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Hard Boiled Sweets   

Hard Boiled Sweets
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Original: Hard Boiled Sweets   (Grobritannien, 2012)
Laufzeit: ca. 82 min
Studio: Sunfilm Entertainment
Regie: David L.G. Hughes
Darsteller: Scot Williams, Liz May Brice, Peter Wight, Paul Freeman
Format: 1.78:1 Widescreen (16:9)
Ton: DD 5.1 Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Extras: Making of, Deleted Scenes, Kurzfilm
Preis: ca. 10 Euro
Wertung: 2-/ 3+/ 1 (Bild/Ton/Extras)


"Kurzfilmplot reicht nicht für abendfüllenden Spielfilm"

„Hard Bolied Sweets“ gehört zu jener Kategorie von Filmen, die glauben intelligenter zu sein als sie sind. Ohne Zweifel gibt es zum Ende der Geschichte hin einen wirklich überraschenden Moment, aber bis es soweit ist, gibt sich der Film chic, cool, heftig, nur vergisst die Geschichte jene Kleinigkeit zu kreieren, die einen Thriller durchaus dramaturgisch zu unterstützen versteht. Eine kleine Zutat namens Spannung.

Die Geschichte beginnt mit der Entlassung von Johnny aus dem Knast. Der hat über sechs Jahre gesessen. Ausgerechnet der Polizist, der ihn in den Knast gebracht hat, sorgt dafür, dass Johnnys Vorsätze – ein ehrlicher Mensch zu werden – schon auf dem Heimweg die Themse runtergespült werden. Johnny wird keine Ruhe finden, es sei denn, er stiehlt dem Gangsterboss Eddie eine Millionen Pfund. Dumm nur, dass es auch ein alternder Gentleman-Gangster auf das Geld abgesehen hat (und seinerseits von einem anderen Gangster zu diesem Schritt gezwungen wird). Auch der Zuhälter Daddy hat es auf die Millionen Scheinchen abgesehen. Und eine Edelprostituierte, die ihrerseits mal für Daddy anschaffen gegangen ist und nun das Bett mit wem teilt? Dem Gangsterboss natürlich! Und so weiter...
Was nun ein fröhliches Wer-bescheißt-wen-Spielchen werden könnte, entwickelt sich zu einem vollkommen überambitionierten B-Movie, das über seine vielen, vielen, vielen, vielen Dialoge krampfhaft versucht, den Figuren eine Tiefe zu verleihen, die diese einfach nicht haben. Manchmal sind Gangster eben nur Gangster. Da bekommt der Polizist eine familiäre Hintergrundgeschichte aufs Auge gedrückt, die sein Handeln erklären soll. Die Edelprostituierte bekommt eine Hintergrundgeschichte, die wahrlich tragisch ist, der Gentleman-Gangster bekommt seine Lebensgeschichte... Nur Johnny, über den die Geschichte eigentlich erzählt wird, der in gewisser Weise der Charakter ist, über den alle Figuren irgendwann zusammen treffen – bleibt den Zuschauern ein Fremder. Weder ergibt sich, warum ausgerechnet er der richtige Mann für den Job ist, noch was ihn eigentlich zum Zentrum des Filmes machen soll?
Es dauert sagenhafte 45 Minuten, bis alle Figuren vorgestellt sind – in einem Film mit weniger als 80 Minuten Laufzeit (ohne Abspann). Warum eine jede Figur mit einer Süßigkeit verglichen wird (siehe Titel) ergibt sich auch nicht wirklich, und wenn nach 70 Minuten endlich wirklich etwas passiert, geht es eigentlich ziemlich schnell dem Ende entgegen. Und wie das dann aussieht, weiß der Gangsterfilm erfahrene Zuschauer eigentlich auch, auch wenn der Showdown durchaus überraschend beginnt.

