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Geheimcode Wildgänse   

Geheimcode Wildgänse
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Original: Codename: Wildgeese   (Deutschland/Italien, 1983)
Laufzeit: ca. 98 Min (PAL)
Studio: Ascot Elite HE
Regie: Anthony M. Dawson
Darsteller: Lewis Collins, Lee van Cleef, Manfred Lehmann, Thomas Danneberg
Format: 2.35:1 Widescreen (16:9)
Ton: DD 5.1 Deutsch, Englisch, DD 2.0 Französisch, Italienisch, Spanisch
Untertitel: Deutsch
Extras: Produzentenkommentar, Soundtrack
Preis: ca. 10 €
Wertung: 3 / 2-/ 2 (Bild/Ton/Extras)


"B-Klassiker des Euro-Actionfilms"

Nach seinem Abstecher mit „Die Wildgänse kommen“ ins A-Kinokehrte der Schweizer Exploitationregisseur- und Produzent Erwin C. Dietrich Anfang der 1980-er Jahre schnell dorthin zurück, wo er einst seine Karriere begann: Zum B-Film. Und nach dem Erfolg von „Die Wildgänse kommen“ tat er das, was gute B-Filmer so machen: Er knüpfe an seinen Erfolg an, indem er den Titel – in gewisser Weise – wiederverwertete und durch die Assoziation – „Wildgänse“ – einen Film kreierte, der in gewisser Weise im gleichen Universum wie „Die Wildgänse kommen“ angesiedelt ist, ohne eine Fortsetzung zu sein. Ein guter Trick, denn Erwin C. Dietrich hatte Ärger mit seinen britischen Co-Produzenten von „Die Wildgänse kommen“, eine tatsächliche Fortsetzung zu produzieren, das wäre nicht möglich gewesen. Aber ein Begriff wie „Wildgänse“... Der war und ist nicht geschützt. Und eine anständige Söldnergeschichte bekam er auch so geschrieben. Hinzu kam ein Besetzungscoup: Lewis Collins war außerhalb seiner britischen Heimat ein veritabler Star (siehe hierzu auch den Text zu „The Commander“). Er hatte Talent, sah verteufelt gut aus, wirkte dabei aber gleichzeitig hart und kompromisslos, war also kein Schönling. Genau das, was das von Actionfilmen begeisterte Publikum gerne sieht. Erwin C. Dietrich erkannte das Potenzial von Collins – und machte ihm zum Star seiner Produktionsschmiede, die mit Geldern aus Italien und Deutschland an die Arbeit ging, um hartes Männerkino zu produzieren. Dass es mit dem großen Durchbruch für Collins nicht klappen sollte – auch hierzu siehe „Der Commander“.

Collins ist Captain Robert Wesley, ein Brite. Wir erfahren nicht, woher sein Titel stammt oder wo er tatsächlich lebt. Wesley ist Söldner. Das ist klar. Und er hatte einen Sohn. Der ist an einer Überdosis Heroin gestorben. Aber auch hier bleibt der Film überraschend vage. Immer wieder klingt an, dass sein Sohn noch ein Kind war, im besten Fall ein junger Teenager. Wesley bleibt dem Zuschauer fremd. Was in anderen Filmen ein Problem darstellt, funktioniert überraschenderweise in diesem Film, denn Wesley ist eine Maschine. Kühl, präzise, bar jeder Emotion. Glaubt man. Das Ende wird das Gegenteil beweisen, aber vor dem Ende eines Filmes steht eine Geschichte.
Robert Wesley bekommt von einem Freund einen Auftrag: Er soll ins Goldene Dreieck eindringen und dort ein Heroinlager sprengen. Der Auftrag ist diffizil, denn es ist 1983 und ein Teil dieses Gebietes liegt im kommunistischen Vietnam, das westliche Söldnern kaum den Einsatz auf ihrem Hoheitsgebiet gestatten würde – vor allem dann nicht, wenn einige Militärs offenbar selbst ganz gut an der Herstellung von Heroin verdienen. Wesley nimmt den Auftrag an und mit einer kleinen Gruppe von Söldnern gelingt ihm tatsächlich das Eindringen in die Höhle des Löwen; der Auftrag wird vom Erfolg gekrönt. Doch im Lager macht Robert Wesley eine Entdeckung, die so nicht geplant war. Und statt nach Hause zurückzukehren – dringen er und seine Männer noch tiefer in den Dschungel ein...

