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Cypher SE   

Cypher SE
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Original: Cypher   (USA, 2002)
Laufzeit: 92 Minuten (PAL)
Studio: mcone
Regie: Vincemzo Natali
Darsteller: Jeremy Northen, Lucy Liu, Nigel Bennett, Timothy Webber u.v.a.
Format: 1.85:1 Widescreen (16:9)
Ton: DTS Deutsch DD5.1+DS Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Englisch
Extras: Kommentar, Interviews, Deleted Scenes u.m.
Preis: ca. 25 €
Wertung: 1+/ 1 / 1 (Bild/Ton/Extras)


"Dick(e) Identitätskrise!"

Bedauerlicherweise landete “Cypher”, der zweite Langfilm des Kanadiers Vincenzo Natali nach “Cube”, nicht in den deutschen Kinos. Umso erfreulicher ist es, dass die DVD-Auswertung durch die Stuttgarter Firma mcone vorgenommen wurde, da hier meist hervorragende DVDs mit Liebe zum Detail entstehen. Natali bleibt sich auch in “Cypher” treu und entwirft ein spannendes Spiel um Realität und Identität. Der harmlose Morgan Sullivan erhält das Angebot des Großkonzerns Digicorp Technology, in Zukunft als Industriespion zu arbeiten. Ziel seiner Aktivitäten ist Digicorps Konkurrent Sunways System. Beide Firmen bilden monolithische Beherrscher der aktuellen Gesellschaft, die keine anderen Kräfte mehr zu kennen scheint. Sullivan macht sich unter dem Namen Jack Thursby auf, die unterschiedlichsten Messen zu besuchen, bei denen er Aufnahmen macht, die an seinen Auftraggeber übermittelt werden. Während einer solchen Veranstaltung lernt er die geheimnisvolle Rita kennen, welche ihn vor Digicorp warnt. Als schließlich noch Gehirnwäsche ins Spiel kommt, weiß Sullivan nicht mehr genau, was noch der Realität entspricht und wer er ist. Nur eins scheint klar zu sein, Rita hat eine wichtige Rolle in dem Geflecht aus Wahrnehmungen und Bedrohungen inne. Vincenzo Natali verlässt sich ganz auf das Puzzlespiel, welches zunächst nur Informationen Preis gibt, die mehr Unklarheit schaffen, als dass sie etwas lösen würden. So entfalten sich nacheinander die Ebenen verschiedener Realitäts-Möglichkeiten, welche unterschiedliche Identitäten für die Hauptfigur bereithalten. Nur der Instinkt kann Sullivan durch die völlig verwirrte Welt geleiten. Neben dem spannenden Lauf durch die Machtwirkungskreise der beiden Konzerngiganten Digicorp und Sunways entwirft Natali eine düstere Zukunftswelt, in der die Globalisierung zu einem System der Austauschbarkeit geführt hat. Kein Ort stiftet noch eine individuelle Identität. Die Umwelt ist in gleicher Weise beliebig, wie die Persönlichkeit des Menschen keine Rolle mehr spielt. Am Ende setzt Natali dieser kaltherzigen Entwicklung, die sich auch im kühlen Design des Films widerspiegelt, ein anderes Konzept entgegen, das in seiner puren Reinheit den Zuschauer in eine hoffnungsvoll-unschuldige Utopie entlässt.

BILD

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Ausgezeichnet! An dem Bild der DVD fällt überhaupt nichts Negatives auf. Gleich zu Beginn erläutert Vincenzo Natali, dass für den Silberling das Originalnegativ benutzt wurde und das sieht man auch. Ohne jegliche Dreckspuren oder ähnliches präsentiert sich ein gestochen scharfes Bild, dass die kühle Atmosphäre des Films perfekt einfängt. Kontrast, Schwarz-Level und Farbwiedergabe sind exquisit. Der teils metallische Look, die teils auch sehr bunten Farben wurden ohne Qualitätsverlust auf die DVD übertragen. Rauschen sucht man vergeblich, so dass auch die Detailschärfe vollständig überzeugt. Bilder, in denen man glauben könnte, ein Ausbrennen der hellen Flächen auszumachen, gehören zum Stil des Films.

TON

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Cypher” gehört nicht zu den Filmen, die auf der Tonspur mit einem bombastischen Track protzen. Sehr gepflegt bettet sich die Musik in die unterschwellige Spannungsatmosphäre ein. Regelrecht auftrumpfende Surround-Effekte sucht man auf dieser DVD vergeblich. Anstelle eines überbordenden Show-Off-Sounds gibt es immer wieder einzelne Geräusche, die kongenial die irritierende Atmosphäre aus “Cypher” betonen. So lässt sich festhalten, dass die Tonqualität sehr gut ist. Rauschen oder eine unangemessene Abmischung sucht man vergeblich.





