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Herz aus Glas   

Herz aus Glas
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Original: Herz aus Glas   (BRD, 1976)
Laufzeit: 94 Minuten (PAL)
Studio: Kinowelt
Regie: Werner Herzog
Darsteller: Josef Bierbichler, Stefan Güttler, Clemens Scheitz, Volker Prechtl u.v.a.
Format: 1.66:1 Widescreen (16:9)
Ton: DD-Mono Deutsch
Untertitel: Deutsch
Extras: Kommentar, zusätzliche Filme, Trailer u.m.
Preis: ca. 15 €
Wertung: 2- / 3 / 1 (Bild/Ton/Extras)


"Die Schönheit des Abgrundes!"

Wenn man unbedingt möchte, dann kann man auch eine Geschichte aus Werner Herzogs “Herz aus Glas” herauslesen. Der katholische Filmdienst beschreibt das Werk in seinem Lexikon des internationalen Films folgendermaßen: “Eine Glashütte im 19. Jahrhundert. Ein Arbeiter ist gestorben und hat das Geheimnis der Rubinglasherstellung mit ins Grab genommen. Ein legendärer bayrischer Hellseher soll das Geheimnis enträtseln, aber seine Prophezeiungen halten unabänderlich an Katastrophen fest.” Tatsächlich dreht sich alles um das merkwürdige Rubinglas, eine Sorte, deren rote Farbe von zeitloser Schönheit ist. Die Bewohner des kleinen bayrischen Bergdorfes sind davon besessen und haben kaum einen Blick für andere Aspekte. Es erscheint sinnlos, dem Film eine konkrete Interpretation überzustülpen. Wie kaum ein anderes Werk Werner Herzogs ist “Herz aus Glas” eine Huldigung an die pure Kraft des Bildes. Bei kaum vorhandener traditioneller Erzählweise setzt Herzog auf rätselhafte Bilder, welche Natur und Menschen in Gemälde eines apokalyptischen Schwebezustandes versetzen. Die dräuende Katastrophe ist stets spürbar, ihre Vorzeichen besitzen die Attraktivität hypnotischer Macht. Herzog selbst gibt an, dass nahezu alle Darsteller – mit Ausnahme des Hellsehers und der Glasbläser – unter Hypnose agiert hätten. Man ist geneigt, ihm zu glauben, denn die Schauspieler wandern mit einem schläfrig-faszinierten Blick durch die Szenen. Sie tanzen am Rande des Unheils mit besessenen Mienen umher, wobei ihre Visionen und die Kraft der Phantasie mehr Gewicht erhält, als scheinbare Realität um sie herum. “Herz aus Glas” ist ein Film, der sehr viel seinem Kameramann Jörg Schmidt-Reitwein zu verdanken hat – ein visueller Genuss.

BILD

Herz aus Glas

Das Filmmaterial hat die Zeit gut überdauert. Es zeigen sich keine Dreckspuren oder Bildpunkte auf der DVD. In Kamerabewegungen zieht das Bild ein wenig nach, die Schärfe ist in Ordnung. Der visuelle Stil des Films entfaltet sich in seiner ganzen Schönheit. Während das Bild die meiste Zeit stabil wiedergegeben wird, gibt es zwischendurch immer mal wieder Szenen, in denen Bildhintergründe in Bewegung geraten. Der Schwarz-Level ist durchgehen tief.









TON

Herz aus Glas

Der deutsche Mono-Ton erschallt ohne größeres Rauschen aus den Boxen. Die Dialoge sind klar und verständlich, auch die wunderschöne Musik wird in ordentlicher Qualität wiedergegeben. Besondere Schwächen oder Stärken gibt es nicht.




EXTRAS

“Herz aus Glas” ist ein echtes Schmuckstück hinsichtlich des Bonus-Materials. Zum einen gibt es auch auf dieser DVD einen Audiokommentar von Laurens Straub und Werner Herzog, in dem die Beiden in bewährter Manier Analytisches zum Film vortragen und die Produktionshintergründe beleuchten. Werner Herzog beißt sich dabei des öfteren am Thema der Hypnose fest, was Straub etwas weniger zu interessieren scheint. Herzog schwelgt in Erzählungen vom Set, welche die Arbeit unter Hypnose zu erläutern versuchen. Erneut ein sehr guter Audiokommentar. Darüber hinaus hat Kinowelt zwei weitere Filme aufgetrieben. Der erste heißt “Werner Herzog eats his Shoe” (20 Minuten), wurde im Jahr 1980 von Les Blank gedreht und dokumentiert eine Aktion Herzogs anlässlich der Premiere des ersten Dokumentarfilms, den Errol Morris gedreht hat. Ob die Aktion tatsächlich statt gefunden hat, oder alles nur inszeniert war, spielt kaum eine Rolle. Das Werk ist als Beitrag zum Schaffen Werner Herzogs von großem Interesse. Der Film beschäftigt sich mit der medialen Welt der damaligen Zeit und verbindet sie mit der Dokumentarfilmpremiere. Sehr sehenswert. Der zweite Film stammt aus dem Jahr 1984 und wurde von Werner Herzog für das Fernsehen gedreht. “Casherbrum – Der leuchtende Berg” (45 Minuten) dokumentiert die Besteigung zweier Berggipfel hintereinander durch Reinhold Messner und Hans Kammerlander. Der Film fängt das Vorhaben durch intensive Interviews und eindrucksvolle Bilder in seinen verschiedenen Dimensionen ein.

FAZIT

Mit “Herz aus Glas” ist Werner Herzog ein Film gelungen, der pure Bildkraft in den Vordergrund rückt. Zusammen mit dem sehr guten Bonusmaterial – zwei absolut sehenswerte weitere Filme sind enthalten – überzeugt die DVD vollständig.



Stefan Dabrock


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