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Der Mann, der seinen Namen änderte   

Der Mann, der seinen Namen änderte
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Original: Der Mann, der seinen Namen änderte   (Deutschland, 1958)
Laufzeit: ca. 98 min
Studio: Pidax
Regie: Werner Völger
Darsteller: Fritz Tillmann, Hannelore Schroth, Ernst Stankovski, Stanislav Ledinek, Otto Stoeckel
Format: 1.33:1 (4:3)
Ton: DD 2.0 deutsch
Untertitel: ---
Extras: ---
Preis: ca 12 Euro
Wertung: 4+/ 4+/ 6 (Bild/Ton/Extras)


"Verschollenes Fernsehspiel aus Opas Wallace-Fundus"

Die Welle von Edgar-Wallace-Filmen in deutschen Landen begann keinesfalls mit DER FROSCH MIT DER MASKE. Mit jenem Klassiker des deutschen Nachkriegskriminalfilmes begann zwar die berühmte Reihe von Kino-Adaptionen, die 1972 mit DAS RÄTSEL DES SILBERNEN HALBMONDES enden sollte, doch es hatte seine Gründe, warum die Rialto Film Ende der 1950er Jahre auf Edgar Wallace setzte: Der Mann war einfach unglaublich populär in Deutschland. So populär, dass bereits 1927 DER GROßE UNBEKANNTE die Kinos eroberte – als erste deutsche Verfilmung eines Edgar-Wallace-Romans. Der Film gilt leider als verschollen.
Dieses Schicksal teilte er mit DER MANN, DER SEINEN NAMEN ÄNDERTE. Am 11. Mai 1958 strahlte die ARD das Fernsehspiel aus. Und dann – verschwand der Film im Archiv. Laut Informationen des rührigen Verleihers Pidax ist es danach nie wieder ausgestrahlt worden, die DVD-Veröffentlichung ist also eine echte Perle, denn sie präsentiert eine vollkommen unbekannte Wallace-Verfilmung aus deutschen Landen, die fast 60 Jahre schlichtweg nicht greifbar gewesen ist.
Wer nun ein launiges Filmchen im Stile der Rialto-Thriller erwartet, wird allerdings auf ganzer Ebene enttäuscht werden. Der Begriff des Fernsehspiels wurde in diesem Text nämlich nicht zufällig gewählt – oder um einen retrospektiven Charme zu erzeugen. DER MANN, DER SEINEN NAMEN ÄNDERTE ist nämlich genau das: Ein Fernsehspiel, ein mehr oder minder abgefilmtes Theaterstück, in dem Schauspieler in hübschen, aber statischen Kulissen agieren, in dem ein Blick aus dem Fenster eine gezeichnete Landschaft präsentiert und in dem Schauspieler de facto Theater spielen. Um den Blickwinkel zu ändern, wurden manche Szenen eben mit zwei Kameras gedreht, eine links, eine rechts. DER MANN, DER SEINEN NAMEN ÄNDERTE erlaubt einen Blick in die Frühgeschichte des deutschen Nachkriegsfernsehens. Solch eine Art der Inszenierung ist heute fast unbekannt, jede GUTE ZEITEN, SCHLECHTE ZEITEN-Episode bietet ein Vielfaches an Filmhandwerk; einmal im Jahr erlebt das deutsche Publikum einen solchen Sprung in die Vergangenheit, wenn DINNER FOR ONE zu Silvester seine alljährliche Aufführung erlebt.
Die Geschichte selbst ist vergleichsweise harmlos. Es wird niemand gemeuchelt, die Freigabe ab 6 ist zwar ein wenig gewagt, aber am Ende geht sie klar. Selby Clive ist ein wohlhabender, an sich ruhiger Mann. Aber nach seiner Rückkehr aus Kanada in seine englische Heimat – hat er sich verändert. Seine Frau und ein Freund des Hauses (so nannte man das früher wohl) entdecken in seinen Unterlagen ein Dokument, das darauf schließen lässt, dass Selby offenbar einst einen anderen Namen getragen hat. Warum hat er seinen Namen geändert? Welches Geheimnis verbirgt er vor seiner eigenen Frau? Und kann es sein, dass er ein Verbrecher ist, der gerade plant, möglicherweise seine Frau zu meucheln und dann unterzutauchen?
Das alles klingt zwar arg nach Thriller, ist in seiner Inszenierung aber gemächlich, fast freundlich. Es ist gut gespielt, Fritz Tillmann, Hannelore Stroth und Ernst Stankovski sind mit großer Spiellaune bei der Sache. Aber DER MANN, DER SEINEN NAMEN ÄNDERTE ist ein Fernsehspiel, das man unbedingt vor dem Hintergrund seiner Entstehungszeit betrachten muss, als eine historische Humoreske, einen Einblick in vergangene Fernsehzeiten. Wer so etwas wie Spannung oder Action nach heutigen Maßstäben – oder zumindest Kinomaßstäben der Entstehungszeit – erwartet, wird hier enttäuscht. DER MANN, DER SEINEN NAMEN ÄNDERTE ist ein Kleinod für Wallace-Fans, für Freunde früher Fernsehproduktionen, für solche Zuschauer, die Erwartungshaltungen, wie sie aus heutigen Sehgewohnheiten heraus resultiert, abzuschalten in der Lage sind. Wer dazu nicht in der Lage ist, sollte die Finger von diesem Titel lassen.

