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Olympus has fallen   

Olympus has fallen
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Original: Olympus Has Fallen   (USA, 2013)
Laufzeit: ca. 114 min
Studio: Universum Film
Regie: Antoine Fuqua
Darsteller: Gerard Butler, Aaron Eckhart, Morgan Freeman, Angela Bassett
Format: 2,40:1 Widescreen (16:9)
Ton: DD 5.1 deutsch, DD 5.1 englisch
Untertitel: Deutsch für Hörgeschädigte
Extras: Interview, B-Roll, Making of und mehr
Preis: ca. 13 Euro
Wertung: 1-/ 1-/ 2+ (Bild/Ton/Extras)


"Die Würde im Actionfilm ist zurück!"

Das amerikanische Actionfilmgenre steckt in einer schweren Krise. Gute, klassische Actionfilme gibt es natürlich auch im Jahr 2014 noch, die aber sind meist niedrig budgetiert und für den DVD-Markt produziert, wo Altrecken wie Jean-Claude van Damme, aber auch ein Oscarpreisträger wie Cuba Gooding Jr. oder der britische Kampfsportler Scott Adkins brav Film um Film abliefern, dabei aber weitestgehend jenseits der Augen des Mainstreams agieren. Sicher, die Filme spielen ihr Geld wieder ein, sonst würden sie kaum produziert. Aber sie sind oft nichts anderes als Füllware fürs Spätabendprogramm im Free-TV oder für Spartenkanäle der Bezahlsender. Kleinere Verleiher kümmern sich oft rührig um die Veröffentlichungen auf Silberling, es gibt ja durchaus eine Fanszene, die gerne gute Actionfilme goutiert. Nur wenn Freunde des Actionfilmes auf echte A-Filme zurückgreifen möchten, also Filme mit gewissen Schauwerten, mit Settings, die über bulgarische Birkenwälder und rumänische Karpaten hinausgehen und in denen vielleicht auch mal mehr als drei Darsteller größere Rollen spielen....
Oh Herr, oh Herr. Da wird es dunkel.
Zunächst hat „Stirb langsam 5“ 2013 das Genre entehrt und alles, aber auch wirklich alles falsch gemacht, was falsch zu machen war. Auf Youtube gibt es so genannte „Everything wrong with“-Filme, in denen so genannte Filmfreunde aufzählen, was in einem Film alles falsch gemacht worden ist. Da wird jeder Regentropfen, der nicht an der Stelle klebt, an der er nach einem Kameraschwenk kleben sollte, zum Beweis für die Unfähigkeit eines Regisseurs angeführt. Auf Deutsch gesagt: Diese Korinthenkacker sollten sich mal ein Leben suchen, Himmelarsch. Doch es gibt Ausnahmen, Menschen, die Filme lieben und daher an Filmen wie „Stirb langsam 5“ verzweifeln, wie Chris Stuckmann, der in seinem „Everything Wrong With“ eine wunderbare Analyse abgibt, die sich fast ausschließlich mit den Figuren auseinandersetzt (siehe hier) und exemplarisch an „Stirb langsam 5“ erklärt, warum das A-Actionfilmgenre in einer schweren Krise steckt.
Und dann hat 2013 auch noch Roland Emmerich mit seinem als Blockbuster geplanten Weißen-Haus-Thriller „White House Down“ einen veritablen Megaflop hingelegt, obwohl Emmerich eigentlich jemand ist, der weiß, wie man großes Getöse inszeniert.
Doch Halt: Es gibt sie noch. A-Actionfilme, die rocken. Aus diesem Grund sei hier das Hohelied gesungen auf --- „Olympus Has Fallen“.
Natürlich kommt auch „Olympus Has Fallen“ etwa nicht gänzlich ohne CGI-Effekte aus, aber im Gegensatz zu Effektpornos wie „Stirb langsam 5“ oder den Filmen der (höchst erfolgreichen, aber hohlen) „Resident Evil“-Reihe besinnt sich „Olympus Has Fallen“ auf die Tatsache, dass es in einer guten Geschichte immer um Menschen geht. Menschen lieben, Menschen bluten, Menschen sind emotionale Wesen. Und sie sind es, die eine Geschichte tragen.
Im Fall von „Olympus Has Fallen“ heißt die Hauptfigur Mike Bannings. Nach einem Unfall ist der Secret-Service-Agent zur Büroarbeit abkommandiert worden. Bei dem besagten Unfall starb niemand anderes als die First Lady. Banning hat an diesem Tag als Agent alles richtig gemacht. Er hat den Präsidenten gerettet. Das war sein Job. Aber als Mensch leidet er unter den Geschehnissen. Banning sitzt auch an jenem Morgen in seinem Büro – als das Unfassbare beginnt: Nordkoreanische Agenten greifen das Weiße Haus an.
In bester „Stirb langsam“-Manier ist es nun dieser Büroagent, der den fantastisch ausgeklügelten Plan der Angreifer durcheinander bringt. Im Chaos gelangt Banning bis ins Weiße Haus, das in die Gewalt der Angreifer fällt. Und wie weiland Bruce Willis im ersten „Stirb langsam“ ist es dieser eine Mann, der den Terroristen ihren wunderbaren Plan versaut, indem er sich einfach an keinerlei Regeln hält.
Allein die viertelstündige Sequenz der Erstürmung des Weißen Hauses ist die beste Actionsequenz seit Jahren. In ihrer Choreografie, in ihrer Ausarbeitung macht sie einfach sprachlos. Sprachlos macht aber auch das Vorgehen von Agent Banning. Dass Gerard Butler rohe Typen darstellen kann, weiß man seit seiner Darstellung des Königs in „300“. Doch hier erschafft er einen Typus von Actionhelden, der selbst gereinigt ist von Moral. Um einen unmoralisch handelnden Angreifer abzuwehren, wendet er dessen Mittel an. Er wird zum Spiegelbild des Feindes.
Regisseur Antoine Fuqua gibt mit seiner niemals eine Pause einlegenden Inszenierung dem A-Actionfilm seine Würde zurück. Wenn das überhaupt noch jemanden interessiert und der A-Actionfilm im Sommer 2013 nicht gestorben ist.

