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Frankenstein's Army   (BLU-RAY)

Frankenstein
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Original: Frankenstein's Army   (Niederlande, USA, Tschechien, 2013)
Laufzeit: 84 Min. (1080p)
Studio: Ascot Elite
Regie: Richard Raaphorst
Darsteller: Karel Roden, Joshua Sasse, Robert Gwilym, Alexander Mercury, Luke Newberry, Hon Ping Tang, Andrei Zayats, Mark Stevenson u.a.
Format: 1.78:1 Widescreen (16:9)
Ton: DTS-HD-MA 5.1 Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Extras: Making of, Trailer
Preis: ca. 15 €
Wertung: 2 / 2+/ 3 (Bild/Ton/Extras)


"World War Zombot"

1944, Ostfront. Ein vorgelagerter Trupp russischer Soldaten soll auf Befehl eines Apparatschik eine Rettungsmission durchführen. Auf ihrem Weg durch feindliches Territorium machen die Russen bizarre Funde von grotesk verstümmelten Leichen und flüchten sich in ein zerstörtes und scheinbar verlassenes Kloster. Doch der Horror nimmt hier erst richtig seinen Anfang: in den finsteren Kellergewölben schraubt Frankenstein (Karel Roden) aus Leichenteilen und Maschinentrümmern eine neue Armee für die Nazis zusammen.

Der niederländische Filmemacher Richard Raaphorst hatte bereits 2003 eine bizarre Idee, die deutsch-niederländische Rivalität auf ein neues Level zu heben. Mit seinem Teaser zu "Worst Case Scenario" beschwor er eine seltsame Invasion von Nazi-Zombies an den Stränden von good ole Oranje. Mit der Hilfe von Genre-Größe Brian Yuzna, für den Raaphorst bereits an verschiedenen Projekten gearbeitet hatte, sollte "Worst Case Scenario" aus der untoten Taufe gehoben werden. Aufgrund einer rechtlichen Panne verschwand das Projekt aber über dem Jenseits.
An seiner Idee hielt Rapphorst aber fest und setzte noch einen drauf: zwei kurze Teaser Clips im Schwarzweiß-Dokumentarfilm-Stil kündigten "Frankenstein's Army" an. In Tschechien wurde schließlich in einem alten Bergwerk gedreht, das die perfekte Kulisse für das Horrorspektakel im 2. Weltkrieg liefert. Leider hat sich Raaphorst aber dafür entschieden, den Dokumentarcharakter seiner Teaser als zentrales Element für die Erzählung zu nehmen. Der Zuschauer sieht also die Aufnahmen eines Propagandafilmers, der die Soldaten begleitet. Diese First-Person-Perspektive hilft zwar der Atmosphäre immens und lässt "Frankenstein's Army" wie ein großartiges Videospiel wirken, aber unterminiert leider jegliche Dramaturgie. Ohne einen Spannungsbogen oder halbwegs sympathische Figuren wartet man bloß darauf, dass das Grauen zuschlägt. Aber Herrgottsakra, wenn die untoten Soldaten aus der Monsterfabrik von Dr. Frankenstein auftauchen, dann läuft der Terror Amok im Parkett. Raaphorsts Monsterdesigns sind absolut erste Klasse und zeigen einen herrlich kranken Phantasiereichtum, der einem alle Haare zu Berge stehen lässt. Zudem wurden alle Effekte klassisch ohne CGI realisiert, was den Eindruck dieser Nazi-Zombot-Geisterbahn noch intensiver macht. "Frankenstein's Army" ist eine ganz große Visitenkarte für Richard Raaphorst und sein Effekteteam. Hätte sich noch jemand die Mühe gemacht, eine richtige Geschichte zu erzählen, wäre "Frankenstein's Army" sicherlich ein Platz im Genre-Olymp sicher gewesen. Besonders wenn man sich die Promos (siehe hier und hier) anschaut, fällt auf wie viel Potential hier verschenkt wurde: Nazitrupps mit Zombots, die Friedhöfe und Massengräber plündern, um Nachschub für Frankensteins Fabrik zu liefern. Überhaupt sieht man im Film eigentlich viel zu wenig von der "Army", denn Frankenstein hat hier eher soetwas wie ein krudes Labor, dass von einer Zombiesoldaten-Massenproduktion weit entfernt ist. Und wer hätte nicht gerne eine Schlacht von "Frankenstein's Army" sehen wollen. Aber ein solches Finale wäre bei dem geringen Budget nicht möglich gewesen. So bleibt Richard Raaphorsts "Frankenstein's Army" nur die zünftige Vorspeise für ein Hauptgericht, das eigentlich niemals serviert wird. So kann dieser Ausflug in die alternative Geschichtsschreibung nur als großer Geisterbahntrip mit blutigem Buh-Faktor begeistern, der sich leider selbst zum rein handwerklichen Showcase der Filmemacher reduziert.

