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Didi, der Schnüffler   

Didi, der Schnüffler
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Original: Didi, der Schnüffler   (BRD, 1983)
Laufzeit: 88 Minuten (PAL)
Studio: Turbine Medien
Regie: Ottokar Runze
Darsteller: Dieter Hallervorden, Cathérine Alric, Thilo Prückner, Siegfried Wischnewski u.v.a.
Format: 1.66:1 Widescreen (16:9)
Ton: DD2.0 Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Extras: Kommentar, Stasi-Akte Hallervorden u.m.
Preis: ca. 18 €
Wertung: 3+/ 3-/ 1 (Bild/Ton/Extras)


"Didis Taxi Driver!"

Anfang der 80-er Jahre ist Berlin eine geteilte Stadt, die zum Dreh- und Angelpunkt für die Agenten des kalten Kriegs zwischen Ost und West geworden ist. Der illegale Informationshandel blüht. Ausgerechnet der ahnungslose Taxifahrer Herbert Böckmann (Didi) gerät zwischen die paranoiden Fronten von Geheimdiensten und Wirtschaftsbossen als er unwissend die Leiche des russischen Wirtschaftsexperten Boris Stravinsky aus dem Berliner Westen zurück in den real existierenden Sozialismus auf der anderen Seite der Stadt fährt. Für Böckmann beginnt eine nervenaufreibende Odyssee zwischen KGB, CIA und der Berliner Polizei. Letztere lässt ihn schließlich für verrückt erklären und in die Klappse einliefern. Dort glaubt ihm seine irre Geschichte nur die blauäugige Ärztin Anna (Catherine Alric). Mittels einer experimentellen Droge, an der Herbert schnüffeln muss, macht sie aus dem schüchternen Taxifahrer einen selbstbewussten Top-Ermittler, der die Agentenwelt anfängt aufzumischen. Schließlich hat Böckmann nur eine Chance aus dem Schlamassel heraus zu kommen: er muss den wahren Mörder von Boris Stravinsky finden. Als “Schnüffler” fuhr Didi im Kino seinen ersten richtig großen Kinoerfolg ein. Leider hält der Film heutzutage einer nüchternen Betrachtung nicht mehr so gut stand. Während die ersten zwei Drittel des Films mit Tempo und Witz einen ordentlich Zahn vorlegen, fällt das finale Drittel von “Der Schnüffler” völlig auseinander. Mit einer verworrenen Auflösung der Agentengeschichte und schlecht zusammengestümperten Actioneinlagen - eine eigentlich dramatische Schießerei wird hier zu einer seltsamen Didi-Tanznummer - wird die gute Vorlage ziemlich vor die Wand gefahren. Trotzdem besitzt der Film immer noch ordentliches Unterhaltungspotential und Didis sicherlich krassesten Stunt, der den Star beinahe das Leben gekostet hätte. Einen hübschen Gastauftritt als Geheimagent darf schließlich auch noch der legendäre Eddie Constantin alias Lemmy Caution haben.

BILD

Didi, der Schnüffler

Trotz einer neuen anamorphen Abtastung (1.66:1) kann die Vorlage ihr Alter nicht so gut verstecken. Leicht verrauscht und ein wenig uneben im Kontrast fallen einige Szenen durch den schwankenden Schwarzlevel und die oft auftretende Grobkörnigkeit auf. Besonders betroffen sind da z.B. die Szenen beim KGB, die einen starken Rauschanteil aufweisen. Dennoch ist der Transfer ganz in Ordnung und liefert solide Farben, die der matt-realistischen Farbpalette des Films entsprechen. Auch wenn die Schärfe aufgrund der Körnigkeit des Bildes nicht immer sauber ist, steht der neue DVD-Transfer ganz weit über bisherigen Inkarnationen von “Der Schnüffler”. Die Kompression arbeitet problemlos. Artefakte oder zusätzliches Bildrauschen sind nicht vorhanden.

