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Young Guns   (BLU-RAY)

Young Guns
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Original: Young Guns   (USA, 1988)
Laufzeit: 102 Min. (1080p)
Studio: Concorde
Regie: Christopher Cain
Darsteller: Emilio Estevez, Kiefer Sutherland, Charlie Sheen, Lou Diamond Phillips, Terry O'Quin, Jack Palance, Terence Stamp u.a.
Format: 1.85:1 (16:9) Widescreen
Ton: DTS-HD 5.1 Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Extras: Kommentar, Trivia Track, historische Dokumentation, Trailer
Preis: ca. 13 €
Wertung: 2 / 2 / 2 (Bild/Ton/Extras)


"Western MTV Style"

Die 80-er Jahre waren keine gute Zeit für den klassischen Western. Die Cowboy-Helden der Leinwand von einst waren alt geworden und das Konzept der Pferde-Opern final in den 70-er Jahren durch den Comedy-Ableger des Italowestern in Form von Bud Spencer und Terence Hill ad acta gelegt worden.
So suchte sich die altbewährte Westernformel neue Wege, um in den Kinosaal zurückzukehren. Moderne Polizeifilm-Mythen a la "Dirty Harry" und apokalyptische Zukunftsszenarian wie "Die Klapperschlange" nutzten die klassischen Western-Mechanismen erfolgreich im urbanen Gewand.
Die einzige Chance, einen klassischen Western zu produzieren, erschien in der Möglichkeit, ihn so unklassisch wie nur möglich zu gestalten. Das Resultat nannte sich schließlich "Young Guns" und erzählt erstauinlich akkurat die Geschichte von Billy the Kid und dem Lincoln County Rinderkrieg in New Mexico.
Dazu bedienten sich Regisseur Christopher Cain und Produktionshaus Morgan Creek zum einen dem damals angesagten Brat-Pack: diese Bande von jungen Hollywood-Lümmeln (darunter eben Emillio Estevez, Charlie Sheen und Kiefer Sutherland) schien geradezu geschaffen, den legendären Regulator-Trupp um Billy the Kid zu spielen - ebenfalls eine junge Bande von ahnungslosen Tunichtguten, die sich gegen das (irische) Establishment auflehnten und sich dabei mehr Ärger einhandelten, als sie bewältigen konnten. Dazu kommt schließlich noch ein untypischer mit Rock versetzter Soundtrack und ein stylisch dreckiger Look, der den bekannten Western-Sehgewohnheiten widerspricht und der MTV-Generation förmlich in die Augen und Ohren spielte. Das Sahnehäubchen ist schließlich eine großartige Besetzung, die den jungen Wilden auf den Pferden ein gutes Fundament liefert: Jack Palance darf den erfreulich widerlichen, irisch-stämmigen Viehzüchter Murphy geben, der im New Mexico von 1878 gegen seinen ausgemachten Feind und Konkurrenten John Tunstall (Terence Stamp) mit aller Macht vorgeht. Der britische Einwanderer hat aber inzwischen eine wilde Truppe von jungen Außenseitern (u.a. auch Lou Diamond Phillips, Casey Siemaszko und Dermot Mulroney) um sich geschart. Die Situation eskaliert jedoch kurz nachdem Tunstall den flüchtigen William H. Bonney (Emillio Estevez in der Paraderolle als Billy the Kid) von der Straße geholt hat. In einem Hinterhalt wird Tunstall von gedungenen Mördern erschossen. Trotz der Warnung von Anwalt McSween (Terry O'Quinn) begeben sich die Regulatoren auf einen Rachefeldzug, der ihnen nicht nur die Aufmerksamkeit von Murphys Bande und dem korrupten Sheriff von Lincoln sichert, sondern auch Kopfgeldjäger und schließlich sogar die US-Armee auf den Plan ruft.
"Young Guns" ist geradezu vortrefflich gealtert und sollte nun von einer neuen jungen Generation von Zuschauern wiederentdeckt werden. Die gute Chemie zwischen den Schauspielern steckt auch heute noch an und das Tempo zwischen gelungenen Actionszenen, (auch schwarzem) Humor und Drama sind so gut ausbalanciert wie Billys tödliche Revolver. Dass "Young Guns" trotz aller Sympathien für die Regulatoren weder Billy the Kid noch seine Freunde als nette Robin Hood Kopien darstellt, ist eine echte Meisterleistung und bringt "Young Guns" verdient den echten Klassikerstatus ein. Angenehm subtil wird die Selbstverliebtheit und der (nicht immer charismatische) Irrsinn von Billy gezeigt, dem sich sein Umfeld aber nur schwer entziehen kann - selbst wenn es blutig wird. So viel Klasse konnte das ebenfalls erfolgreiche Sequel "Young Guns - Flammender Ruhm" trotz eines gelungenen Soundtracks von Jon Bon Jovi nicht mehr aufbringen. So gehört der erste "Young Guns"-Film in die Top 3 der Billy the Kid Verfilmungen zusammen mit Sam Peckinpahs "Pat Garret & Billy the Kid" und dem John Wayne Klassiker "Chisum". Nicht umsonst ist des Dukes Sohn Patrick in einer markanten Nebenrolle in "Young Guns" zu sehen und Tom Cruise, der ursprünglich auch einen der Regulatoren spielen sollte, wird im großen Finale als Statist erschossen.

