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Society   (BLU-RAY)

Society
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Original: Society   (USA, 1989)
Laufzeit: 99 Min. (1080p)
Studio: Capelight
Regie: Brian Yuzna
Darsteller: Billy Warlock, Devin de Vasquez, Evan Richards, Ben Meyerson, Heidi Kozak u.a.
Format: 1.78:1 Widescreen (16:9)
Ton: PCM-Stereo Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Extras: Kommentar, Trailer
Preis: ca. 15 €
Wertung: 2+/ 3 / 3+ (Bild/Ton/Extras)


"Klassenk(r)ampf!"

Bill Whitney (Billy "Baywatch" Warlock) lebt den Traum eines Teenagers in den späten 80er Jahren: als strahlender Sohnemann einer Vorzeige-Beverly-Hills-Familie ist er der Footballstar seiner Highschool und mit dem heißesten Feger der Schule Shauna (Heidi Kozak) zusammen. Doch seine vermeintlich glückliche Existenz gerät aus den Fugen als der verwirrte Ex-Freund seiner sexy Schwester Jenny (Patrice Jennings) ungeheure Behauptungen aufstellt: Bills Eltern sollen in inzestuöse Machenschaften verwickelt sein. Derweil bekommt der verstörte Bill auch noch Stress mit seiner Schulclique. Irgendwie fühlt sich Billy immer mehr verfolgt und scheint beunruhigende Visionen - auch von seiner Schwester - zu haben. Da helfen auch die Besuche beim Therapeuten nichts mehr, den der verwirrte Highschooljunge schon länger besucht. Als es dann noch ein Todesopfer gibt und Jenny Ex-Freund spurlos nach einem Unfall verschwindet, verdichtet sich Billys Hirngespinst, dass hinter seiner heimischen Fassade etwas nicht stimmt.

Nachdem Brian Yuzna bereits erfolgreich für Charles Band als Produzent mit Stuart Gordon als Regisseur ("Re-Animator") tätig war, juckte es ihm selbst unter den Fingernägeln, Platz auf dem Regiestuhl zu nehmen. Mit "Society" hat er gleich bewiesen, dass ihm kein Stoff zu krude oder abgedreht ist. Besonders der inzestuöse wie sexuelle Kontext des Films, der im Finale durch die irrsinnigen Effekte von Screaming Mad George seinen schleimigen Höhepunkt erreicht, weiß auch heute noch zu verstören.
Yuzna schnappt sich hier das Konzept eines Coming-of-Age Highschool-Films, stellt es auf den Kopf, sprenkelt eine winzige Prise David Lynchs "Blue Velvet" ein, spritzt eine große Portion David Cronenbergschen Körperhorrors in den Unterbau und die soziale Antithese zur Reagan-Ära in den USA von John Carpenters "Sie leben!" darf als Füllung dienen. Voilá, fertig ist eine groteske Mischung eines Teenangst-Highschoolfilm im Yuppie-Milieu der prominenten kalifornischen Vororte.
Dabei wäre Billy in einem regulären Highschoolfilm eher der Typ, den alle hassen würden, weil er sich seiner privilegierten Position voll bewusst ist und dies auch gnadenlos ausnutzen würde. Yuzna hält hier aber dagegen und lässt Billys Gutmütigkeit zum Katalysator für die Katastrophe werden: aufgrund seines guten Charakters eckt Billy immer mehr bei seinen Kameraden aus der High(school) Society an, die sich kompromisslos ihre Vorteile verschaffen, um sich zu vergnügen - gern auf Kosten anderer. Dass "Society" diesen und weitere Subtexte nicht in den Vordergrund spielt ist einerseits gut, da einem der Film nicht mit dem großen moralischen Zeigefinger kommt, andereseits aber auch nicht, da selbst Yuzna in seinem Kommentar (siehe Extras) bemerkt, dass er beileibe nicht alle Facetten des Drehbuchs verstanden hat, und "Society" dramaturgisch relativ schnell zwischen seinen Erzählfronten (Teeniebeziehungsdrama, Highschoolkomödie, Familiendrama, Sozialsatire und Murder-Mystery) absäuft.
Letztlich muss der Zuschauer bis zum grotesken Finale durchhalten, das einem wahrlich den Boden unter Füßen wegzieht. Seine perverse Wirkung hat die absurde Auflösung, die auch ein wenig an "Malastrana" erinnert, bis heute nicht verloren hat. Die physische Umsetzung der Phrase "The Rich suck" erhält durch die wilden Makeup-Kreationen von Effekte-Legende und Künstler Screaming Mad George eine ganz neue Dimension. Sicherlich auch aufgrund der Absurdität des gezeigten hat sich die FSK dazu entschlossen, den Film ungeschnitten ab 16 Jahren freizugeben.
Dass "Society" schließlich erst drei Jahre nach seiner Fertigstellung in den USA aufgeführt wurde und trotzdem von der MPAA zensiert wurde spricht wohl für sich. Umso schöner, dass dieses groteske Kabinettstückchen Genrekino jenseits aller Konventionen in Deutschland unzensiert neu erfahren werden darf. "Society" ist sicherlich kein Meisterwerk, aber der Warnschuss eines wilden Filmemachers, der bereit ist, seinen Zuschauer auf Teufel komm raus zu verstören und gleichzeitig zu unterhalten. Ein Versprechen, dass Brian Yuzna noch im gleichen Jahr mit "Bride of Re-Animator" einlösen sollte!

