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Blow   

Blow
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Original: Blow   (USA, 2001)
Laufzeit: 118 Minuten (PAL)
Studio: Kinowelt
Regie: Ted Demme
Darsteller: Johnny Depp, Penelope Cruz, Franka Potente, Paul Reubens, Jordi Molla, u.v.a.
Format: 2.35:1 Widescreen (16:9)
Ton: DD5.1 Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Englisch
Extras: Kommentar,Interview,Fact-Track, u.m.
Preis: ca. 25 €
Wertung: 1 / 1-/ 1 (Bild/Ton/Extras)


"Du hast den falschen Traum geträumt!"

Diesen Satz sagt einer der kolumbianischen Drogengangster im Knast zu George Jung, bevor sie sich nach ihrer Entlassung aufmachen, Kokain statt Marihuana auf dem amerikanischen Markt abzusetzen. Mit diesem Satz wird das Dilemma der Hauptfigur, eines weißen Vorstadtamerikaners aus ärmlichem Elternhaus, auf den Punkt gebracht. Als Kind musste er miterleben, wie die Armut der heimische Familienidylle Probleme bereitete, da seine Mutter häufig das Weite suchte. Obwohl sie stets wieder kam, prägte das sein Leben, so dass er sich schwor, selbst nie ein Leben in Armut zu fristen. Er zog nach Kalifornien, wo sich im laxen Klima des sonnigen Staates mit ein paar Freunden schnell ein Marihuana-Ring aufbauen ließ. Danach war Kokain an der Reihe und der Reichtum groß, aber es dauerte nicht lange und eine Niederlagenserie nahm ihren Anfang. Trotz der wenig originellen Geschichte von “Blow” gelingt es Ted Demme, ihr eine schöne Reflexion über Träume abzugewinnen. Seine Hauptfigur wünscht sich ein intaktes Familienleben, das er über eine Verschiebung seines Traumes auf Geld zu erreichen sucht, weil ihm dies im eigenen Elternhaus als fehlender Faktor für ein Familienglück erschienen war. Viel zu spät merkt er, dass Reichtum der falsche Traum ist. Einem Kokainsüchtigen gleich jagt er so dem trügerischen Glück hinterher, dass ihm nach einem Kick sofort wieder entgleitet. Damit stellt “Blow” zwischen dem tragischen Schicksal des Kokainschmugglers und der Droge eine Beziehung her, die einen Traumsüchtigen kreiert. Ein Wesen, das verzweifelt nach Wahrhaftigem sucht, aber nur den trügerischen Schein findet, ein Tänzer im Land der brennenden Illusionen. Für kurze Zeit spenden sie Wärme, aber dann sind sie nur noch Rauch.

BILD

Blow

Mit viel Gespür für die Ästhetik des Films weist die Scheibe ein gestochen scharfes Bild auf, das keine Fragen offen lässt. Auch auf Vorlage sind keinerlei Schwächen wie Dreck oder Kratzer zu erkennen. Ein großes Lob muss der Farbwidergabe gezollt werden. “Blow” erstrahlt im Geiste des Kameramanns, der für jede Epoche eine andere Art der Farbgestaltung gewählt hat. So sehen Szenen der 50er Jahre aus, wie in einer amerikanischern Familienserie aus der Zeit. Der Transfer überträgt das genauso hervorragend auf die DVD wie auch die 60er als poppig bunte Welt ohne Sorgen erscheinen und die Farben immer blasser werden je weiter George Jung absteigt.

TON

Blow

Naturgemäß gibt es auf der Tonspur bei diesem Drama ohne Actionsequenzen kaum Surround-Effekte. Ohne Rauschen kann man die gute Abmischung aus Dialog- und Musikeinsatz genießen. Vor allem die Pop-Songs, welche im Film hervorragend eingesetzt sind, erklingen mit einem treibend-dynamischen Beat. Zwischen der deutschen und englischen Tonspur gibt es keine nennenswerten Unterschiede.

EXTRAS

Auf Seiten der Extras liefert “Blow” die volle Packung. An vorderster Front überzeugt der Audiokommentar von Ted Demme und dem echten George Jung. Demme plaudert munter drauf los, erzählt Interessantes zu einzelnen Produktionsumständen, erläutert den Zweck mancher Szene und hat ab und an auch eine Anekdote parat. Veredelt wird der Kommentar aber vor allem von den Erzählungen des echten George Jung. Seine Ausführungen wurden offenbar getrennt von Demme (deutlicher Tonwechsel) in Interviews aufgenommen, da Jung noch mehrere Jahre im Gefängnis zubringen muss. Immer wenn eine neue Figur im Film auftaucht oder die Handlung eine wichtige Wendung nimmt werden Jungs Statements, wie er die Szene oder Figur erlebt hat, in den Kommentar geschnitten. Dadurch entsteht ein aufschlussreiches Bild darüber, wie sich der Film zur Realität George Jungs verhält. Ähnlich hervorragend ist der Fact Track, den es auf deutsch und englisch gibt, wobei sich der Filmton in der Sprache an der des Tracks orientiert. Über den ganzen Film hinweg gibt es Einblendungen, die mit Informationen über die Zeit, gesellschaftlichen Verhältnisse, Drogen, die Ereignisse, welche dem Film zugrunde liegen, oder die Schauspieler aufwarten. Auch wenn man sich die Fülle an Informationen kaum merken kann, entwickelt sich hier ein breit aufgefächertes, fundiertes Bild über die Bereiche, welche im Film eine große Rolle spielen. Dazu leisten auch die beiden Dokus einen Beitrag. In der ersten (“Lost Paradise – Cocaines Impact on Columbia”) geht es, wie der Titel schon sagt, um den Einfluss des Kokainhandels auf Kolumbien. Leider werden die interessanten Informationen dadurch getrübt, dass man nicht weiß, wer dort interviewt wird, da es keine Einblendungen gibt. In der zweiten wird in kurzer Form das Thema Sucht behandelt. Etwas weniger gelungen ist Ted Demmes Video Tagebuch, das wenig mehr liefert als ein bisschen “Hinter den Kulissen”-Material. Über die Produktion oder Demmes Empfindungen während des Drehs wird leider nichts deutlich. Seht schön sind hingegen wieder die geschnittenen Szenen welche wahlweise mit einem untertitelten Audiokommentar oder dem Originalton abgespielt werden können. Ein paar schöne Sequenzen wie ein Gespräch zwischen Jung und Escobar haben es aus dramaturgischen gründen nicht in de Film geschafft können aber so noch bewundert werden. Bei den Outtakes handelt es sich um aufgenommene Statements der Schauspieler, die in ihrer Filmrolle George Jung charakterisieren. Außerdem gibt es noch ein Musikvideo, Teaser und Trailer sowie Filmographien.

FAZIT

Keine Frage, für eine solche Edition wurde das Medium DVD erfunden. Neben dem Film in hervorragender Qualität sind die Extras wirklich vom Feinsten und machen die Scheibe zum Pflichtkauf.



Stefan Dabrock


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