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Henry - Portrait of a Serial Killer   (BLU-RAY)

Henry - Portrait of a Serial Killer
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Original: Henry - Portrait of a Serial Killer   (USA, 1985)
Laufzeit: 82 Min. (1080p)
Studio: Bildstoerung
Regie: John McNaughton
Darsteller: Michael Rooker, Tom Towles u.a.
Format: 1.33:1 Vollbild
Ton: LPCM-Mono Deutsch LPCM-Stereo Englisch
Untertitel: Deutsch
Extras: Kommentar, Making of, Serienkiller Dokumentation u.m.
Preis: ca. 24 €
Wertung: 3-/ 3 / 1 (Bild/Ton/Extras)


"Ein Mordskerl!"

John McNaughtons "Henry - Portrait of a Serial Killer" ist ein wildes Biest von einem Film, das eben nur in einem Low-Budget Exploitation Umfeld unter den Fingern von ambitionierten Einsteiger-Filmern entstehen konnte. Nach einer Dokumentation über die großen Gangster der 20er und 30er Jahre in Chicago, die hauptsächlich aus Stock-Footage und Public Domain Aufnahmen entstand, wollte Regisseur John McNaughton endlich Nägel mit Köpfen machen und schlug seinen Geldgebern vor, einen Low-Budget Horrorfilm zu machen.
Nur durch einen Zufall kam McNaughton schließlich auf die Geschichte des Massenmörders Henry Lee Lucas, den er als Ausgangspunkt für seine Geschichte wählte. Das Ergebnis war 1986 schließlich so erschreckend und für die Produzenten enttäuschend(!), dass der Film erstmal für mehrere Jahre im Giftschrank landete, bevor er 1990 durch einen Zufall entdeckt wurde und seinen Siegeszug auf den internationalen Festivals antrat.
Henry(Michael Rooker in seinem Karriere-definierenden Breakout-Debüt!) ist ein echter Drifter in Chicago, der sich nur mit Gelegenheitsjobs am untersten Ende der Unterschicht über Wasser halten kann. Gemeinsam mit seinem Wohn-Kumpel Otis (Tom Towles ist eigentlich fast noch unglaublicher als Rooker!) hängt er rum, säuft und bringt Leute um. Das ist nicht nur Triebbefriedigung für ihn, sondern bringt auch mal extra Geld oder anderes Zeug ein, was er bei seinen Opfern mitgehen lässt. Als schließlich Otis Schwester Becky (Tracy Arnold) nach einer unglücklichen Trennung bei den beiden Junggesellen aufkreuzt, verändert sich die Dynamik in dem Killergespann: Henry verspürt eine reale Beziehung, die er weder mental noch emotional handhaben kann, während Otis immer mehr seiner eigenen Perversion und Mordlust verfällt.
"Henry - Portrait of a Serial Killer" ist ein erschreckend realistischer Blick in das Wesen und "soziale" Umfeld eines Serienkillers, der nicht mal ansatzweise das Slashergenre bedient, noch so etwas wie popkulturelle Pseudo-Coolness im Sinne eines Hannibal Lecter vorgaukeln will.
Henry und Otis sind echte Monster in Menschengestalt, die die Banalität des Grauens ihrer Taten soweit vorangetrieben haben, dass sich Begriffe wie Moral oder menschliche Gesellschaftsnorm nicht mehr auf sie anwenden lassen. Sie leben in ihrer eigenen Welt jenseits der menschlichen Grundwerte, die aber für sie selbst ganz natürlich erscheint. Das Wissen um die Unrechtmäßigkeit ihrer Taten ist klar vorhanden, aber wird durch Empathie-Losigkeit und dem Gefühl des "Wir kommen damit durch" zur Normalität. Dies funktioniert vor allem auch deshalb, weil Henry und Otis zu den unsichtbaren Arbeitsdrohnen am untersten Ende der Gesellschaft zählen. Für die meisten Menschen tauchen solche Typen wie Henry und Otis in der Wahrnehmung gar nicht mehr auf: sie sind Arbeitsinventar und werden auch so behandelt.
Doch dies ist nur ein kleiner Faktor im verstörenden Kaleidoskop der Welt von Henry. Immer weitere Facetten werden aus seinem Leben entblättert, die bis zum frühen Kindesmissbrauch und einem tödlich, perversen Mutterkomplex zurückführen.
Bei den schauerlichen Taten von Henry und Otis findet auch die anno 1986 aufkommende Heimvideo-Filmerei ihren Einlass und die damit verbundene Möglichkeit, ihre Machterlebnisse über ihre Opfer immer und immer wieder ausleben zu können - einfach per Knopfdruck auf die Rückspultaste!
Das bitterböse, finstere wie nihilistische Finale von "Henry" geht auch heute noch tief unter die Haut. John McNaughtons fast dokumentarische Inszenierung verleiht "Henry - Portrait of a Serial Killer" zudem einen zeitlos realistischen Schrecken, der sonst nur noch von den aktuellen, nachmittäglichen Reality-Formaten auf den Privatsendern übertroffen wird.

