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Sie nannten ihn Plattfuss - Box   

Sie nannten ihn Plattfuss - Box
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Original: Pierdone lo sbirro / Piedone a Hongkong / Piedone l'africano / piedone d'Egitto   (Italien, 1973 - 80)
Laufzeit: 99 / 110 / 107 / 103 Min.
Studio: Tobis
Regie: Steno
Darsteller: Bud Spencer, Enzo Cannavale, Al Lettieri, Baldwyn Dakile, Werner Pochath, Robert Loggia u.a.
Format: 1.85:1 (16:9) Widescreen
Ton: DD2.0 Deutsch
Untertitel: Deutsch
Extras: Trailer, Buds Best, 2 Langfassungen
Preis: ca. 28 €
Wertung: 3-/ 3 / 3- (Bild/Ton/Extras)


"Neapels Schimanski"

Lange bevor Deutschlands pragmatischster Ermittler mit Herz und Schnauze namens Horst Schimanski das Licht der TV-Welt erblickte, hatte Bud Spencer die Figur des Polizei-Rauhbeins mit harter Faust und frommen Sprüchen sowie dem richitgen Blick für seinen Kiez bereits für sich verbuchen können: Manuele Rizzo (Bud Spencer) ist ein neapolitanisches Urgestein und Kommissar bei der Abteilung für organisiertes Verbrechen in Neapel. Seine Spezies von Camorra und Co. hat er gut im Blick und wird gefürchtet und geachtet von beiden Seiten des Gesetzes. Seine einzige Dienstwaffe sind deshalb nur seine Fäuste, mit denen er auch mal das Gesetz vor Ort ein wenig gerade rückt.
Die Figur des stämmigen Ermittlers mit dem Dampfhammer und dem italienischen Pragmatismus für Recht und Ordnung ist Bud Spencer auf den Leib geschneidert. Zudem unterscheiden sich die (wenigstens ersten beiden) "Plattfuss"-Filme vom üblichen Bud Spencer Oeuvre, weil sie ihr kriminelles Setting ernst nehmen. Zusammen mit seinem Regisseur Steno (kompletter Name Stefano Vanzina) erschuf Bud Spencer mit "Plattfuss"-Kommissar Rizzo so eine Ikone, die es insgesamt auf vier Filme bringen sollte. Das Erfolgskonzept wird natürlich unterstützt von einem einmaligen De Angelis Soundtrack (Das Plattfuss-Thema geht sofort ins Ohr!) und großartiger Nebenbesetzungen - vor allem in Gestalt von Enzo Cannavale in der Rolle von Rizzos tappsigem Assistent Caputo.

Sie nannten ihn Plattfuss


Der erste "Plattfuss"-Film ist eigentlich ein waschechter italienischer Polizeifilm, der wie eine Antwort auf den erfolgreichen "French Connection"-Film von William Friedkin wirkt. In Neapel häufen sich die unbequemen Vorfälle in Zusammenhang mit der aufkommenden Drogenkriminalität: Rizzo muss einen auf Drogen befindlichen Amokschützen per Dampfhammer in die Realität zurückholen und den Fall einer misshandelten Prostituierten aufrollen, die keine Drogen an ihre Freier verticken wollte. Alle Indizien deuten auf den schmierigen Ferdinando "Der Baron" Scarano (Angelo Infanti) hin, doch Rizzo bekommt den gewieften Lumpen nicht zu fassen. Doch Kommissar Rizzo droht noch andere Ungemach: sein neuer Chef Dr. Tabassi (Adalberto Maria Merli) und auch der örtliche Camorra-Chef Zwei-Finger Joe (Mario Pilar) sitzen ihm wegen der Drogen-Übergriffe im Nacken. Der Kommissar muss schließlich einen gefährlichen Weg gehen: gemeinsam mit seinen Kontakten in der neapolitanischen Unterwelt geht Rizzo mit eiserner Faust gegen die Drogenpusher vor - und landet schnell selbst auf der Abschussliste des Drogenkartells. Ursprünglich im Kino ab 16 Jahren freigegeben, ist der erste "Plattfuss" eigentlich nicht für Kinder gedacht, wenngleich die üblichen komödiantischen Seitenhiebe auch hier vorhanden sind. Waschechtes und teilweise auch knallhartes Italo-Kino, das Bud Spencer und seine Co-Stars in Hochform zeigt.

Plattfuss räumt auf


Nachdem Kommissar Rizzo im ersten Film im Drogensumpf Neapels aufgeräumt hat, bleibt das Problem des Drogenschmuggels aber weiter bestehen. Nachdem eine große Ladung in Neapel abgefangen werden konnte, stellt sich die Frage, wer die neuen Drahtzieher hinter diesem Schmugglerring sind. Mit Unterstützung der amerikanischen Drogenfahndung nimmt Rizzo eine Spur auf, die ihn schließlich bis nach Hongkong führt. Auf der Fährte des verdächtigen Frank Barella (Al Lettieri) können Rizzo weder Sumo-Ringer noch Kung Fu Kämpfer aufhalten. Erst als der Kommissar den Waisen Yoko (Daygolo) mit sich nehmen muss, da dessen Mutter Opfer der Drogenschmuggler geworden ist, schaltet Rizzo einen Gang zurück. Doch eine Gefahr scheint auch aus den eigenen Reihen zu drohen. "Buddy in Hongkong" - so der alternative Titel von "Plattfuss räumt auf" - ist eine würdige Fortsetzung, die die Balance zwischen Komödie und Kriminalfilm noch gut halten kann.

