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I.K.U.   

I.K.U.
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Original: I.K.U.   (Japan, 2000)
Laufzeit: 1.66:1 Widescreen (16:9)
Studio: rapid eye movies
Regie: Shu Lea Cheang
Darsteller: Zachary Nataf, Tokito Ayumu, Maria Yumeno Sasaki Yumeka u.v.a.
Format: 1.66:1 Widescreen (16:9)
Ton: DS Japanisch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Extras: Making of,Trailer, Bonus Szenen
Preis: ca. 25 €
Wertung: 1 / 2+/ 3+ (Bild/Ton/Extras)


"Elektro-Libido aus Tokio."

Shu Lea Cheang gehört zu den international anerkannten Künstlerinnen im Bereich Computer-Installation. Mit provokanten Sexbezogenen Werken war sie unter anderem im New Yorker Guggenheim Museum oder De Waag in Amsterdam zu Gast. Wahrscheinlich war es dieser Bekanntheitsgrad, der den japanischen Independent-Produzenten Asai Takashi dazu brachte, Cheang mit der Produktion eines Filmes zu beauftragen, der ihre provokante Vorliebe für Sex aus den Computer-Installationen aufgriff und für dieses Medium übersetzte. Cheang schrieb ein Drehbuch, das in der japanischen Gesellschaft der Zukunft angesiedelt ist. Die Genom-Corporation stellt Chips her, auf denen Daten sexueller Erlebnisse gespeichert sind. Wer die Chips kauft, kann seinem Liebesleben Aspekte hinzufügen, welche darin sonst keinen Platz hätten. Genom erfindet nun weibliche Cyborgs, die sich in sieben unterschiedliche optische Versionen verwandeln können. Ihr Auftrag besteht darin, an den richtigen Orten Tokios relevante Daten zu sammeln. “I.K.U.” beginnt mit der Aktivierung eines solchen Cyborgs namens Reiko. Im weiteren Verlauf verfolgt der Film ihren Weg durch Nachtclubs, Bühnenshows und Restaurants, während sie Daten für den Chip sammelt. Cheangs Stärke besteht in ihrer optischen Innovationsfähigkeit. “I.K.U.” beeindruckt durch eine Abfolge verschiedener Szenen, die das Geschehen in irreale Sphären entrücken. Mit Hilfe Computergenerierter Hintergrunddesigns entführt sie den Zuschauer in eine Welt, die massiv Fragen nach Wirklichkeit und Traum aufwirft. Der Film reflektiert über seine formale Kunstfertigkeit die Geschäftspraxis der Genom-Corporation. Zum einen vermittelt er, wie Sex aussehen könnte, wenn es solche Chips gäbe, zum anderen bebildert er diese Form sexueller Praxis in überwältigender Weise. Die Erweiterung des Erfahrungshorizontes geht mit einer großen Portion sichtbarer Retorte einher. Die Geschäftsstrategie droht, in eine selbstgebaute Sackgasse zu führen. Dementsprechend thematisiert Cheang am Ende die immer mitschwingende Sehnsucht nach Liebe, welche im Untertitel “This is not Love, This is Sex” noch brüsk zurückgewiesen wird. Letztlich siegt jedoch die Ironie, so dass sich auch dies wieder in einem Spiel mit Realitätsebenen auflöst. Die Sexszenen inszeniert Cheang als visuell überbordende Hommagen an jegliche psychedelische Kunstform. So lässt sie die Akteure ihre Szenen unter anderem in gleißend rotem Licht oder hinter Aquarien, in denen gelbliche Fische schwimmen, spielen. Da bleibt am Ende nur noch übrig, Shari Frilot vom Sundance Film Festival zu zitieren, bei dem »I.K.U.« 2000 in der Mitternachtsschiene lief: “Eine ungezügelt phantasievolle Zukunftsvision, die es direkt auf Eure Libido abgesehen hat”.

BILD

I.K.U.

“I.K.U.” wurde vollständig digital gedreht und besitzt einen artifiziellen Look. Die Regisseurin arbeitet mit Verfremdungen, Lichteffekten, Unschärfen, etc. Die DVD reproduziert den Film in einer guten Bildqualität. Die vielen visuellen Einfälle Cheangs wurden technisch einwandfrei auf den Silberling gebracht. Schärfe, Kontrast und Schwarz-Level liegen in einem gelungenen Bereich.

TON

I.K.U.

Die DVD enthält als einzige Tonspur das Originalformat, das aus einer Mischung aus Japanisch und Englisch besteht. Dazu lassen sich deutsche Untertitel anwählen. Ohne Rauschen präsentiert sich der Track in einem guten Zustand. Besondere Erwähnung bei einem Film wie “I.K.U.” verdient hauptsächlich die Musik. Sie ertönt wirkungsvoll auf der Front-Stage. Für Freunde der Filmgeschichte dürfte interessant sein, dass die Macher des Werkes bei der Originalmusik von Mike Hodges’ "Get Carter" geräubert haben.

EXTRAS

Als Bonus-Material enthält die DVD unter anderem vier Bonus-Szenen. Dabei handelt es sich zum einen um Verlängerungen bereits enthaltender Szenen zum anderen um die Vollbildfassung einer Szene, die im Film nur auf einem kleinen Bildschirm zu sehen ist. Daneben gibt es drei Filmtrailer und ein Making Of (5 Minuten), das unkommentierte Set-Aufnahmen zeigt.

FAZIT

“I.K.U.” erweist sich als künstlerische Vision Shu Lea Cheangs, die ihre sexuellen Interessen in psychedelisch aufgeladene Bilder gegossen hat.



Stefan Dabrock


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