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Brücke von Arnheim, Die   

Brücke von Arnheim, Die
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Original: A Bridge too far   (USA, 1977)
Laufzeit: 160 Minuten (PAL)
Studio: MGM
Regie: Richard Attenborough
Darsteller: Sean Connery, Anthony Hopkins, Michael Caine, Robert Redford, Elliott Gould u.v.a.
Format: 2.35:1 Widescreen (16:9)
Ton: DS Deutsch, Englisch, Spa
Untertitel: Deutsch, Englisch, Spa
Extras: Audiokommentar, Making of, Interviews u.m.
Preis: ca. 25 €
Wertung: 3+/ 3 / 1- (Bild/Ton/Extras)


"Operation Market Garden!"

Unter diesem Namen hatte sich der britische Feldmarschall Montgomery anno 1944 eine ganz schon gewagte Aktion einfallen lassen. Um sich einen guten Weg über den Rhein zu sichern und zudem eine ganze allierte Panzerdivision nach Deutschland zu bringen, sollten Fallschirmtruppen den Weg der Panzer von der belgisch-holländischen Grenze nach Arnheim sichern. Die Brücken in Eindhoven, Son, Grave, Nijmwegen und Arnheim waren die Einsatzziele, die maximal drei Tagen gehalten werden sollten, damit der Panzer-Zug bis Arnheim vordringen konnte, um dort den Rhein zu überqueren. Insgesamt 35.000 Soldaten wurden am 17. September 1944 über Holland abgeworfen. Das entgegen der allierten Aufklärung nicht nur wenige “Schuljungen und Greise” an der deutschen Front geblieben sind, sollten die Allierten mit schrecklichen Verlusten und dem größten Rückschlag der Invasion bezahlen. Über 17.000 Tote und Schwerverletzte hinterließ die Operation “Market Garden” - weitaus mehr Verluste als am D-Day in der Normandie. Wie die gesamte Operation nach und nach in immer größeren Problemen versank, versucht Richard Attenboroughs Film “Die Brücke von Arnheim” nachzuvollziehen. Doch ähnlich wie das große militärische Vorhaben verzettelt sich auch der Film in den kleineren Episoden und bringt den Zuschauer durcheinander. Trotz der sicheren Hand von Drehbuch-Veteran William Goldman (“Wir konnten den Leuten endlich zeigen, dass Krieg stinkt!”) bleibt der Film extrem episodenhaft. Durch die großangelegte Besetzung sind die einzelnen Schauplätze aber interessant und auch glaubwürdig. Dass Kritiker seinerzeit von einer “Hollywoodisierung” des Themas sprachen, darf dank des ausführlichen Bonusmaterials der DVD, welches viele Filmfakten belegt, nur belächelt werden. Unerfreulich bleibt leider auch der Fakt, dass MGM für die deutsche DVD-Auswertung eine um knapp neun Minuten gekürzte Fassung ausgewählt hat. Trotzdem ist die “Brücke von Arnheim” so in ihrer längsten deutschen Fassung zu sehen, die die vormals entfernten blutigen Kriegsszenen wieder einfügt. Der gute Eindruck dieser Mammutproduktion bleibt aber immer noch beim Zuschauer haften.

BILD

Brücke von Arnheim, Die

Trotz der offensichtlichen Mühe, die man sich mit dem anamorphen Widescreentransfer gegeben hat, bot die Vorlage wohl doch nicht mehr Qualität an. Ein deutliches Hintergrundrauschen sowie vereinzelt deutlich auftretende Verunreinigungen deuten auf das Alter des Filmes. Zudem ist das Bild sehr deutlich weichgezeichnet. Ob dies durch die damals beliebten Filter oder beim DVD-Transfer entstanden ist, lässt sich nicht nachvollziehen. Hintergrunde verlaufen deshalb schnell in breiigen Formen. Trotz der forcierten Matschigkeit des Bildes sind die Farben noch ausgesprochen frisch, aber im Ton eher matt. Der Schwarzlevel ist ausgesprochen gut und lässt auch in dunkleren Bereichen sehr viele Details noch deutlich erscheinen. Die Kompression hält das Bild stabil und digitale Artefakte fern. Etwas mehr Mühe hatte dem Transfer besonders im Schärfebereich gut getan.

