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The Good, the Bad, the Weird   (BLU-RAY)

The Good, the Bad, the Weird
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Original: Joheunnom nabbeunnom isanghannom   (Korea, 2008)
Laufzeit: ca. 130 Min. (1080p)
Studio: Splendid
Regie: Kim Jee-Woon
Darsteller: Song Kang-Ho, Lee Byung-Hun, Jung Woo-Sung u.v.a.
Format: 2.35:1 Widescreen (16:9)
Ton: DTS-HD 5.1 Deutsch, Koreanisch
Untertitel: Deutsch, NL
Extras: Kommentar, Making of, Interviews, Deleted Scenes u.m.
Preis: ca. 19 €
Wertung: 2-/ 2 / 2 (Bild/Ton/Extras)


"Der total, total verrückte Osten"

Die Ambitionen bei Koreas Antwort auf Sergio Leone sind groß: Allein die in irrsinnigem Tempo und langen Plansequenzen durchgezogene Eröffnungssequenz haut selbst dem abgehärtesten Eastern-Fan die Essstäbchen aus der Kauleiste.
Gauner Yoon Tae-Goo (Song Kang-Ho) überfällt leider den falschen Zug. An Bord sind ein japanischer Gesandter und seine Delegation, die Yoon einfach mal ratzfatz wegpustet. Nicht jedoch, ohne sich deren Habseligkeiten unter den Nagel zu reißen. Darunter befindet sich eine ominöse Schatzkarte, hinter der zunächst nur der finstere Auftragskiller Park Chan-Yi (Lee Byun-Hun) her zu sein scheint, der mit seiner Gang aus wild entschlossenen Rabauken ebenfalls den Zug mit den inzwischen toten Gesandten überfällt. Ihm auf den Fersen ist allerdings bereits Kopfgeldjäger Park Do-Won (Jung Woo-Sung), der bereits im Zug Position bezogen hatte.
In aberwitzigem Tempo werden bleihaltige Argumente ausgetauscht und für ordentlich Kollateralschäden gesorgt. Nur knapp entkommt Yoon Tae-Goo seinen Häschern. Doch je länger er die Karte mit sich führt, desto mehr Gauner und zwielichtige Gestalten rücken ihm aggressiv zu Leibe.
Das Klassenziel von Regisseur Kim Jee Woon ("Bittersweet Life") ist klar: es sollten so viel Action wie möglich mit seltsamen Nonsens und schwarzem Humor auf die Leinwand gebracht werden. Ziemlich schnell wird der Film nur noch zu einer einzigen langen Verfolgungsjagd.
Hier zeigt sich leider eine bekannte und immer wieder auftretende Schwäche des koreanischen Kinos: das Tempo! Einerseits irrsinnig hoch, werden die Actionsequenzen viel zu stark in die Länge gezogen.
Wenn sich das Finale zum Beispiel zu einem stetig wachsenden Crescendo von Verfolgern in der Wüste zu einem riesigen "Mad Max"-Inferno entwickelt, perlt die überbordende Action nur noch am Zuschauer ab. Emotionalität und der richtige Punch sind in der strapaziösen Jagd einfach abhanden gekommen. Das letztlich selbst dem Regisseur seine Geschichte egal wird, beweist das dröge Finale, das Leone einfach nur noch zum Selbstzweck nachäfft (Ein weiterer Beleg sind auch die vier einfallslosen Alternativ-Enden im Bonusmaterial). Auch eine "schockierende" Enthüllung über eine der Hauptcharaktere mag nicht mehr gefallen, da die Titelfiguren niemals über ihre Comic-Archetypen hinaus eine Dramaturgie entwickeln dürfen. Das ist schade, denn außer einer witzig abgebrannten Verfolgungsjagd bleibt von "The Good, the Bad, the Weird" leider nichts übrig.

BILD

The Good, the Bad, the Weird

Besonders asiatische Filme leiden oftmals unter einem schlechten Master, aber "The Good, the Bad, the Weird" ist eine erfreuliche Ausnahme. Die Vorlage des anamorphen Transfers ist nur wenig grieselig und legt ein ordentliches Schärfe-Kontrastverhältnis an den Tag. Nicht nur die Nahaufnahmen sondern besonders auch die zahlreichen Panorama-Shots zeigen viel Detail. Die Farben sind kräftig, aber nicht überbetont, wodurch sein sehr plastischer Gesamteindruck ergibt. Der Schwarzlevel ist tief und sehr detailreich. Die Kompression bleibt sauber und halt das Bild stabil. Störende Artefakte oder HIntergrundrauschen treten nicht auf. Gut.

