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Robocop   (BLU-RAY)

Robocop
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Original: Robocop   (USA, 1987)
Laufzeit: 102 Min. (1080p)
Studio: Twentieth Century Fox / MGM
Regie: Paul Verhoeven
Darsteller: Peter Weller, Nancy Allen, Kurtwood Smith, Ronny Cox, Miguel Ferrer, Dan O'Herlihy, Paul McCrane, Ray Wise u.a.
Format: 1.85:1 Widescreen (16:9)
Ton: DTS-HD-MA 5.1 Englisch DTS Deutsch, Fr, It u.a.
Untertitel: Englisch, Deutsch, Fr, u.a.
Extras: Kommentar,Making of, Featurettes, geschn. Szenen u.m.
Preis: ca. 14 €
Wertung: 2+/ 2-/ 1 (Bild/Ton/Extras)


"Full Metal Jacket Cop"

Bei einem Titel wie "Robocop" kommt einem bestimmt vieles in den Sinn, aber sicher nicht eine ultragewaltätige Zukunftssatire über "Corporate America" und die Wiederauferstehung von Jesus Christus. So erging es auch Paul Verhoeven, der das Drehbuch erstmal für Kernschrott hielt, bis ihn seine weise Frau eines Besseren belehrte. Beim zweiten Lesen ging ihm dann ein Licht auf und seine Vision von "Robocop" stand fest. So hatten die Autoren Ed Neumeier und Michael Miner eine nicht allzuferne Zukunft im Auge, in der rassistische Staaten mit Neutronenbomben drohen, Mexiko in einen von den USA gesteuerten Bürgerkrieg verwickelt ist und gigantische US-Firmen wie "Omni Consumer Products" (OCP) staatliche Institutionen wie die Polizei privatisieren und dem Staat über die (fehlerhafte) Zulieferung und Entwicklung von grotesken Prestigeprojekten die Taschen leeren. Kommt einem das heute irgendwie bekannt vor?
Mitten in diesem Chaos gerät Cop Alex Murphy (Peter Weller) ins Kreuzfeuer einer brutalen Gang, die von Detroits inoffiziellem Gangsterboss und Hobby-Psychopathen Clarence Boddicker (ein sensationell fieser Kurtwood Smith) angeführt wird. Als Leiche landet Murphy auf dem Experimentiertisch von OCP, die mit einem neuen Sicherheitsprojekt die Straßen des alten Detroits verbrechensfrei bekommen wollen, um mit dem Bau einer neuen, besseren Stadt namens Delta City zu beginnen. Das Ergebnis heißt "Robocop" und ist der mittels "Ganzkörperprothese" zum stählernen Gesetzesvollstrecker umgebaute Murphy. Fortan sorgt Robocop auf eine brachiale Art für Recht und Ordnung, die Maria Cobretti und Paul Kersy zum Weinen gebracht hätte. Doch der Rest von Mensch im Roboterkörper fordert seinen Tribut und sucht seine ausgelöschte Identität: mit den Bilderfetzen seines Todes und seiner Familie im elektronischen Hirn begibt sich Robocop auf die Suche nach Boddicker und seinen Schergen. Doch damit gerät der Full Metal Jacket Cop unter schweren Beschuss von allen Seiten, denn das Verbrechen in Detroit hat noch ein ganz anderes Gesicht!
Ähnlich wie "Terminator" wurde "Robocop" seinerzeit als rein oberflächliches Actionspektakel von der Kritik abgekanzelt. Dazu setzte die US-Zensurbehörde der MPAA dem überdrehten Gewaltspektakel noch einmal ordentlich zu und entschärfte besonders zwei wichtige Signaturszenen des Films, der in Deutschland natürlich noch einmal weitaus stärker zensiert werden sollte.
Dennoch konnte die präzise Regie, die wilde Action und die unglaubliche (und teilweise zynische) Ironie von "Robocop" wie sein Titelheld nicht zerstört werden. Der Film ist vollgepackt mit erstaunlich treffsicheren Beobachtungen über einen düsteren Wandel in der Gesellschaft: die Parallelen und Verwobenheit zwischen Wirtschaft und Verbrechen, eine ganz eigene Interpretation des Begriffs Killer-Kapitalismus ("Das ist das Leben in der Großstadt!"), die faschistischen Mechanismen innerhalb von Großkonzernen, die Gefahren der Privatisierung von staatlichen Eckpfeilern wie der Polizei, die bildliche Umsetzung des Arbeitnehmers als willenlose Maschine und Firmenbesitz, die auch nach dem Tod weiterarbeiten darf - "Robocop" strotzt nur so vor bitterböser Metaphorik, die heute leider noch viel aktueller ist als anno 1987.
Neben einer großartigen Darsteller-Riege (Ronny Cox, Miguel Ferrer, Nancy Allen, Paul McCrane, Ray Wise) gehört der Erfolg von "Robocop" aber Hauptdarsteller Peter Weller, Special Make-Up Legende Rob"ocop" Bottin und FX-Großmeister Phil Tippet, die dafür sorgen, dass die Figur der stählernen Gesetzes-Exekutive funktioniert. Peter Weller arbeitete über 6 Monate mit einem Bewegungstrainer zusammen, um den Bewegungsmechanismus (vor allem in dem aufwändigen Anzug von Rob Bottin) glaubwürdig hinzubekommen. Eine zusätzliche Ehrung gehört dabei auch der Tonabteilung, die die unglaublichen Robocop-Sounds erstellte.
Paul Verhoevens "Robocop" ist ein gigantischer Meilenstein des Science Fiction Genres und bleibt auch nach über 25 Jahren ganz, ganz großes Kino, das zu einer perfekten Mischung aus brutal guter Unterhaltung und brutaler Gesellschaftskritik verschmilzt. Die neue Blu-ray von MGM / Fox enthält zudem erstmals frei verkäuflich ab 18 Jahren den ungeschnittenen Director's Cut mit einem neuen 4K abgetasteten Transfer. Dazu sagen wir: "Danke für ihre Kooperation, liebes Studio!"

