird auch der Zuschauer in ein unwirkliches Setting versetzt. Die Kompression bleibt konstant und sorgt für ein stabiles Bild in den vielen Kamerafahrten von Woo-Woo-Choo-Choo. Artefakte oder Bildrauschen wurden nicht festgestellt.

    Wie man es von einem zünftigen Woo-Film erwarten kann, wird in “Windtalkers” natürlich richtig Gas gegeben. Bis auf die eher wenigen ruhigen Momente fliegen dem Zuschauer wirklich permanent die Kugeln um die Ohren. Gut ausgewogen gehen Musik, Effekte und Dialoge Hand in Hand ohne sich den Raum zu nehmen. Nur die etwas käsige Marschmusik bei den Kampfszenen schlägt ab und an etwas über die Stränge. Zahlreiche 360-Grad-Effekte und gezielte direktionale Momente wie die Bombing-Runs der Flieger gegen die japanischen Stellungen geben eine gute Surround-Demo ab. Neben dem Kriegskrawall in allen Ausführungen werden die ruhigen Dialogmomente auch mit einem sehr guten atmosphärischen Background begleitet. So bleibt die Soundkulisse konstant lebendig und voll geöffnet. Sehr gut.

    Das ultimative 3-er Disc Set der Director’s Edition enthält alle Specials, die auch schon auf der europäischen DVD zu finden sind (vgl. oben). Zusätzlich gibt es jedoch noch einen Audiokommentar mit Produzent Terence Chang und Regisseur John Woo. Beide geben einen sehr guten Einblick in die Produktion und die Entwicklung der Story. Dabei werden auch die Unterschiede zwischen der Kinofassung und dem Director’s Cut eingehend besprochen. Ebenfalls angereichert mit guten Anekdoten und persönlichen Eindrücken kann der Track vollauf begeistern. Die anderen beiden Kommentare mit Cage/Slater und Willie/Smith entsprechen der deutschen DVD und wurden über die längere Version “gestreckt”. Die zweite Scheibe beherbergt drei Features, die auf der Euro-DVD nicht zu finden sind. Die 25-minütige historische Dokumentation über die Codetalker ist allerdings eher enttäuschend. Versehen mit vielen Filmausschnitten von “Windtalkers” erfährt man nur wenig mehr über die persönliche Erfahrung der Navajo-Indianer im zweiten Weltkrieg. Zwar kommen die Kriegsveteranen zu Wort, aber ein persönlicher Eindruck wird kaum vermittelt. Zu sehen gibt es auch eine offizielle Ehrung der noch lebenden Codetalker von 2001. Dort wird ihnen die Ehrenmedaille des Kongress der Vereinigte Staaten verliehen wird. Auch das 8-minütige Feature “Tribute to Heroes” beschränkt sich auf die kurze Vorstellung von einigen Codetalkern in Bild und Schrift sowie eine Auflistung aller ausgezeichneten Codetalker. Das Feature “The Music of Windtalkers” (3 Min.) ist bloß eine größere Werbung für den Soundtrack des Films. Trotz der Ansprache des historischen Themas sind die zusätzlichen Video-Extras mehr Propaganda als ein guter Einblick in die Geschichte. Schade.

    Fazit:

    Von den zusätzlichen Extras dieses 3-er Disc Sets ist nur die längere Fassung des Films (+ 20 Min.) und der Audiokommentar von John Woo und Terence Chang hervorzuheben. Wer ohne diese Dreingaben leben kann, sollte ruhig zur deutschen Fassung greifen. Trotz der neuen Schnittfassung kann der Film seine Schwächen eben nur ansatzweise ausbügeln.

    20.05.2003 Kay Pinno.

    Test-Equipment

    Player: DENON DVD 2800

    Receiver: DENON AVR 3801 (DTS-ES/Dolby Digital EX)

    TV: GRUNDIG (16:9), 82-er Bildröhre.

     

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