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Sabotage   

Sabotage
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Original: Sabotage   (USA, 2014)
Laufzeit: 105 Min. (PAL)
Studio: Splendid Film
Regie: David Ayer
Darsteller: Arnold Schwarzenegger, Sam Worthington, Olivia Williams, Terrence Howard, Joe Manganiello
Format: 1.77:1 Widescreen (16:9)
Ton: DD 5.1 Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Niederländisch
Extras: Alternative Enden, Interviews, Making of
Preis: ca. 10 Euro
Wertung: 2 / 2 / 2 (Bild/Ton/Extras)


"Die Dekonstruktion des Heldenepos"

Erst “The Last Stand”, dann “Escape Plan“ und schließlich “Sabotage”. Seit Arnie das Politikerdasein aufgegeben hat, hat er sich zu einem veritablen Kassengift entwickelt. Keiner der drei genannten Filme konnte an den Kinokassen überzeugen. Und nicht nur das: Während „The Last Stand“ denen, die ihn sich dann angeschaut haben, in der Regel ganz gut gefallen hat und „Escape Plan“ Sympathiepunkte für das Doppel Schwarzenegger/Stallone abgreifen konnte, hat „Sabotage“ nun die volle Breitseite abbekommen. Er implodierte an den Kinokassen und bekam auch noch zum Teil vernichtende Kritiken – von Zuschauern und Kritikern gleichermaßen.
Verdient aber – hat er dies nicht. Und es drängt sich der Verdacht auf, dass ein nicht unerheblicher Teil der negativen Kritik darauf beruht, dass Schwarzenegger in diesem Film eben eines nicht ist: Arnie! Nein, „Sabotage“ ist alles andere als ein Heldenepos. Daran kann nicht einmal die Tatsache etwas ändern, dass Schwarzenegger einen Polizisten spielt. Breacher heißt er und ist Chef einer Anti-Terroreinheit der DEA. Das klingt erst einmal nach einer Arnie-Rolle. Doch schon nach nicht einmal zehn Minuten ist vom Helden-Image der Muskelberges aus der Steiermark nichts mehr übrig. Während seine Einheit nämlich das Anwesen eines Drogenbarons stürmt und dabei keine Gefangenen macht, zwacken seine Männer (sowie die eine Frau des Teams) kurzerhand 10 Millionen Dollar aus dem Besitz des Gangsterbosses ab und lassen das Geld, im wahrsten Sinne des Wortes, in der Kanalisation verschwinden. Doch als sie einen Tag später in den Scheiß hinabsteigen – ist das Geld verschwunden. Und nur ein Mitglied der Truppe kann dafür die Verantwortung tragen.

Was folgt, ist eine Dekonstruktion des Heldentums. Qua ihres Berufes und ihres Einsatzes müssten diese Polizisten eigentlich die Guten sein, die Helden, die letzte Bastion der Gerechtigkeit gegen das bestens organisierte Verbrechen. Fast ist man als Zuschauer gewillt, ihnen den Diebstahl zuzugestehen, als eine Art Bonus für ihren gefährlichen Job. Und fast verdammt man daher den unbekannten Dieb um so mehr. Doch was Regisseur und Autor David Ayer in der Folgezeit kreiert, ist ein einziger Angriff auf Begrifflichkeiten wie Mut und Heldentum. Breachers Truppe besteht aus Psychopathen, die sich in der Gefahr suhlen. Sie sind Junkies des Adrenalins, die die Grenzen des Erlaubten nicht überschreiten, weil sie etwa einen Job ausüben, der ihnen keine andere Wahl lässt. Regisseur Ayer lässt die Geschichten der einzelnen Figuren zwar unbeleuchtet, aber er lässt wenig Zweifel daran aufkommen, dass diese Truppe nicht durch den Job verändert worden ist. Diese Polizisten lieben die Gewalt. Und sie genießen die Macht, die ihnen ihr besonderer DEA-Status verleiht. Sie sind Henker und Richter. Und vor allem geben sie einen feuchten Kehricht auf das, was sie eigentlich beschützen sollen: Das Gesetz. Selbstgerecht, arrogant, brutal. Einzig Breacher hat noch so etwas wie einen Kodex, nach dem er handelt; zumindest er war, daran lässt die Geschichte keinen Zweifel, einst ein anständiger Kerl. Doch wenn sich schon ein Mann wie er korrumpieren lässt...

