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Herr der Ringe: Die Gefährten SEE   

Herr der Ringe: Die Gefährten SEE
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Original: LotR: The Fellowship of the Ring   (USA, 2001)
Laufzeit: 218 Minuten (PAL)
Studio: Warner
Regie: Peter Jackson
Darsteller: Elijah Wood, Ian McKellen, Sean Astin, Viggo Mortensen, Christopher Lee, u.v.a.
Format: 2.35:1 Widescreen (16:9)
Ton: DTS-ES Deutsch DD-EX5.1 Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Englisch
Extras: 4 Kommentare, u.v.m.
Preis: ca. 45 €
Wertung: 1 / 1-/ 1+ (Bild/Ton/Extras)


"Hin und wieder zurück...!"

Nach dreieinhalb Stunden (+knapp weitere 20 Minuten mit Abspann!) ist es geschafft und das Filmerlebnis “Der Herr der Ringe” bekommt endlich die Dimension, die es wirklich verdient hat. Das soll nicht heißen, dass die Special Edition etwa ein völlig neues Faß Hobbitbier aufmacht. Aber besonders für Menschen, die nicht mit Tolkiens Werk vertraut sind, wird der Zugang zu den Figuren in der neuen Fassung erheblich verbessert. Von den 30 Minuten zusätzlichem Material, das hauptsächlich aus vielen kleinen Szenen und Bildern besteht, lassen sich die größten und wichtigsten Veränderungen in dem völlig neuen Anfang in Hobbingen und im Elbenwald von Lothlorien feststellen. Zu Beginn werden jetzt die Hobbits und ihre Lebensweise durch einen Off-Kommentar von Bilbo Beutlin, der gerade für sein Buch das Kapitel “Concerning Hobbits” schreibt, eingeführt. In zahlreichen kleinen und großen Szenen, bei denen auch die schrecklichen Sackheim-Beutlins (Peter-Jackson-Kenner dürften Lionels Mutter aus “Braindead” wiedererkennen) vorgestellt werden, wird eine viel bessere Verbindung zu den freundlichen Wesen geschaffen. Eine kleine Szene auf der Geburtstagsparty verdeutlicht hier auch die enge Beziehung zwischen Bilbo und Frodo. Die Freundschaft zwischen den vier Hobbits der Gemeinschaft des Rings wird in einer rührigen Kneipenszene im “Green Dragon Inn” beschworen, bei der man auch Sam Gamschies Vater, den Ohm, zu sehen bekommt. Die Welt der Hobbits im Auenland wird mit diesem Anfang erst lebendig.

Der große inhaltliche Minuspunkt in der Kinofassung war sicherlich der magere Aufenthalt im Elbenwald von Lothlorien. Hier deuteten schon fehlende Szenen aus dem Trailer daraufhin, dass hier mit der Axt im Walde am Schnitt gearbeitet wurde. Dafür kann jetzt kräftig aufgeatmet werden: in der Special Edition gibt alles endlich einen Sinn. Es gibt eine veränderte Hinführung der Gefährten zum Sitz von Celeborn und Galadriel, bei der die Funktion des Waldes für die Elben erklärt wird. Zudem wird endlich Galadriel als Ringträgerin (drei Ringe für die Elbenfürsten im Licht! Auch in der Anfangssequenz zu sehen!) vorgestellt und ähnliches Schicksal, wie das von Frodo. Zudem gibt es hier die komplette Geschenkübergabe zu sehen, bei der Galadriel in Gestalt von Cate Blanchet endlich so sympathisch rüberkommt wie Tolkien sie im Buch skizziert.

Die Rolle und Funktion von Aragorn wird deutlich betont und viel besser erklärt. Zudem füllen mehrere Szenen die Beziehung zwischen Aragorn und Boromir aus. Hier wird besonders Aragorns Angst vor dem Versagen und das Dilemma des Menschengeschlechts beleuchtet.

Die Schlacht mit dem Höhlentroll in Moria sowie der finale Kampf bei Amon Hen wirken jetzt weitaus weniger hektisch und die Actionchoreographie kommt durch die wiedereingefügten Szenen viel besser zusammen. der Höhlentroll hat sogar einen etwas längeren Auftritt. Toll. Trotz der neuen Altersfreigabe haut Ex-Splatterking Jackson aber nicht auf die Kacke. Auch hier wurden graphische Gewalt-Details nur sehr behutsam und vor allem unmerklich eingefügt.