BILD

Frankenstein

Der anamorphe Widescreentransfer (1.78:1) sieht großartig aus und lässt das auf alt getrimmte Filmmaterial sehr gut aussehen. Schärfe und Kontrast sind sehr gut. Die Farben sind absichtlich etwas reduziert und unterstützen die triste Trümmeratmosphäre des Films sehr gut. Der Schwarzlevel des Films ist sehr tief und detailreich, was besonders in den düsteren Korridoren von Frankensteins Labor hilft. Die Kompression bleibt unauffällig und hält das Bild stabil. Gut.

TON

Frankenstein

Der gut aufgelöste DTS-HD-MA 5.1 Track auf Deutsch und Englisch begeistert durch seine enorme Räumlichkeit. Aufgrund der Ich-Perspektive von "Frankenstein's Army" mit einer ständig bewegten Kamera arbeitet der Audiotrack ordentlich mit. Besonders in den mit Zombots verseuchten Katakomben geht's echt gruselig zu und die zahlreichen Jump-Momente des Films werden großartig ausgekostet. Die Dialoge verteilen sich ebenfalls gut in der Frontstage und sind gut verständlich. Aufgrund des Dokumentarcharakters des Films findet die Musik eigentlich kaum statt. Dafür ist die ambiente Soundkulisse absolut großartig geraten. Top.

EXTRAS

Als einziges Extra befindet sich ein halbstündiges "Making of" des Films auf der Scheibe. Der Blick hinter die Kulissen und die Effekte ist beeindruckend, aber aufgrund der Sprunghaftigkeit des Materials ein wenig unausgewogen. Dennoch ergibt sich kurzer wie faszinierender Blick auf die mit wenig Geld ausgestattete Produktion. Man begleitet Regisseur Raaphorst beim Location-Scouting und sieht später an Ort5 und Stelle einige Schlüsselszenen gedreht werden. Leider nur sehr kurz wird dabei auch die kuriose Entstehungsgeschichte des Films mit Hilfe von Schwarzweiß Promo-Clips im Internet eingegangen, während die Ursprungsidee "Worst Case Scenario" gar keine Erwähnung findet. Die Promo-Clips zum Film sind leider nicht mal separat auf der Scheibe vorhanden. Immerhin kann man die Clips aber auf allen gängigen Videoportalen im Internet finden.
Ansonsten befindet sich nur noch der Kinotrailer zum Film auf der Scheibe.

FAZIT

Nach seinem gescheiterten Experiment "Worst Case Scenario" löst der niederländische Regisseur Richard Raaphorst sein Versprechen eines Nazi-Zombie Films mit "Frankenstein's Army" gekonnt ein: Atmosphäre und Monsterdesign spielen in der Genre-Bundesliga! Die Dramaturgie des Found-Footage Horrors ist allerdings so tot wie die Körperteile im Bastelkeller des Leichendoktors.
Die Blu-ray von Ascot Elite ist dafür technisch sehr gut umgesetzt und vor allem ungeschnitten. Willkommen in der 2.Weltkriegs-Geisterbahn von Dr. Frankenstein.



Kay Pinno


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