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Für eine Handvoll Dollar   

Für eine Handvoll Dollar
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Original: Per un pugno di dollari   (Italien, 1964)
Laufzeit: 97 Minuten (PAL)
Studio: Paramount
Regie: Sergio Leone
Darsteller: Clint Eastwood, Gian Maria Volonté, Marianne Koch, Wolfgang Lukschy, Mario Brega u.v.a.
Format: 2.35:1 Widescreen (16:9)
Ton: DD5.1 Englisch DD-Mono Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Englisch
Extras: Kommentar, Interviews, TV-Prolog u.m.
Preis: ca. 20 €
Wertung: 3+/ 3+/ 2+ (Bild/Ton/Extras)


"Eine Herzensangelegenheit in Staub und Blei!"

“Ziel auf’s Herz”, mahnt der namenlose Pistolero alias Joe (Clint Eastwood) seinen Gegner im Finale von “Für eine Handvoll Dollar”. Ein Ausruf, den Leone sicherlich bei der Verwirklichung seines Traums, endlich im Jahr 1964 einen Western drehen zu können, wörtlich genommen hat. Mit viel Herzblut und wenig Geld hat er eine überstilisierte wie zynisch düstere Westernwelt erschaffen, die wohl eher den Realitäten der damaligen wie heutigen Zeit entspricht als die gelackten US-Western, die zu Beginn der 60-er Jahre stark den Bach hinab gingen. Zudem bediente Leone gleichzeitig den nach mehr Western schreienden europäischen Markt als auch den Wunsch der Zuschauer, etwas Neues aus dem alten Genre zu formen. Im Handstreich kreierte er mit “Für eine Handvoll Dollar” das Subgenre des Italo- /Spaghetti-Western, das sich ganz deutlich von den bisherigen amerikanischen Vorbildern abhob. Dass lag allein schon daran, dass der Plot des Films komplett von Akira Kurosawas “Yojimbo” geklaut wurde - ein Trick, den John Sturges schon erfolgreich bei “Die glorreichen Sieben” mit Kurosawas “Die sieben Samurai” durchgezogen hatte. Ein namenloser Fremder (Clint Eastwood wird im Film aber wenigstens an einer Stelle mit “Joe” angesprochen!) kommt in das Grenzstädtchen San Miguel, das von zwei Banden beherrscht wird, während die im Film kaum auftauchende weil schon größtenteils ermordete Normalbevölkerung gelitten hat. Die amerikanischen Baxters sind den mexikanischen Rojos aber Spinnefeind, weshalb blaue Bohnen zum Hauptgericht in San Miguel avanciert sind. Der Fremde hat die Lage im Ort aber schnell durchschaut und beginnt ein tödliches weil doppeltes Spiel mit den Gangsterbanden. Er verdingt sich für blutige Dollars auf beiden Seiten des Grabenkriegs, um beide Parteien gegeneinander auszuspielen. Doch Ramon (Gian Maria Volonté), der sadistische Anführer der Rojos, wittert schon bald die von Eastwood angezündete Dynamitstange in seinem Hintern. Die ausgeklügelte Bildchoreographie aus markanten Gesichtern, das staubig dreckige Ambiente, Ennio Morricones einprägsame Musik und Clint Eastwoods einsilbiger Antiheld haben “Für eine Handvoll Dollar” zu einem Meilenstein nicht nur des Westerns sondern des Actionkinos im Allgemeinen gemacht. Der Rest ist, wie man so schon sagt, Geschichte. Der durchschlagende Erfolg des Films machte Clint Eastwood international zum Star und legte auch den Grundstein zu Leones großer Karriere. Im Vergleich zu seinen späteren Filmen bleibt “Für eine Handvoll Dollar” aber eine etwas staubige wie krude Angelegenheit. Alle wichtige Zutaten sind hier zwar schon vorhanden, aber es fehlt eben noch der Feinschliff und vor allem das Budget. Insofern ist der Auftakt zur Dollar-Trilogie tatsächlich das ultimative Monument für alle Italowestern.

BILD

Für eine Handvoll Dollar

Trotz einer extensiven Restaurierung sind Alter und Herkunft des Films auch in dem neuen anamorphen Transfer (2.35:1) nicht zu vertuschen. Die Vorlage wurde weitestgehend aber nicht vollständig von alten Rückständen und Dreckspuren bereinigt. Zudem macht das Material einen recht grobkörnigen Eindruck. Schärfe und Farbintensität sind deshalb auch in einigen Szenen recht unterschiedlich. Dies liegt auch daran, dass die Restaurateure mit unterschiedlichem Bildmaterial aus verschiedenen Quellen arbeiten mussten, um eine vollständige Fassung zu erstellen. Insgesamt bleibt die Schärfe aber auf einem zufriedenstellenden Niveau. Die Farben sind aufgrund des alten Filmmaterials größtenteils etwas reduziert. Da konnte wohl nicht mehr aus der Vorlage herausgeholt werden. Der Schwarzlevel ist ebenfalls recht unterschiedlich, da in dem Film viele Tag-Für-Nacht-Aufnahmen vorhanden sind, die mit einem Filter bearbeitet wurden. Die “echten” Dunkelszenen fallen dafür sehr detailarm aus und verschlucken auch Bilddetails. Die Kompression arbeitet problemlos und hinterlässt keine Artefakte oder zusätzliches Hintergrundrauschen. Trotz der genannten Probleme sieht “Für eine Handvoll Dollar” auf dieser DVD so gut wie bisher auf noch keiner Homevideo-Veröffentlichung aus. Ein besseres Bild hätte wohl nur von einem komplett restaurierten Kameranegativ abgetastet werden können.