Die vielen kleinen weiteren Veränderungen, die sich besonders auf die Atmosphäre auswirken und die die Fans sicherlich wertschätzen werden, an dieser Stelle zu beschreiben wäre nicht richtig. Klar ist auf jeden Fall, dass die neue Version von “Der Herr der Ringe: Die Gefährten” als Vorgeschichte zu den zwei nachfolgenden Filmen “Die Zwei Türme” und “Die Rückkehr des Königs” weitaus bessere Arbeit leistet als die originale Kinofassung. Die zusätzliche Screentime für die Charaktere zahlt sich richtig aus. Da New Line Cinema und auch Peter Jackson angekündigt haben, mit den weiteren Filmen ebenso zu verfahren wie mit “Die Gefährten” dürfen sich alle DVD-Freunde schon auf weitere “Special Extendend Editions” freuen.

BILD

Herr der Ringe: Die Gefährten SEE

Bei der Bildqualität hat sich erwartungsgemäß die Kompression deutlich verbessert. Der auf zwei Scheiben verteilte (der Wechsel zwischen den Scheiben findet nach Pippins Kommentar “Und wohin solls gehen?” im Rat von Elrond statt) und jetzt auf 218 Minuten angewachsene Film hat keine Probleme mehr mit einem “dünnen Bild” oder Kompressionsartefakten an dunklen Stellen. Ansonsten bleibt der Eindruck aus der DVD der Kinfassung bestehen: Der Film schaut hier sehr viel besser aus als viele Besucher ihn ihm Kino oder auf einer illegalen Raubkopie erlebt haben dürften. Die komplett korrigierten Farben springen einen regelrecht vom Bildschirm an. Das anamorphe 2.35:1 Bild besitzt zugleich eine Schärfe und Detailgetreue (auch in Wideshots!!!), die unglaublich ist. Nachgebessert wurde anscheinend auch beim Schwarzlevel. Da ein Großteil des Films in düsteren Settings spielt, wurde das Bild der Kinofassungs-DVD in diesen Sequenzen leicht angehellt, damit mehr zu erkennen ist. Bei der Special Edition hat man etwas mehr Sorgfalt walten lassen und erzielt besonders in den Szenen von Moria ein deutlich besserer Ergebnis. Trotzdem schwächelt der Schwarzlevel bei einigen kurzen Szenen immer noch, deshalb bleibt das Plus bei der Eins verwehrt. Wichtig ist auch noch anzumerken, dass die neuen Szenen wirklich nahtlos und unmerklich montiert wurden. Einen Qualitätsunterschied gibt es nicht.

TON

Herr der Ringe: Die Gefährten SEE

Wer sich jetzt schon auf eine große Lobpreisung des ersten DTS-Tons aus dem Hause Warner freut, darf sich erstmal wieder setzen. Der neue diskrete DTS-ES Ton für die Special Edition ist eine kleine Enttäuschung. Wie in Saurons Namen kann das denn sein? Der Fall liegt hier wirklich nicht einfach. Um eine lange Analyse kurz zu machen: dem DTS-Track fehlt einfach der Biss und Agressivität in der Sound-Abteilung, die der Dolby Digital Track der Kinofassung so wunderbar etablierte. Während die Musik und die Dialoge weitaus besser zur Geltung kommen, scheint es so, als habe jemand die Soundeffekte deutlich “gedimmt” - sprich leiser gedreht. Dies zeigt sich gleich im anfänglichen Prolog: Während Galadriels Stimme stark, deutlich und mit viel Raum die komplette Soundstage “erhallen” lässt, bleibt das Kampfgetümmel irgendwie deutlich im Hintergrund. Hier bekommt der Zuschauer keinen physischen Schauer mehr beim Orkgeschrei. Dieses Phänomen zieht sich durch den gesamten Film und wirkt besonders bei den großen Kämpfen etwas befremdlich. So ist auch der Subwoofer-Einsatz nicht immer ideal. Einigen Stellen fehlt es einfach an dem DTS typischen “Oooomph”. Dies trifft leider auch auf den deutschen und englischen Dolby Digital Track zu. Im Direktvergleich zum Sound der Kinfassung schneidet der neue Mix der Special Edition schlechter ab. Auf der Haben-Seite stehen die deutlich besser zur Geltung kommenden und räumlich aufgeteilten Dialoge. Selbst kleine Sprachfetzen aus dem Hintergrund sind bis zur letzten Silbe verständlich. Die Musik von Howard Shore dringt aus allen Surroundporen und legt einen galanten Musikteppich unter die komplette Szenerie. Die Räumlichkeit im DTS-ES Track hat natürlich deutlich zugenommen. Besonders feine Effekte, wie der fallende Eimer am Grab von Balin in Moria, nutzen das 360-Grad-Feld voll aus. Insgesamt lässt sich festellen, dass die neue Abmischung mehr Wert auf subtile räumliche Effekte als auf krachende Agressivität legt.

