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Hostel 2 - Interview


Eli Roth wird auf den Zahn gefühlt!


Zum zweiten Mal geht Nachwuchsregisseur Eli Roth in den Folterkeller, um seinen Schauspielern, Zuschauern und den Zensoren das Fürchten zu lehren. Kay Pinno traf den erklärten Genre-Fan in Berlin zu einem Plausch über seinen neuen Film.

DVDrome: Was macht dir mehr Spaß? Jungen oder Mädchen zu foltern?

ROTH: Weder noch. Am meisten Spaß macht es doch, das Publikum auf die Folter zu spannen.

DVDrome: Die Jungs in „Hostel“ sind ja nur auf Sex aus, aber die Mädchen werden im zweiten Teil mit einem Wellness-Urlaub gelockt?

ROTH: Ich wollte auf jeden Fall, dass die Mädchen schlauer sind als die Jungs sind, die schon beim Anblick von Brüsten brüllen „Alles klar, lass uns gehen“. Mädchen fallen auf so was natürlich nicht herein. Die Amerikanerinnen sind auf etwas Anspruchsvolleres wie eine Kunstklasse aus. Nicht weil sie besonders auf Kunst aus sind, aber sie fühlen sich dadurch kultivierter. Außerdem kommen sie aus dem sexuell sehr restriktiven College-Umfeld, weil dort alle Angst vor Klagen wegen sexueller Nötigung befürchten. Da berührt sich kaum noch jemand. Und die Mädchen benehmen sich in Europa so, als wären sie immer noch unter diesem „Schutzschirm“ und bekommen damit natürlich schnell Ärger. Was die Mädchen ultimativ in die Slowakei lockt, ist die Flucht vor der „sexuellen Belästigung“, der sie sich aufgrund des Kulturschocks ausgesetzt sehen.

DVDrome: Was hast du bei deiner Fortsetzung anders gemacht?

ROTH: „Hostel“ war ein Überraschungserfolg. Der Film hat schließlich nur 4 Millionen Dollar gekostet und über 80 Millionen eingespielt. Da wollte ich nicht bloß eine Fortsetzung machen, sondern einen deutlich besseren Film. Direkt ab der Pressetour hier in Deutschland habe ich mir schon Notizen gemacht. Der Herausforderung war, wie mache ich einen „Mad Max 2“ oder „Aliens“. Ich habe mir noch mal Fortsetzungen von Horrorfilmen angeschaut und die meisten sind schlecht. Das liegt meistens daran, dass der erste Film einfach nur kopiert wurde. Ich will dem Publikum zwar die gleiche Erfahrung wie im ersten Teil ermöglichen, aber nicht den Film wiederholen. Deshalb sehe ich das wie Quentins (Tarantino) „Kill Bill“. Der zweite Film knüpft direkt an den ersten an und erzählt die Geschichte weiter. Außerdem gab’s auch einige Elemente, die ich im ersten Teil nicht realisieren konnte. Wie werden zum Beispiel Mädchen dorthin gelockt? Außerdem wollte ich die Geschichte auch aus der Sicht der Klienten verfolgen.

DVDrome: Mit „Hostel“ wurde der Begriff „Torture Porn“ (Folterpornographie) geboren. Geht’s in deinen Filmen tatsächlich nur darum oder verbirgt sich mehr dahinter?

ROTH: Oh Wow. Ich wollte eigentlich den gewalttätigen Stil und die Ästhetik asiatischer Filme in den amerikanischen Horrorfilm einbringen. Diese Art von kompromissloser Gewalt wie in Takashi Miikes „Audition“ oder „Sympathy for Mr. Vengeance“ und „Battle Royale“, bei der man sich fragt: „Haben die das wirklich gerade gemacht?“. Ich mag außerdem Filme, bei denen man denkt, dass es bloß Horrorfilme sind. Und Jahre später entdeckt man den sozialen Kommentar hinter dem Film. So wie bei George Romeros „Dawn of the Dead“ („Zombie“). Ich wollte mit „Hostel“ auch einen Film machen, der tiefer geht. Wenn du darüber nachdenkst, wie die Amerikaner darin denken, dass sie einfach in die Welt ziehen und jeden und alles kaufen und verkaufen können, anschließend aber selbst gekauft und verkauft werden, geht das schon in die Richtung eines zu weit gegangenen Kapitalismus.

DVDrome: Auch für den zweiten Teil bist du in die Slowakei gegangen. Was macht das Land und das Setting so attraktiv?

ROTH: Oh, die Slowakei ist toll. Aber im Film ist es eigentlich eine Horror-Version von „Borat“. „Borat“ ist ja kein Film über Kasachstan sondern über Amerika. Und Kasachstan ist dort nur eine Ansammlung von Vorurteilen von Amerikanern, wie’s dort aussieht. Und das ist für mich die Slowakei im Film: alles was Amerikaner über Osteuropa glauben. Also sind die Europäer in meinem alles amerikanische Stereotypen von Europäern, während die Amerikaner allerdings 100 Prozent echt sind.

DVDrome: Gibt’s im Horror-Genre überhaupt noch Grenzen, die man überschreiten kann?

ROTH: Ich glaube, dass jede Geschichte ihren passenden Level an Gewalt hat. Wenn ich mir „The Ring“ oder „The Grudge“ anschaue, dann brauche ich keine besonderen Gewaltszenen. Da geht’s mehr um die Stimmung, den Gruselfaktor und die Atmosphäre. Das sind Geistergeschichten so wie Robert Wise’ „Bis das Blut gefriert“, der auch ohne Blut ganz fürchterlich gruselt. Wenn ich mir aber „Saw“ anschaue, dann will ich auch etwas zu sehen bekommen. Wenn ich eine Szene drehe, dann nehme ich erstmals alles an Gewalt, Blut und Gedärmen auf. Aber erst beim Schnitt fällt dann auf, dass das ganze gar nicht so furchteinflößend ist. Da muss man dann wie in einer Küche erst die richtigen Zutaten mischen, damit das Ergebnis stimmt. Also wird der passende Gewaltlevel eigentlich im Schnitt bestimmt.


15.11.2007

Kay Pinno.

Hier geht’s zum DVD-Review von “Hostel 2”


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