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Dark Blue   

Dark Blue
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Original: Dark Blue   (USA, 2003)
Laufzeit: 113 Minuten (PAL)
Studio: Universum
Regie: Ron Shelton
Darsteller: Kurt Russel, Ving Rhames, Brendan Gleeson u.v.a.
Format: 2.35:1 Widescreen (16:9)
Ton: DD5.1 Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Extras: Making of, Interviews, Trailer
Preis: ca. 20 €
Wertung: 1 / 2+/ 3- (Bild/Ton/Extras)


"L.A. Confidential"

Mit der finsteren Seite der Polizei von L.A. hat sich Autor James Ellroy schon in dem in der Überschrift prängernden Titel ausgiebig beschäftigt. Diesmal ist jedoch der Period-Kontext der 50-er Jahre gewichen und wir werden direkt in die Rassen-Unruhen von 1992 versetzt. Als Hintergrund-Motiv für “Dark Blue” funktioniert das “Rodney King”-Szenario ausgezeichnet. Als Prisma von “berufsbedingtem” Rassismus und Cops, die im Namen des Gesetzes, mehr als nur einen Schritt zu weit gehen, schimmert hier die US-typische Frage nach dem Kollateralschaden für eine vermeintliche bitter erkaufte Sicherheit durch. Vor diesem Hintergrund sieht Tough-Cop Elden Perry (Kurt Russel) seine angeklagten Kollegen im Recht. Genau wie er selbst setzten sie ihre eigene Interpretation von “Law-Enforcement” mit Faust, Knüppel und Fußtritten durch. Diese pragmatische Verrohung ist geradezu symptomatisch für die Polizisten an der vordersten Front im Krieg gegen die Kriminalität: schwer bewaffnet und bereit, selbst für die kleinste Beute kaltblütig unschuldige Menschen zu töten, schlagen die Verbrecher auch immer gnadenloser zu. Es herrscht eben das alte Polizei-Problem: Gangster brauchen sich schließlich an keine Gesetze zu halten und so wird die Jagd auf die Übeltäter im Rahmen des Gesetzes zu einem Kampf gegen die Windmühlen der Behörden. Doch wie schon “Mad Max” Rockatansky gut erkannte: “Mich trennt nur noch dieser Blechstern von diesen Typen.” Diese Offenbarung bleibt Perry aber verwehrt. Gemeinsam mit seinem jungen Partner Keough soll er einen mehrfachen Mord aufklären. Dabei sitzt ihm der aufrechte Beamte Arthur Holland (Ving Rhames) im Nacken, der mit den Wildwest-Methoden in der Behörde aufräumen möchte. Je weiter Perry jedoch in dem Fall wühlt, desto schlechter wird die Situation für ihn. Nach und nach zieht er alles in Zweifel, woran er selbst je geglaubt hat. Mit einer starken Leistung von Kurt Russel wird “Dark Blue” unter den Fittichen von Ron Shelton zu einem hübsch düsteren Erlebnis. Die fragwürdige Moral bleibt hier tatsächlich fragwürdig und ambivalent, auch wenn der böse Cop schließlich doch noch Gewissensbisse kriegt.

BILD

Dark Blue

Das anamorphe Bild (2.35:1) von “Dark Blue” wird seinem Titel absolut gerecht. Der Schwarzlevel ist absolut phänomenal. Extrem dunkel aber doch kontrastreich werden die dunklen Szenen zu einem Erlebnis. Die Schwärze hat hier schon fast etwas Übernatürliches. Insgesamt hat der Film selbst eine etwas gedämpfte Farbpalette, die selbst die Tagesszenen nicht wirklich hell aussehen lässt. Die Reproduktion dieses Effekts in diesem Transfer ist sehr, sehr gut gelungen. Kristallklar und mit sehr gutem Kontrast bietet der Transfer ein Höchstmaß an Details. Die Vorlage ist zwar nicht ganz perfekt und einige winzige Bildpunkte lassen sich blicken, aber dafür muss man schon wirklich genau hinschauen. Die Kompression ist ebenfalls sehr gut und verhindert die Bildung von digitalen Artefakten. Auch der Hintergrund wird absolut stabil gehalten und Rauschmuster stehen dem Filmgenuss nicht im Weg. Ein exzellenter Transfer.

TON

Dark Blue

Audiotechnisch kann die Scheibe von Universum auch überzeugen. Obwohl der Film nicht die Vorlage für viele Surroundspielereien gibt, nutzt der Dolby Digitalton die Musik und ambiente Effekte sehr gut aus, um die zusätzlichen Kanäle zu beschäftigen. Besonders die Szenen während der Unruhen vermitteln sehr dynamisch eine bewegte Umgebung voller Aktivität. Der Tiefbass kommt aber hauptsächlich bei den Musikeinlagen zum Einsatz. Die Dialoge sitzen fest im Center und sind immer gut verständlich. Die Abmischung verhindert störende Überlappungen. Ein sehr auf Atmosphäre bedachter Track, der gezielte direktionale Effekte eher meidet.

EXTRAS

Bei den Extras fällt das Fehlen des Audiokommentars von Regisseur Ron Shelton (vorhanden uaf der US-Scheibe von “Dark Blue”) auf. Dafür gibt es das knapp 20-minütige deutsche TV-Making-of aus dem Hause S&L Medien. Interessanterweise bekommt man hier zur Ausnahme mal eine etwas griffigere Variante der üblichen PR-Mafia geliefert. Mit einigen hübschen Behind-the-Scenes wird hier nicht ganz so viel gelobhudelt wie sonst und auch ein wenig auf die schwierige Thematik des Films eingegangen. Trotzdem bleibt das Making-of natürlich seiner Werbefunktion treu. Bei den jeweils ca. 12-minütigen Interviews mit Kurt Russel und Regisseur Ron Shelton handelt es sich um die ungekürzten Kommentare, von denen schon Ausschnitte im Making-of zu sehen waren. Hier überschneiden sich natürlich die Informationen. Trotzdem bieten diese Interviews wirklich interessanten Stoff. Während Shelton gut auf die Zusammenarbeit mit der Polizei bei diesem Projekt eingeht, versucht sich Russel irgendwie auf die Seite der Polizisten zu schlagen. Hier outet sich der Star fast als reaktionärer Pseudorealist, der dem extremen Handeln von Polizisten unweigerlich zustimmt. Sehr interessant und ungeschminkt. Desweiteren gibt es noch verschiedene Trailer zu “Dark Blue” zu bewundern.

FAZIT

Die Quasi-Fortsetzung von “L.A. Confidential” kann mit ihrem ambivalent-düsteren Unterton überzeugen. Die DVD von Universum liefert perfekte Heimkinoqualität, aber lässt bei den Extras leider den Audiokommentar des Regisseurs vermissen. Trotzdem empfohlen.



Kay Pinno


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