EXTRAS

Über die ersten beiden DVDs zum Film verteilt befinden sich gleich vier Audiokommentare: 1. Regisseur und Autorinnen 2. Das Design Team 3. Produktions- und Postproduktionsteam 4. Die Schauspieler: Elijah Wood, Ian McKellen, Liv Tyler, Sean Astin, John Rhys-Davies, Billy Boyd, Dominic Monaghan, Orlando Bloom, Christopher Lee, Sean Bean (leider ist Aragorn Darsteller Viggo Mortensen abwesend!). Alle vier Tracks sind absolut hörenswert und vervollständigen auch für den unbeteiligten Zuschauer die Erfahrung, an dem Mammutprojekt gearbeitet zu haben. Für die meisten Zuschauer dürfte der erste Track mit Regisseur Peter Jackson und den Autoren Fran Walsh und Phillipa Boyens am interessantesten ausfallen. In angenehmer Länge geht es hier um das Problem, Tolkiens epische Geschichte in einen funktionierenden Film zu verwandeln. Jackson geizt hier nicht mit Informationen über seine Entscheidungen und die Unterschiede in der neuen Special Edition. Nebenbei werden auch viele kleine Geschichten aus dem Produktionsalltag aufgegriffen. Dies trifft eigentlich auf alle Tracks zu: trotz der mehr auf Technik und Umsetzung fixierten Kommentare der Produktions- und Designteams gibt es eine Fülle an Informationen, die sich um das Thema “Der Herr der Ringe” ranken. Am lustigsten aber logischerweise auch am unausgewogensten fällt hier der Kommentar der Schauspieler aus. Es wird viel gegiggelt aber hauptsächlich fast wehmütig an die teilweise auch sehr harten Drehs zurückgedacht. Besonders Christopher Lee bringt in seinen Einschüben sehr viel Wissen über das Thema “Herr der Ringe” mit. Schließlich ist er selbst ein riesiger Fan der Bücher und hat Tolkien sogar noch zu seinen Lebzeiten getroffen. Leider gibt es für die Kommentare keine Untertitel-Funktion, so daß alle Zuhörer ohne Englischkenntnisse in die Röhre gucken. Dafür werden während der Kommentare, an denen ja immer mehr als zwei Personen beteiligt sind, die Namen der gerade sprechenden Teilnehmer eingeblendet. Die Fülle der in allen Kommentaren enthaltenen Informationen dürfte wohl auch den hartnäckigsten HdR-Fan zufriedenstellen. Trotzdem dreuen noch zwei weitere DVDs mit weiteren Extras und zahlreichen Hintergrundberichten.

