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Hellboy DC   

Hellboy DC
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Original: Hellboy   (USA, 2004)
Laufzeit: 127 Minuten (PAL)
Studio: Columbia Tristar
Regie: Guillermo del Toro
Darsteller: Ron Perlman, John Hurt, Selma Blair, Rupert Evans, Jeffrey Tambor u.v.a.
Format: 1.85:1 Widescreen (16:9)
Ton: DD5.1 Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Englisch, Tr
Extras: 3 Kommentare, Making of, Del. Scenes u.m.
Preis: ca. 25 €
Wertung: 1 / 1 / 1- (Bild/Ton/Extras)


"I'm Horny!"

Comic-Adaptionen stehen noch immer hoch im Kurs: Guillermo del Toros „Hellboy“ schafft die schwere Balance zwischen liebevoller Figurenzeichnung und ausgefallenen Actionsequenzen. Dass Comic-Verfilmungen am besten über die menschlichen Schwächen ihrer Superhelden funktionieren hat Regisseur Guillermo del Toro begriffen. Wie gut der mexikanische Genrekenner mit übernatürlichen Themen und seinen Charakteren umgehen kann, zeigte er schon in der hervorragenden Geistergeschichte „The Devil‘s Backbone“ (Test hier!). Für sein Lieblingsprojekt „Hellboy“, an dem er über sechs Jahre arbeitete und u.a. Aufträge für „Harry Potter“ und andere Prestige-Projekte sausen ließ, vermischt er Abenteuer-, Comic- und Monsterfilm-Elemente zu einem höllischen Unterhaltungscocktail. Schon der Anfang des Films erinnert ein wenig an die „Indiana Jones“-Filme (Tests ebenfalls hier!). Anno 1944 wollen die Nazis auf einer kleinen schottischen Insel den Weltuntergang heraufbeschwören. Dieses Experiment wird zwar noch rechtzeitig vereitelt, aber durch das offene Höllenportal schlüpfte eine kleine rote Kreatur mit Hörnern und einer rechten Hand aus Stein: “Hellboy” wird von Professor Broom (John Hurt) aufgenommen, der mit ihm und weiteren „Freaks“ eine „Men in Black“-ähnliche Organisation aufbaut. Als jedoch die fiesen Dämonenbeschwörer der Nazis nach 60 Jahren wieder auftauchen, scheint nicht einmal der mächtig herangewachsene Hellboy (Ron Perlman) mit der Situation fertig zu werden. Del Toros rasante Inszenierung und Ron Perlmans gelungenes Spiel zwischen frustriertem Teenager und einsamen Held helfen über einige Storylöcher von „Hellboy“ gut hinweg. Mit dem richtigen Schuss trockenen Humor und einer hintergründigen Aussage folgt die Comic-Adaption ganz den Erfolgsformeln von „Spider-Man“ und „X-Men“. Die menschliche Komponente siegt schließlich im Kampf um das Publikum: wenn selbst ein höllischer Dämon sich dazu entschließen kann, einen Menschen zu lieben und die Welt zu retten, dann stirbt die Hoffnung auf ein Happy End für die Menschheit im Kino sicherlich zuletzt. Der Director’s Cut auf der DVD läuft ca. 12 Minuten länger als die Kinofassung und kann einige der kleinen Handlungslöcher gut stopfen. So wird das Verhältnis zwischen Rasputin und der Sammael-Kreatur wesentlich besser erläutert. Auch wird endlich ein Grund für Rasputins ausgeklügelten Plan geliefert. Wer allerdings mehr Action oder Gore erwartet wird hier sicherlich enttäuscht sein. Einen genauen Schnittbericht könnt ihr hier finden. Warum der Film nicht von vornherein so in die Kinos gebracht wurde, bleibt einem echt ein Rätsel. Aber die Doppelvermarktung auf DVD lässt den Rubel eben rollen.

