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com for Murder   

com for Murder
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Original: .com for Murder   (USA, 2001)
Laufzeit: 93 Minuten (PAL)
Studio: Kinowelt
Regie: Nico Mastorakis
Darsteller: Nastassia Kinski, Nicolette Sheridan, Jeffrey Dean, Roger Daltrey, Huey Lewis u.v.a.
Format: 1.85:1 Widescreen (16:9)
Ton: DD5.1 Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Englisch
Extras: Making of, Interviews, Trailer
Preis: ca. 20 €
Wertung: 2+/ 2 / 2- (Bild/Ton/Extras)


"Per Mausklick in den Tod!"

Die deutsche Tagline, mit der dieser Text überschrieben wurde, liefert ein recht gutes Abbild dessen, was “.com For Murder” ausmacht. Der Film ist ein Thriller aus der Mitte des Cyberspace, welcher zuweilen recht seltsame filmische Mittel benutzt. Verantwortlich für das Werk ist der griechischstämmige Nico Mastorakis, Freunden des schlüpfrigen Exploitationfilms durch “Die Teuflischen vom Mykonos” bekannt. Erzählt wird die klassische Thrillergeschichte von einem Killer, der in diesem Fall zwei Frauen bedroht, die in einer Villa über LA thronen. Der Mörder trägt in einem Chatroom für Singles aus LA den Namen Werther. Während sich ihr Freund, ein reicher Architekt, auf einer Geschäftsreise befindet, loggt sich die nach einem Unfall im Rollstuhl sitzende Sandra über seinen Namen im Chat ein. Gemeinsam mit ihrer Schwester Misty, die zu Besuch ist, legen sie sich mit Werther an, der psychische Probleme zu haben scheint. Aber Werther ist nicht nur eine versteckte Identität im Internet, sondern auch ein ausgezeichneter Hacker. Deswegen gelingt es ihm sowohl die Adresse Lynns herauszufinden, mit welcher der Architekt geflirtet hatte, als auch den Standort von Sandra und ihrer Schwester zu ermitteln. Als Werther bei Lynn zu Hause eindringt, sie umbringt und das ganze per Live-Stream ins Netz überträgt, packt die beiden Frauen in dem einsamen durch einen Computer sowie Kameras überwachten Haus die nackte Angst. “.com For Murder” ist zweifelsfrei als eine Variation des Alfred Hitchcock-Thrillers “Das Fenster zum Hof” zu erkennen. Die an den Rollstuhl gefesselte Hauptfigur, der beobachtete Mord und die Schwierigkeit, diesen zu beweisen, korrespondieren mit dem berühmten Klassiker. Nico Mastorakis belässt es aber nicht dabei, sondern öffnet ein ganzes Zitatenkästchen aus Versatzstücken, die nicht nur an ihre Vorbilder erinnern, sondern sie teilweise eindeutig übernehmen. Der Film eröffnet mit einer Kopie des Duschmordes aus Hitchcocks “Psycho” inklusive der letzten Einstellung, die das in den Ausguss abfließende Blut zeigt. Der Killer ist nach Goethes romantischer Figur Werther benannt, im Finale erkennt man Einstellungen aus “Das Schweigen der Lämmer” wieder, um nur einige zu nennen. So krude wie sich diese Zusammenstellung anhört, wirkt auch der ganze Film. Ob man das Werk nun als absichtliche Reflexion über die Unmöglichkeit im Genre etwas Neues zu erfinden ansieht oder nur als großen Spass eines Filmfans, unterhaltsam ist er. Außerdem besitzt “.com For Murder” die unglaublichste Countdownszene der Filmgeschichte. Achtung Spoiler: So fesselt der Killer eine der Frauen, verpasst ihr einen Schnitt durch die Pulsader und erklärt ihr, dass sie nur noch 20 Minuten zu leben habe. Die andere Frau im Haus hört das und stellt einen 20minütigen Countdown ein. Kurz vor dem Ablaufen der Uhr erreicht sie die verblutende mit einem Verband. Die ganze Zeit inszeniert Mastorakis die Szene so wie bei einer Bombenentschärfung, als würde die angeschnittene Frau schlagartig sterben, wenn der Verband nur eine Sekunde zu spät angelegt wird. Ein Riesenspass ist das.

BILD

com for Murder

An der Bildqualität gibt es so gut wie gar nichts zu meckern. Die Vorlage ist ohne jeden Makel, wie es sich für einen recht aktuellen Film gehört. Der Transfer ist gelungen. Die düstere Atmosphäre des nur nachts spielenden Filmes wurde gut eingefangen, die vielen Farbtupfer, wie beispielsweise das feuerrote Keybord Werthers kommen sehr schön zu Geltung. Bildrauschen taucht wenn überhaupt nur als ganz leichtes Hintergrundrauschen und einige Szenen haben ein leichtes Schärfeproblem. Das fällt aber minimal aus.

TON

com for Murder

Beide 5.1-Suroundspuren sind nahezu identisch. Während anfangs die Anlage fast gar nicht gefordert ist, sorgen verschiedene Soundeffekte, wie sie zur Spannungssteigerung in einem Thriller-Finale üblich sind, für eine bedrohliche Geräuschkulisse. Manchmal ist die Abmischung zwischen Dialogen und Effekten nicht ganz gelungen, so dass man etwas genauer hinhören muss, um das gesprochene Wort zu verstehen. Ansonsten kommt der Ton rauschfrei und gut verständlich daher.

EXTRAS

Das Bonus-Material ist für einen solchen kleinen Film durchaus erstaunlich. In den Interviewteilen des knapp 40minütigen Making Ofs kommt hauptsächlich Regisseur Nico Mastorakis zu Wort, der sich über seine Liebe zum Thriller sowie dem Zitatenschatz von “.com For Murder”äußert. Das ganze wird mit interessanten B-Roll-Aufnahmen gemischt, die zeigen, dass der Film nicht auf billigste Weise produziert wurde. Mastorakis hatte unter anderem große Kamerakräne und aufwändige Beleuchtungsmittel zur Verfügung. Das Making Of besitzt einen Oberkommentar, der als verbindendes Element der einzelnen Teile fungiert. Zusätzlich enthält die DVD ein etwa 20minütiges Interview, das Nico Mastorakis mit Roger Daltrey geführt hat. Wenn man den kurzen Teil weglässt, der bereits im Making of verarbeitet wurde, dann sprechen die beiden hauptsächlich über Rock’n’roll. Ein nettes kleines Gespräch des Musikfans Mastorakis mit einem seiner Idole. Das etwa 20minütige Interview mit Huey Lewis fällt demgegenüber schwächer aus. Aneben enthält die DVD noch drei Soundtrack-Stücke, die über einen Zusammenschnitt aus Filmszenen gelegt wurden, Filmografien, eine Slideshow sowie den Trailer.

FAZIT

Man kann es drehen und wenden wie man will, der Film hat etwas. Wer sich für eine ausgemachte Seltsamkeit interessiert wird bei der Qualität der DVD um einen Kauf nicht herumkommen.



Stefan Dabrock


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