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Card Player, The   

Card Player, The
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Original: Il Cartaio   (Italien, 2004)
Laufzeit: 100 Minuten (PAL)
Studio: Koch Media
Regie: Dario Argento
Darsteller: Stefania Rocca, Liam Cunningham, Silvio Muccino u.v.a.
Format: 1.85:1 Widescreen (16:9)
Ton: DTS Deutsch DD5.1+ DS Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Extras: Behind the Scenes, Trailer u.m.
Preis: ca. 15 €
Wertung: 1-/ 2+/ 5+ (Bild/Ton/Extras)


"Ausgereizt!"

Nach „Non ho sonno“ kehrt Thriller-Spezialist Dario Argento in die ewige Stadt Rom zurück. „The Card Player“ profitiert einmal mehr von der atmosphärischen Dichte, welche die Drehorte der italienischen Hauptstadt zu bieten haben. Argento springt ohne Umschweife sofort in seine Mordgeschichte hinein. Eine britische Touristin wurde entführt. Die italienische Polizistin Anna Mari erhält per e-mail die Aufforderung zu einem Online-Pokerspiel. Der Einsatz ist das Leben der entführten Touristin. Da Annas Vorgesetzter das Spiel verbietet – denn auf Verbrecher dürfe man nicht eingehen -, verliert das per Webcam ins Polizeibüro übertragene Entführungsopfer sein Leben. Der britische Botschaftspolizist John Brennan klagt sehr erbost die Spielverweigerung an. Das Opfer könne noch leben meint er. Brennan wird dem Fall hinzugezogen, weil eine britische Staatsangehörige involviert ist. Zusammen mit Anna, die seiner Meinung ist, macht er sich an die weiteren Ermittlungen. Und es dauert nicht lange, bis die nächste Frau entführt wird. Jetzt steht die Polizei wieder vor der Entscheidung, zu spielen oder nicht. Die technischen Details der Internet-Thematik, welche in „The Card Player“ präsentiert werden, kann man getrost beiseite legen, denn darum geht es Dario Argento nun wirklich nicht. Sie bilden lediglich den Aufhänger für Argentos Risikoanalyse in Zeiten globaler Vernetzung. Die tödliche Gefahr manifestiert sich nicht mehr nur in dunklen Ecken als reine physische Metzelei, sondern sie besitzt zusätzlich eine klinisch wirkende Oberfläche, einen Showaspekt, der zwar nicht die visuelle Brillanz der akribisch erzeugten Kinobilder besitzt, dafür aber real ist. Neben den Webcam-Bildern, die der Kartenspieler zum Beweis seiner Entschlossenheit und als sein privat produziertes perverses Showprogramm überträgt, funktioniert er als perfekte Metapher einer neuen Risikomentalität, die das Internet hervorzubringen vermag. Anonyme Kontakte mit darauf folgenden Treffen sind ebenso möglich wie sich die Greifbarkeit der Identitäten auflösen kann. Der Kartenspieler bündelt dies, indem er für die Ermittler deutlich präsent, aber nicht greifbar ist. Wie kein anderer Killer in Argentos bisherigem Universum erzeugt dieser Psychopath eine aufdringliche Anwesenheitspräsenz, die sich sogleich ins Schattenhafte auflöst. Er ist ein Phantom des Datenstroms, der reales Blut hinterlässt. Argentos These ist letztlich, dass mit der zunehmenden globalen Vernetzung auch die Risiken zunehmen. So inszeniert er symbolisch eine spielerische Verfolgung zwischen einem jugendlichen Videopokergenie, das der Polizei in diesem Fall hilfreich zur Seite steht, und einer unbekannten schönen Frau. Neckisch flüchtet sie vor ihm durch die nächtlichen, verwinkelten Gassen Roms. Die Schönheit der Frau und der ausgeleuchteten Gassen überträgt sich als ideales Blendwerk auf den Zuschauer, der gemeinsam mit dem Videopokerspieler den Überblick verliert, wohin die Verfolgung führt. So öffnet sich eine phantasmagorische Welt, in der die nächste Entscheidung auch die letzte sein kann. Und über allem thront die unendlich fließende Musik Claudio Simonettis als eindringliche Mahnung, dass man den Risiken nicht entkommen kann. Die anonyme Gefahr lauert stets, Entscheidungen müssen getroffen werden, immer und immer wieder.

BILD

Card Player, The

Bildtechnisch kann man dieser DVD kaum etwas vorwerfen. Sehr gut aufgeräumt besitzt sie eine ausgezeichnete Schärfe. Lediglich helle Bildteile fallen etwas körnig aus. Die Farbwiedergabe entspricht der vielfältigen Palette des Films und wartet mit kräftigen Tönen auf. Der Schwarzlevel ist sehr tief, was dann leider auch dazu führt, dass in einigen dunklen Szenen ein paar Details verschluckt werden. Sonstiges Rauschen lässt sich nicht ausmachen.

TON

Card Player, The

Die beiden DD5.1-Spuren (Deutsch, Englisch) bieten vor allem über die Musik eine gelungene, räumliche Atmosphäre. Immer mal wieder schleichen sich aber auch Effektgeräusche in die hinteren Boxen, so dass man von einem guten Surroundton sprechen kann. Vor allem in den Bar- und Clubszenen macht sich das bemerkbar. Darüber hinaus bieten sie eine gute Stereo-Front, bei der die Dialoge meistenteils klar und verständlich sind. Nur an ein paar wenigen Stellen ist man dann doch auf die Untertiteln angewiesen, weil man beim besten Willen nichts verstehen kann. Wer möchte kann auch auf die DD2.0-Spuren zurückgreifen.

EXTRAS

Bei den Extras ist die DVD sehr sparsam. Der 12minütige Beitrag „Behind the scenes“ besteht fast nur aus Filmausschnitten in mieser Qualität. Zwischendurch spricht Onkel Argento dann mal ein oder auch zwei Sätze in die Kamera und Hauptdarstellerin Stefania Rocco gibt drei Worte zum Besten. „International Promo“ ist ein etwa sechsminütiger Zusammenschnitt verschiedener Filmszenen aus „The Card Player“ der mit Musik aus älteren Argento-Filmen – unter anderem „Suspiria“ und „Non ho sonno“ – unterlegt ist. Zusätzlich enthält die DVD den Trailer, eine Bildergalerie und Textafelbio- beziehungsweise Filmographien.

FAZIT

„The Card Player“ funktioniert als metaphorische Aktualisierung des bisherigen Thrillerwerk Argentos. Der Tod lauert hier zwar nicht im Internet, aber er nutzt es für die Erschaffung einer schattenhaften Identität. Dabei beweist der Thrillerspezialist, dass er immer noch saubere Spannungsszenen inszenieren kann, wenn der Killer im Haus der Polizistin Anna Mari auftaucht. Technisch ist die DVD sehr gut, das Bonusmaterial hingegen enttäuschend schwach.



Stefan Dabrock


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