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Der Commander   

Der Commander
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Original: The Commander   (Deutschland/Italien/Schweiz, 1988)
Laufzeit: ca. 100 Min. (PAL)
Studio: Ascot Elite HE
Regie: Anthony M. Dawson
Darsteller: Lewis Collins, Manfred Lehmann, Lee van Cleef
Format: 1.85:1 Widescreen (16:9)
Ton: DD 5.1 Deutsch, Englisch / DD 2.0 Spanisch, Italienisch
Untertitel: -
Extras: DVD-Rom pdf-Buch
Preis: ca 10 €
Wertung: 2-/ 3+/ 2- (Bild/Ton/Extras)


"Action-Recycling ohne Spannung"

In seiner Heimat war er einer der großen Ungeliebten: Lewis Collins. Im Gegensatz dazu genoss er in Deutschland Starstatus. „Die Profis“ – das war Lewis Collins. Wie der Lockenkopf an seiner Seite hieß, wen interessierte das hierzulande? Die Jungs wollten wie Lewis Collins sein, die Frauen wollten Lewis Collins haben. Damals, Anfang der 1980er Jahre, gehörte Collins hierzulande zu den ganz Großen. In Großbritannien hingegen sank sein Stern in dem Moment, in dem „Die Profis“ von den Bildschirmen verschwanden. Da gab es zwar noch den Spielfilm „Das Kommando“, in dem Collins Actionqualitäten beweisen konnte und ja, 1982 sprach Collins sogar bei Cubby Broccoli für die Rolle des James Bond vor (die dann jedoch noch zweimal von Roger Moore verkörpert werden sollte). Aber im Gegensatz zu seinem Serienpartner Martin Shaw, der noch heute zu den großen Fernsehstars seiner Heimat zählt, versank Collins Stern ebenso schnell, wie er mit „Die Profis“ am TV-Himmel erstrahlt war.
In Großbritannien, da blieben für Collins kleine Nebenrollen in TV-Serien, sein Versuch, in den USA Fuß zu fassen, endeten in einem Fiasko.
In Deutschland jedoch - da machte er Kino. „Geheimcode: Wildgänse“, das war damals, 1984, echtes Actionkino. Starke Männer, harte Söldner, miese Drogenbarone... Und auch „Kommando Leopard“ war ein Film für die große Leinwand. Aus heutiger Sicht mögen diese Filme als Trash bezeichnet werden. Aber in der Zeit ihrer Entstehung waren sie es nicht. Zu ihrer Zeit spielten diese deutsch-italienischen Co-Produktionen in einer Liga mit vergleichbaren US-Filmen, die einen Chuck Norris oder, ältere Semester erinnern noch, Michael Dudikoff zu Actionstars katapultierten. Und international waren diese deutsch-italienischen Filme höchst erfolgreich.
Doch ein glückliches Händchen bewies Lewis Collins letztlich auch mit diesen Filmen nicht. Ausgerechnet 1988, als er im britischen Fernsehen an der Seite von Sir Michael Caine eine Hauptrolle in der Hochglanzproduktion „Jack the Ripper – Das Ungeheuer von London“ spielte – durfte man ihn im Kino auch in der Produktion „Der Commander“ bewundern. Wäre eine Produktion wie „Jack the Ripper“ sicher geeignet gewesen, um sich zurückzumelden – und das als ernst zunehmender Charakterdarsteller, riss „Der Commander“ all das wieder ein. Wie „Geheimcode Wildgänse“ und „Kommando Leopard“ wurde auch „Der Commander“ von Italo-B-Regielegende Antonio Margheriti (a.k.a. Anthony M. Dawson) inszeniert. Doch „Der Commander“ als einen eigenständigen Film betrachten zu wollen, zeugt von zu viel Ehre. Im Vergleich zum sehr geradlinig inszenierten "Geheimcode Wildgänse" und dem durchaus komplexen „Kommando Leopard“ ist „Der Commander“ eine Aneinanderreihung von lieblos heruntergekurbelten Szenen inklusive jeder Menge recycelter Explosionen frührerer Filme. Die gesamten Explosionen des Showdowns stammen aus „Geheimcode Wildgänse“, Kameraeinstellungen verdecken kaum das fehlende Budget. Selbst der irritierend abgefahrene Soundtrack der deutschen Progressive Rocker von „Eloy“ zu „Geheimcode Wildgänse“ erfährt in diesem dritten und letzten Collins-Actionflic eine Wiederverwertung. Sicher, es war nicht ungewöhnlich, dass italienische Filmemacher Material älterer Produktionen recycelten (auch in „Kommando Leopard“ findet sich in einer Actionsequenz Material eines älteren Filmes). Man kann sagen: So waren die Zeiten. Aber in diesem Fall macht die Schlampigkeit ratlos. Mit „Geheimcode Wildgänse“ und „Kommando Leopard“ hatte Produzent Erwin C. Dietrich Collins zu einer Marke des B-Actionfilmes aufgebaut. In Deutschland und Italien machten die Filme richtig Geld, der weltweite Verkauf dürfte die Geldgeber sehr, sehr glücklich gemacht haben. Warum sie dann mit „Der Commander“ einen Film ins Rennen schickten, der diese gerade aufgebaute Marke mit dem Arsch einriss, so lieblos hingerotzt... War es Gier? War es eine vollkommene Fehleinschätzung aller Mitwirkenden, getreu dem Motto: nach zwei Filmen würde auch der dritte Film an den Kassen funkionieren? Nun, der Film wird sein Geld eingespielt haben, aber auch in Vor-Internetzeiten sprach es sich herum, wenn ein Film Dreck war.
Dabei liegt es nicht an der Handlung (das Drehbuch stammt von der deutschen Synchron-Legende Arne Elsholtz!). Und nicht an der Besetzung mit Namen wie Lee van Cleef, Donald Pleasence, Thomas Danneberg und Manfred Lehmann. Nein, versaut hat die Geschichte Regisseur Antonio Margheriti, der eine handwerklich unterirdische Arbeit abgeliefert hat.
Der Commander ist Jack Colby, ein Anti-Drogen-Spezialist, der von einem Ex-Söldner den Auftrag erhält, das größte Roh-Opiumlager der Welt zu vernichten. Einer seiner Söldner, mit denen er in den Kampf zieht, ist ein Agent, Wild Bill Hickock (Lehmann). Er hat einen Auftrag, von dem Colby nichts weiß. Es geht um einen Mikrofilm - und brisante Informationen....
Es kracht, es knirscht, aber weder ist das spannend noch packend.

