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Cinderellas unmoralische Abenteuer   

Cinderellas unmoralische Abenteuer
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Original: -   (USA, 1977)
Laufzeit: ca. 90 Min. (PAL)
Studio: Donau Film
Regie: Michael Pataki
Darsteller: Cheryl Smith, Yana Nirvana, Sy Richardson
Format: 1.85:1 Widescreen (16:9)
Ton: DD 2.0 Deutsch, Englisch
Untertitel: ---
Extras: Deutsche Kinofassung, geschnittene Szenen
Preis: ca. 12 Euro
Wertung: 4+/ 3-/ 2 (Bild/Ton/Extras)


"Cindys Sexy Disco Märchen Show"

Selbst erfahrene Filmrezensenten sind immer wieder davon überrascht, was in den 1970-er Jahren das Licht der Filmleinwand erblickt hat. Vor allem das Thema Sex ist wahrscheinlich nie wieder so unbefangen bunt auf Zelluloid eingefangen worden wie im Zeitalter der Schlaghose. Eine kleine Perle aus dieser Zeit ist mit Sicherheit „Cinderellas unmoralische Abenteuer“, ein Musicalsexmärchen....
Ein Muscialsexmärchen? 1977 kam es in Deutschland unter dem Titel „Die tolle Geschichte der C“, einer Anspielung auf „Die Geschichte der O“, in die hiesigen Kinos und wer es nicht glaubt: „Cinderellas unmoralische Abenteuer“ ist tatsächlich nicht nur eine erotische Adaption eines hinlänglich bekannten Märchenstoffes! Pornos (und Sexfilme), die auf Märchen basieren, ach Gottchen, davon gibt es Dutzende, wenn nicht noch mehr. Was die Leserinnen und Leser dieser Seite vielleicht schockieren mag (Besucher des DVDromes sind ja bekanntlich anständige Filmfreunde, die niemals die dunklen Ecken einer Videothek besuchen oder im Internet nach verbotenen Seiten Ausschau halten würden, oder?): Nein, in „Cinderellas unmoralische Abenteuer“ wird tatsächlich auch noch gesungen. Und das überhaupt nicht schlecht. Ganz im Gegenteil: Die Zeit hat es gut mit der Musik gemeint, die Disco zieht in den Märchenwald und das klingt auch heute noch sehr angenehm. Vor allem aber: Das ist teils derart durchgeknallt, dass es auf eine seltsame Weise wirklich Spaß macht. Natürlich ist „Cinderellas unmoralische Abenteuer“ nun kein verkanntes Meisterwerk, das seiner späten Entdeckung harrt; der von Michael Pataki inszenierte Spielfilm kann inszenatorisch auch nicht mit den französischen Produktionen der Zeit mithalten, die, ob man sie mag oder nicht, doch zumindest als erlesen fotografiert bezeichnet werden dürfen. Aber freundlich-durchgeknallt ist die Adaption des Grimm’schen Märchens schon, bei dem die arme Cinderella nicht nur im Hause der bösen Stiefmutter wohnt, sondern auch noch von zwei wirklich hässlichen Stiefschwestern drangsaliert wird.
Nun hat der Prinz ihres kleinen Königreiches ein Problem: Er ist ein potenter Schlingel, was aber die Suche nach der wahren Liebe schwierig macht. Doch der Herr Papa ist ein vorrauschender Monarch: Er weiß, dass wahre Liebe nicht im Gruppensex gefunden wird. Also lädt er zwecks Heiratsfindung zum Ball (oder zur Orgie, je nach Sichtweise). Natürlich wissen die bösen Stiefschwestern Cinderella vom Besuch des Hoffestes fernzuhalten. Es kommt jedoch Abhilfe daher: In Form einer männlichen Soul-Fee...

Man muss ein Faible für schräges Filmzeug haben, um „Cinderellas unmoralische Abenteuer“ goutieren zu können, keine Frage. Wer aber ein Faible für durchgeknalltes Filmgut hat – darf einen Blick riskieren.

BILD

Cinderellas unmoralische Abenteuer

Das Bild hat im Laufe der Jahre sehr gelitten. Zwar ist die Kopie weitestgehend frei von Schlieren oder anderen Laufspuren, aber das Bild ist zu hell, ein leichtes Grieseln lässt sich nicht ganz vermeiden, schnelle Bewegungen führen zu leichten Verwischungen. Das Bild erinnert an ein gut erhaltenes VHS-Band aus den 80-ern, das ordentlich gelagert worden ist. Allzu schwere Bildspratzer sind nicht auszumachen, aber eine gute Bildqualität sieht dann doch anders aus. Man darf sicher nicht allzu viel erwarten, aber es darf dennoch die Frage gestellt werden, ob etwas mehr Kontraste und eine etwas intensivere Farbsättigung tatsächlich das Budget der DVD-Veröffentlichung gesprengt hätten?

TON

Cinderellas unmoralische Abenteuer

Der Ton ist – zwiespältig. Es ist nicht zu überhören, dass der deutsche Verleiher des Jahres 1977 nicht mehr als gerade nötig in die Synchronisation gesteckt hat. Will heißen: Schon der Originalton dürfte nicht unbedingt zu den Highlights deutscher Tontechnikkunst gezählt haben, nun sind aber auch noch Altersspuren auf die Tonspur gerutscht – und die hört man. Der Ton ist dumpf, ohne räumlichen Klang, monoton. Aber: Das gilt nicht für den Gesang. Der stammt von der amerikanischen Tonspur und höre da: Der ist in Ordnung. Zwar auch etwas schwach abgemischt, aber durchaus zufriedenstellend. Außerdem ist er frei von jeglichen Tonspratzern. Der Film fordert nicht gerade Kenntnisse in Shakespearean English, mit normalem Schulenglisch ist es problemlos möglich, der Geschichte zu folgen. Ein Umschalten auf die englische Tonspur sei daher geraten.

EXTRAS

Als Extra bietet die DVD-Veröffentlichung die deutsche Kinofassung von 1977 – „Die tolle Geschichte der C“. Das ist ganz witzig, weil diese Fassung um zehn Minuten gekürzt war und wirklich nicht nachzuvollziehen ist, warum der deutsche Verleiher einst die Schere angesetzt hat. Es fehlt im Vergleich zur Langfassung Handlung. Dies zu interpretieren überlasst der Rezensent der Leserschaft....

FAZIT

„Cinderellas unmoralische Abenteuer“ ist kein Film für den Familiennachmittag. Da ist die Disney’sche Variante vorzuziehen. Doch ein Märchensexfilmmusical... Das bekommt man wahrlich selten zu sehen und zu hören. Wer also einen Blick riskieren möchte...



Christian Lukas


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