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Für ein paar Dollar mehr   

Für ein paar Dollar mehr
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Original: Per qualche dollaro in più   (Italien, 1965)
Laufzeit: 127 Minuten (PAL)
Studio: Paramount
Regie: Sergio Leone
Darsteller: Clint Eastwood, Gian Maria Volonté, Lee van Cleaf, Klaus Kinski, Mario Brega u.v.a.
Format: 2.35:1 Widescreen (16:9)
Ton: DD5.1 Englisch DD-Mono Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Englisch
Extras: Kommentar, Interviews, TV-Prolog u.m.
Preis: ca. 20 €
Wertung: 2 / 3+/ 2+ (Bild/Ton/Extras)


"Leichen pflastern ihren Weg!"

“Wo das Leben keinen Wert besitzt, da hat der Tod oftmals seinen Preis!” Mit diesen Worten beginnt Leones zweiter Dollar Paukenschlag, der den italienischen Regisseur endgültig in seinen stilistischen Sattel hievt. Clint Eastwood ist diesmal als Kopfgeldjäger Monco unterwegs. Mit dem Umlegen von steckbrieflich gesuchten Verbrechern füllt er sich die Taschen. Unerwartete Konkurrenz bekommt er von dem Südstaaten Colonel Mortimer (Lee van Cleaf), der seinen Kopfgeldjäger-Job mit der tödlichen Präzision und dem Waffenarsenal eines Großwildjägers durchführt. Das größte Raubwild im Revier ist der frisch aus dem Knast ausgebrochene Psychopath El Indio (Gian Maria Volonté spielt wieder einmal herrlich durchgeknallt), der mit seiner Bande den Plan schmiedet, die schwer bewachte Bank von El Paso auszurauben. Doch die beiden Verbrecherjäger haben sich schon an die Fährte ihrer Beute gehängt. Für Colonel Mortimer naht zudem eine ganz persönliche Abrechnung mit El Indio. “Für ein paar Dollar mehr” profitierte sichtlich von dem Erfolg seines Vorgängers “Für eine Handvoll Dollar” (Test hier). Leone und sein Team haben sich schon eingespielt und wissen das exponentiell gestiegene Budget des neuen Produzenten Alberto Grimaldi nicht nur zu schätzen sondern auch zu nutzen. Das beginnt schon bei der genialen Besetzung, die Lee van Cleaf wieder und Klaus Kinski überhaupt auf das Parkett der internationalen Stars bringt. Zudem sind die Lire auch in die wesentlich aufwendigere Ausstattung geflossen. Auch für die anständige Ausleuchtung konnten sich die Filmemacher nun Zeit nehmen. Das Ergebnis lässt einen den noch kruden Look von “Für eine Handvoll Dollar” schnell vergessen. Hier kann Leone nun ganz deutlich den Stilisten heraushängen lassen und überzeugt vollends mit seinem sicheren Gespür für starke Motive, die durch Ennio Morricones noch viel epischere Musik perfekt untermalt werden. Auch die Gewalt wird hier nochmals eine Stufe unangenehmer weil persönlicher. Dennoch wirken die Figuren in ihrer gewollten Überzeichnung wesentlich Comic-artiger. Dem Drehbuch wurde ebenfalls größere Aufmerksamkeit gewidmet. Sehr viel stärker noch als im Vorgänger wird hier der schwarze Humor nicht nur durch die Dialoge betont. Persönlicher Favorit: nachdem El Indio aus dem Knast ausgebrochen ist und eine Wache das Massaker durch einen Zufall überlebt, weil El Indios Pistole leer ist, beginnt der Bandenchef hysterisch zu lachen. Im Anschnitt wird ein Steckbrief mit dem lachenden Indio am Büro des Sheriffs aufgehängt. Zynisch, morbide aber äußerst komisch - eben ganz Leone. Die DVD-Fassung von Paramount hat zudem knapp zehn Minuten bisher geschnittenen Materials wieder in den Film integriert. Puristen wird aber dennoch auffallen, dass zwei bis drei winzige Kürzungen gegenüber der italienischen Fassung vorgenommen wurden, die aber ziemlich unerheblich sind und außerdem (bis auf eine Szene - siehe hier) noch im Bonusmaterial auftauchen.

BILD

Für ein paar Dollar mehr

Bei “Für ein paar Dollar mehr” konnten die Restaurateure auf besseres Ausgangsmaterial zurückgreifen als noch bei “Für eine Handvoll Dollar”. Das Ergebnis ist tatsächlich ein erstaunlicher Unterschied. Die Vorlage ist fast gänzlich frei von analogen Rückständen des Filmmaterials und zeigt sich in sehr guten Zustand. Die grieselige Grobkörnigkeit des Vorgängers gehört der Vergangenheit an. Scharf und detailreich trumpft der anamorphe Transfer (2.35:1) besonders in den zahlreichen Großaufnahmen auf. Aber auch in den Wideshots lässt sich alles noch gut erkennen. Die Farben sind gut saturiert, aber nicht überbetont. Selbst das graue Regensetting, in dem Eastwood erstmals auftaucht, macht so einiges her. Der Schwarzlevel ist ordentlich tief und besitzt noch ein wenig Detailreichtum. Hintergrundelemente werden nicht gänzlich verschluckt. Die Kompression arbeitet sauber. Artefakte und Hintergrundrauschen treten nicht auf. Ein fast sehr guter Transfer.