BILD

Hellboy DC

Der anamorphe Widescreen-Transfer (1.85:1) von “Hellboy” sieht so gut aus, wie dies bei einem neuen digitalen Master nur sein kann. Die Vorlage ist in allerbestem Zustand und verrät auch keine Unterschiede zu dem neu hinzugefügtem Material. Extrem scharf und sehr kontrastreich liefert der Film in seinem gesamten Farbspektrum eine enorme Detailtreue. Die Farben sind extrem kräftig und entsprechen dem ausgewählten Comic-Look des Films. Der Schwarzlevel ist sehr tief, aber durch den schon zuvor erwähnten Kontrastumfang ebenfalls sehr detailfreudig. Die Kompression bereitet keine Schwierigkeiten und bietet ein stabiles Bild ohne Artefaktbildung oder Rauschen. Sehr gut.

TON

Hellboy DC

Was bleibt einem noch bei dem Sound zu sagen? Einfach höllisch gut! Von Anfang an werden alle Surround-Kanäle voll ausgenutzt. Der düstere Score von Marco Beltrami verströmt voluminös seine Atmosphäre ohne den Track komplett zu verkleistern. Die Soundeffekte werden sehr schön über die komplette Soundstage verteilt und mit reichlich Tiefbass vom Subwoofer angereichert. Die Dialoge bleiben dabei aber immer verständlich im Center. Auch zahlreiche direktionale Spielereien wie das Bumpern des in den Orbit gesaugten Leuchters oder der huschende Samael vermitteln eine fast unangenehme Nähe mit den Kreaturen der Finsternis. Auch mit diesem Film hat man ordentliches Demo-Material für die heimische Surroundanlage sicher.

EXTRAS

Als üppiges 3-er Disc Set (alternativ auch in einer Limited Collectors Edition mit Büste erhältlich) bietet der Director’s Cut von “Hellboy” ein ordentliches Arsenal an spannenden und unterhaltsamen Überraschungen. Auf der ersten Filmdisc befindet sich zunächst der Audiokommentar mit Regisseur Guillermo del Toro. Der Track ist allerdings nicht mit dem Kommentar auf der 2-er Disc Special Edition der Kinofassung identisch. Del Toro spricht hier vornehmlich über seine eigenen Comic-Wurzeln und inhaltlich Aspekte bei der Entwicklung von “Hellboy”. Technische Aspekte werden so gut wie nicht angesprochen. Dafür plaudert der dicke Mexikaner über zahlreiche Konzepte, seine Recherche und die Hintergründe zu verschiedenen Elementen des Films. Mit einem sehr tiefen Einblick in seine Vorbereitungarbeit und mit den Hinweisen zu den Unterschieden zur Kinofassung (und deren Begründung!) plaudert del Toro fast ohne Pause in einer gelungen Tour de Force aus Information und Unterhaltung. Ebenfalls auf der ersten Scheibe ist ein isolierter Musik-Track in DD5.1, der mit Kommentaren von Komponist Marco Beltrami angereichert ist. Eine hübsche Dreingabe, die aber inhaltlich nicht viel vermittelt. Hinter den “DVD-Comics” verbirgt sich sehr interessantes wenngleich auch etwas enttäuschendes Feature. Acht Hintergrund-Infos zu verschiedenen Aspekten der Geschichte können entweder im Film eingeblendet oder im Menü direkt angewählt werden. Eine echte Comic-Geschichte ist aber nur einmal darunter und auch noch mordslustig. Ansonsten beschränken sich die Infos auf Scrolltexte vor einem netten Hintergrund. Ganz ähnlich verhält es sich mit dem “Die rechte hand des Verderbens”-Feature. Hier könnt ihr insgesamt acht Behind-the-Scenes Clips mit Proben und Vorbereitungen direkt am Set von verschiedenen Szenen anschauen, die ihr entweder direkt beim Filmschauen oder im Menü direkt auswählen könnt. Wer bei den Special Features den “Storyboard-Track” auswählt, bekommt bei verschiedenen Szenen die passenden Storyboards am rechten unteren Bildschirmrand eingeblendet.

