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City of God   

City of God
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Original: Cidade de Deus   (Brasilien, 2003)
Laufzeit: 128 Minuten (PAL)
Studio: Highlight
Regie: Fernando Meirelles
Darsteller: Matheus Nachtergaele, Alexandre Rodrigues, Leandro Firmino da Hora u.v.a.
Format: 1.85:1 Widescreen (16:9)
Ton: DTS Deutsch DD5.1 Deutsch, Portugiesisch
Untertitel: Deutsch
Extras: Making of, Interviews, Trailer u.m.
Preis: ca. 20 €
Wertung: 1 / 1 / 1- (Bild/Ton/Extras)


"Das Auge Gottes in der Hölle!"

Fast könnte man die Berichterstattung über “City of God” mit dem Steven Spielberg-Zitat “Ein brillanter Film” bewenden lassen, denn der Mann hat Recht. Und tatsächlich ist es kein Zufall, dass einer der besten Entertainment-Regisseure, die Hollywood zu bieten hat, sein Gefallen an dem brasilianischen Werk findet. Regisseur Fernando Meirelles beherzigt die alte goldene Regel, dass auch ein Film mit einem ernsten Thema keineswegs den Unterhaltungsaspekt vernachlässigen sollte, wenn er gehört werden möchte. Deswegen greift die Inszenierung des Portraits einer Favela außerhalb Rio de Janeiros zu allerlei dynamischen Stilmitteln, wie bewegliche Kamera, kurz eingesetzte Zeitraffersequenzen oder mitreißend gefilmte Schießereien. Das Panoptikum aus brutalen Zuständen, Polizeikorruption, Drogen und Waffen wird von einem Jungen erzählt, der innerhalb der Geschichte nur aus einem Grund nicht in den Sog verschachtelt ineinander greifenden Kriminalität gerät: Er beobachtet sie, ist der Chronist einer Stadt am Rande der Existenzmöglichkeit, das Auge Gottes in der Hölle. Im Laufe des Films fällt ihm zufällig eine Fotokamera in die Hände, so dass er in die Lage versetzt wird, für eine örtliche Zeitung zu arbeiten. Für die restlichen Beteiligten gilt, dass man im brasilianischen Slum keine Chance hat. Selbst völlig Unbeteiligte finden sich plötzlich im Bandentreiben wieder, weil die Gewalt des Drogenhandels auch vor den rechtschaffenen Menschen des Elendsviertels nicht Halt macht. Über solche Handlungsstränge erzeugt “City of God” einen klaren Determinismus mit der Botschaft “Egal, was du auch versuchst, um dich herauszuhalten, solange du im Slum wohnst, hast du keine Chance”. Nur das Glück spielt den Richter über Leben und Tod. Dieser pessimistische Grundansatz ist so falsch wie er auch richtig ist. Als ausschließliche Interpretation der sozialen Realität im Armenviertel geht er selbstverständlich fehl, aber er beschreibt sehr korrekt die brutale Dynamik vor Ort. Es kann in der Tat Jeden treffen und ob man auf die schiefe Bahn gerät oder nicht, hängt nur wenig vom eigenen Geschick ab. Hier ist nur jeder seines Glückes Totengräber, wenn er aufgibt, seines Glückes Schmied ist schon lange Niemand mehr.

BILD

City of God

Das Feld der DVD-Rezension bringt seltsame Blüten hervor. So sah sich die Firma Marketing gezwungen, auf ihrer DVD-Veröffentlichung “Zärtliche Cousinen” darauf hinzuweisen, dass die Unschärfe künstlerische Intention des Regisseurs ist. Auf der Jagd nach der besten Qualität geht im Unverstand der Menschen unter, dass Film mehr als ein Medium ist, das mit möglichst vortrefflicher Genauigkeit und Brillanz jedes Detail in unübertroffener Schärfe reproduzieren will. So gilt auch für “City of God” der eine Satz, es ist alles in Ordnung. Auf wahrlich ausgezeichnete Weise gibt die DVD den Film wider, der auch mal zu unkonventionellen Stilmitteln, großen Wert auf eine individuelle Farbgestaltung legt und auch das ein oder andere körnige Bild besitzt. Die DVD hat keinen Makel.

TON

City of God

Das Herzstück des 5.1.-Tons sind die mehrfach auftauchenden Schießereien, welche ein wundervolles, räumliches Gefühl vermitteln. Alle Boxen leisten hohen Einsatz und versetzen den Zuschauer ins Zentrum des Geschehens. Daneben tauchen häufig atmosphärische Geräusche in den hinteren Kanälen auf. Zwischendurch verlagert sich der Ton mehr auf den Center, aber das tut der sehr guten Abmischung keinen Abbruch.

EXTRAS

Auf einer zweiten DVD überzeugt vor allem das umfangreiche Making Of (50 minuten), indem die Hauptbeteiligten den hochinteressanten Produktionsprozess beleuchten. Bei “City of God” wurde weitgehend mit Laiendarstellern gearbeitet, die man aus den Favelas castete und in einem Workshop auf den Film vorbereitete. So sollte ein Making Of aussehen. Ein Musikclip zu Szenen aus dem Film, der Originaltrailer und kurze Interviewschnipsel (u.a. mit Xavier Naidoo, der deutschen Stimme des Filmerzählers Buscape, dem Regisseur und vier Darstellern) sowie Texttafeln zur Darstellern und Crew runden die Bonus-DVD ab.

FAZIT

Mit faszinierenden, dynamischen Stilmitteln erzählt Regisseur Fernado Meirelles vom harten Leben in einem brasilianischen Elendsviertel. Als Bestandsaufnahme der komplexen Verflechtung sozialer Realität mit Kriminalität sehenswert und mit virtuoser Meisterschaft inszeniert. Das sehr gute Bonus-Material rundet eine ausgezeichnete DVD ab.



Stefan Dabrock


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