BILD

Olympus has fallen

Muss man darüber im Jahr 2014 eigentlich noch etwas schreiben? Natürlich ist das eine 1-A-Arbeit, die der Verleiher hier dem Publikum vorsetzt. Die Frage lautet eigentlich nicht, ob die Umsetzung funxt. Die Frage lautet eher, ob der Flachbildfernseher das Bild adäquat umsetzt. Da Regisseur Fuqua ein klassisch ausgebildeter Actionfilmrecke ist, der klassisches, körniges Filmmaterial liebt, wirkt etwa eine Flugzeugsequenz (der Angriff auf das Weiße Haus beginnt mit einem einsamen Flugzeug, das in den Luftraum über der Hauptstadt eindringt) auf manchen Bildschirmen etwas, nun ja, künstlich. Das Flugzeug ist ein reiner CGI-Effekt. Auf klassischer Röhre (so etwas gibt es hier und da ja noch), da sieht das richtig gut aus. Auf manchen Flachbildschirmen aber. Auch wenn sich dies überheblich anhören mag, aber auf vielen Flachbildschirmen sieht einfach alles wie Home-Shopping-Fernsehen aus...
Wie gesagt, als diese Rubrik eingeführt wurde, da war die Bildqualität vieler DVDs, nun ja, noch problematisch. Bei A-Verleihern und solchen, die mit Liebe Filme auf den Markt bringen (wie den Leuten des wunderbaren Labels Anolis), muss man diese Frage heute eigentlich nicht mehr wirklich stellen. Daher: Das Bild ist gut. Punkt.

TON

Olympus has fallen

Was über das Bild gesagt wurde, lässt sich für den Sound wiederholen. Da gibt es nichts zu meckern und der Angriff des Flugzeugs... Wer Flugangst hat, sollte die LAutstärke der Boxen vielleicht ein wenig herunterdrehen. Ob in der deutschen oder der amerikanischen Fassung, wirkliche Unterschiede sind kaum hörbar, die deutsche Tonspur klingt vielleicht einen Tick aufgeräumter als das Original. Gerade Gerald Butler neigt zu einem leichten Nuscheln, da machen es die deutsche Synchro und die Abschmischung den deutschen Ohren ein bisschen einfacher ...

EXTRAS

Mit 71 Minuten Bonusmaterial bekommt der Actionfilm einiges zu sehen. Da sind diverse kleinere Featurettes, ein ausführliches Making of, ein paar Interviews. Das ist wirklich eine ordentliche Zusammenstellung. Nicht, dass es fürchterlich tiefgreifend wäre, aber es ist dennoch informativ und erlaubt schon einen Blick hinter die Kulissen. Hier wurde nicht an Material gespart, hier wurden ordentlich Zeit und Aufwand investiert.

FAZIT

"Olympus Has Fallen" ist das "Stirb langsam" der Gegenwart. Ein krachender, rauer Actionthriller, der mit Tempo und ordentlichem Getöse beweist, dass Hollywood doch noch Actionfilme drehen kann. Ein Pflichtprogramm für alle Actionfilmfans auf einem adäquat aufbereiteten Silberling.



Christian Lukas


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