Das Kronjuwel der zweiten Disc ist die über zweistündige Dokumentation “Hellboy: Die Saat der Zerstörung”. Dieser umfassende Blick auf die Produktion von “Hellboy” zeigt viele wahnsinnige Momente am Set der Produktion in Prag und Interviews mit allen Beteiligten. Trotz einiger unvermeidlicher Lobhudeleien vermittelt der Film wunderbar die lockere Atmosphäre am Set und zeigt die organische Entwicklung des Projekts. Dennoch sind die harten Schnitte zwischen den Behind-the-Scenes Aufnahmen ein wenig desorientierend und hauen den Zuschauer bei dieser langen Dokumentation aus dem Konzept, da die viele Aufnahmen einfach unkommentiert gezeigt werden. Trotzdem dürften nach diesem Overkill kaum noch Fragen offen bleiben. Die drei “Deleted Scenes” stammen von der DVD der Kinofassung und sind eigentlich überflüssig, da sie im Director’s Cut wieder ihren Weg in den Film gefunden haben. Dafür kann man sich die Szenen mit einem zusätzlichen Kommentar von del Toro anschauen. In “Kroenens Quartier” habt ihr die Möglichkeit Storyboard- und Animatic-Vergleiche mit dem fertigen Filmmaterial zu sehen, die ihr teilweise mit der Angle-Funktion auch als Vollbild betrachten könnt. In der “Maquette-Galerie” könnt ihr sechs Skulpturen von Kreaturen aus “Hellboy” (Baby Hellboy, Abe Sapien, Sammael, Ogdru Jahad, The Corpse, Behemoth) genauer betrachten. Desweiteren gibt’s hier noch verschiedene “Hellboy”-Trailer und Plakate zu bestaunen.

Auf der dritten Scheibe befindet sich der erstaunliche Cast-Video-Kommentar. Ron Perlman, Selma Blair, Rupert Evans und Tom Manning können dabei im Studio beobachtet werden, wie sie ihren Kommentar sprechen. Das Bild wechselt dabei zwischen einem Split-Screen Verfahren in dem die Sprecher und der Film gleichzeitig zu sehen sind und einem vollen Filmbildausschnitt hin und her. Visuell ist dies eine nette Überraschung, aber lenkt doch stark von den gesprochen Inhalten ab. Etwas Konzentration ist dabei schon gefragt, wenngleich die vier Schauspieler eher ein wenig zum Herumblödeln neigen, statt tatsächlich über den Film und ihre Erfahrung zu sprechen. Dennoch ist der Kommentar ganz nett anzuschauen aber letztlich nicht essentiell. Im “Produktion Workshop” gibt’s einen siebenminütigen Clip mit Make-Up und Lichttest mit einem Kommentar von Guillermo del Toro zu sehen, der wieder ein wenig über seinen Entscheidungs- und Designprozess plaudert. Desweiteren gibt es hier drei ausführlichere Clips aus der Effekte-Abteilung, in der eingehender einzelne Effekte und Aufnahmen (Bellamie-Hospital, Fahrstuhlsequenz, Liz’ Feuer, Computer generierte Sets, Behemoth) besprochen werden. Die 23-minütige Vorab-Präsentation des “Hellboy”-Projekts auf der Comic-Con 2002 ist leider ein wenig überflüssig, da del Toro und Mike Mignola noch über das Projekt im Planungsstadium sprechen. Trotzdem ist ist auch dieses Feature für Komplettisten sicherlich wichtig. Für alle Analphabeten in Sachen Comics wird das zwölfminütige Special mit dem Experten Scott McCloud ein echter Augenöffner. Von der historischen Entwicklung bis zum modernen Superhelden-Comicstrip erläutert der Kenner das Phänomen Comic in kompakter wie angemessener Form. Zum Abschluss gibt’s auch noch eine umfassende Bildergalerie mit weit über hundert Abbildungen und Fotos - darunter auch del Torros eigene Aufzeichnungen aus seinen Notizbüchern.

FAZIT

Mit “Hellboy” lieferte Guillermo del Toro die sicherlich beste Comic-Verfilmung neben “Spider-Man 2” im letzten Jahr ab. Der Director’s Cut behebt zusätzlich ein paar kleine inhaltliche Pannen der Kinofassung und macht das mit Extras prallgefüllte 3-er Disc Set zu einem absoluten Pflichtkauf. Also das Teil auf Teufel komm raus einsacken.



Kay Pinno


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