TON

The Good, the Bad, the Weird

Der DTS-HD 5.1 Ton gibt dem Spektakel die richtige Dynamik: der einpeitschende Soundtrack und der krachende Dauer-Kugelhagel werden gekonnt über die gesamte Soundstage verteilt. Wie üblich klingen allerdings die Stimmen der deutschen Synchronisation nicht sehr homogen und sind stark in den Vordergrund gemischt. Der koreanische Track klingt hier weitaus natürlicher. Dafür kann der Tiefbass bei den Explosionen und sonstigen Kampfgeräuschen gut auftrumpfen. Auch die atmosphärischen Geräusche lassen sich gut in den Surroundkanälen verorten. Störende Überlappungen oder Aussetzer gibt es nicht. Gut.

EXTRAS

Die Extras für die Scheibe fallen recht gut aus. Der Audiokommentar mit dem Regisseur und seinen drei Hauptdarsteller ist ein sehr lockerer Plausch, der sich hauptsächlich um die konkreten Erinnerungen der Dreharbeiten und die damit verbundenen Strapazen an den oft recht schwierigen Drehorten zusammenhängen. Inhalte kommen hier kaum zur Sprache. Für Technikfans und Anekdotenfreunde gibt es hier viel interessantes Ohrenfutter.
Wer davon nicht genug bekommen kann, sollte sich anschließend auch noch das 20-minütige Interview-Segment anschauen. Hier plaudern die vier Spaßvogel, die aussehen wie die koreanische Version der "Reservoir Dogs", nochmals unzensiert und ohne Scham über ihre ganz persönlichen Probleme und Erfahrungen beim Dreh. Hier entsteht eine interessante Gesprächsdynamik, die das Erinnerungskarussel noch bunter gestaltet. Um nicht nur sprechende Köpfe zu sehen, hat man auch noch einige Behind-the-Scenes Aufnahmen dazwischen montiert. Eine wirklich gelungene und unterhaltsame Interviewsequenz!
Bemerkenswert sind auch die satten 18 Minuten an geschnittenen Szenen. Wem beim Film eine echte Geschichte und bessere Charaktermomente vermisst hat, wird sie hier finden. Im Prinzip ist eigentlich die komplette Hintergrundgeschichte auf dem Boden des Schnittplatz gelandet. Sämtliche Subplots sind hier in voller Länge zu finden: vom Kampf der Partisanen über den vier Staaten-Konflikt zwischen Russland, China, Korea und Japan, die Finte und dieeigentlich Bedeutung der Schatzkarte sowie mehr Informationen über die Backstory des Fingerdämons. All diese Szenen hätten dringend in den Film gehört und hätten ihn zu einem richtigen Opus Magnum werden lassen.
Enttäuschend sind dagegen die vier alternativen Enden, die sogar in einer Parallelansicht zu sehen sind. Hier zeigt sich einfach die Ratlosigkeit, wie man mit den Hauptfiguren und der Geschichte schlussendlich verfahren will.
Das "Making of" entpuppt sich als ca. 15 minütige Ansammlung von unkommentierten Behinjd-the-Scenes-Aufnahmen, die aber einen guten Eindruck von den irren Sets wie dem "Geistermarkt" geben.
Zum Abschluss ist auch noch ein Trailer vorhanden.

FAZIT

Wer nach dem kaum zu toppenden Auftakt seine Erwartungen zurückschraubt, darf ein großes wie skurriles Actionspektakel erleben, das allerdings auf halber Fahrt dramaturgisch schlapp macht. Dafür wird zerschrotet, was nicht niet- und nagelfest ist. Die Blu-Ray von Splendid ist mit einem guten Transfer und soliden Extras ausgestattet. Für Actionfreunde ist die Scheibe deshalb ein todsicherer Tipp für eine explosive Schatzsuche.



Kay Pinno


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