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Black Hawk Down   

Black Hawk Down
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Original: Black Hawk Down   (USA, 2001)
Laufzeit: 138 Minuten (PAL)
Studio: Universal
Regie: Ridley Scott
Darsteller: Josh Hartnett, Eric Bana, Ewan McGregor, Orlando Bloom, Tom Sizemore u.v.a.
Format: 2.40:1 Widescreen (16:9)
Ton: DD5.1 Deutsch, Spanisch
Untertitel: Deutsch, Englisch, Französisch, NL
Extras: 3 Kommentare, Behind the Scenes u.v.m.
Preis: ca. 25 €
Wertung: 1- / 1- / 1- (Bild/Ton/Extras)


"Das ist nicht die Schießerei am K.O. Korral!"

Waffenhändler Osman Atto weiß wovon er spricht. Er ist einer der Toplieferanten für den Schlächter von Mogadishu, Mohamed Farah Aidid. Der mächtigste von zahlreichen rivalisierenden Clan-Chefs im Bürgerkrieg von Somalia hat die Hauptstadt fest im Griff. Mittels Raubzügen gegen UN-Hilfslieferungen hat er die Bevölkerung in der Hand. Nach einem ersten Einsatz von US-Marines erklärt er der verbleibenden UN-Friedenstruppe den Krieg. Ein Konglomerat aus verschiedenen US-Truppen soll Aidid im Oktober 1993 entmachten und die Ordnung im Land wieder herstellen. Doch den Militärs flupscht der gefährliche Anführer immer wieder durch die Finger. Als sich eine gezielte Aktion gegen Aidids militärischen Stab nach dem Abschuss eines Black Hawk Hubschraubers zur Katastrophe entwickelt, versuchen alle beteiligten Kräfte die verwundeten Soldaten aus der Schusslinie zu holen. Ein großer Fehler. Aus der Aktion, die nicht länger als eine dreiviertel Stunde dauern sollte, wurde ein Mammuteinsatz, der sich über Tage ziehen sollte. Ridley Scott hat es mit “Black Hawk Down” wirklich geschafft, den ersten modernen Kriegsfilm auf die Leinwand zu bringen. Hier gibt es keinen klassischen Graben- oder Dschungelkrieg sondern nur pure Anarchie. Erst recht gibt es keine klaren Fronten. Der Film versucht die Funktionalität der modernen Militärmaschinerie innerhalb einer Einsatzkampagne nachzuvollziehen. Sehr dicht und ausgeklügelt geplante Missionen mit einer sehr problematischen Logistik und Koordination sind heute der Weg, wie Kriege von internationalen Mächten geführt werden. “Black Hawk Down” zeigt minutiös wie eine derartige Kriegführung fürchterlich schiefgehen kann. Abgesehen von Scotts immer großartigem Gespür für visuelles Kino hat der Film wirklich kaum die Anschuldigungen verdient, die er z.B. in England erhalten hat. “Black Hawk Down” ist kein Film, der sich mit der politischen und sozialen Situation in Somalia auseinandersetzen will und kann. Er bringt den Zuschauer an die Front eines UN-Einsatzes, bei dem die Beteiligten in der gleichen Situation wie der Zuschauer sind. Sie haben kaum eine Ahnung was dort vor sich geht. Sie haben nur ihr Einsatzziel und in diesem Fall einen gesichtslosen wie höchst gefährlichen Mob in einem von Anarchie geschüttelten Gebiet vor sich. Realistischer kann ein Film in diesem Sujet kaum werden. Vollgestopft mit einer namhaften Besetzung hat der Film weniger mit dem vielgenannten Heldenabgesang (der eigentlich bis auf eine kurze Szene am Ende nicht stattfindet!) als mit einer sehr bitteren und subtilen Kritik an moderner Kriegsführung zu tun. Wer gewinnt und wer verliert bei solchen Einsätzen? Einen Triumph hat hier niemand zu erwarten. Nur dem Tod und der Verzweiflung einer ungelösten Situation treten die Überlebenden entgegen.

BILD

Black Hawk Down

Das Bild von “Black Hawk Down” zu bewerten ist eine schwierige Angelegenheit. Durch die zahlreichen Filteraufnahmen und absichtlich veränderte Qualität des Films ist eine objektive Bewertung kaum möglich. Die Vorlage ist jedenfalls von bester Qualität und zeigt kaum Beweise seiner analogen Herkunft. Das anamorphe Bild (2.40:1) gibt die unterschiedlichen Szenarios des Films hervorragend wieder. Von Shutter-Aufnahmen über Handkamera bis zu digital bearbeiteten Mastershots bietet das Bild eine ordentliche Schärfe auch wenn die Kontraste etwas härter als im Kino erscheinen. Der teilweise grieselige Look liegt am Film selbst und ist nicht auf den Transfer des Films zurüchzuführen. Auch die speziell chroma-artig gefilterten Farben des Films kommen sehr gut zu Geltung und vermitteln sehr gut die staubig hitzige Hölle von Mogadishu. Der Schwarzlevel ist sehr tief und konstant. Die gute Kompression verhindert die Entstehung von Artefakten recht erfolgreich. Sehr gut.