BILD

Society

Der anamorphe Widescreentransfer (1.78:1) ist wie bei "Re-Animator" ein echter Hingucker: die Vorlage ist weitestgehend fehlerfrei und liefert ein ordentlich scharfes wie detailreiches Bild. Dies wird nur durch den eigentlich Look von "Society" geschmälert, da hier auch mal Weichzeichnerlinsen zum Einsatz kommen. Die Farben sind sehr kräftig und geben den leicht artifiziellen Look des Films gut wieder. Besonders der Schwarzlevel kann gut mithalten, wenngleich es so aussieht, als wenn hier etwas leicht künstlich aufgehellt wurde. Ein seichtes Filmkorn ist ebenfalls präsent und gibt den Transfer einen echten Filmlook. Die Kompression bleibt unsichtbar. Gut.

TON

Society

Der deutsche und englische Ton ist im unkomprimierten PCM 2.0 Format vorhanden. Beide Tracks wurden ordentlich gesäubert und liefern eine solide Klangkulisse. Die deutschen Dialoge liegen natüprlich etwas stärker im Vordergrund und sind durchgängig gut verständlich. Der englische Track klingt insgesamt etwas homogener, aber lassen die Dialoge aufgrund der Originalaufnahme ein wenig schwerer verständlich wirken. Störende Überlappungen oder Aussetzer wurden nicht festgestellt. Eine solide Präsentation ohne weitere räumliche Auflösung.

EXTRAS

Neben einem Trailer ist auf der Blu-ray von "Society" nur ein Audiokommentar mit Regisseur Brian Yuzna enthalten. Yuzna findet klare Worte für das ungestüme Treiben auf dem Bildschirm und nimmt seinen Film kompromisslos auseinander - sowohl positiv als auch negativ. Dazu liefert er eine Menge Hintergrundinformationen zur Entstehungsgeschichte des Drehbuchs und der Entwicklung der Geschichte, die teilweise auf persönlichen Erfahrungen der Autoren beruhten. Dennoch gesteht Yuzna auch ein, dass er bestimmte Aspekte selbst nicht ganz verstanden hat, aber die Ideen so toll absurd fand, das er sie trotzdem im Film gelassen hat.Wer sich auch nur ansatzweise für diese Art von Horrorfilm und die spezifische Ära des Filmemachens begeistern kann, darf diesen Track nicht verpassen.

FAZIT

Brian Yuznas "Society" ist ein provokantes Stück Genrefilm, das heute nicht mal ansatzweise so produziert werden könnte: Beverly Hills 902010 auf Crack trifft auf Cronenbergschen Körperhorror im Schatten von John Carpenters Sozialkritik von "Sie leben!". Capelight verzaubert hier wieder mit ganzer Arbeit: ein stellarer Transfer und der Audiokommentar von Yuzna machen die Scheibe zu einer guten Empfehlung.



Kay Pinno


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