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Ghost World   

Ghost World
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Original: Ghost World   (USA, 2001)
Laufzeit: ca. 107 Min. (PAL)
Studio: Planet Medie HE
Regie: Terry Zwigoff
Darsteller: Thora Birch, Steve Buscemi, Scarlett Johansson
Format: 1.85:1 Widescreen (16:9)
Ton: DD 5.1 Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Extras: Making of, Interviews
Preis: ca. 9,50 €
Wertung: 2 / 2-/ 2- (Bild/Ton/Extras)


"Überschätzter Kultfilm"

Das Ende der Schulzeit bedeutet den Eintritt in die Welt der Erwachsenen. Erwachsen werden, das bedeutet stets auch sich anpassen zu müssen und Teil eines Ganzen zu werden. Wer sich der Anpassung verweigert, der wird ein Außenseiter. Enid (Thora Birch) entscheidet sich bewusst dafür, jenseits der Gesellschaft zu stehen. Die hoch intelligente junge Frau verschließt sich den Mechanismen der Anpassung. Sie beschreitet ihren Weg konsequent. Doch wohin wird sie dieser Weg führen?
Durch einen Zufall lernt Enid den Einzelgänger Seymour (Steve Buscemi) kennen. In den Augen der meisten Menschen ist Seymour eine Witzfigur. Und das nicht nur äußerlich: Er ist ein Junggeselle, der seine Zeit damit verbringt, Schellack-Platten zu hören und der in einer Welt der Erinnerungen lebt. Zwischen der hübschen jungen Frau und Seymour entwickelt sich eine tiefe Freundschaft. Zwei Verlorene haben sich gefunden. Doch führt ihr Weg ins Happy-End?
„Ghost World“ ist kein Film, der es dem Zuschauer leicht macht, ihn zu mögen. Enid ist es, die die Zuschauer an den Film heran führt. Durch Enids Augen die Welt zu sehen, das bedeutet, ihren gesamten Zynismus zu erkennen. Enid selbst ist eine Zynikerin, die der Welt zu verstehen gibt, was sie von ihr hält. Durch ihre Zynismen aber macht sie uns auf den allseits existierenden Zynismus erst aufmerksam. Seymour ist in diesem Fall das totale Gegenteil von Enid. Auch er kennt die Zynismen, hat sie am eigenen Leib erfahren müssen. Aber er hat seinen Frieden mit der Welt geschlossen. So wunderbar uns Regisseur Terry Zwigoff über Enid an seinen Film heran führen mag, muss doch konstatiert werden, dass uns Enid den gesamten Film über eine Fremde bleibt. Ihr Handeln ist in sich zu widersprüchlich, als dass sie zu fassen wäre. Enid will nicht so werden wie er Rest der Welt. Die Frage lautet nur: Was oder wie will sie denn werden?
Die Figur der Enid entgleitet nicht nur der Welt, in der sie lebt, sie entgleitet auch dem Zuschauer, der zu dem Film stets eine neutrale Distanz bewahrt, statt in die Geschehnisse hineingezogen zu werden. Diese Distanz aufzubrechen aber versucht der Regisseur, wenn er Enid zum Dreh- und Angelpunkt der Geschichte erhebt. Diese Distanz aber ist nicht das Hauptmanko des Filmes. Ist „Ghost World“ trotz seiner an sich traurigen Geschichte über lange Zeit hinweg ein äußerst amüsanter Trip durch eine Welt jenseits des Hollywood-Glamours, entwickelt sich die letzte Viertelstunde zu einer düsteren Reise in den Abgrund. Enids Leben wird in einer Form aus der Bahn geworfen, die so nicht nachzuvollziehen ist. „Ghost World“ ist ein Drama und keine weichgespülte Hollywood-Teeniestory. Mit der letzten Viertelstunde soll dies offenbar noch einmal unterstrichen werden. Und das mit Gewalt.
Als der Film 2001 in die Kinos kam, bekam er durchweg positive Kritiken. Doch schon damals ließ sich der Hype nur insofern erklären, als dass sich ein Teil des Publikums dem seinerzeit herrschenden Teenie-Komödienboom – und damit dem Mainstream – entziehen wollte. „Ghost World“ bot dafür eine Möglichkeit. Handwerklich perfekt, inhaltlich jedoch überraschend. Allein: Überraschungen müssen nicht immer positiv sein. Nun, da 13 Jahre ins Land gezogen sind, steht der Film für sich allein, ist nicht mehr Teil eines gerade stattfindenden Hypes, in dem er sich als Gegengewicht darstellen kann. Nein, er muss für sich stehen. Und wenn da am Ende, in dieser letzten Viertelstunde das Lachen erstirbt, erstirbt mit ihm auch das Interesse an diesem Film.

BILD

Ghost World

Die DVD wurde ordentlich aufgehübscht. Nun ist "Ghost World" kein Film, der besonders hohe Ansprüche ans Bild stellt. Aber dennoch wurde hier mit sichtbarer Sorgfalt der Film aufgefrischt. Gerade in den eher dunklen Szenen ist dies, im wahrsten Sinne, sichtbar. Da geht nichts unter, Konrastierung, Dynamik, da stimmt alles. Natürlich ist dies nicht "Der Herr der Ringe - Die zwei Türme", aber in seinem eher Low-Budget-Rahmen ist dem Verleiher eine sehr gute Arbeit gelungen.

TON

Ghost World

Das gleiche gilt auch für den Ton. Allerdings braucht es da auch keines großen Gedöns, um den gut klingen zu lassen. Es wird schließlich sehr viel geredet. Die Worte kommen klar aus den Boxen, Hintergrundrauschen oder ähnliches gibt es nicht. Der amerikanische Originalton klingt vielleicht etwas lebensechter als die deutsche Synchro, doch der deutsche Ton ist aufgeräumter, von Nebengeräuschen befreit, ohne dabei künstlich zu klingen. Da gibt es also nichts zu meckern.

EXTRAS

Die Extras fallen ordentlich aus. Es gibt mit allen Darstellern und den Machern Interviews sowie einen Blick hinter die Kulissen. Wer wissen möchte, wie die Darsteller ihre Rollen betrachten, wird hier fündig. Und ja, die junge Frau, die Enids Freundin Rebecca in diesem Film darstellt, nennt sich nicht nur Scarlett Johansson - es ist Scarlett Johansson. Scarlett Johansson, die heute als eine der schönsten Frauen Hollywoods gilt, ist hier noch das nette Mädchen von neben mit einem absoluten Minimum an vor der Kamera notwendigen Make-up.

FAZIT

"Ghost World" hat ordentlich Patina angesetzt. Mag er im Erscheinungsjahr als Überraschungshit gefeiert worden sein und gute bis sehr gute Kritiken erhalten haben, hinterlässt er heute einen eher ratlosen Zuschauer. Wer den Film 2001 mochte, wird ihn wahrscheinlich auch heute mögen. Neue Zuschauer aber wird er kaum finden. Zu sehr haben sich Sehgewohnheiten verändert, zu sehr ist "Ghost World" letztlich ein Kind seiner Entstehungszeit.



Christian Lukas


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