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Domino   

Domino
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Original: Domino   (USA, 2005)
Laufzeit: 122 Minuten (PAL)
Studio: Constantin / Highlight
Regie: Tony Scott
Darsteller: Keira Knightley, Mickey Rourke, Edgar Ramirez, Christopher Walken u.v.a.
Format: 2.35:1 Widescreen (16:9)
Ton: DTS Deutsch DD5.1 Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Extras: Making of, Interviews, Behind the Scenes
Preis: ca. 16 €
Wertung: 1 / 1-/ 3- (Bild/Ton/Extras)


"Die Braut, die sich was traut!"

Das Leben der realen „Domino“ Harvey liest sich wie das Drehbuch zu einer durchgeknallten TV-Serie aus den 70-er Jahren: als Tochter von Hollywood-Schauspieler Laurence Harvey und dem Model Paulene Stone trat sie zunächst in den Fußstapfen ihrer Mutter. Den Job für’s Leben (und Sterben!) fand sie aber jenseits des Laufstegs quasi auf der Straße. Als Kopfgeldjägerin feierte das zierliche aber nicht zimperliche Ding große Erfolge. Noch vor der Fertigstellung von Tony Scotts „Domino“ starb sie im Sommer 2005 an einer Überdosis von Schmerzmitteln im Alter von nur 35 Jahren. Scotts Film ist deshalb auch keine biographische Nacherzählung, sondern eher eine Hommage an den irren Lifestyle der Blondine zwischen halluzinogener Hollywood-Gesellschaft, harten Kerlen, Gangstern und Gewalt geworden: „Basierend auf einer wahren Geschichte – oder so ähnlich“ lautet schon die kecke Eröffnungseinblendung. Danach explodiert der Film in ein Labyrinth aus verschiedenen Erzählsträngen und hektisch überstilisiertem MTV-Kino. Selbst Oliver Stones mediale Extravaganz „Natural Born Killers“ wirkt dagegen wie eine Schlaftablette. Der visuelle Angriff mit überkontrastierten, verwaschenen Farben, wilden Quick-Zooms und einem Stakkato-Schnitt, der oftmals einem Trommelfeuer gleicht, wird nur noch durch eine absichtlich nicht vorhandene Erzählweise aus der Feder von „Donnie Darko“-Regisseur Richard Kelly getoppt. Die ziemlich malträtiert aussehende Domino (Kiera Knightley) erzählt dabei einer FBI-Agentin (Lucy Liu), wie sie in diesen Zustand und zu diesem Verhör kam. Wie durch ein verwühltes Memory-Spiel scheucht Tony Scott den Zuschauer durch die wahnsinnig wirren Ereignisse, die Domino, ihren Boss Ed (Mickey Rourke) und dessen Partner Choco (Edgar Ramirez) zu Helden einer Reality-TV-Show werden und ins Kreuzfeuer der Mafia geraten lassen. Mit „der Aufmerksamkeitsspanne eines Frettchens auf Crystal Meth“ wird dort nicht nur der Dauerzustand des irren TV-Produzenten Mark Heiss (Christopher Walken) sondern auch die Mindestanforderung an das Publikum von „Domino“ beschrieben. Als intelligentes Ekstase-Kino beweist sich der Film erst zum Schluss. Im großkaliberigen Finale in einem Las Vegas Casino laufen entgegen jeder Wahrscheinlichkeit alle ausgelegten Fäden doch noch zusammen.

BILD

Domino

Knackscharf präsentiert sich der anamorphe Transfer (2.35:1) von seiner besten Seite. Die Vorlage ist absolut brillant und besitzt keine analogen Rückstände. Dementsprechend klar ist das Bild, obwohl unterschiedliche Belichtungstechniken und verschiedenes Filmmaterial den Look des Films absichtlich verfremdet. Die Farben sind äußerst kräftigt, aber gleichzeitig auch stilisiert und desaturiert, was der absichtlich künstlichen Bildgestaltung entspricht. Der Schwarzlevel ist sehr tief, aber trotzdem detailreich. Die Überkontrastierungen und Überbelichtungen stammen vom Film selbst. Die Kompression liefert ein sehr ruhiges Bild ohne Artefakte oder zusätzliche Rauschmuster. Sehr gut.

TON

Domino

Sowohl der DTS- als die DD-Tracks sind absolute Knaller, die sehr viel mit der unterlegten Musik, Dialog- und Soundfetzen in den Surroundkanälen arbeitet. Ähnlich wie beim Soundtrack von “Natural Born Killers” handelt es sich hier um ein wirres sich überlagerndes Gemisch aus allen möglichen Varianten von Musik, Dialog und Soundeffekten. Das Kunststück bewältigten die Tracks, indem die einzelnen Komponenten immer ordentlich separiert wirken, statt in einer unverständlichen Kakofonie aus allen Kanälen zu ertönen. Alles ist fein ortbar und die Musik liefert einen ordentlichen Klangteppich, auf dem sich alles andere abspielt. Dialoge sind dabei immer gut verständlich, wobei wieder auffällt, dass die deutschen Dialoge leicht in den Vordergrund gemischt wurden. Bei den teilweise genuschelten englischen Dialogen muss man allerdings schon mal genauer hinhören. Trotz dieses kleinen Mankos rocken die Tracks ordentlich das Wohnzimmer weg.

EXTRAS

Deutsche Konsumenten dürfen sich in Sachen extras wieder einmal ein wenig geneppt fühlen. Weder der Audiokommentar mit Tony Scott und Autor Richard Kelly noch die geschnittenen Szenen der US-DVD haben es auf die deutsche Scheibe geschafft. Zu sehen gibt’s wenigstens die gute Dokumentation “Domino Harvey’s Leben” (ca. 20 Min.) Hier berichten Tony Scott und einige Crewmitglieder von ihren Erfahrungen mit der echten Domino. Die krasse Frau ist auch selbst in verschiedenen Interviews zu sehen. Ihre Mutter darf ebenfalls einige erstaunliche Aussagen über ihre etwas aus der Art geschlagene Tochter treffen. Ein wirklich faszinierendes Mini-Portrait, das den Film nochmal in einem anderen Licht erscheinen lässt. Die knapp sechs Minuten an Behind-the-Scenes Material in “Blick hinter die Kulissen” zeigen einige kleine Highlights - sprich haufenweise Explosionen und ein erstaunliches Gerüst, in dem die Schauspieler durchgerüttelt wurden - vom Set. Die kurzen Interviews mit Tony Scott, Keira Knightley, Jaqueline Bisset, Mickey Rourke, Christopher Walken, Delroy Lindo, Edgar Ramirez und Produzent Samuel Hadida sind reine PR-Schnippsel und bieten in der knappen Zeit kaum bis gar keine Information. Zum Abschluss gibt’s noch Filmographien zu Christopher Walken, Keira Knightley und Mickey Rourke. Der Kinotrailer von “Domino” ist nicht vorhanden.

FAZIT

An vielen Zuschauern dürfte “Domino” aufgrund seiner komplexen Handlung und dem flashigen “Natural Born Killers”-Inszenierungsstil vorbeigehen. Wer sich allerdings darauf einlässt, der wird mit einem brillanten Film und wahrscheinlich ein wenig Kopfschmerzen belohnt. Trotz großartiger technischer Qualität lässt die deutsche DVD essentielle Extras vermissen. Dafür sollte mal ein Kopfgeld ausgeschrieben werden...



Kay Pinno


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