Plattfuss in Afrika


Leider zeigt "Plattfuss in Afrika" leider schon den Trend auf, sich für ein jüngeres Publikum familienfreundlicher zu gestalten. Weg vom Drogenthema geht es diesmal um groß angelgeten Diamantenschmuggel, der Rizzo und Caputo, der diesmal auch mehr Zeit im Film eingeräumt bekommt, nach Südafrika führt. Dort treffen die Italiener auf den kecken Knirps Bodo (Baldwyn Dakile heißt in der deutschen Synchronisation Botho) und den fiesen Minenaufseher Spiros (Werner Pochath). Während Rizzo tapfer ermittelt dürfen Caputo und Bodo (auch in drolligen Verkleidungen) fleißig blödeln, um den Zuschauer bei Laune zu halten.Trotz gestiegenem Klamauk-Faktor darf Kommissar Plattfuss aber noch ordentlich hinlangen und bei Tierfängern und Diamantenschmugglern fleißig den Scheitel mit der groben Kelle ziehen.

Plattfuss am Nil


In Ägypten erreicht die "Plattfuss"-Serie ihren abschließenden Tiefpunkt: vollends auf Klaumauk programmiert, gehen Plattfuss, Caputo und Bodo in Kairo auf die Suche nach einem verschwundenen Wissenschaftler. Mit an Bord des wenig spannenden und leidlich spaßigen Films sind Robert Loggia und Cinzia Monreale.

BILD

Sie nannten ihn Plattfuss - Box

Die Ankündigung der "Plattfuss"-Filme als "Remastered" auf DVD war ein Hoffnungsschimmer, der aber bei Betrachtung der Scheiben leider schnell der Ernüchterung weicht. Die Filme liegen im originalen 1.85:1 bzw. 1.78:1 Widescreen Format (anamorph) vor. Im Vergleich zu den bereits bei Paramount erschienen Transferen hat sich hier aber kaum etwas getan. Das "Remastering" hat sich wohl darauf beschränkt, ein paar Filter über die vorhandenen Transfere laufen zu lassen. Zwar wirkt das Bild dadurch ein wenig ruhiger und weniger verrauscht, aber eben nur in sehr geringem Umfang. Die Vorlagen sind im akzeptabelen Bereich und zeiegen einige deutliche Bildpunkte und kleinere Verunreihnigungen. Schärfe und Kontrast sind im (unteren) mittleren Bereich anzusiedeln. Die Farben sind außerdem eher blass und der Schwarzlevel auch ehr milchiger als ma es erwarten könnte. Dies liegt an der insgesamt leicht aufgehellten Qualität der Transfere. Die Kompression kann ein Hintergrundrauschen nicht verhindern, bei dem sich auch hier und da kleine Artefakte an Hintergründen zeigen können. Auch gibt es ab und an leichte Treppchenbildung an Konturen aufgrund des Versuchs einer künstlichen Nachschärfung. Insgesamt eher mäßig befriedigend. Ein paar schöne Bildvergleiche mit den italienischen DVD-Mastern liefert hier auch das Spencer-Hill-Forum: Sie nannten ihn Plattfuss, Plattfuss räumt auf, Plattfuss in Afrika und Plattfuss am Nil.

TON

Sie nannten ihn Plattfuss - Box

Der Ton liegt bei allen vier Filmen im DD2.0 Fortmat vor und basiert auf den originalen Monotracks der Filme. Qualitativ ergeben sich hier nur marginale Unterschied - auch in bezug zu den bereits ursprünglich bei Paramount veröffentlichten Versionen. Die Tracks sind solide entrauscht und entfalten eine ausreichende Dynamik, ohne dabei aber ein richtiges Volumen zu entwickeln. Die Dialoge sind gut verständlich und auch die restliche Soundkulisse, einschließlich der Musik der De Angelis Brüder, ist solide, aber kaum bemerkenswert. Störende Überlappungen oder Aussetzer konnten nicht festgestellt werden. Für bearbeitete Monotracks gehen die Tonspuren in Ordnung. In den Langfassungen bei "Sie nannten ihn Plattfuss" und "Plattfuss in Afrika" wurden die neuen Passagen aufgrund fehlender Synchronisation im Original belassen und mit deutschen Untertiteln versehen.

EXTRAS

Auf der DVD von "Plattfuss räumt auf" befindet sich die ca. 53-minütige Dokumentation "Buds Best - Die Welt des Bud Spencer", die vom Sender Arte mitproduziert wurde. HIer gibt es einen Blick auf die verrückte Welt von Bud Spencer in Deutschland zu sehen, während der inzwischen 83-jährige sich auf seiner Buchtour durch Deutschland befand.
Auf den Scheiben von "Sie nannten ihn Plattfuss" und "Plattfuss in Afrika" sind erstmals in Deutschland die Langfassungen der Filme vorhanden, die separat neben der originalen deutschen Kinofassung angewählt werden können. Leider fehlt in der Langfassung von "Plattfuss in Afrika" immer noch etwas Material, so dass diese Version ebenfalls noch nicht komplett ist (Schnittbericht hier).

FAZIT

In der "Plattfuss"-Box von Tobis gibt es erstmals die ungeschnittene Fassung von "Sie nannten ihn Plattfuss" und die (leider nicht ungekürzte) Langfassung von "Plattfuss in Afrika" zu sehen. Trotz des Aufdrucks "Remastered" auf allen vier Scheiben fällt die Bildqualität zudem eher bescheiden aus. Für Besitzer der alten Paramount-Scheiben wird sich das Upgrade deshalb kaum lohnen. Wer "Plattfuss" allerdings noch nicht besitzt, kann zugreifen. Alle vier Filme sind auch einzeln erhältlich.



Kay Pinno


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