BILD

Der Mann, der seinen Namen änderte

Die Finger von diesem Titel lassen sollte auch, wer alles unter HD als Raufasertapetenbildqualität betrachtet. Zur Erinnerung: Der Titel lag fast 60 Jahre im Archiv. Und er lagerte dort offenbar nicht auf 16mm, sondern, darauf lässt die Bildqualität schließen, auf Magnetband. Und diese Bänder zersetzen sich im Laufe der Zeit. Es ist ein Wunder, dass das Bild tatsächlich noch guckbar ist. Es wirkt grieselig, helle Bildelemente sind oft überbelichtet, einige Szenen weisen Unschärfen auf, die durch Zersetzung entstanden sein dürften. Die Kontraste haben sichtbar gelitten. Es wurde allerdings Hand an die Qualität gesetzt und es ist Pidax gelungen, die Kontrastierung soweit wieder herzustellen, dass das Bild über eine erkennbare Tiefenschärfe verfügt. Und: Es gibt keine Schattenbilder. Man kennt diesen Effekt aus Fernsehshows der 1980er Jahre: Ein schneller Schwenk und im Bild befindliche Scheinwerfer hinterlassen Schlieren. Dieser Effekt kann sich auch bei schnellen Bewegungen von Personen ergeben. Das sieht dann aus, als würde die Person einen Schatten mitten im Bild stehen lassen. DER MANN, DER SEINEN NAMEN ÄNDERTE ist von diesem Effekt glücklicherweise verschont geblieben.
Wer noch einen Röhrenfernseher besitzt – und wenn der nur im Keller steht – sollte diesen nicht nur für VHS-Kassetten behalten (hey, viele tolle Filme sind bis heute nicht auf DVD erhältlich!), auch Werke wie DER MANN, DER SEINEN NAMEN ÄNDERTE sehen auf Röhre besser aus, auch wenn sie von DVD kommen. Die Bildauflösung ist eben geringer und das macht sich positiv bemerkbar.

TON

Der Mann, der seinen Namen änderte

Wir haben hier natürlich einen 7.1-Ton, der den Boxen alles abverlangt... Oder auch nicht. Noch einmal: Dies ist ein Fernsehspiel von 1958. Da ist es schon erstaunlich, was Pidax aus dem Ton herausgeholt hat. DD 2.0 nennen sie als Format. Nun ja, es ist tatsächlich so abgemischt, dass der Ton nicht nur aus der Mitte scheppert, sondern relativ klar aus den Boxen hüpft. Da 95 Prozent des Tons aus Sprachaufnahmen bestehen, war es offenbar möglich, den Ton einmal ordentlich zu extrahieren, ihn von kratzigen Höhen und Tiefen zu befreien und ihm etwas Wumms zu verpassen. Das ist eine gediegene Arbeit. Auch in diesem Fall gilt: DER MANN, DER SEINEN NAMEN ÄNDERTE ist ein Fernsehspiel von 1958: Der Ton wurde auf der Bühne (bzw. in den Kulissen) aufgenommen. Eine aufwendige Nachbearbeitung fand nicht statt.

EXTRAS

Extras gibt es leider keine. Manche Pidax-Titel verfügen über Booklets, in diesem Fall aber bleibt es bei einigen wenigen Infos auf dem Cover. Das ist schade; in der Regel ist dieses Fehlen bei Pidax dann allerdings der Tatsache geschuldet, dass es schlichtweg keine weiterführenden Hintergrundinformationen mehr gibt.

FAZIT

DER MANN, DER SEINEN NAMEN ÄNDERTE kann und darf nicht mit den Augen der Gegenwart betrachtet werden. Wer sich von diesem Blick nicht lösen kann, ist hier falsch. Sammler oder solche Zuschauer, die sich einfach dafür interessieren, wie Opas Fernsehen eigentlich ausgesehen hat – können sich derweil schlechter unterhalten. Immerhin: Die Dialoge sind geschliffen, das Spiel der Schauspieler ansehnlich. Eine aufwendige Restauration darf man nicht erwarten. Der Verleiher hat im Rahmen seiner Möglichkeiten den Film soweit aufgefrischt, dass er anschaubar ist.



Christian Lukas


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