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Sick Girl   

Sick Girl
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Original: Sick Girl   (USA, 2005)
Laufzeit: 56 Minuten (PAL)
Studio: Splendid
Regie: Lucky McKee
Darsteller: Angela Bettis, Erin Brown, Jesse Hlubik, Marcia Bennett u.v.a.
Format: 1.78:1 Widescreen (16:9)
Ton: DD5.1 Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Englisch
Extras: Behind the Scenes, Interviews, Biographie
Preis: ca. 15 €
Wertung: 2 / 2 / 3 (Bild/Ton/Extras)


"Kranker Mist!"

Nachdem Lucky McKee mit seinem Durchbruch-Film "May" zu Recht für Furore sorgte, muss man die Meinung über den Filmemacher nach dieser entsetzlichen “Masters of Horror”-Episode ein wenig revidieren. Das Ausspielen eigener feuchter Träume macht eben noch keinen guten Film. Für “Sick Girl” hat sich McKee wieder “May”-Hauptdarstellerin und Muse Angela Bettis als Projektionsfläche organisiert. Völlig überzogen gibt sie die schüchterne wie verklemmte Ida Teeter, die als Insektenexpertin in einem Labor arbeitet und wegen ihrer krabbeligen Haustiere Probleme mit der streng konservativen Vermieterin (Marcia Bennett) und ihrem Liebesleben als Lesbe hat. Erst die flüchtige Begegnung mit der ebenfalls etwas seltsamen Misty (Softcore-Queen Misty Mundae firmiert hier unter dem Namen Erin Brown) bringt eine Veränderung in Idas Leben. Leider aber auch ein ziemlich fieses Insekt aus Brasilien, das die Forscherin von einem Unbekannten zugeschickt bekommen hat. Der dicke Brummer saugt mit Vorliebe Blut und lässt die Opfer auch noch mutieren. Klingt komisch, ist es aber leider nicht. McKee will eigentlich eine romantische Komödie inszenieren, die sich schließlich in einen cronenbergschen Mutationsmonster-Film verwandeln soll. Diese Kopfgeburt misslingt ihm aber völlig, da die vermeintliche Beziehungskomödie der beiden Frauen nicht über die alberne Teenagerfantasie von kichernden und glucksenden Mädchen in knapper Bekleidung hinauswächst. Angela Bettis überkandideltes Spiel lässt zudem überhaupt keinen Zweifel am grotesken Comic-Charakter der Figuren. Widerlich wird das dämliche wie langweilige Geplänkel zwischen den Bettgespielinnen, weil sich McKee anscheinend als amerikanischer Pedro Almodovar zu fühlen scheint. Er inszeniert die Beziehung zwischen Ida und ihrer vom Mutanteninsekt gezwickten Freundin als Gegenrevolution zu den schmierigen Männern - im Film durch den Sex-fixierten Arbeitskollegen von Ida repräsentiert - und der alten, konservativen Frauengeneration in Gestalt der Vermieterin, die das lesbische Glück der jungen Generation schlicht ablehnt und auch den Nachwuchs davor bewahren möchte. Das Finale von “Sick Girl” ist schließlich eine cronenbergsche Utopie einer nur von sich selbst erfüllten Weiblichkeit, die sich auch geschlechtslos fortpflanzen kann. Bei diesem reaktionär-sexistischem Tohuwabohu greift McKee sogar auf das billige Mittel der Penetrationsangst zurück und lässt Misty in einem Alptraum von einem Insekt schwängern. Werd’ mal erwachsen, McKee und komm mal über die schmutzige Sache mit dem schlimmen Sex weg! Diesen Schmand dürften dir wohl selbst die entsprechenden Frauenverbände um die Ohren hauen.