BILD

Young Guns

Der anamorphe Widescreentransfer (1.85:1) basiert auf einer sehr guten Vorlage, die eigentlich keine größeren Beeinträchtigungen des Materials enthüllt. Dennoch nimmt der originale, leicht grieselige Look des Films ein wenig den Biss aus dem Transfer: Schärfe und Kontrast sind gut, aber können in ein paar Szenen, vor allem in denen optische Filter zum Einsatz kamen, ein wenig einbüßen. Die Farben sind sehr gut und geben den naturalistischen, leicht desaturierten Look des Films hervorragend wieder. Der Schwarzwert wurde in den dunklen Szenen leicht abgemildert, so dass sich der Schwarzlevel schon mal etwas matter zeigen kann. Die Kompression bleibt insgesamt sauber und hält das Bild durchgängig stabil. "Young Guns" sah im Heimkino nie besser aus und der Transfer zeigt nur Schwächen auf, die auf dem originalen Filmmaterial beruhen. Gut.

TON

Young Guns

Der DTS-HD-MA 5.1 Sound wurde auf Deutsch und Englisch ordentlich bearbeitet. Während der deutsche Track die Dialoge deutlicher betont, klingt der engblische Ton weitaus homogener. Durch die Surroundabmischung gewinnt sowohl der markante Soundtrack des Films als auch die Umgebungsgeräusche. Vor allem das Pferdegetrappel und die Schießereieen lassen sich gut in der gesamten Soundstage orten. Mit einer ordentlichen Portion Dynamik und ohne störende Überlappungen ergibt sich ein gutes Hörerlebnis, das klar vom Mehrkanalton profitiert. Gut.

EXTRAS

Die bereits auf DVD veröffentlichten Extras wurden für die Blu-ray komplett übernommen: der laufende Audiokommentar mit den drei Regulatoren Lou Diamond Phillips, Casey Siemaszko und Dermot Mulroney ist ein echter Spaß, der nur so von spannenden Anekdoten und irren Setgeschichten wimmelt. Erstaunlich ist auch das Wissen der Schauspieler über die historischen Vorbilder ihrer Figuren und der Geschichte insgesamt. "Young Guns" war für alle drei wohl ebenfalls eine wilde, unvergessliche Zeit und der Film liegt allen sehr am Herzen. Pflichttrack.
Über die Untertitel lässt sich ein Trivia-Track zum Film dazuschalten, in dem zahlreichen Fakten über die historischen Ereignisse des Lincoln County Kriegs (siehe auch hier) und die Produktion engeblendet werden. Informationsdopplungen zum Audiokommentar kommen hier so gut wie nicht vor!
Neben dem originalen Kinotrailer ist auch noch eine halbstündige Dokumentation über den historischen Billy the Kid zu finden, die kompakt und mit zahlreichem Hintergrundmaterial den echten Outlaw unter die Lupe nimmt.

FAZIT

"Young Guns" ist der klassische Fall eines Happy Accident: als kurzfristiger Cash-In auf eine Generation junger Stars gemünzt, hat Regisseur Christopher Cain mittels einer großartiger Besetzung eine ziemlich akkurate Umsetzung der Billy The Kid Geschichte geschaffen. Versehen mit einem eigenwilligen Look und einem großartigen Retro-Rock-Soundtrack, bleibt "Young Guns" ein mehr als unterhaltsamer Klassiker, derbei Concorde nun eine mehr als gelungene Blu-ray Umsetzung erfahren hat. Absolut empfohlen.



Kay Pinno


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