TON

Für ein paar Dollar mehr

Tontechnisch ist die Scheibe auf “Ohrenhöhe” mit dem Vorgänger: der deutsche Monoton wurde ordentlich aufgeräumt und klingt rauschfrei sehr ordentlich. Soundkulisse und Dialoge vermischen sich recht homogen, während auch die Musik fast ein wenig dynamisch klingt. Surroundaktivität ist bei diesem Track natürlich nicht vorhanden. Als Synchronspur wurde nicht die populäre zweite deutsche Synchronisation von Rainer Brandt gewählt, die laut Mastering Studio wohl nicht in einer besseren Qualität vorhanden war. Hier wurde leider die Möglichkeit verpasst, beide Synchronfassungen auf die Scheibe zu packen. Ein Drama ist das letztlich nicht, da auch die erste deutsche Synchro recht ordentlich ist und auch mit Eastwoods deutscher Stimme von Klaus Kindlers aufwartet. Ebenfalls sind auch die englische Originaltonspur und ein neuer DD5.1-Upmix in Englisch vorhanden. Letzterer besticht vor allem durch die viel stärker in den Surroundkanälen aktive Musik.

EXTRAS

Auch die Extras wirken zur Vorgängerscheibe “Für eine Handvoll Dollar” gespiegelt. Der laufende Audiokommentar von Leone-Biograph Sir Christopher Frayling ist wieder ein herrlicher Quell an Fakten und Anekdoten rund um die Entstehung des Films. Zusätzlich betreibt er auch wieder viel Filmanalyse und benennt sogar Leones Vorbilder für “Für ein paar Dollar mehr”, die diesmal aus dem amerikanischen Westerngenre stammen. Von kleinsten Kleinigkeiten, wie besonderen Drehorten oder Problemen am Set, bis zu bildgenauen Interpretationen und Hinweisen auf die verschiedenen Zensurmaßnahmen, die der Film erleiden musste, pflastert Frayling seine Zuhörer wieder einmal in einem Non-Stop-Stakkato mit genialem Infotainment zu. Wer sich schon seinen Kommentar von “Für eine Handvoll Dollar” angehört hat, wird hier allerdings einige Wiederholungen zu hören bekommen. Trotzdem ein sehr guter Track, den sich niemand entgehen lassen sollte.

Auf der zweiten Scheibe befinden sich die restlichen Extras des Sets. Unter “Dokumentationen und Interviews” sind die relevanten Video-Extras zu finden. Wer sich den Kommentar von Sir Christopher Frayling noch nicht angehört hat, bekommt mit “Ein neuer Standard” wieder einmal eine knapp 19-minütige Zusammenfassung präsentiert. Hier spricht Frayling nochmals über den Film und wiederholt natürlich die wichtigsten Fakten und Histörchen, auf die er im Kommentar noch präziser eingeht. “Für ein paar Wochen mehr” ist ein weiterer Ausschnitt aus dem längeren Clint Eastwood Interview, wovon es schon einen Schnipsel auf der Scheibe von “Für eine Handvoll Dollar” zu sehen gab. Der Ausschnitt behandelt natürlich speziell die Erfahrung von “Für ein paar Dollar mehr”. Mit nur knappen sechs Minuten Laufzeit, in denen sich Eastwood begeistert an die Zusammenarbeit mit Lee van Cleaf und Leone erinnert. Auch hier ist die Zeit viel zu kurz, um einen echten Einblick in Clints Sicht der Filme zu bekommen. Ebenfalls viel zu kurze zehn Minuten läuft “Tre Voci”, in dem drei Freunde Leones (Produzent Alberto Grimaldi, Drehbuchautor Sergio Donati und Mickey Knox, der englische Synchro-Experte Italiens) sich ebenfalls an ihre Zusammenarbeit mit Leone erinnern und einige kuriose Anekdoten zu berichten haben. In “Restauration Italien Style” (ca. 4 Min.) berichtet MGM-Filmarchivar und -Restaurator John Kirk über seine Arbeit an der Wiederherstellung von “Für eine Handvoll Dollar”. Zusätzlich sind auf der Scheibe auch noch deutsche Texttafeln zur Produktion des deutschen DVD-Transfers vorhanden. Der “Drehortevergleich” (ca. 11 Min.) von damals zu heute ist ebenfalls wieder hübsch gelungen. Die komplette Westernstadt, die für ElPaso doubelt, ist tatsächlich noch voll in Betrieb. Unter “Die US-Verleihfassung” lassen sich noch die zwei minimalst gekürzten Szenen des Films und weitere Vergleiche zur alten US-Fassung finden. Abschließend gibt’s noch drei Trailer (leider nicht der originale deutsche Kinotrailer!) und zwölf Radiospots auf der Extra-DVD zu finden.

FAZIT

Nur Puristen dürften sich aufgrund der winzigen Kürzungen zur Italofassung von “Für ein paar Dollar mehr” auf den Schlips getreten fühlen. Der Film bleibt eben ein Opfer seines internationalen Fassungswirrwarrs. Alle anderen können hier beruhigt zugreifen, da die DVD die bisher längste deutsche Fassung des Films in bester Qualität und mit ein paar ordentlichen Extras enthält.



Kay Pinno


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