BILD

Der Commander

Das Bild wurde kräftig entstaubt. Kratzer sind keine großartig auszumachen, die Farben sind okay. Etwas blass vielleicht, aber sie entsprechen durchaus den Kinobildern von 1988. Hier ist mit großer Sorgfalt das Bild für den Transfer aufbereitet worden. Einige wenige Spratzer (etwa am Ende des Filmes, wenn etwa eine Einstellung kurz „wackelt“) können als Petitessen betrachtet werden. Für einen Film dieser Art eine sehr ordentliche Arbeit.

TON

Der Commander

Der Sound ist eine Wissenschaft ür sich. Betrachten wir zunächst die deutsche Tonspur. Die ist klar und sauber. Auch wurde sie von etwaigen Rauschen oder anderen Störungen gereinigt. An sich eine wirklich ganz hervorragende Arbeit. Vielleicht aber ist sie auch einen Tick zu gut ausgefallen, denn durch das Ausradieren wirklich aller Störungen klingt der Ton - nach Tonstudio. Es ist wahrscheinlich schwierig, es allen Ohren recht zu machen.
Der englische Ton (in dem sich Manfred Lehmann übrigens selbst spricht - und einen wunderbaren deutschen Akzent offenbart) klingt natürlicher als die deutsche Tonspur, ist aber dafür etwas leiser, etwas weniger aufgeräumt.
Der italienische und spanische Ton sind eher dreingaben und zu vernachlässigen.

EXTRAS

Für Lewis Collins war „Der Commander“ das Ende seiner Karriere als (B-)Actionstar. In seiner Heimat ungeliebt, erhielt er in Deutschland, wo er nach wie vor hohes Ansehen genoss, 1990 immerhin noch einen Gastauftritt in der teuren, aber auch recht erfolglosen TV-Serie „Blaues Blut“. Danach versank seine Karriere in Bedeutungslosigkeit; 2002 sah man ihn ein letztes Mal vor der Kamera in einer Episode der über 26 Jahre laufenden Krimiserie „The Bill“. Um 2010 teilte er seinen Fans mit, er würde bald wieder vor der Kamera stehen - in „1066“. 2015 wird diese Produktion in die Kinos kommen. Ohne Lewis Collins. Als die Dreharbeiten begannen, war er bereits so schwer an Krebs erkrankt, dass er die Rolle nicht mehr spielen konnte.

Amüsant ist übrigens die deutsche Tonspur in Bezug auf die Synchronisation. Wer war Lewis Collins' Synchronsprecher in seinen Actionfilmen? Natürlich der Mann, der alle harten Jungs der 80-er, von Schwarzenegger bis Stallone, seine Stimme lieh: Thomas Danneberg. Nun gab es in Bezug auf "Der Commander" ein kleines Problem: Thomas Danneberg spielte in dem Film selbst eine Hauptrolle. Was dazu führte, dass Danneberg seine Stimme in der deutschen Fassung Lewis Collins lieh, selbst aber von Rainer Brandt synchronisiert werden musste.

Solche Kuriositäten, darüber berichtet auch das Extra der DVD. Das findet man nur im Rom-Part, dafür aber hat es dieses Extra in sich: Als Extra liefert die DVD nämlich eine PDF des Buches "Mädchen, Machos und Moneten", eine Hommage / Analyse des Werkes von Erwin C. Dietrich. Das ist wirklich interessant, der Mann hat schließlich Dutzende von Filmen selbst inszeniert und noch viel mehr produziert. Der Schweizer ist ein Stück europäischer Filmgeschichte - und dabei doch einer der großen Unbekannten.

FAZIT

"Der Commander" ist leider kein guter Film. Ein lieblos heruntergekurbelter Söldnerfilm, der vom Erfolg seiner Vorgänger zu profitieren versucht, dabei aber nicht einmal im Ansatz so etwas wie ein eigenes Profil entwickelt. Auch die überraschend sorgfältig aufbereitete DVD-Veröffentlichung macht diesen Film nicht besser.



Christian Lukas


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