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The Bay   (BLU-RAY)

The Bay
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Original: The Bay   (USA, 2012)
Laufzeit: ca. 85 Min. (1008p)
Studio: Koch Media
Regie: Barry Levinson
Darsteller: Kristen Connolly, Christopher Denhamn, Michael Beasley u.a.
Format: 1.85:1 Widescreen (16:9)
Ton: DTS-HD-MA 5.1 Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Extras: Kommentar, Making of, Trailer
Preis: ca. 15 €
Wertung: 2 / 2 / 3- (Bild/Ton/Extras)


"Ferien, die unter die Haut gehen"

Friedlich und ausgelassen wird in dem kleinen Küstennest Chesapeake Bay der amerikanische Nationalfeiertag am 4. Juli gefeiert, als sich plötzlich seltsame Dinge ereignen. Menschen bekommen schmerzhaften Ausschlag und fallen ins Koma. Andere werden blutüberströmt und ohne Zunge aufgefunden. Eine Panik bricht aus, während die Gesetzeshüter verzweifelt wieder Herr der Lage werden wollen. In der Notaufnahme des örtlichen Krankenhauses stehen die Ärzte vor einem Rätsel und informieren das Seucheninstitut von Atlanta. Doch alle Hilfe scheint bereits zu spät zu kommen.
Regisseur Barry Levinson hat sich für "The Bay" den populären Ansatz des "Found Footage"-Films angenommen, um wie George Romero in "Diary of the Dead" dem Zuschauer eine Fake-Dokumentation im Setting eines Horrorfilms zu spendieren. Levinson orientiert sich dabei gezielt an der modernen Wahrnehmung von realen Katastrophen über Internetmedien und schafft mit "The Bay" eine unheimlich dichte wie Atmosphäre des Unbehagen, Zeuge von realen Aufnahmen einer Katastrophe zu sein. Erinnerungen an die Bilder der Katastrophentouristen von Fukushima, die mit dem Auto in das Wasteland rund um den Unglücksreaktor und das Tsunamigebiet fuhren und ihre unfassbaren Videoaufnahmen im Internet veröffentlichten, steigen einem sehr schnell in den Kopf.
Einige Zeit nach den schrecklichen Ereignissen hat eine Reporterin Donna (Kether Donohue) über ein Internet-Netzwerk alle möglichen auch von der Regierung zensierten Aufnahmen des Vorfalls zusammengetragen, um sie - geschnitten und von ihr selbst kommentiert - dem Zuschauer darzulegen. "The Bay" kämpft wie die meisten "Found Footage"-Filme mit der Dramaturgie - hat er hier zudem noch das Problem, die Struktur eines Katastrophenfilms mit verschiedenen nicht verbunden Erzählsträngen hantieren zu müssen, wogegen sich die Videoaufnahmen in solchen Filmen sonst auf eine kleine Personengruppe beschränkt. So zieht "The Bay" hauptsächlich daraus sein Potential, tatsächlich als "Enthüllungsdokumentation" gesehen zu werden. Dies funktioniert tatsächlich bis zum finalen Akt des Films recht gut. Nachdem allerdings das Geheimnis um die schrecklichen wie blutigen Ereignisse gelüftet ist, fällt die ansonsten gut angerichtete Neuinterpretation des Öko-Tierhorrors spannungslos in sich zusammen. Da man zu den Figuren aufgrund der Mosaikstruktur des Films keine richtige Beziehung aufbauen kann, bleibt einem nur noch ein eher teilnahmsloses Abwarten des unvermeidlichen Schicksals.
Was dem Zuschauer letztlich unter die Haut geht ist schließlich, dass die "fiktive" Katastrophe von "The Bay" gar nicht so weit hergeholt ist und dass man, sollte ein ähnlicher Vorfall tatsächlich stattfinden, sie durch die Medien tatsächlich so wahrnehmen würde, wie Barry Levinson dies präsentiert. Vielleicht allerdings mit einer etwas professionellen und weniger nervigen Reporterin als Donna.

BILD

The Bay

Wie bei Found-Footage Filmen üblich ist die Aussage über die Bildqualität schwierig zu treffen, da das Rohmaterial aus unterschiedlichen - in diesem Fall hauptsächlich Digitalvideo-Quellen - stammt. Diese reichen von professioneller XD-Cam über reguläre Consumer-Cams bis zu (wahrscheinlich gefakten) Überwachungskameras, aber auch eingekauftem, echtem Doku- und Nachrichtenmaterial. Insofern entspricht das Ergebnis, wel es zudem vom digitalen Master kommt, sicher genau dem vom Regisseur angestrebten visuellen Erlebnis. Entsprechend der Quellen variieren Bildschärfe, Farben und Kontraste, die aber im Einzelfall betrachtet immer für die entsprechende Quelle sprechen. Der Schwarzlevel ist allerdings durchgängig tief und Kompressionsrückstände sind ebenfalls nicht auszumachen. Ein solider Transfer.

TON

The Bay

Der DTS-HD-MA 5.1 Track auf Deutsch und Englisch bemüht sich sehr um die ambiente Darstellung der sehr unterschiedlich aufgenommenen Szenen. Dabei werden auch die unterschiedlichen Quellen berücksichtigt, so dass der Zuschauer nicht aus der Illusion gerissen wird, hier "Second-Hand"-Videomaterial zu schauen. Trotzdem wurde darauf geachtet, dass die Dialoge so gut verständlich wie möglich platziert wurden. Musik schleicht sich nur in wenigen Übergangsszenen und Montagen in den Track. Die ambiente Ausrichtung des Tracks funktioniert allerdings sehr gut und bietet auch gute wie subtile 360-Grad Aktivität. Störende Überlappungen oder Aussetzer konnten nicht festgestellt werden. Ein sehr gelungener Track.

EXTRAS

"The Bay" auf Blu-ray bringt nicht viele Extras mit, aber zeigt in der Qualität, wie unterschiedlich diese genutzt werden können. Neben zwei Trailern des Films gibt es einen äußerst drögen wie langgezogenen laufenden Audiokommentar von Regisseur Barry Levinson auf der Scheibe. Mit langen Pausen beschreibt Levinson hier hauptsächlich die technische Herausforderung, die improvisierten Szenen hinzubekommen. Dies wiederholt sich zudem laufend, ohne das Levinson wirklich ein wenig mehr über inhaltliche Dinge oder seine Herangehensweise an das Material plaudert. Sehr schade.
Sparen kann man sich den Kommentar komplett, wenn man sich die 11-minütige Dokumentation "Into the Unknown" anschaut. Hier wird kompakt und an guten Beispielen von Barry Levinson geschildert, wie er an "The Bay" gearbeitet hat und wie die Improvisationsarbeit funktionierte - solide und auf den Punkt formuliert statt zerbrabbelt wie im Kommentar.
Damit ist aber auch schon Schluss bei den Extras von "The Bay".

FAZIT

Ausgerechnet Barry Levinson ("Good Morning Vietnam") liefert mit "The Bay" eine modernes Upgrade für den Tier-/Ökohorrorfilm in den Multimediazeiten von Facebook und Smartphone. Kein Klassischer Found-Footage Film sondern ein beängstigend nah an der heutigen Wahrnehmung liegender, medialer Horrorfilm. Koch Media liefert dazu eine sehr gelungene Blu-ray, die sowohl eine gute Synchronisation als auch ein gutes Bild mitbringt. Die Extras fallen dafür eher schwächer aus. "The Bay" auf Blu-ray ist eine positiv schaurige Überraschung, die man sich nicht entgehen lassen sollte.



Kay Pinno


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