BILD

Robocop

Ausgehend vom Ursprungsmaterial wurde für "Robocop" ein komplett neuer HD-Transfer in 4K Auflösung angefertigt, der auf Blu-ray natürlich nur in 2K vorhanden ist. Das Ergebnis ist allerdings atemberaubend. "Robocop" hatte bereits immer einen etwas "grungigen" Look mit einer seichten Körnung, der in dem neuen Transfer sehr gut erhalten bleibt. Die reinen Filmsequenzen bieten hier einen großartigen Detaillevel und einen schönen Filmlook. Die gute Qualität lässt aber leider auch einige Effektsequenzen (ED 209) deutlicher hervorstechen was einfach an der Art der optischen Spezialeffekte anno 1987 liegt. Das einkopierte Material sah dabei schon immer etwas ausgewaschen aus. Zudem gibt es natürlich auch noch die TV-Einspieler "Mediabreaks", die bereits im Original und immer absichtlich nach verwaschenem (Röhren)TV-Bild aussahen. Die ungeschnittenen Unrated-Szenen sehen dafür weitaus weniger "auffällig" aus, da in den früheren Transferen hier oft der Kontrast harscher ausfiel. "Robocop" hat definitiv nie besser im (Heim)Kino ausgesehen. Auch die Farben sind kräftig und natürlich: besonders auffällig ist dies bei den Aufnahmen in der alten Stahlfabrik, deren verfallenes Ambiente nun in gräzendem Detail herrlich ins Auge sticht. Auch die sensationellen Make-Ups wie "Robo" ohne Helm kommen machtvoll zur Geltung und zeigen eine Effektekunst die CGI niemals ersetzen kann. Der Schwarzlevel ist sehr tief und ordentlich detailreich. Einzelne kleine Bildpunkte sind noch vorhandne und das Material immanente Filmkorn, das dem Transfer eine schöne Filmqualität verleiht. Großartig.