DISC III: Vom Buch zur Vision

In sechs Dokumentationen, die über zweieinhalb Stunden laufen, wird alles Wissenswerte über das erste Entwicklungsstadium des Films dargelegt. Ein biographischer Einstieg über das Leben und die Arbeit von J.R.R.Tolkien bringt den Zuschauer schnell in die wunderliche Welt des Sprachgelehrten. Mit analytischen Ansätzen von Experten, Filmemachern und Schauspielern wird sich dem Inhalt von “Der Herr der Ringe” vorsichtig angenähert. Es folgt ein Kapitel über die Entstehung des Drehbuchs mit den entscheidenden Fragen “Was und warum kam rein und was und warum blieb draußen?”. Die nüchterne Feststellung bleibt, dass es ein festes Drehbuch nie gegeben hat, da die Schauspieler täglich seitenweise Änderungen zu lesen bekamen (oder auch nicht!). Auf die brennende Frage der Auslassung von Tom Bombadil findet Christopher Lee die richtige Antwort: “So what?!”. Ein riesiges Kapitel beschäftigt sich mit der umfassenden Arbeit der Tolkien-Zeichnern Alan Lee und John Howe, die dem Film den Look ihrer Bilder verpassten, und den vielseitigen Aufgaben des WETA-Workshop, in dem Rüstungen, Schwerter, Masken und Moden für Mittelerde entworfen wurden. Zu diesen sehr intensiven Dokumentationen gesellen sich noch eine mehr als extensive Bildergalerie mit über 2000 Bildern, Storyboard und “Previsualizations” im Vergleich zum Film und viele Kleinigkeiten wie eine interaktive Karte der Reise der Gefährten im ersten Teil der Trilogie. Diese bisher umfassenden Dokumentation (Hallo Herr Luca$, genau aufgepasst!), werden auf der vierten Scheibe “Von der Vision zum Film” noch fortgeführt.

DISC IV: Von der Vision zum Film

Diesmal gibt es insgesamt dreieinhalb Stunden an Hintergrundmaterial und Interviews zu sehen. Die elf Dokumentationen beschäftigen sich mit dem Casting-Prozess, den visuellen Effekten, den Drehs vor Ort, den üppigen Modellen, dem Sound und der Musik sowie dem Phänomen des Films “Der Herr der Ringe”. Bei den Kommentaren der Schauspieler nimmt niemand ein Blatt vor den Mund: So zeigt sich, dass Merry und Pippin auch im echten Leben ziemlich durchgeknallt sind. Viele Anekdoten werden hier umrahmt von der jeweils einmaligen persönlichen Erfahrung, an dieser Verfilmung teilgenommen zu haben. Auf der technischen Seite stehen natürlich die vielen kleinen und großen Special Effects im Vordergrund. Besonders interessant ist das Kapitel über die “Verkleinerung” der Hobbitdarsteller, bei dem so ziemlich jeder Trick angewandt wurde, der heutzutage möglich ist. Natürlich wird auch die neue bahnbrechende Methode vorgestellt, wie man mit digitalen Figuren wie dem Höhlentroll live(!!!) am Set arbeiten konnte. Auch die Sound und Musikabteilung wird hervorragend erklärt ohne den Zuschauer übermäßig zu strapazieren: Howard Shore erklärt seine verschiedenen Inspirationen für die unterschiedlichen Musikthemen des Films während die Sounddesigner erklären, warum sich der Balrog nach einem schleifenden Zementstein anhört. Zahllose Behind-the-Scenes Aufnahmen aus den Werkstätten und vom Set vermitteln zu den Interviews die richtige Stimmung. Zusatzlich zu den Dokumentationen gibt es eine Schnitt-Demonstration anhand der Szene von “Elronds Rat”, bei der per Multiangle-Funktion die verschiedenen Kamerapositionen aufgerufen und in einer Komplettübersicht verglichen werden können. Mit einer weiteren extensiven Fotogalerie zu den Orten, den Charakteren und vielem mehr schließt das Extraprogramm der vierten DVD.

FAZIT

Da ist sie nun: “The best DVD ever made!” Und sie wird ihrem Namen gerecht (außer in der Soundabteilung, die nur “sehr gut” und nicht “Spitze” ist!!!). Neben der längeren Fassung des Films bietet die Fülle an Extras tagelangen Entdeckungsspaß. Wer einen DVD-Player besitzt, muss dieses gigantische Set einfach kaufen!!!! Und wer nicht unbedingt die ollen Buchstützen braucht, sollte auf jeden Fall auf das “normale” und preiswertere Vier-Disc-Set zurückgreifen. Die DVDs und die Hülle sind nämlich exakt gleich mit der Collector’s Edition.



Kay Pinno


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