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Hamburger Hill   

Hamburger Hill
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Original: Hamburger Hill   (USA, 1987)
Laufzeit: 100 Minuten (PAL)
Studio: Concorde
Regie: John Irvin
Darsteller: Dylan McDermot, Harry O’Reilly, Courtney B. Vance, Timothy Patrick Quill, u.v.a.
Format: 1.85:1 Widescreen (16:9)
Ton: DD5.1 Deutsch, Englisch DS Deutsch
Untertitel: Deutsch
Extras: Trailer, Produktionsnotizen
Preis: ca. 20 €
Wertung: 2 / 3-/ 5+ (Bild/Ton/Extras)


"Es hat nichts zu bedeuten! Nicht das Geringste!"

Kaum ein Vietnamfilm aus den 80-er Jahren hat die Moritat über die Sinnlosigkeit dieses Krieges und die persönliche Zerrissenheit derer die ihn führen mussten so auf den Punkt gebracht wie “Hamburger Hill”: Am 11. Mai 1969 stürmten über 600 Soldaten der Bravo-Kompanie den unbedeutenden Hügel 937, auf dem sich einige vietnamesische Truppen eingegraben hatten. Nach zehn Tagen blutigster Schlacht kamen nur noch 180 GIs von dem leergefegten Hügel herunter. Die Überlebenden nannten den Hügel zynisch “Hamburger Hill”. Hier wurden Soldaten “zu Hackfleisch” gemacht. In leichter Anlehnung an Oliver Stone arbeitet hier Autor Jim Carabatsos sein eigenes Vietnam-Soldatentrauma auf. Mit einer großen Ensemble-Besetzung verschafft Regisseur John Irvin, der selbst auch als Kriegsberichterstatter in Vietnam unterwegs war, dem Zuschauer einen ziemlich realistischen Einblick in die zeitspezifischen Konflikte der Soldaten: Rassismus, der verblasste amerikanische Traum, soziale Konflikte an der Heimatfront, gesellschaftliche Desorientierung, Fanatismus und natürlich das zahlreiche und äußert gewaltsame Sterben für einen unwichtigen Haufen Erde. Angeführt von dem überzeugten aber ernüchterten Seargent Frantz (Dylan McDermot) merkt die schrumpfende Truppe schnell, dass sie nur verheizt wird. Die wirklich gute Balance zwischen ausreichend umrissenen Charakteren und der Erfahrung, sie in der nächsten Sekunde wieder zu verlieren, sorgt für steigendes Unbehagen. Noch vor dem ersten Angriff verliert ein GI aus der Truppe im Camp sein Leben durch einen Granatenbeschuss der Gegner. Ein besonders anonymer Tod. Doch je länger der Zuschauer die Zeit mit den grünen Jungs verbringt desto mehr schmerzen auch die Verluste. Zum Schluß bleibt da nur noch Sprachlosigkeit. “Hamburger Hill” ist eben kein verblendet heroisches Epos sondern ein zynischer Abgesang auf die Generation der Männer, die mit der Verlogenheit der Gesellschaft in Gestalt von Hippies, Politikern und der allgegenwärtigen Wegguck-Mentalität nicht klar kamen. Diese Flucht in die Hölle aus Frust, Angst oder einfach purer Dummheit schließt gedanklich auch wieder an Platoon an: “Wir haben nicht gegen den Feind sondern gegen uns selbst gekämpft!”.

BILD

Hamburger Hill

Concorde hat sich wirklich alle Mühe gegeben diesen kleinen aber feinen Film gut aussehen zu lassen. Die Vorlage ist zu 95 Prozent in echt gutem Zustand. Nur wenige und winzige Verunreinigungen haben sich hier auch nach der digitalen Aufräumaktion eingeschlichen. Bis auf zwei bis drei kurze Momente, in denen der Print ein wenig “dünn” und grieslig wird, strahlt der Film in blendend scharfer Qualität vom Bildschirm. Trotz der vielen durch Rauch, Nebel und Regen verschwommenen Szenerien bleibt das Bild insgesamt recht ruhig und verliert dadurch nur wenig an Schärfe. Die unzähligen grünen Nuancen der Farbpallete werden gut und realistisch wiedergegeben. Die Kompression ist ebenfalls stabil und enthüllt keine Artefakte oder Pixeleien. Gut

TON

Hamburger Hill

Das für “Hamburger Hill” sowohl ein deutscher als auch ein englischer Dolby Digital 5.1 Soundtrack angefertigt wurde ist schon erstaunlich. Noch erstaunlicher ist es allerdings, dass von den drei wählbaren Tonspuren der normale deutsche Dolby Surroundtrack eindeutig am besten klingt. Dies liegt vornehmlich an der katastrophalen Abmischung des deutschen 5.1 Upmix. Hier wurde nur ein seltsamer Split-Surroundtrack produziert, bei dem zusätzlich die Dialogspur mit in alle Surround-Kanäle gelegt wurden. Dies resultiert in einem unangenehmen Echo-Effekt, der die gesamte Soundkulisse kaputt macht. Zudem wird der Subwoofer stark überfrequentiert. Fast durchgängig dröhnt die Bassunterstützung durch den Film. Der englische 5.1 Upmix ist zwar ok, aber bietet hauptsächlich nur Aktivität in der Frontstage. Zudem wirken hier die Toneffekte viel dumpfer und etwas abgerückt von den eher leise abgemischten Dialoge. Einzig der deutsche Standard-Surround-Track ist wirklich eine Wucht. Die Dialoge klingen frisch und laut zwischen den agressiv genutzen Surroundkanälen, die auch noch mit viel Bass angesprochen werden. Eine echte Offenbarung.

EXTRAS

Neben dem deutschen und dem amerikanischen Kinotrailer (ein echter Unterschied!!!) bietet die Home Edition von Concorde wirklich informative Produktionsnotizen. Neben dem realen Hintergrund des Films werden hier auch einige interessante Kleinigkeiten über die Entstehung des Films verraten. Lesenswert.

FAZIT

Concorde liefert mit “Hamburger Hill” eine saubere Packung ab. Trotz fehlender essentieller Extras darf dieser Film in keiner Sammlung fehlen. Alle die “Wir waren Helden” so richtig scheiße fanden, dürfen hier den Schrecken des Vietnamkriegs noch einmal wirklich nacherleben. Dringend empfohlen.



Kay Pinno


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