TON

Brücke von Arnheim, Die

Mit einem neuen Dolby Digital 5.1 Upmix liegt der Soundtrack auf Deutsch, Englisch und Spanisch vor. Der originale Monotrack wurde nicht mehr auf die Scheibe gepresst. Trotz des sicherlich Surround-würdigen Kriegsspektakels auf dem Bildschirm bleiben die Effektkanäle aber eher kalt. Hauptsächlich wird nur die sporadische Musik auf die weiteren Kanäle verteilt. Ansonsten bleibt die Soundaktivität auf die Frontstage beschränkt. Die wird aber gut für einige atmosphärische Momente genutzt. Sowohl die Fliegerkolonne als auch die überschwengliche Begrüßung der Holländer wirkt sehr räumlich. Die Dialoge sind fest im Center verankert und hören sich aufgrund des Monomasters ein wenig muffiger als die restliche Soundkulisse an. Trotzdem bleiben alle Dialoge sauber verständlich. Überlappungen wurden nicht festgestellt. Ein aufgebohrter Upmix, der den Surroundsound nur an wenigen Stellen über die Frontstage hinaus bringt. Ganz ordentlich.

EXTRAS

Der komplette Film wird von einem Audiokommentar begleitet. Hier spricht nicht nur wie angekündigt Drehbuchautor William Goldman sondern auch der Filmmusik-Experte der USC (Fach: History of Film Music) John Burlingham, der First Unit Camera-Operator Peter MacDonald sowie einer der Produzenten sehr ausschweifend über das gesamte Projekt. Verbunden mit sehr vielen Anekdoten rund um die Produktion ergibt sich ein lebendiges wie lehrreiches Bild über die Entstehung dieses tragischen Kriegsepos. Keiner der Beteiligten nimmt dabei ein Blatt vor den Mund, obwohl alle hauptsächlich positiven Erinnerungen an “Die Brücke von Arnheim” haben. Facettenreich wird über einzelne technische wie logistische Details aber auch über die Zusammenarbeit mit der gigantischen Besetzung geschwärmt. Nicht immer bildanalog aber dafür ohne Pause bekommt der Zuhörer alles präsentiert, was man sich von einem Audiokommentar erhoffen kann. Ein absolutes Muss. Neben der leicht gekürzten Fassung schleicht sich auf der ersten Disc ein weitere Nachlässigkeit der deutschen DVD ein. Der “Historical Fact Track”, der auf der englischen DVD samt vollständiger Filmfassung zu finden ist, wurde hier komplett ausgespart. Dies ist eine unverständliche Kleinkrämerei, da der englische Vertrieb auch bei MGM liegt.

Auf der zweiten DVD lassen sich die anderen sehr guten Extras finden: die “Heroes from the Sky”-Dokumentation (ca. 45 Minuten) ist ein sehr gutes “Making of”, das sowohl die historischen Fakten als auch die Ambitionen der Filmemacher berücksichtigt. Mit aktuellen Interviews und Originalaufnahmen von den Drehorten (einschließlich weiterer Interviews!) wird ein umfassender Blick hinter die Kulissen gewährt. Nur an wenigen Stellen überlappt hier die Information mit dem Audiokommentar. Natürlich sind hier nicht alle namhaften Schauspieler nochmal vor die Kamera getreten. Aber allein Elliott Gould entschädigt schon für vieles : ). In der 30-minütigen Dokumentation “A distant Battle: Erinnerungen an Operation Market Garden” erzählen verschiedene Kriegsveteranen von ihren persönlichen Erlebnissen als Soldat im Allgemeinen als bei dem Einsatz in Holland im Besonderen. Mit einem ordentlichen Druck auf die Tränendrüse werden hier die eindrucksvollen Geschichten der echten Soldaten gewürdigt. Pflichtprogramm. Zum Abschluss darf sich auch noch Regisseur Richard Attenborough in “A Filmmaker remembers” (ca. 19 Minuten) konzentriert zu “Die Brücke von Arnheim” äußern. Auch hier gibt’s leichte Überschneidungen zum Audiokommentar, aber der persönliche Eindruck Attenboroughs über sein Projekt ist absolut gelungen. Unter verschiedenen Aspekten erläutert er die Entstehung des Projekts und kommentiert dabei das Thema Krieg im allgemeinen. Absolut sehenswert und informativ.

FAZIT

Als eindrucksvoller Kriegsfilm-Klassiker mit enormer Starbesetzung gehört “Die Brücke von Arnheim” sicherlich in jede Sammlung. Mit der Special Edition hat MGM für Deutschland aber eine Mogelpackung abgeliefert. In der in Deutschland längsten aber immer noch um neun Minuten gekürzten Fassung lässt die Doppel-DVD auch einen essentiellen historischen Fact-Track vermissen, der im Ausland auf der gleichen Scheibe von MGM vorhanden ist. Ob man sich damit zufriedengeben will, muss wohl jeder für sich entscheiden, denn das restliche Bonusmaterial ist eine echte Wucht. Bedingt empfohlen!



Kay Pinno


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