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Allein unter Nachbarn   

Allein unter Nachbarn
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Original: La Communidad   (Spanien, 2001)
Laufzeit: 106 Minuten (PAL)
Studio: e-m-s
Regie: Alex de la Iglesia
Darsteller: Carmen Maura, Eduardo Antuna, Maria Asquerino, Jesus Bonilla u.v.a.
Format: 2.35:1 Widescreen (16:9)
Ton: DD5.1 Deutsch, Spanisch DS Deutsch, Span.
Untertitel: Deutsch
Extras: Making of, Deleted Scenes, Bilder u.m.
Preis: ca. 20 €
Wertung: 3+/ 2 / 3- (Bild/Ton/Extras)


"Diese Wohnung hat viele Vorzüge!"

Das spanische Genre-Wunder Alex de la Iglesia schafft es immer wieder zu verblüffen. Gerade meint man, das böse Genie hinter Streifen wie “El Dia de la Bestia” oder “Perdita Durango” in eine Schublade geordnet zu haben und schon springt er im nächsten Film daraus hervor, um einen den Stinkefinger unter die Nase zu halten. In “La Communidad” - so der Originaltitel - zeigt er, dass auch der banale Alltag in einem heruntergekommenen Madrider Mietshaus zum Horror ungeahnter wie amüsanter Größe mutieren kann. Als sich die Immobilienmaklerin Julia (Carmen Maura) dort in einer leerstehenden Wohnung einnistet, entdeckt sie durch einen Zufall in der Wohnung eines verstorbenen Mieters die ungeheure Summe von 300 Millionen Peseten. Was sie jedoch nicht ahnt ist, dass das gesamte Haus schon seit Jahren auf diesen Moment gewartet hat, um das Geld unter sich aufzuteilen. Wie die Geier belauern sie mal heimlich und schließlich ganz offen die neue Mitbewohnerin. Mit einem Haufen skurriler Typen, die sich fast ausschließlich aus der Créme der spanischen Theaterlandschaft rekrutiert, wird “die Gemeinschaft des Geldes” zu einer putzigen Kollage aus hassenswerten Alltagstypen, die sich nur an einen Gedanken klammern - die Gier! Mit einer der besten und sicherlich unerwartetsten “Star Wars”- und “Matrix”-Hommagen versehen, schickt Iglesia seine Hauptdarstellerin in “La Communidad” von einer absurden Situation zur Nächsten. Doch das krankhafte Geifern nach dem Geldkoffer fordert auch schnell ein paar Opfer. Die tiefschwarze Gewalt lauert hinter den dünnen Masken der biederen Bewohner des Hauses. Faszinierend, rabenschwarz und mit den Lachern auf seiner Seite kann Iglesia alle technischen wie inhaltlichen Elemente gekonnt vereinen und serviert mit “Allein unter Nachbarn” einen bittersüßen Cocktail aus Thriller, Komödie und menschlichem Drama. Spanien bleibt im neuen Millenium eben doch das Land der großen filmischen Überraschungen.

BILD

Allein unter Nachbarn

Schon kurz nach dem Starten des Films muss man erstmal einen Schreck verdauen. Die wunderschöne Eröffnungskamerafahrt sieht recht schauderlich aus. Verwaschen, grieselig und unscharf macht das Bild fast den Eindruck einer Videoraubkopie. Glücklicherweise wird das Bild ab dem Vorspann radikal besser. Die Vorlage macht einen ordentlichen Eindruck. Teilweise haben sich zwar immer noch kleine Dreckspuren und Makel eingeschlichen, die aber kaum ins Gewicht fallen. Der etwas krude Look des Films, der durch düstere Grau- und Brauntöne beherrscht wird, kommt gut am Auge an. Die Schärfe ist gut, wenngleich die Kontraste bei einem starken Schwarzlevel einen Tick zu lasch erscheinen. In dunkleren Bereichen wird das Bild ein wenig geschluckt, was der düsteren Atmosphäre des Films aber zu Gute kommt. Die Kompression ist gut und enthüllt keine störenden Artefakte. Für einen neuen Film (auch wenn er aus Spanien kommt) hätte der Transfer aber insgesamt besser aussehen können. Guter Durchschnitt.

TON

Allein unter Nachbarn

Der deutsche und spanische Ton in DD5.1 trumpft im Gegensatz zum Bild aber recht gut auf. Mit einer überdurchschnittlichen Grundlautstärke aufgenommen wird das Mietshaus zum Leben auf allen Kanälen erweckt. Atmosphärische Geräusche wie gedämpftes Getuschel, Fußgetramppel oder Türenknarzen sind fast allgegenwärtig und dürften für echt mulmige Stimmung auf der heimischen Couch sorgen. Echte Effekthaschereien oder gezielte Direktionalen gibt es hier allerdings nicht zu hören. Die deutschen Dialoge (gut synchronisiert!!!!) sitzen sicher im Center. Die spärlich aber gezielt eingesetzte Musik drängelt sich konsequent aber nicht störend zwischen den atmosphärischen Soundteppich und die Dialoge. Eine gute Arbeit, die aber aufgrund der “ruhigen” Natur des Films kein Soundwunder ist.

EXTRAS

Trotz der trügerischen Aufmachung als 2-er Disc Set bietet die zweite DVD mit den Extras nur wenig. Einzig das eher untypische “Making of” (auf Spanisch mit deutschen Untertiteln) kann voll überzeugen. In ca. 25 Minuten kommen Iglesia und seine Mitbewohner hier locker und flockig zwischen Film-Clips und Behind the Scenes Aufnahmen zu Wort. Das übliche PR-Geplappere hält sich stark in Grenzen und man bekommt ein wenig Einblick in das Universum von Herrn Iglesia. Gänzlich enttäuschend sind die geschnittenen Szenen, die in non-anamorphen Widescreen auf Spanisch OHNE deutsche Untertitel daherkommen. Zudem scheinen es auch nur verlängerte Schnipsel von existierenden Szenen zu sein. Außer Trailern gibt es noch knapp 6 Minuten von der “Goya”-Verleihung (Anm. der spanische Oscar!) zu sehen, auf der die Produzenten und die Schauspieler die Trophäe absahnen konnten. Zusätzlich zur Bildergalerie gibt es auch noch eine Übernahme aus dem Presseheft des Films, die man sich nicht entgehen lassen sollte: “Das wahnsinnige Selbstinterview”. Hier interviewt sich Alex de la Iglesia (leider nur in Schriftform!) mal flott selbst. Wirklich lustig.

FAZIT

Ein weiterer Alex de la Iglesia Film hat seinen Weg auf eine gute e-m-s DVD gefunden. Als Doppeldisc aufgrund nur wenig essentieller Extras ein etwas hochgestapelt, kann man aber trotzdem nicht meckern. Für 20 Euro sollte dieser Film auf jeden Fall nicht im Ladenregal stehen bleiben. Dringend empfohlen.



Kay Pinno


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