„Geheimcode Wildgänse“ ist ein harter, geradlinig inszenierter Söldnerfilm. Anthony M. Dawson hat eine gewohnt routinierte Arbeit abgeliefert, welche keine Wünsche offen lässt. In den 1980-ern kam ein Film wie „Geheimcode Wildgänse“ bei der etablierten Kritik nicht gut an. Man suchte nach dem Haar in der Suppe. Wenn ein Film in Südostasien spielte, dann musste er Klischeebilder bedienen und rassistisch sein! Und wenn ein Teil der Geschichte die Protagonisten noch nach Vietnam sendet, durfte man ihn auch noch in der Kiste „Revanchismus“ ablegen. Das ist alles Quatsch. In „Geheimcode Wildgänse“ geht es um Drogenhandel, es geht um eine illegale Polizeiaktion, es geht um eine Entdeckung, die die Geschichte bald in einem ganz anderen Licht erscheinen lässt als gedacht – sprich: Die Story hält sogar ein paar Überraschungen parat.

Neben Allesfilmer Klaus Kinski gab sich seinerzeit Ernest Borgnine die Ehre (auch wenn er kaum mehr als zwei Drehtage am Set verbracht haben dürfte) – außerdem ist Lee van Cleef mit von der Partie (und das ist einer echten Hauptrolle). Darüber hinaus haben eine ganze Legion von Synchronsprecherlegenden in diesem Film mitgewirkt: Hartmut Neugebauer (in der Rolle des Auftraggebers), Wolfgang Pampel, Manfred Lehmann und Thomas Danneberg. Danneberg, bekannt als Stimme von Stallone und Schwarzenegger – ist in diesem Film nicht nur ein harter Söldner – nein, man hört ihn auch mit seiner eigenen Stimme sprechen! Danneberg ist auch in den Dietrich/Collins-Actionflics „Kommando Leopard“ und „Der Commander“ mit von der Partie gewesen – nur lieh er in diesen beiden Filmen Hauptdarsteller Lewis Collins seine Stimme, um seinerseits von Rainer Brandt synchronisiert zu werden.

Fazit: „Geheimcode Wildgänse“ hat die Zeiten ganz gut überdauert. Eine klare Dramaturgieeine Geschichte mit einem Twist und überzeugende Hauptdarsteller machen die deutsch-italienische Co-Produktion zu einem Klassiker seines (B-)Actiongenres.

BILD

Geheimcode Wildgänse

Der Transfer ist ein bisschen enttäuschend. Erschienen ist "Geheimcode Wildgänse" in einem Slot mit den anderen Dietrich-Söldnerfilmen der 1980-er Jahre "Kommando Leopard", "Die Rückkehr der Wildgänse" und "Der Commander". So lässt sich das Material mit dem der anderen Filme gut vergleichen und da schneidet "Geheimcode Wildgänse" nicht so gut ab. Das Bild ist in Ordnung, befreit von Spratzern, aber es fehlt ein wenig an Dynamik, an Kontrasten. Hier wäre mit Sicherheit ein wenig mehr drin gewesen. Um dies klar zu sagen: Schlecht ist das Bild nicht. Es entspricht dem Standard dessen, was man von einem Film seiner Art aus dem Entstehungsjahr 1983/84 erwarten darf. Doch eben weil das Ausgangsmaterial gar nicht so schlecht gewesen zu sein scheint, wäre mit Sicherheit ein wenig mehr drin gewesen als das, was diese DVD präsentiert.

