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Darkman   (BLU-RAY)

Darkman
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Original: Darkman   (USA, 1990)
Laufzeit: 96 Min. (1080p)
Studio: Koch Media
Regie: Sam Raimi
Darsteller: Liam Neeson, Frances McDormand, Larry Drake, Colin Friels, Ted Raimi u.a.
Format: 1.85:1 Widescreen (16:9)
Ton: DTS-HD-MA 5.1 Englisch DD2.0 Deutsch
Untertitel: Deutsch
Extras: Bildergalerie, Trailer
Preis: ca. 15 €
Wertung: 3+/ 2-/ 4 (Bild/Ton/Extras)


"Der Mann ohne Gesicht"

Nach dem kleinen kommerziellen Erfolg von seinem zweiten Horror-Outing "Tanz der Teufel II" war für Regisseur Sam Raimi der Weg zu einem ersten Studiofilm geebnet: seinen ersten Studiovertrag landete er schließlich bei Universal, die im Zuge des irrsinnigen Erfolgs von Tim Burtons "Batman" bei Warner den visuell begabten Raimi unbedingt auf eine Comicverfilumg ansetzten. Ursprünglich hatte dieser die Figur "The Shadow" für ein Leinwanddebüt im Auge. Da Universal sich aber nicht die Rechte sichern konnte, griff Raimi in seine eigene Kreativkiste und erfand einfach "Darkman".
Doch seine Premiere bei dem Major-Studio stand unter keinem guten Stern: eingeschränkt durch Studiowünsche (Raimi wollte natürlich Bruce Campbell statt Liam Neeson für die Hauptrolle haben), einen strengen Drehplan, seine Zusatzjob als Drehbuchautor und die wohl etwas schwierige Frances McDormand, Ehefrau von Raimi-Kumpel Joel Coen, ließen das an sich schon schleudern Vehikel "Darkman" endgültig aus der Kurve rauschen. Zudem ließ sich kein Konsens finden, wie denn nun eigentlich ein "dunkler Comicstil" im Kino aussehen oder funktionieren könnte. Hatte Tim Burton für "Batman" sein ganz eigenes Gothic-Flair mitgebracht, durfte Raimi hier auch nicht wie er gerne gewollt hätte.

Dabei hätte die Geschichte des Wissenschaftlers Peyton Westlake (Liam Neeson chargiert von unfassbar Kasper-peinlich bis überbordend dramatisch), der im wahrsten Sinne des Wortes sein Gesicht verliert, um fortan als eine Art "Phantom der Oper" im Dunklen zu hausen, und als Rächer und Verbrecherjäger in erstaunlichen "Mission Impossible"-Masken die Unterwelt aufzumischen. Die Hintergrundgeschichte von "Darkman" ist dabei ebenso belanglos wie komplett von Paul Verhoevens "Robocop" geklaut. Als Westlakes Freundin und Firmenanwaltin Julie (McDormand) herausfindet, dass ihr Boss, der gerade eine neue Stadt errichten will, reichlich Dreck am Stecken hat, schickt der Lump seine Handlanger los: Robert Durant (Larry "Dr. Giggles" Drake ist der echte Showstealer von "Darkman") und seine Psychogang (u.a. Ted Raimi und Danny Hicks) erledigen die Drecksarbeit, die dem Film seine nötige Portion besonders schwarzen Humors verpassen. Peyton wird beinahe getötet und ersteht als "Darkman" wieder auf. Zunächst verheimlicht er Julie seine entstellte Existenz, um mit Durant und seiner Gang ein tödliches Spiel zu spielen.
An dieser Stelle entwickelt "Darkman" eine erste spannungsvolle Eigendynamik: Westlake schlüpft durch ein von ihm entwickeltes Transplantatsubstanz in verschiedene Gangsterrollen, um die Bösewichte gegeneinander auszuspielen. Doch seine Strategie hat einen Haken: dem Licht ausgesetzt bleibt das neue künstliche Gewebe nur 99 Minuten stabil. Unbestritten ist dieser "Mission Impossible"-Teil von "Darkman" das Beste, was der Film zu bieten hat. Das menschliche Drama von "Darkman" wird leider zielsicher von Neeson und McDormand in unglaublichem Schmierentheater versenkt, das geradezu spastisch zwischen seelenlosem Textaufsagen und grimassierenden Überchargieren schwankt. Besonders für Neeson muss es noch ein langer Weg bis "Schindlers Liste" gewesen, obwohl bei ihm für Sekunden, immer wenn er in der tatsächlich sehr gelungenen Maske des verbrannten Westlake steckt, echte Tragik aufblitzt.

