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Teufelstanz der Lust   

Teufelstanz der Lust
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Original: Spiando Marina a.k.a The Smile of the Fox   (Italien, 1992)
Laufzeit: ca. 95 Min.
Studio: Donau Film
Regie: Sergio Martino
Darsteller: Deborah Caprioglio, Steve Bond, Sharon Twomey, Leonardo Treviglio
Format: 1,66:1
Ton: DD 2.0 Deutsch, Italienisch
Untertitel: Deutsch
Extras: Trailer
Preis: ca. 11,99 Euro
Wertung: 4 / 4 / 4- (Bild/Ton/Extras)


"Das Genre, das niemand vermisst"

Es gibt Filmgenre, die nun wirklich nicht einer Wiederentdeckung harren. Ja, manchmal sollte man die Toten einfach ruhen lassen: So wie das Genre des erotisches Thrillers der 1990er Jahre. Einst diente er dazu, die Spätschienen privater TV-Sender mit Programm zu füllen. Ein bisschen Sex (bitte nicht zu explizit, immer schön über der Gürtellinie), ein bisschen Gewalt. Sicher gab es selbst in diesem Genre hin und wieder mal eine überraschende Perle zu begutachten. Kein Film im Sinne von – gut. Aber immerhin gab es hier und da Werke, die mit einer anständigen Kameraarbeit punkten konnten oder mit zumindest halbwegs ansprechend inszenierten Erotikszenen, die eben mehr boten als halbgar-pubertär inszenierte Selbstbefriedigungsvorlagen für Zuschauer, denen der Weg in die 18er Sektion der Videothek zu anstrengend war.
„Teufelstanz der Lust“ gehört zu diesen besseren Filmen - nicht. Er gehört vielmehr zur Kategorie der mies heruntergekurbelten Sexfilme, denen es an anständigem Sex fehlt und der zwar hier und da etwas Action präsentiert, diese aber nicht zu inszenieren versteht. Und dann gibt es die Hauptdarstellerin, die damit beworben wird, dass sie mal in einem Tinto-Brass-Film mitgewirkt hat, demnach also weibliche Rundungen vorweist. Dass ihr schauspielerisches Talent überschaubar ausfällt.... Nun ja. Der größte Witz an diesem Film stellt jedoch die Tatsache dar, dass hinter all dem Müll eine interessante Grundidee steckt – die jedoch in der dilettantischen Umsetzung mit seiner Nicht-Schauspielführung, seiner lieblosen Bildkomposition und einem nervenden Soundtrack samt obligatorischen Saxophongedudel, untergeht.
Tatsächlich ist da ein Ansatz, der den Film hätte tragen können. Mark ist ein Killer. Er wird von einem Syndikat für einen Job in Buenos Aires rekrutiert. Doch wir als Zuschauer wissen von Anfang an – etwas stimmt mit Mark nicht. Er leidet unter Albträumen, die ihn an eine Vergangenheit erinnern, in der er ein anderer war: Ein Durchschnittstyp mit einem Durchschnittsleben. Was hat aus diesem Mann einen bezahlten Mörder gemacht?
Während er auf seine Instruktionen wartet, beobachtet er seine Nachbarin Marina bei, nennen wir sie mal Solo-Spielen, die ihn nicht unberührt lassen. Marina wiederum entdeckt Mark. Und beginnt mit ihm eine Affäre.
Der Rest ist eine Ansammlung von Szenen, die irgendwie als Füllkitt dienen, Situationen zu erschaffen, in denen sich Mark und Melina einander hingeben. Der voyeuristische Blick auf die körperlichen Reize der Hauptdarstellerin ist jedoch ermüdend, denn die einfallslose Inszenierung ihrer Sexspiele befriedigt nicht einmal den notgeilsten Zuschauer. Was geboten wird, das ist Hausmannskost, ohne inszenatorische Finesse.
Dass die Geschichte dann vergleichsweise überraschend endet, belegt, dass irgendwo in der strotzenden Langeweile mal eine Handlung verborgen gewesen sein muss, dass da ein Autor eine Idee hatte, die dann jedoch in einem Genre vaporisiert wurde, das zu Recht irgendwann still und leise dem Vergessen anheim gefallen ist.

BILD

Teufelstanz der Lust

Es ist immer wieder überraschend, wie sehr sich Donau Film bemüht, Filme dieser Art ansprechend aufzuarbeiten. Natürlich darf man von einem Film wie diesem keine Wunder erwarten. Dafür ist er einfach zu mies inszeniert. „Teufelstanz der Lust“ hat etwa keinerlei Farbdramaturgie. Er sieht aus, als hätten die Darsteller ihre eigenen Kleiderschränke durchforstet. Hier lässt sich in einer Nachbearbeitung schlichtweg keine hochwertige Qualität abliefern, weil das Ausgangsmaterial Mist ist. Also hier und da den Kontrasten zu drehen, um vielleicht bestimmte Töne hervorzuheben, um dem Film etwas visuelle Saft und Kraft zu verleihen – ist schlicht nicht möglich. Aber, und das muss man dem Verleiher hoch anrechnen: Zumindest die technische Bildbearbeitung ist gut. Blockbildungen oder ähnliche Spratzer, die man in Filmen dieser Art gerne bei DVD-Veröffentlichungen findet, sind hier nicht auszumachen.

TON

Teufelstanz der Lust

Es ist kaum zu glauben: 1994 kam der Film in Deutschland auf VHS auf den Markt und für diese Videokassette bekommt man auf Börsen heute um die 15 Euro. Es gibt also Leute, die die Meinung des Autors dieser Zeilen nicht teilen und den Film offenbar nicht als Mist bezeichnen, sondern – ihn mögen? Die Sache mit der Video-Verleihkasse ist erwähnenswert, da die Synchronisation wahrscheinlich nicht viel teurer als diese 15 Euro gewesen sein dürfte. Der Ton ist schlecht ausgepegelt, die Stimmen wirken emotionslos, der Film hat in der deutschen Fassung kein Raumgefühl (und die italienische Fassung ist da nicht besser). Auch hier kann man dem DVD-Verleih keinen Vorwurf machen. Er holt aus der schlechten Vorlagen ein Maximum an Qualität heraus. Doch wenn die Vorlage schlampig ist, kann auch der beste Tontechniker nur Schadenbegrenzung betreiben. Hier scheppert also nichts, es kratzt auch nichts. Gut ist aber dennoch etwas anderes.

EXTRAS

Da gibt es den Trailer. Was will man aber auch erwarten? Dass sich der Regisseur ins Studio setzt und erklärt: „Ich war jung, ich brauchte das Geld“? Oder: „Das Gros des Budgets ging für die Flugtickets nach Buenos Aires drauf“? Uwe Boll wäre vielleicht so cool und würde ohne Scheu über solche Dinge berichten. Aber dies ist ein italienischer Film aus der Zeit, in der das italienische Genrekino vom italienischen Privatfernsehmarkt ermordet worden ist. Einem Privatfernsehmarkt, der zu jener Zeit deutsche Privatsender wie RTL plus oder Sat 1 wie arte aussehen ließ.

FAZIT

Eine langweilige, lieblose Inszenierung, gepaart mit ebenso langweiligen Hausmannskostsexphantasien machen „Teufelstanz der Lust“ zu einem Zeitverlust für die Lebenszeit. Ansätze einer Geschichte sind eher zufällig auszumachen.



Christian Lukas


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