TON

Für eine Handvoll Dollar

Der deutsche Monoton wurde ordentlich aufgeräumt und klingt rauschfrei sehr ordentlich. Soundkulisse und Dialoge vermischen sich recht homogen, während auch die Musik fast ein wenig dynamisch klingt. Surroundaktivität ist bei diesem Track natürlich nicht vorhanden. Als Synchronspur wurde nicht die populäre zweite deutsche Synchronisation von Rainer Brandt gewählt, die laut Mastering Studio wohl nicht in einer besseren Qualität vorhanden war. Hier wurde leider die Möglichkeit verpasst, beide Synchronfassungen auf die Scheibe zu packen. Ein Drama ist das letztlich nicht, da auch die erste deutsche Synchro recht ordentlich ist und auch mit Eastwoods deutscher Stimme von Klaus Kindlers aufwartet. Brandt selbst darf dafür den Bösewicht Ramon Rojo geben. Ebenfalls sind auch die englische Originaltonspur und ein neuer DD5.1-Upmix in Englisch vorhanden. Letzterer besticht vor allem durch die viel stärker in den Surroundkanälen aktive Musik.

EXTRAS

Auf der ersten Disc begleitet ein Audiokommentar von Leone-Biograph Sir Christopher Frayling den Film. Sehr ausführlich verbindet der Kenner wieder einmal scharfsinnige Filmanalyse mit zahlreichen Anekdoten, die er über die Jahre von Leones Kollaborateuren und Freunden in Interviews erfahren hat. Von kleinsten Kleinigkeiten, wie besonderen Drehorten oder Problemen am Set, bis zu bildgenauen Interpretationen und Hinweisen auf die verschiedenen Zensurmaßnahmen, die der Film erleiden musste, pflastert Frayling seine Zuhörer in einem Non-Stop-Stakkato mit genialem Infotainment über den Film und seine Macher zu, ohne dabei in eine langweiligen Aufzählungsmodus zu geraten. Ein sehr guter Track, den sich niemand entgehen lassen sollte.

Auf der zweiten Scheibe befinden sich die restlichen Extras des Sets. Unter “Dokumentationen und Interviews” sind die relevanten Video-Extras zu finden. Wer sich den Kommentar von Sir Christopher Frayling noch nicht angehört hat, bekommt mit “Ein Held neuer Art” quasi eine 20-minütige Zusammenfassung präsentiert. Hier spricht Frayling nochmals über den Film und wiederholt natürlich die wichtigsten Fakten und Histörchen, auf die er im Kommentar noch präziser eingeht. “Für ein paar Wochen in Spanien” ist ein Ausschnitt aus einem längeren Clint Eastwood Interview, in dem er über seine Zusammenarbeit mit Sergio Leone erinnert. Der Ausschnitt behandelt natürlich speziell die Erfahrung von “Für eine Handvoll Dollar”. Mit nur knappen acht Minuten Laufzeit, in denen sich Eastwood sehr amüsiert an die kleinen Gaunereien während des Drehs erinnert, wünschte man sich allerdings ein wenig mehr Info. Aber acht Minuten Eastwood sind immerhin besser als Null! Ebenfalls viel zu kurze zehn Minuten läuft “Tre Voci”, in dem drei Freunde Leones (Produzent Alberto Grimaldi, Drehbuchautor Sergio Donati und Mickey Knox, der englische Synchro-Experte Italiens) sich ebenfalls an ihre Zusammenarbeit mit Leone erinnern und einige kuriose Anekdoten zu berichten haben. In “Restauration Italien Style” (ca. 5 Min.) berichtet MGM-Filmarchivar und -Restaurator John Kirk über seine Arbeit an der Wiederherstellung von “Für eine Handvoll Dollar”. Hier wird auch nochmal auf das unterschiedlich verwendete Material des Transfers hingewiesen. Zusätzlich sind auf der Scheibe auch noch Texttafeln zur Produktion des deutschen DVD-Transfers vorhanden. Der “Drehortevergleich” von damals zu heute ist ebenfalls wieder hübsch gelungen. Tragisch: von den einstigen Sets ist natürlich kaum noch etwas zu sehen. Dennoch ist das Haus von Marisol, in dem Eastwood einen Gauner mit der Machete aufspießt, immer noch ein echtes Wohnhaus! Eine echte Rarität ist der für das amerikanische Fernsehen in den 70-ern produzierte Prolog zu “Für eine Handvoll Dollar” von Monte Hellman, der in der Sektion “Die US-TV-Fassung” zu finden ist. Sowohl Hellman als auch der Fan, der damals den einmalig ausgestrahlten und bis heute verschwundenen Prolog aufgenommen hat, kommen in diesem Segment zusätzlich zu Wort. Um Clint Eastwoods Charakter eine Motivation zu geben, erhält er (von einem namenlosen Schauspieler gedoubelt!) von Harry Dean Stanton (neben Cheech und Chongs “Viel Rauch um Nichts” ein weiteres verschollenes Cameo von Stanton!!!) den Auftrag, die Stadt San Miguel von den Verbrecherbanden zu befreien. Gewalt ist eben doch nur gut, wenn der Staat den Auftrag zur Ausübung erteilt! Abschließend gibt’s noch drei Trailer und einen Radiospot auf der Extra-DVD zu finden.

FAZIT

Auch wenn die Doppel-Disc letztlich nicht so perfekt geworden ist, wie mancher sie sich gewünscht hätte, liegt nun endlich eine vernünftig gemasterte und vor allem vollständige Fassung von “Für eine Handvoll Dollar” mit einer guten Portion Extras vor. An dieser Scheibe führt deshalb definitiv kein Weg vorbei - Pflichtkauf!



Kay Pinno


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