„Sabotage“ macht es dem Zuschauer mit seinen unsympathischen Hauptfiguren wirklich nicht leicht, den Film zu mögen. Aber genau das ist mutig. Man muss das nicht mögen, aber man sollte es zumindest respektieren. Ayer hätte diesen steinigen Weg nicht gehen müssen. Er hätte Arnie am Ende des Filmes eine fette Wumme in die Hand drücken können, mit der er das Weltbild wieder zurechtgeschoben hätte. Doch Ayer hat sich für den schwierigeren Weg entschieden. Dabei ist ihm allein ein Fehler unterlaufen. Und das ist der Showdown. Zumindest Breacher versucht Ayer dann eben doch etwas abzuheben aus diesem Psychopathennest. Das ist okay, doch – siehe die Extras – da wäre mehr drin gewesen.
Fazit: „Sabotage“ hat seinen schlechten Ruf nicht verdient. Die Demontage der Sehgewohnheiten ist mutig. Wer immer nach Abwechslung schreit, darf nicht gleich beleidigt sein, wenn sich ein Regisseur dann mal wagt, andere, steinige Wege zu beschreiten.

BILD

Sabotage

Die Filmvorlage ist gänzlich frei von Defekten und in einem exzellentem Zustand. Es überwiegen kalte Töne, ein leichter Blaustich legt sich hier und da übers Bild. Der anamorphe Transfer (2.35:1 Widescreen) unterstützt den kalten Eindruck; Schärfe und Kontrast liegen im obersten Bereich und lassen auch kleinste Bilddetails deutlich hervortreten. Allerdings gibt es Abzüge in Bezug aufs Schwarzlevel, wenn es zu dunkel wird – sind hier und da „Digitalschatten“ zu erkennen. Das hätte sicher ein bisschen besser sein können. Ansonsten – Standardware des DVD-Zeitalters.

TON

Sabotage

Der 5.1-Sound ist sauber abgemischt, hörbare Unterschiede zwischen der deutschen und amerikanischen Tonspur lassen sich nicht ausmachen. Musik, Dialoge, Actionsequenzen verteilen sich homogen und unaufdringlich auf alle Soundkanäle. Eine bodenständige, anstände Arbeit, an der es nichts zu kritteln gibt.



EXTRAS

Und hier kommen die Abzüge in der B-Note. Nicht für die Extras als solche – sondern für den vorliegenden Film. Zu den Extras nämlich gehören zwei alternative Enden. Machen wir es mit Ende Nummer 2 kurz: Das wurde offenbar ausprobiert – und wenn man es sich durch den Kopf gehen lässt – hätte es irgendwie nicht zum Film gepasst. Dass man es nicht verwendet hat, ist nachvollziehbar, als Extra ist es ein hübsches Schmankerl.
Ganz anders sieht dies im Fall vom alternativen Ende Nummer 1 aus.
Zur Nemesis der soziopathischen DEA-Truppe entwickelt sich im Verlauf der Handlung die Polizeibeamtin Caroline Brentwood. Nachdem der erste Elitepolizist draufgeht, übernimmt sie die Ermittlungen - und rennt gegen eine Wand. Als Bundesagenten stehen Arnies Sozio- und Psychopathen jenseits ihrer Zuständigkeit. Doch Brentwood lässt sich nicht abwimmeln. Auch sie ist keine Heldin im weißen Gewande, sie neigt zum Sarkasmus. Aber sie nimmt auch ihren Job noch ernst, was sie für Breachers Truppe zur Gefahr werden lässt. Nicht nur, weil sie unangenehme Fragen stellt. Es ist vielmehr der Spiegel, den sie ihnen vorhält. Sie ist das, was Breachers Leute sein sollten – anständig.
Das alternative Ende 1, soviel sei verraten, es hätte dem Film einen ganz anderen Touch verliehen. Wie erwähnt – zumindest Breacher, das wird im Verlauf der Handlung klar, war einst ein guter Mann. In beiden Fällen, also im verwendeten wie diesem alternativen Ende, erhält der Zuschauer eine Erklärung für seinen Fall. Doch in Bezug auf die Demontage des Heldenbildes, welches der Regisseur von der ersten Minute an vollführt, wäre das nicht verwendete Ende 1 das tragischere, düsterere, aber auch konsequentere Finale gewesen. Wenn schon Dekonstruktion eines Genres – dann bis zur letzten Konsequenz. Wer sich vor dieser Konsequenz gedrückt hat, lässt sich von Außen natürlich nur vermuten. Bedauerlich ist auf jeden Fall, dass dieses Ende nur als Extra der DVD beiliegt. Es wäre nicht uninteressant gewesen, etwa in einem Director`s Cut das alternative Finale tatsächlich als integralen Bestandteil einer alternativen Filmversion betrachten zu können und nicht losgelöst vom Film als DVD-Extra. Der Rezensent dieser Zeilen ist auf jeden Fall überzeugt, dass das alternative Ende die kraftvollere Version gewesen wäre.

FAZIT

„Sabotage“ ist eine Dekonstruktion des Heldenfilmes. Er ist knüppelhart und macht keine Gefangenen. Und er ist besser als sein Ruf!



Christian Lukas


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