TON

Black Hawk Down

In der Soundabteilung wurde leider ein DTS-Track ausgespart. Da die Filmscheibe schon derart vollgepackt mit dem Film und den anderen Audiotracks ist, war dies technisch wohl nicht möglich. Der Grund warum ich in diesem Fall einem DTS-Track nachjammere ist, dass die in Deutsch und Englisch angebotenen Dolby Digital Tracks nicht den erwarteten Over-The-Top Sound bieten, den man eigentlich erwarten dürfte. Dass soll allerdings nicht heißen, dass es sich hier um schlaffe Audiotracks handelt. Ganz im Gegenteil. Von der ersten Sekunde an wird ein angenehm räumliches Feeling verbreitet. Die kongeniale Musik von Hans Zimmer unterstützt die schwelende und hitzige Gewaltatmosphäre des Films auf allen Kanälen. Auch die Feuergefechte sorgen mit regelmäßigen direktionalen Effekten und auch 360 Grad-Momenten für viel Räumlichkeit. Was dem DD-Tracks einfach fehlt ist der richtige Bumms. Irgendwie wird man das Gefühl nicht los, als hätte der Tontechniker beim Abmischen den Masterregler immer etwas heruntergeschoben. Dadurch bleiben richtig krachende Momente eigentlich aus. Da bleibt auch der Subwoofer nicht aktiv genug, um das auszugleichen. Trotzdem bleibt es ein sehr guter Audiotrack.

EXTRAS

Identisch mit der schon vor Monaten erschienen englischen Ausgabe von “Black Hawk Down” darf man sich auf gleich drei Audiokommentare freuen. Auf Track Nr. 1 sprechen Regisseur Ridley Scott und Produzent Jerry Bruckheimer über die Schwierigkeiten der Produktion. Angefangen von dem Problem, von der US-Regierung tatsächlich Black Hawk-Helicopter zu bekommen, über das Casting und die gesamte Koordination der Mammutproduktion lassen es sich die beiden auch nicht nehmen, über ihre eigenen Gefühle zur Thematik und natürlich zum 11. September, der während der finalen Produktionsphase geschah, zu sprechen. Ein echter Klassiker in dem es keine Pause gibt. Auch Buchautor Mark Bowden und Drehbuchautor Ken Nolan lassen kaum eine Pause bei ihrer enthusiastischen Diskussion auf Track 2. Versehen mit einigen netten Produktionsanekdoten (Nolan imitiert mehrmals recht gekonnt Mr. Scott) kommen hier viele Informationen zu den realen Ereignissen und Personen zusammen. Die Schwierigkeit einen derart großen Ensemble-Film zusammen zu bekommen und genügend Raum für die zahlreichen (schon eingedampften) Figuren zu geben bleibt der Mittelpunkt des Gesprächs. Hier kommen auch kleinste Details der Geschichte zur Sprache, die so im Film nicht zu finden sind. Auf Track Nr.3 gibt es den wahren Schatz der Audiokommentare zu finden. Hier sprechen die echten Veteranen von 1993über ihre persönlichen Erlebnisse während des Einsatzes. Neben vielen sehr sachlichen Informationen zum militärischen Alltag lassen es sich die Soldaten nicht nehmen, auch kräftig am Film selbst Kritik zu üben, wo er von ihrer Realität abweicht. Ein echter Muss-Track.

Auf der zweiten DVD befindet sich das gigantische zweieinhalbstündige “Making of” von “Black Hawk Down”. Aufgeteilt in sechs Kapitel (die auch am Stück abgespielt werden können!) werden alle Aspekte der Produktion angesprochen. Von der Preproduktion über das militärische Boot-Camp der Schauspieler, die Drehorte, visuelle Effekte und, und, und. Zahlreiche Interviews und Behind the Scenes Aufnahmen machen dies zu einem echten Genuss. Zwar wird auch einige PR-Arbeit in Bezug auf das Militär geleistet, aber eigentlich bleiben die Aussagen der Beteiligten sehr persönlich. Unter der Abteilung Design lassen sich noch zwei interessante Videofeatures finden. In “Designing Mogadishu” (ca.13 Min.) erzählt der Ausstatter etwas über die schwierige Arbeit, den Drehort Marokko wie Mogadishu aussehen zu lassen. In “Jerry Bruckheimers Fotoalbum” gibt es 6 Minuten lang Fotos zu sehen, die Bruckheimer zusätzlich kommentiert. Zusätzlich gibt es einen höchst interessanten Film-zu-Storyboard Vergleich, der von dem Storyboard-Macher selbst kommentiert wird. Ridley Scotts originale Zeichnungen lassen sich schließlich hinter den “Ridleygrammen” finden. Eine extensive Bildergalerie sowie eine kommentierte Sektion zu den Titelentwürfen des Films beschließen die Design-Abteilung. Insgesamt acht geschnittene/alternative Szenen lassen sich optional mit Kommentar von Ridley Scott abspielen. Die Szenen selbst sind interessant und fügen einige nette Aspekte wie den Beschuss durch die eigenen Truppen hinzu. Die Szenen selbst sind in recht guter Qualität aber nur in non-anamorphen Widescreen enthalten. Das einzige was man diesem erschöpfenden Extra-Material fehlt, sind konkrete Informationen zu den realen Ereignissen von 1993. Diese werden sich aber leider erst auf dem demnächst erscheinenden US 3-er Disc Set befinden. Echt schade.

FAZIT

Sicherlich kontrovers aber auf jeden Fall sehr realistisch geht Ridley Scott das Thema der modernen Kriegsführung in “Black Hawk Down” an. Die 2-Disc Special Edition von Universal verbindet gute Qualität mit einer großen Anzahl an sehr informativen Extras. Pflichtkauf!



Kay Pinno


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