DVDrome - das Blu-Ray und DVD Online-Magazin

REVIEWS



Hell's Kitchen   

Hell
    Kaufen bei Amazon
Original: One Eyed King   (USA, 2001)
Laufzeit: 105 Minuten (PAL)
Studio: Kinowelt
Regie: Bobby Moresco
Darsteller: Armand Assante, William Baldwin, Jim Breuer, Chazz Palmintieri u.v.a.
Format: 1.85:1 Widescreen (16:9)
Ton: DD5.0 Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Extras: Trailer, Fotogalerie
Preis: ca. 20 €
Wertung: 3+/ 3 / 5 (Bild/Ton/Extras)


"New York ist die Hölle."

Am Anfang des Filmes wird der Zuschauer mit dem berühmten Erasmus von Rotterdam-Zitat “Es ist allgemein bekannt, dass unter Blinden der Einäugige König ist” versorgt. Tatsächlich bildet die Frage nach der Wahrnehmung einen wichtigen Schlüssel zum Film. Erzählt wird eine der klassischen Geschichten aus einem milieustarken Stadtteil New Yorks oder irgendeiner anderen amerikanischen Großstadt. In diesem Fall dreht es sich – der deutsche DVD-Titel verrät es bereits – um das New Yorker irische Viertel, bekannt als “Hell’s Kitchen”. Vor 20 Jahren habe sich 5 Jugendliche freundschaftliche Treue geschworen. “Belüge niemals einen Freund” war dabei ihr Leitspruch. Auch heute leben die 5 immer noch im irischen Viertel. Weil sie niemals aus ihrem Milieu herausgekommen sind, halten sie sich mit Gelegenheitsjobs und kleinen Diebstählen über Wasser. Aber die Probleme sind bereits unübersehbar. Einer von Ihnen hat an der Nadel gehangen, ist jetzt aber wieder clean. Ein Zweiter macht dauernd Wettschulden, ein anderer ist geistig ein wenig zu simpel gestrickt für die Welt und die Hauptfigur der Gruppe hatte mal eine Freundin, die ihn verließ, als ihr Vater im Viertel zu Tode kam. Die Struktur aus kriminellen Gewerkschaftsfunktionären, Polizisten ohne Macht und ständiger Mauschelei um die Verteidigung einzelner Profitinteressen lässt so manchen in der Höllenküche ins Grass beißen. Als schließlich der eigentlich cleane Freund mit einer Spritze im Arm tot aufgefunden wird, ist fraglich, ob er sich den Stoff selbst gespritzt hat. Regisseur Bobby Moresco liefert einen weiteren Beitrag zur Entzauberung der angeblich familiären Milieus. In der Hell’s Kitchen schwört man sich Treue, Freundschaft und ist auch an den Gesetzen vorbei für einander da. Der schöne Schein trübt aber nachhaltig die Wahrnehmung, und so muss auch die Hauptfigur, von William Baldwin mit einer immer etwas leidenden Mine gespielt, feststellen, dass er sich gedankenlos in das Volk der Blinden eingereiht hat. Die Erkenntnis, welche er mit dem Erkämpfen wenigstens eines Auges gewinnt, ist ein schmerzlicher Prozess der Heilung. Moresco verdammt dabei die vielen Menschen, welche es sich im fragwürdigen System bequem gemacht haben nicht, sofern sie nicht zu den Organisatoren gehören, wie der kriminelle Gewerkschaftsfunktionär. Statt dessen liefert er eine detailgetreue Analyse über den Kampf ums eigene Überleben und die hemmende Kraft festgefahrener sozialer Strukturen. Ständig weht mit der fröhlich-nostalgischen Rockabilly Musik ein Wind der Kameradschaft durch den Film. Man kann nicht genau sagen, ob das ein Echo besserer, vergangener Zeiten ist oder eine Utopie, ein Wunschbild der Menschen. Im Verbund mit der zweiten Leitmusik, die als melancholischer Blues erklingt, baut Moresco ein kraftvolles Spannungsfeld auf. Die Schere zwischen Wahrnehmung und Wirklichkeit wird so auf den Zuschauer übertragen, der sich selbst fragen muss, ob er lieber Rockabilly oder Blues hören will.

BILD

Hell

Im Prinzip ist das eine recht ordentliche DVD, die Kinowelt vorgelegt hat. Weder Schmutz noch Bildrauschen beeinträchtigen die Veröffentlichung. Einziges Problem ist, dass vor allem in dunklen Passagen die Konturenschärfe ein wenig ausläuft. Das Bild wirkt matschiger, als es bei einem so aktuellen Film sein müsste. Außerdem hat auch der Kontrast in dunklen Ecken zu kämpfen. Dafür ist der Schwarz-Level sehr gelungen. Größere Kompressionsprobleme gibt es nicht.

TON

Hell

Der Ton wird in guter Qualität wiedergegeben. Sowohl die Dialoge, als auch die Musik ertönen rauschfrei aus den Lautsprechern. Da der Film eher zu den ruhigeren zählt, halten sich die Surround-Effekte in Grenzen. Dennoch sorgt die Abmischung sowohl bei der Musik, als auch bei Atmosphäregeräuschen für manchen Raumklang. Wirklich ärgerlich in Zusammenhang mit dem Ton ist aber, dass bei der englischen Sprachfassung Nichtausblendbahre Untertitel vorhanden sind, die auf der Hülle mit keinem Wort erwähnt werden. Das ist schäbig.

EXTRAS

Das Bonus Material fällt mir Trailer, Teaser, Starinfos und Fotogalerie leider sehr schmal aus.

FAZIT

Ein guter Film erblickt als Videopremiere das verdienet Licht der Welt in Deutschland. Da Bild und Ton an sich gelungen sind, kann man die Scheibe trotz kaum vorhandener Extras empfehlen. Liebhaber englischer Sprachfassungen, sollten aber überlegen, ob sie durch Untertitel gestört werden.



Stefan Dabrock


Folge uns auf

DVDrome auf Facebook DVDrome auf Twitter DVDrome auf Google+ RSS-Feed DVDrome