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Fliegende Auge, Das SE   

Fliegende Auge, Das SE
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Original: Blue Thunder   (USA, 1983)
Laufzeit: 105 Min. (PAL)
Studio: Sony Home Entertainment
Regie: John Badham
Darsteller: Roy Scheider, Warren Oates, Candy Clark, Daniel Stern, Malcolm McDowell u.v.a.
Format: 2.35:1 Widescreen (16:9)
Ton: DD5.1 Deutsch, Englisch, Fr
Untertitel: Deutsch, Englisch, Türkisch, Fr, Arab
Extras: Kommentar, Making of, Originaldoku u.v.m.
Preis: ca. 20 €
Wertung: 3 / 2+/ 1- (Bild/Ton/Extras)


"Ich seh’ Sie!"

Was anno 1983 noch wie blanke Science Fiction klang, erscheint heute wie alltägliche Realität - na jedenfalls fast. Mit Miniguns bestückte Polizeihelikopter sind immer noch nicht im Einsatz, aber dennoch sicherlich verfügbar. Wie gut sich “Das fliegende Auge” sowohl inszenatorisch als auch inhaltlich gehalten hat, ist wirklich erstaunlich. Vietnamveteran und Polizeiflieger Frank Murphy (Roy Scheider) bekommt mit seinem neuen Partner Lymangood (Daniel Stern) die Chance, einen besonderen Helikopter-Prototyp für die Polizei zu testen. Der Hintergrund sind die bald stattfindenden Olympischen Spiele in Los Angeles. Der neue Vogel, ausgerüstet mit dem besten elektronischen Überwachungsschnickschnack sowie voll bewaffnet, soll mögliche Massenunruhen oder terroristische Übergriffe gezielter und besser bekämpfen können. Doch der unsympathische militärische Leiter der Aktion, Col. Cochran (Malcolm McDowell), scheint mehr mit dem “Fliegenden Auge” im Sinn zu haben. Als Murphy und Lymangood mit Hilfe ihres neuen Fliegers eine groß angelegte Verschwörung aufdecken, werden auch sie zur Zielscheibe. Die Mischung aus klassischer Buddy-Cop Geschichte, die sich diesmal in der Luft abspielt, realer Verschwörungsparanoia, persönlicher Abrechnungsgeschichte und groß angelegter Fliegeraction inmitten der Großstadt Los Angeles lassen einen heute mehr den je ins Staunen geraten. Wenn der Superflieger zwischen den gewaltigen Häuserschluchten abtaucht oder hinter einer Brücke unerwartet emporschwebt, dann stockt der eigene Atem, da die Szenen nicht nur real wirken sondern tatsächlich auch real gedrehte wurden. Nur in wenigen Szenen wurden die Helikopter unmerklich mit kleinen Flugmodellen gedoubelt. Die politische Brisanz des Komplotts hat ebenfalls nichts an Aktualität verloren: unter dem Deckmantel der Terrorismusbekämpfung will sich eine militärische Firma mit dem Helikopter eine goldene Nase verdienen und geht dabei wortwörtlich über Leichen. Getragen von einer tollen Besetzung (Warren Oates hatte hier seinen letzten Filmauftritt) diente “Das fliegende Auge” nicht nur als Vorbild für “Airwolf” sondern auch für eine eigene TV-Serie unter dem Originaltitel “Blue Thunder”. Ein wahrlich zeitloser Action-Klassiker.

BILD

Fliegende Auge, Das SE

Der neue anamorphe Widescreen-Transfer (2.35:1) basiert auf einer soliden Vorlage und zeigt nur wenige kleine Bildpunkte. Große Spratzer oder Dreckspuren sind nicht vorhanden. Dennoch zeigt sich eine leichte Grobkörnigkeit, die besonders in den dunklen Szenen zum Vorschein kommt. Der schwache Schwarzlevel, der stark milchig wirkt, nimmt dem Bild zusätzlich die Schärfe, die bei hellen Szenen allerdings recht gut ist. Der Kontrast ist entsprechend der krassen Unterschiede bei hellen Szenen in Ordnung, während dunklen Szenen eher schwächeln. Die Farben bleiben allerdings stabil und wirken nicht überhöht, aber dennoch kräftig. Die Kompression bleibt sauber und verhindert die Bildung von Artefakten oder zusätzlichem Hintergrundrauschen. Für einen 23 Jahre alten Film ist das ganz befriedigend.