Die größte Schwierigkeit hat "Darkman" aber dabei, den richtigen Ton zu treffen. Statt in ein wirklich düsteres, erwachsenes Rachedrama zu mutieren versucht Raimi trotz zahlreicher Inszenierungsgags die Stimmung leicht und künstlich überdreht albern zu halten. Immerhin wurde auf Comicblasen-Einblendung im Stil von "Zack!" und "Woosh!" verzichtet. Die Zeit war aber einfach noch nicht reif für einen direkten Abstieg in die menschliche Niedertracht mittels Comicerzählungen. Das musste schließlich auch Tim Burton später mit "Batmans Rückkehr" erfahren. Erst das Ende von "Darkman" weist in die Richtung einer möglichen Serienauswertung des Themas mit einer interessanten Alternativbesetzung, die aber letztlich nie stattgefunden hat. "Darkman" bleibt somit auch auf Blu-ray nur ein Fall für das Kuriositäten-Kabinett von frühen Comicverfilmungen, die ihr Potential niemals entfalten konnten.

BILD

Darkman

Der anamorphe Widescreentransfer (1.85:1) basiert auf einer soliden Vorlage, die aber doch einige Alterspuren aufweist. Bildpunkte und leichte Verunreinigungen, besonders im Vorspann, erinnern daran, dass das Material aus einer klassischen analogen Quelle stammt. Schärfe und Kontrast gehen in Ordnung, aber werden durch die leichte Körnigkeit des Materials auch etwas in Mitleidenschaft gezogen. Die Farben sind aber solide und kräftig. Leider zeigen sich dadurch auch stärker die klassisch produzierten visuellen Effekte, deren Matte-Linien ganz deutlich hervortreten. Der Schwarzlevel ist solide, aber neigt gelegentlich zu leichter Milchigkeit, was aber wohl ebenfalls dem Material geschuldet ist. Die Kompression bleibt sauber und hält das Bild stabil. Artefakte oder weitere Bildbeenträchtigungen treten nicht auf.

TON

Darkman

Erstaunlich dynamisch überrascht dafür der deutsche DD2.0 Soundtrack. Die Soundstage scheint beim abspielen im Upmixmodus komplett bedient zu werden und liefert viele ambiente Toneffekte: bei der Zerstörung von Westlakes Labor oder bei der Eröffnungsschießerei in einem Hafenlagerhaus (Klischée 1 - Originalität 0) rattert und scheppert es aus allen Ecken. Die Dialoge sitzen dazu sicher und gut verständlich im Centerkanal, während sich die großartige Musik von Danny Elfman homogen in die gesamte Soundstage schmiegt. Ein überraschend solider Track. Mehr Dynamik und eine ordentliche Bassunterstützung liefert natürlich der englische DTS-HD-MA 5.1 Track, der wirklich auf allen Zylindern Gas gibt. Gut.

EXTRAS

Als einzige Extras gibt es einen deutschen und englischen Trailer sowie eine Bildergalerie.

FAZIT

Sam Raimis erster großer Studiofilm "Darkman" war der schwache Versuch von Universal, sich an den Comicfilm-Erfolg von Tim Burtons "Batman" anzuhängen. Entsprechend schwierig fällt das Ergebnis aus: besonders schwarzer Humor trifft auf quatschiges Overacting und einen schwachen Plot, der einzig durch den Einfallsreichtum und Stil Raimis etwas abgefedert wird. Die Blu-ray von Koch Media liefert einen soliden, aber nicht berauschenden Transfer ohne große Extras. Dafür ist "Darkman" erstmals ungeschnitten erhältlich.



Kay Pinno


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