TON

Didi, der Schnüffler

Audiotechnisch hat sich im Vergleich zu den bisher erschienen Didi-Titeln nichts verändert. Der originale Mono-Ton wurde anständig aufgepäppelt. Ein neuer DD5.1-Upmix wurde nicht angefertigt. Rauschfrei und elegant wird die Frontstage in DD2.0 bedient. Eine echte Surroundaktivität ist nicht festzustellen. Die Dialoge kommen immer verständlich aus dem Centerkanal. Zusätzlich gibt’s auch wieder einmal eine amüsante englische Synchronisation zu hören, bei der einem wie immer die Haare zu Berge stehen. Kein Wunder, dass der Rest der Welt nichts mit deutschen Komödien anzufangen weiß.

EXTRAS

Als Hauptextra gibt’s auch beim “Schnüffler” wieder einen recht amüsanten wie interessanten Audiokommentar zu hören (42 Minuten davon können separat als Videoauskopplung betrachtet werden). Diesmal haben sich Produzent Rolf Bauer, Dieter Hallervorden, Drehbuchautor Hartmann Schmige sowie Nachwuchsregisseur und Hallervorden-Fan Stefan Holtz vor dem Mikrofon versammelt. Wieder einmal gibt’s ein hervorragenden Kessel Buntes zu hören. Von der Agenten-Recherche über drollige Fakten der damals geteilten Stadt Berlin über das ungewöhnlich ernste Setting von “Der Schnüffler” mit dem höchsten Body-Count in einem Didi-Film schwelgen die Filmemacher recht detailliert in ihren Erinnerungen an die Entstehung des Films. Trotzdem stellt sich bei allen Beteiligten die Erkenntnis ein, dass der Film zum Ende hin deutlich Schiffbruch erleidet. Dabei weist besonders Hallervorden auf die Schwierigkeiten mit dem unfertigen Drehbuch und den kreativen Differenzen zwischen Regisseur Ottokar Runze, Drehbuchautor Schmige und ihm selbst hin. Wieder mal ein gelungener Kommentar. Ein besonderes Schmankerl ist das vierminütige Video “Didi - ein Schnüffler?”. Hier liest Hallervorden persönlich aus seiner Stasi-Akte vor und kommentiert die beschriebenen Geschehnisse. Geradezu grotesk komisch, aber leider viel zu kurz. Die “Dreharbeiten” zeigen mal wieder tonloses und unspektakuläres Schnittmaterial (ca. 10 Min.) vom Dreh, das mit Musik unterlegt ist. “Die Entstehung der Spezialeffekte” enthüllt eigentlich nur den Rückprojektionseffekt von der Absturzsequenz mit Cathérine Alric. Für Didi-Hardcore Fans gibt’s schließlich noch die erste Folge von “Welle Wahnsinn” (ca. 28 Min.), bei der Didi äußerst obskure eigene Songkreationen in Videoclipform abliefert. Knallige Höhepunkte sind dabei die Neue-Deutsche-Welle-Parodie mit “Der riesengroße Anschiss lauert überall” und Didis immer noch aktueller Klassiker “Willi Würger vom Finanzamt”. Zum Schluss gibt’s dann noch zwei Bildergalerien, Trailer und ein paar Biografien zu bestaunen. Als besonderes Extra liegt der limitierten Erstauflage wieder einmal eine Soundtrack CD zum Film bei.

FAZIT

Auch wenn “Der Schnüffler” unter einem schwachen Finale leidet, hat Hallervordens erster echter Kinohit immer noch gutes Unterhaltungspotential. Wie üblich liefert Turbine Medien in ihrer Hallervorden Collection erstklassige Qualität in Sachen Bild, Ton und Extras ab. Didi-Fans können unbesorgt zuschlagen, während Gelegenheitsgucker vielleicht eher mal in der Videothek ‘reinschnüffeln können.



Kay Pinno


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