BILD

Henry - Portrait of a Serial Killer

Der Bildtransfer für die Blu-ray wurde vom originalen 16mm Master entnommen und im originalen 4:3 Format auf die Scheibe gepresst. Das Ergebnis sieht entsprechend schwierig aus, da aufgrund der hohen Aufkösung alle Schwächen des originalen Filmmaterials sichtbar werden. Dies kommt dem Film aber erstaunlicherweise zu Gute, da er absolut authentisch wirkt: Schärfe und Kontrast bewegen sich auf hohem VHS-Niveau und das Filmkorn ist ebenfalls gut sichtbar. Die farben des Films sind solide und leicht reduziert. Somit bietet "Henry" einen extrem realistischen Look, der eigentlich nur durch die "Leichentableaus" kontrastiert wird. Der Schwarzlevel geht in Ordnung, aber fällt im Vergleich zu regulären Transferen schon etwas ab. Die Kompression bleibt aber absolut sauber und hält das Bild stabil. Ausgehend von dem 16 mm Master konnte hier nicht mehr aus dem Material herausgeholt werden.

TON

Henry - Portrait of a Serial Killer

Tontechnisch hat sich für den Film seit dem Videozeitalter nichts verändert: der (zu bevorzugende) englische Ton liegt im originalen Stereoformat vor, während der deutsche Track nur in Mono vorliegt. Entsprechend findet eine Surroundaktivität eigentlich nicht statt. Beide Tracks sind aber gut entrauscht und die Dialoge und die Musik verhalten sich recht homogen zueinander. Der gezielte Einsatz der Musik und einigen Soundeffekten kommt in beiden Tracks gut zur Geltung. Die Dynamik der Tonspuren reißt natürlich keine Bäume aus, aber störende Überlappungen oder Aussetzer kommen nicht vor.

EXTRAS

Auf der Filmdisc begleitet Regisseur John McNaughton den Film mit einem laufenden Audiokommentar. McNaughton erinnert sich sehr lebendig an die Produktion des Films und seine Low-Budget Wurzeln. Detailliert beschreibt er die Locations und Personen, die an einzelnen Szenen beteiligt waren und auch den schauspielerischen Arbeitsprozess mit seinen drei Hauptdarstellern. Auch kuriose Anekdoten gibt es en masse zu hören: von abgeschleppten Autos ohne Bremsen, die Michael Rooker beinahe in Lebensgefahr gebracht haben, bis zu Erläuterungen von Special Effects, die für die Produktion mehrfach ausgereizt wurden, wird der Film und seine Produktion facettenreich beleuchtet.

Noch ausführlicher wird auf der zweiten Disc das "Making of" (ca. 53 Min.), das ursprünglich von Blue Underground produziert worden ist. Hier wird die Produktionsgeschichte von "Henry - Portrait of a Serial Killer" detailliert und chronologisch aufgeschlüsselt. Von Naughtons Sprung ins kalte Wasser des Independent Filmbusiness über die Erfahrungen der drei Hauptdarsteller miteinander während der Dreharbeiten sowie die heikle Fertigstellung des Films und seine erst Jahre später erfolgte Erfolgsgeschichte kommen hier zur Sprache.
Um den realen Henry Lee Lucas geht es schließlich in der schockierenden Dokumentation "The Serial Killers: Henry Lee Lucas" (ca. 26 Min.). Polizisten, Gesetzeshüter, Juristen und Profiler kommen hier zu Wort, aber und das ist schließlich das erschreckende Highlight, Henry Lee Lucas selbst, der in jeder Faser die Banalität des realen Horrors
für den Zuschauer erfahrbar und somit nur noch schrecklicher macht. Ein Muss.
John McNaughton ist schließlich noch einmal in einem Solo-Interview zu "Henry" zu hören (ca. 30 Min.), in dem natürlich einige Dopplungen zum Making of und Audiokommentar vorkommen. Dennoch ist hier viel Info noch einmal kompakt aufgearbeitet.
Ein zweites Interview mit McNaughton zum UNCUT-Re-Release in England (ca. 23 Min.) geht sehr gut auf die Retrospektive Sicht auf "Henry": Warum hat sich der Film so gut gehalten und was sind die Unterschiede zu anderen populärenb Serienkiller-Filmen?
Ergänzend gibt es noch einen kommentierten Videozusammenschnitt mit Kommentar von McNaughton zur Zensurgeschichte von "Henry" in England, was durchaus interessanter ist, als es zunächst klingt, da hier auch insgesamt auf die Zensurproblematik des Films international eingegangen wird.
Abgerundet wird die Bonuscheibe noch mit einer Sammlung von geschnittenen Szenen und Outtakes, die weitere Facetten der düsteren Welt von "Henry" offenbaren.
Eine Bildergalerie mit Storyboards ist ebenfalls noch vorhanden.
Der Blu-ray liegt ein umfassendes, 24-seitiges Booklet bei, das neben Texten zum Film auch Kopien der Indizierungs- und Listenstreichungsurteile enthält. Käufer der Erstauflage der Blu-ray dürfen sich zudem noch über den originalen Soundtrack auf CD freuen, der freundlicherweise von Bildstoerung beigelegt wurde.

und in einem weiteren Feature im Dialog mit dem
ist eine DVD und enthält x Dokumentationen.

FAZIT

Bildstoerung liefert mit "Henry - Portrait of a Serial Killer" auf Blu-ray ein perfektes Paket ab: Michael Rookers Darstellung von Henry ist auch nach über 25 Jahren absolut verstörend. Die Blu-ray selbst ist uncut und holt das Beste aus dem originalen 16mm Filmmaterial heraus und bringt sämtliche Extras der Special Edition mit. Dazu gibt es in der limitierten Erstauflage auch noch den Soundtrack zum Film als CD.



Kay Pinno


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