EXTRAS

Wo soll man anfangen bei einer DVD, die derart üppig ausgestattet ist und bei der das meiste Material auch noch besser als üblich ist. Der gute Audiokommentar mit Vincenzo Natali (Regie), Brian King (Drehbuch), Jasna Stefanovich (Productiondesign) und Brian Hewlett (Darsteller) gehört noch zu den schwächeren Teilen der DVD. In wunderbar informativer Weise erfährt man teilweise auch sehr szenenspezifisch das Konzept hinter “Cypher”. Vor allem wird die enge Zusammenarbeit der Beteiligten deutlich. Dabei kommen sowohl künstlerische Aspekte zur Geltung, wie auch einzelne Begebenheiten vom Set ausgeplaudert werden.

Auf einer zweiten DVD befindet sich ein Making Of (10:35), das gegen das restliche Material keine Chance hat. So weist die DVD unter anderem 10 Interviews auf. Das erste wiederholt die Besetzung des Audiokommentars und dauert 01:05:00. Nachdem anfänglich noch ein klassisches Frage und Antwortspiel stattfindet reden sich die vier immer stärker in eine angeregte Diskussion über “Cypher” hinein, bei welcher der Interviewer kaum noch eine Rolle spielt. Man merkt die intensive Liebe zum eigenen Projekt. Die vier Gesprächspartner werfen sich gegenseitig die Bälle zu, wobei es auch einige wenige Überschneidungen zum Audiokommentar gibt, was aber keine große Rolle spielt. Nur selten hahb eich ein besseres Interview gesehen. Besondere Erwähnung verdienen noch die Interviews mit den beiden Hauptdarstellern Jeremy Northam (22:00) und Lucy Liu (22:00). Beide äußern sich zu ihrer persönlichen Sichtweise auf den gesamten Film im Allgemeinen und ihre eigene Rolle im Besonderen. Das wirkt frisch und informativ, wobei man zugeben muss, dass es manchmal schwierig ist den Gedanken Northams zu folgen. Sehr interessant ist auch das Gespräch mit Cutter Bert Kish (08:00), der seine Zusammenarbeit mit Regisseur Natali beleuchtet. Daneben gibt es noch Interviews mit Vincenzo Natali (17:00), Kameramann Derek Rogers (11:00), dem Effekte-Mann Bob Munroe (14:00), der Productiondesignerin Jasna Stefanovich (09:00) und einzelnen Darstellern.

9 Deleted Scenes, die wahlweise mit einem Kommentar von Vincenzo Natali angesehen werden können, sind zum Teil durch die schauspielerische Leistung sehr sehenswert. Manches wurde in jedem Fall zu Recht aus dem Film geschnitten und ist redundant, anderes hingegen liefert nette Zusatzinformationen.

Besonders lobenswert ist bei dieser DVD die Aufbereitung der B-Roll. Meistens sind die unkommentierten Set-Aufnhamen tödlich langweilig, weil man nur sieht, wie die Leute irgendwie herumlaufen oder sogar gar nichts passiert. Hier hat man eine ausgezeichnete Lösung für das Dilemma gefunden, indem man die B-Roll von Vincenzo Natali kommentieren lässt. So erhält man auch hier noch schöne Zusatzinformationen zu den Dreharbeiten, sehr spannend.

Hinter dem Segment Pre-Visualizations verbergen sich Test-Special-Efects-Aufnahmen, die Natali aufgenommen hat, damit die eigentliche Effekte-Firma weiß, wie die Szenen in etwas aussehen sollen. Diese Low-Budget-Effekte sind sehr amüsant. Auch hier das große Plus der Kommentar von Natali.

Eine besondere Erwähnung verdient noch der 20minütige Kurzfilm von Vincenzo Natali, der ebenfalls mit einem Audiokommentar versehen ist.

Daneben bietet die Bonus-DVD noch die Filmmusik, einen Storyboard/Filmvergleich, Fotogalerien, Trailer, Biographien und Productionnotes.

Lobenswert ist übrigens auch, dass alle Extras mit optionalen deutschen untertiteln anwählbar sind.

FAZIT

Vincenzo Natalis Film ist ein düsterer High-Tech-Thriller aus einer Zukunft, die für Individualität keinen Sinn mehr hat. Die DVD ist auf allen Ebenen exzellent. Mit dem überragenden Bonus-Material, das die meisten sonst erscheinenden DVDs um Längen schlägt muss man “Cypher” einfach kaufen.



Stefan Dabrock


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