TON

Geheimcode Wildgänse

Betrachten wir zunächst die deutsche Tonspur. Die ist klar und sauber. Auch wurde sie von etwaigen Rauschen oder anderen Störungen gereinigt. Eine gute Arbeit, die einmal mehr beweist: Ton können die Deutschen. Nicht nur in Bezug auf den Transfer einer Tonspur auf eine DVD - nee, auch in Bezug aufs Synchronisieren. Die englische Tonspur nämlich... Auhauhaha... Nicht in Bezug auf seine technische Qualität. Die ist in Ordnung. Nein, es geht ums Synchronisieren an sich. So etwas wie lippensynchrones Drübersprechen über ein bewegtes Bild ist ein echter Glücksfall. Die Stimmenauswahl... Und so etwas wie Gefühle auszudrücken, das wird in einem Actionfilm eh total überbewertet. Man kann die Synchronsprecher auch einfach ihre Texte aufsagen lassen. Wer interessiert sich schon für Dialoge...?

Argh! Nein, das ist eine wirklich schlechte Arbeit. Nicht technisch von Seiten des deutschen DVD-Verleihers, um dies noch einmal zu betonen. Es ist eine schlechte Arbeit des Synchronstudios, das den Darstellern anno dazumal die englische Sprache beigebracht hat. Ab 1,6 Promille fängt es aber an Spaß zu machen der englischsprachihen Tonspur zu folgen... Ebenfalls sind auf dem Silberling die französische, italienische und spanische Tonspur zu finden.

EXTRAS

2012 hat Erwin C. Dietrich einen Kommentar eingesprochen. Es hat ihm offenbar einige Schwierigkeiten gemacht (er war zu diesem Zeitpunkt 82 Jahre alt). So darf man keinen 90-Minuten-Kommentar erwarten. Sehr wohl aber berichtet er davon, wie es überhaupt zu dieser Reihe von Filmen kam, die mit "Die Wildgänse kommen" ihren Anfang nahm.

Wie auch auf "Der Commander" und "Kommando Leopard" findet man auf dieser DVD eine PDF des Buches "Mädchen, Machos und Moneten", welches die Geschichte des Produzenten Erwin C. Dietrich erzählt.

Wirklich gelungen ist die Veröffentlichung des Soundtracks von Eloy, der zu den abgefahrensten Filmmusiken seiner Zeit gehören dürfte - und dessen Entstehungsgeschichte sicher auch nicht ganz uninteressant zu erfahren wäre. Warum? Weil er Fragen offenlässt. Also, Eloy gehörten (bekanntlich?) zu den großen deutschen Progrockern der 1970-er Jahre. Im Artrock geboren, im Krautrock erwachsen geworden, hat Eloy einen sehr eigenen Sound entwickelt. So eigen, dass es 2014 ein grandioses Comeback der Band gan - inklusive Live-Album. Das ist aber eine andere Geschichte.
Der Soundtrack trug seinerzeit den Schriftzug von Eloy. Allerdings: Eloy war und ist in erster Linie Band-Gründer Frank Bornemann. Er hat die Band 1969 gegründet, er war stets die Stimme, die Seele, das Herz. Andere Mitglieder mochten kommen und gehen - Frank Bornemann blieb.
Nur "Geheimcode Wildgänse" ist ohne ihm entstanden. Warum? Keine Ahnung! Den elektronischen Soundtrack mit einigen recht einprägsamen Melodien hat Jan Nemec-Bolek geschrieben. Der wird auch im Vorspann als Komponist genannt. Eingespielt hat ihn Eloy. Aber ohne den Chef. Seltsam, seltsam...
Auf der DVD ist der gesamte Soundtrack auf jeden zu hören und das in einer guten Qualität ...

Schade, auf einem in Österreich erschienenen Blauling aus dem Jahr werden Interviews mit Klaus Kinski und Lewis Collins zum Film erwähnt. Die gibt es hier nicht. Dafür ist der Film ungeschnitten. Lange gab es ihn nur in einer gekürzten Fassung, viele Jahre war der Film indiziert. Vom Index ist er inzwischen runter, die FSK hat sich ebenfalls freundlich gezeigt und dem Film eine Freigabe ab 16 verpasst. So ändern sich die Zeiten.

FAZIT

"Geheimcode Wildgänse" ist ein B-Actionfilm der 80-er: Krachend, scheppernd, laut. Aber auch recht geradlinig inszeniert, mit einem Twist. Das Ganze wird auf einer zufriedenstellenden DVD präsentiert. Für Freunde des B-Actionfilmes auf jeden Fall ein Muss!



Christian Lukas


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