TON

Fliegende Auge, Das SE

Im Gegensatz zum Bild wurde der Sound in DD5.1 richtig schön aufpoliert. Wenn die Hubschrauber ihre Motoren anwerfen, dann vibriert das gesamte Wohnzimmer. Bei den zahlreichen Luftverfolgungsaufnahmen bekommt man ein sehr räumliches Gefühl durch die gesamte Soundstage vermittelt. Auch die Schusswechsel können sich hören lassen. Wenn das “Fliegende Auge” auf dem Übungsplatz die Pappkameraden zu klump schießt, dann ist Samba in den Surroundkanälen angesagt. Auch die stimmungsvolle Titelmusik kommt kräftig aus allen Boxen. Die Dialoge sitzen derweil fest im Center. Der deutsche Track wurde gut entrauscht und klingt sehr homogen. Störende Überlappungen konnten nicht festgestellt werden. Ein sehr guter Track.

EXTRAS

Verdienterweise bekommt “Das fliegende Auge” endlich im vollen Umfang eine Special Edition Behandlung. Der laufende Audiokommentar mit John Badham, seinem Cutter Frank Morriss und Spezialeffektexperte Hoyt Yeatman ist ein solider Track mit nur kleinen Gesprächspausen. Badham erläutert sehr gut die Schwierigkeiten bei der Inszenierung einzelner Szenen, gibt herrliche Anekdoten von seinen Flugstunden mit der Polizei preis und hat sogar Tipps, wo man in LA am besten Dope kaufen kann (!!!). Alles was nicht im Kommentar Erwähnung findet, kommt schließlich in der sehr ausführlichen neuen Dokumentation “Riding with Angels” (ca. 45 Min.) zur Sprache. Badham, Roy Scheider und Autor Dan O’ Bannon (“Alien”, “Return of the living Dead”) haben sehr interessante Erinnerungen an die Entstehungsgeschichte von “Das fliegende Auge”. O’ Bannon erläutert auch sein ursprüngliches Konzept für den Film, das aus Frank Murphy eine waschechte Rambo-Figur gemacht hätte, der mit dem Hubschrauber Amok fliegt. Detailliert werden hier auch die einzelnen Tricks verraten, mit denen die Luftschlacht in L.A. erst richtig explosiv wird. Wer sich die Illusion nicht rauben lassen will, der sollte hier lieber vorspulen. In der Dokumentation werden auch die geschnitten Szenen (Yoga im Bikini, Psychiaterbesuch und Autostunt in der Seitenstraße) gezeigt und besprochen. Die konzeptionelle Umsetzung des “Blue Thunder”-Hubschraubers, der komplett für den Film entwickelt wurde, wird separat in dem Clip “Die Konstruktion von Blue Thunder” (ca. 9 Min.) aufgedröselt. Das originale “Making of” von 1983 zeigt John Badham und Roy Scheider in Interviews und am Set. Ein wirklich sehr nettes Retro-Promo-Feature. Zum Abschluss gibt’s noch drei Bildergalerien mit Storyboards zu drei verschiedenen Szenen. Ein Trailer zum Film ist nur teilweise in der Doku zu sehen.

FAZIT

Diese Scheibe ist wirklich eine leichte Empfehlung: “Das fliegende Auge” ist thematisch aktueller denn je und zeigt atemberaubende, reale Hubschrauber-Action in den Straßenschluchten von Los Angeles. Die sehr gute Extra-Ausstattung der DVD lässt einen verschmerzen, dass der Bildtransfer nicht ganz auf der Höhe der Zeit ist.



Kay Pinno


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