TON

Robocop

Während der englische Ton in vollem DTS-HD-MA 5.1 Format vorliegt, ertönt der deutsche nur in Standard-DTS. Dafür ist die deutsche Synchronisation nun in der korrekten Tonhöhe vorhanden (eine fehlerhafte Tonhöhe machte die alte deutsche Bare-Bones Blu-ray quasi unbrauchbar). Die Dialoge sitzen hier sicher und gut verständlich im Centerkanal, während sich die mächtige Musik von Basil Poledorius homogen in die gesamte Soundstage legt. Der seichte Schwachpunkt des Tracks liegt in den alten Soundeffekten, die teilweise - wenngleich räumlich verteilt - etwas dumpfer herüberkommen. Am stärksten lässt sich dies an den Schussgeräuschen festmachen, denen einfach Dynamik und Punch fehlt. Hier hat der englische Track klar die Nase vorn, da er aus dem vorhandenen Material doch etwas mehr herausholen kann. Störende Überlappungen oder Aussetzer konnten nicht festgestellt werden. Gut.

EXTRAS

Bisher auch international auf Blu-ray nur komplett ohne Extras erschienen, darf die neue MGM Jubel Blu-ray des "Robocop" Director's Cut" diesmal die volle Abteilung an vorhandenen Zusatzmaterialen mitbringen.
Den vollständig in 4K abgetasteten Director's Cut des Films begleitet der sensationelle Audiokommentar mit Regisseur Paul Verhoeven, Autor Ed Neumeier und Produzent Jon Davison, den bereits die erste Laserdisc-Inkarnation dieser Fassung zu einem Juwel machte.

Das neue Extra auf dieser Blu-ray ist eine ca. 50 Min. dauernde Panel-Diskussion mit den Filmemachern von 2012, die erstmals seit Jahren so wieder beieinander sind, um vor Filmstudenten über den Film zu reden. Neben Regisseur Paul Verhoeven sind ebenfalls die beiden Autoren Ed Neumeier und Michael Miner sowie Peter Weller und Nancy Allen und Effekte-Gott Phil Tippett auf der Bühne um Vollgas zu geben. Hier wird nichts zurückgehalten und einige unfassbare Wahrheiten über den Film, seine Bedeutung und seine Macher preisgegeben. Ein absoluter Traum für jeden "Robocop"-Fan die Interaktion der Filmemacher hier zu beobachten.

Abgesehen von der alten Bildergalerie finden sich hier auch sämtliche Extras der ursprünglichen Robocop Special Edition wieder: das großartige Making of "Fleisch und Stahl" (ca. 36 Min.), die zwei Original-Featurettes von 1987 (jeweils ca. 8 Min.), die sehr schönes Behind-the-Scenes Aufnahmen und alte Interviews zeigen, den Storyboardvergleich mit Phil Tippett Kommentar zur Animation von ED209, die vier geschnittenen Mediabreak-Szenen und eine vierteilige Fortführung des "Making of" (zusammen ca. 60 Min.) das sich speziell mit den Schurken, Effekten und dem Einfluss und der Bedeutung des Films beschäftigt.
Abgerundet wird das ganze noch mit dem Kinotrailer (in HD!) und einem TV-Spot.

FAZIT

Paul Verhoevens "Robocop" hat endlich seine verdiente Top-Veröffentlichung auf Blu-ray erhalten: Nach der Streichung vom Index und der Freigabe des ungeschnittenen Director's Cut hat MGM endlich alle Register gezogen! Vollgepackt mit allen wichtigen und neuen Extras erstrahlt der neue 4k-HD-Transfer in neuem Glanz. Dazu ist die deutsche Tonspur auch korrekt vorhanden. Diese Scheibe ist ein absoluter Pflichtkauf. Spart euch einfach das Kinogeld für das aktuell in den Kinos laufende, zahnlose Remake und holt euch dafür lieber den echten und einzig wahren "Robocop" für die Ewigkeit. Danke Fox und MGM - dieses Warten hat sich endlich mal gelohnt.



Kay Pinno


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