BILD

Sick Girl

Das anamorphe Bild (1.78:1) basiert auch hier wieder auf einer guten Vorlage, die keine analogen Rückstände wie Spratzer, Bildpunkte oder Dreckspuren erkennen lässt. Diesmal hat das Bild keine Probleme mit einem schwächelnden Schwarzlevel oder leichter Bildkörnigkeit. Auch das deutliche Zeilenflimmern, das bei anderen Folgen beobachtet werden konnte, ist hier fast völlig verschwunden. Schärfe und Kontrast sind sehr gut und lassen auch Details in Wideshots gut erkennen. Die Farben sind sehr kräftig und wirken schon fast ein wenig unnatürlich. Die Kompression ist absolut sauber und lässt keine Artefakte oder Ruckeleien auftreten.

TON

Sick Girl

Der Dolby Digital 5.1 Track leistet auf Deutsch wie Englisch solide Arbeit und nutzt auch für bestimmte Surround-Momente wie das Trippeln und Zirpen der Insekten die Soundstage sehr gut aus. Die prominent eingesetzte Musik verteilt sich ebenfalls gut über alle Kanäle. Die Dialoge sind auf Deutsch natürlich mal wieder stärker in den Vordergrund gemischt, aber auf beiden Tonspuren gibt es keine störenden Überlappungen. Insgesamt ein sehr solider Track, der sporadisch durch gute Surroundausnutzung auffällt.

EXTRAS

Als einzigen Behind-the-Scenes Clip gibt es einen vierminütigen Ausschnitt zu sehen, bei dem Angela Bettis eine echte Spinne über den Arm krabbelt. Hoihoihoi, da hat man sich aber mal so richtig ins Zeug gelegt, was? Wenigstens sind auf dieser DVD auch wieder die standardmäßig durchwachsen geführten Interviews vorhanden. Regisseur Lucky McKee darf 18 Minuten über seine Involvierung bei den “Masters of Horror” plaudern und wie er selbst zu der Folge gekommen ist. dau gibt’s viel Lobpreisung über K.N.B. und seine Hauptdarstellerinnen, aber leider auch einige überflüssige Nacherzählungen einiger Szenen aus dem Film. Interessanterweise spricht sich McKee völlig positiv über die Folge aus und behauptet, eine große Vision auf Film gebannt zu haben. Besonders die Charaktere seien ihm wichtig gewesen. Na dann aber “Prost Mahlzeit!” Herr McKee!

Das Kurzinterview mit Kinderdarstellerin Chandra Berg ist absolut vergessbar, während der Clip mit Lucky McKees Vater Mike etwas Beängstigendes. Nicht allerdings aufgrund seiner Interview-Antwoorten, sondern wegen seines erstaunlichen T-Shirts. Darauf prangt der Spruch: “Gun Control works - These Experts agree”. Darunter befinden sich schließlich die Konterfeis von Hitler, Ghadafi, Stalin und Castro. Autsch!!!

Wirklich interessant ist dagegen dass Interview (ca. 10 Min.) mit dem Insekten-Bändiger Brad McDonald, der einige seiner Tricks im Umgang mit den verschiedenen Tieren verrät.

Die Interviews mit den drei Hauptdarstellern (zusammen ca. 35 Min.) sind mittelmäßig interessant und erzählen zum Teil auch wieder mal die Geschichte des Films. Dennoch darf Angela Bettis die Schuld für ihre maue Performance ganz auf sich nehmen, da sie deutlich beschreibt, dass sie sich die Figur der Ida vom Typ her selbst zusammengestellt hat. Misty Mundae darf hier ebenfalls preisgeben, wie sie Lucky McKee kennenlernte und zu ihrer Rolle kam. Dazu beschreibt sie ihre erste Horrorfilm Erfahrung recht grell. Ganz niedlich.

Zum Abschluss gibt’s noch eine Kurzbiographie zu Lucky McKee.

FAZIT

Zusammen mit "Chocolate" bildet “Sick Girl” von Lucky McKee leider den Tiefpunkt der Serie. Der neo-konservative Sexismus dieser Episode ist schon sehr enervierend, während der belanglose Plot an Langeweile nicht zu überbieten ist. Die DVD von Splendid kaschiert zudem wieder die Extras der internationalen Version. Ein Audiokommentar ist nicht vorhanden.



Kay Pinno


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