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Hooligan Factory   

Hooligan Factory
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Original: The Hooligan Factory   (Großbritannien, 2014)
Laufzeit: ca. 86 min (PAL)
Studio: Ascot Elite HE
Regie: Nick Nevern
Darsteller: Jason Maza, Nick Nevern, Ray Fearon, Tom Burke
Format: 2,35:1 Widescreen (16:9)
Ton: DD 5.1 Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Extras: Deleted Scenes, Making of, Trailer
Preis: ca. 9 Euro
Wertung: 3+/3+/3+ (Bild/Ton/Extras)


"Deppen in Ballonseide"

Die „Hooligan Factory“ ist nicht direkt vertane Lebenszeit, aber der Film ist ein Beleg dafür, dass auch aus Großbritannien nicht nur Top-Qualität den Weg über den Kanal nach Europa findet. Das größte Problem der Komödie besteht nicht darin, dass sie nur mäßig komisch ist. Ihr größtes Problem besteht vielmehr in der Tatsache, dass sie nicht weiß, was sie will. Was will sie dem Zuschauer erzählen? Die Geschichte eines Möchtegern-Hooligans, der zum anerkannten Hooligan-Führer aufsteigt? Will sie ein Zeitporträt sein, das auf vergangene Hooligan-Tage einen Blick wirft und laut ausruft – „boah, waren die Typen in den 90ern dämlich?“ Oder sind die Fußball-Hooligans eigentlich ganz anständige Kerle gewesen, weil sie unpolitisch und nach festen Regeln ihrem Werke nachgingen?
Diese Fragen kann der Film ebenso wenig beantworten wie die Frage, was die Hauptfigur Danny eigentlich an Hooligans so dolle findet. Sein Vater ist ein wüster Schläger, der aus zehn Jahren Knast mal eben 30 macht, weil er bei der Urteilsverkündung den Richter verprügelt und keine Verantwortung für irgend etwas kennt. Man könnte auch sagen: In einer langen Reihe von Vollpfosten steht er als Oberpfosten in der ersten Reihe. Warum also will Danny in seine Fußstapfen treten? Also, logisch ist das – milde ausgedrückt – nicht.

So lernt Danny irgendwann Dex kennen. Zufällig. Dex rettet ihn, als ihn ein paar üble Typen ausrauben wollen. Ausgerechnet. Dex ist nämlich gerade erst aus dem Knast gekommen – und unter den Hooligans ist der Trainingsanzugträger eine Legende. Niemand war ein besserer Holligan als er. Dumm nur, dass sich die Zeiten geändert haben. Und so wird Dex von The Baron auch gar nicht mehr ernst genommen. The Baron ist seine Nemesis, ein ebenfalls legendärer Hooligan, der aber längst ein gesellschaftlich akzeptiertes, wohl situiertes Leben führt. Doch er trägt auch Schuld am Unfalltod von Dex’ Sohn. So beginnt Dex seine alte Truppe wieder für den Kampf klarzumachen und bald schon ist Dex wieder ganz oben. Bleibt nur die Abrechnung mit der Truppe von The Baron.
Währenddessen wird Danny mehr und mehr Dex’ rechte Hand und entwickelt Qualitäten, die ihn selbst zu einer Führungsfigur werden lassen.

Hier und da lässt die „Hooligan Factory“ mal einen Gag zünden, der zum Schmunzeln oder Lachen anregt, meist aber wirkt dies alles sehr gewollt. Aus einer Situation heraus entwickelt sich sehr selten mal ein Gag, meist wird vorher ein imaginäres Schild aufgestellt, das den Zuschauer warnt: Achtung, gleich kommt ein Scherz.
Und so scheitert er daran, dass er – wie bereits ausführlich dargelegt – nicht weiß, was er eigentlich will. Um einmal einen Vergleich zu „Shawn of the Dead“ zu bemühen: „Shawn of the Dead“ ist ohne seinen Humor ein richtig guter Zombiefilm. Er ist dramaturgisch ein Zombiefilm, er nutzt die Effekte eines Zombiefilms, er fühlt sich an wie ein Zombiefilm. Man sieht ihm einfach an, dass über das Korsett einer Zombiegeschichte eine Komödie gezogen worden ist. Genau dieses Gefühl kommt bei „Hooligan Factory“ nie auf. Er ist unter der Gag-Oberfläche eben nicht „The Firm“, „Green Street Hooligans“ oder „The Football Factory“, er ist nur eine Ansammlung von mehr der minder zusammenhängenden Ideen, die zusammengenommen aber keine Sprengkraft entwickeln.

BILD

Hooligan Factory

Der ist mäßig, aber was soll man schon groß von einem Film wie diesem erwarten. Die Kamera wackelt nicht, das Bild ist freundlich ausgeleuchtet, "Holligan Factory" ist gefällige Massenware, kein Hochglanzprodukt, das die Leistungsfähigkeit des Flachbildschirmes auf die Probe stellt. Sprich: Das ist alles freundlich und nett, aber es hinterlässt eben auch keinen bleibenden Eindruck.

TON

Hooligan Factory

Man kann die oben getätigte Aussage letztlich 1:1 auf den Ton übertragen. Die deutsche Synchro ist in Ordnung, ihr fehlt es jedoch ein bisschen an der letzten Abmischung. Das klingt alles nett, ist aber auch keine Meisterleistung. Was aber auch am Ausgangsmaterial liegt. Die englische Originaltonspur klingt auch nicht viel besser. Etwas natürlicher vielleicht, aber auch sie hinterlässt keinen bleiben Eindruck.

EXTRAS

Einen bleibenden Eindruck hinterlässt - aller mehr oder minder guten Dinge sind drei - auch das Extra-Paket nicht. Brav bietet es eine Sammlung Deleted Scenes, ein Making of bietet einen durchaus ausführlichen Blick hinter die Kulissen, ja mei, es ist Standard. Wer es mag, kann es gucken, wer nicht, muss nicht.

FAZIT

Die "Hooligan Factory" bietet jede Menge Männer in Ballonseide. Wem das als Anreiz reicht, mag ja rund 86 Minuten gute Unterhaltung verspüren, wer jedoch etwas mehr von einem Film erwartet, wird enttäuscht. Obschon die Briten einige bemerkenswert gute Filme über Hooligans zu bieten haben - die sicher genügend Stoff für eine anständige Persiflage der Thematik bieten dürften - verliert sich "Hooligan Factory" in platten Gags und wenig zündenden Ideen. Dies zu schauen tut zwar nicht weh, man muss es aber nicht gesehen haben.



Christian Lukas


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