Dass die Geschichte keinen Sympathieträger aufzuweisen hat, ist fatal. Schließlich möchte man als Zuschauer ja Figuren haben, mit denen man fiebern, leiden, hoffen kann. Solch eine Figur aber sucht man in „Hard Boiled Sweets“ vergeblich. Das heißt, es könnte eine Figur geben, die einen Grund für ihr Handeln hat. Sie ist allerdings die erste Figur, die ins Gras beißen muss. Na toll.

BILD

Hard Boiled Sweets

Das Bild ist im Transfer gediegen, auch wenn der gesamte Film einen Tick zu dunkel erschein. Die Farbpalette ist dennoch ganz solide und zeigt sich auch schon mal etwas ausgewaschener, was aber durchaus zu dem Spielort an der englischen Südküste passt (Brighton?). Schärfe und Kontrast sind ordentlich und zeigen jedes kleine Detail fast ein wenig zu realistisch (immerhin ist der Film, trotz einer 16er Freigabe, recht heftig anzuschauen, wenn es denn man zur Sache geht – und das sieht schon gut eklig aus.

TON

Hard Boiled Sweets

Der Ton klingt sowohl in der deutschen als auch der englischen Fassung etwas dumpf. Woran diese Kompression liegt, lässt sich leider nicht sagen. Es fehlt der Abmischung an Tiefe. Oft klingen die Dialoge wie eine literarische Lesung, es fehlt an Hall und Atmosphäre. In vielen Moment wirkt dies steril und wenig anheimelnd. Ein größeres Klangspektrum hätte den Film zwar nicht gerettet, hätte ihm aber möglicherweise etwas mehr Atmosphäre verleihen können.

EXTRAS

Die Extras sind fett und leider entlarven sie auch, warum dieser Film vorne und hinten nicht funktioniert.
Zunächst zum Making of. Das erlaubt einen wirklich netten Blick hinter die Kulissen, recht detailliert sprechen die Macher über ihre Arbeit, der Zuschauer wird auf sehr angenehme Art und Weise an die Hand genommen, um sich über die Produktion ein anständiges Bild machen zu können. Dieses Making of ist wirklich mit Liebe und Herzblut entstanden. Wie auch das Making of von – „A Girl And A Gun“, einem Kurzfilm, auf dem der Spielfilm basiert. Dass das Making of dem tatsächlichen Kurzfilm vorgeschaltet ist, macht durchaus Sinn, denn so erfahren wir, welche Schwierigkeiten die Macher einst aus dem Weg räumen mussten, um ihren kleinen Film realisieren zu können, wie sie teils blauäugig gehandelt haben, wie der Enthusiasmus über das Können siegte – und doch am Ende ein Film entstand, der ihnen die großen Türen öffnete. Und der leider auch belegt, dass ihr Spielfilm, der letztlich auf exakt der gleichen Grundidee basiert, scheitern musste. „A Girl And A Gun“ ist 17 Minuten lang, erzählt im Grunde die gleiche Geschichte wie der Spielfilm – nur in einer ungemein komprimierten Form. Die Figuren (weniger als im Spielfilm) handeln präzise, vor allem aber führt die gesamte Geschichte hin zum bösen Schlussgag, der im Kurzfilm hervorragend funktioniert und mit dem er auch Film auch endet. Schlussgag, Schwarzbild, Aus. Das Problem: Die Geschichte, wie sie „A Girl And A Gun“ konzipiert, ist in jedem Augenblick die Geschichte eines Kurzfilms. Die gesamte Handlung läuft von Anfang an auf das düstere Ende hinaus. Von dieser düsteren Grundstimmung ist im Spielfilm nichts übrig geblieben, selbst der gelungene Schlussgag wird im Spielfilm fürchterlich versemmelt (weil er in der aufgeblähten Langfassung einfach viel zu früh ersichtlich ist und daher ohne jedes überraschende Momentum daher kommt).

FAZIT

Normalerweise sind britische Gangsterfilme eine sichere Bank. Aber es gibt keine Regel ohne eine Ausnahme. „Hard Boiled Sweets“ ist eine solche bedauerlicher Ausnahme.



Christian Lukas


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