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Infernal Affairs 2   

Infernal Affairs 2
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Original: Wu jian dao 2   (Hongkong, 2003)
Laufzeit: 115 Minuten (PAL)
Studio: mcone
Regie: Andrew Lau & Alan Mak
Darsteller: Francis Ng, Eric Tsang, Anthony Wong, Edison Chen, Carina Lau u.v.a.
Format: 2.35:1 Widescreen (16:9)
Ton: DTS Deutsch DD5.1 + DS Deutsch, Kanton.
Untertitel: Deutsch
Extras: Kommentar, Making of, geschn. Szenen u.m.
Preis: ca. 20 €
Wertung: 1-/ 1 / 2 (Bild/Ton/Extras)


"Der Pate von Hongkong."

Während “Infernal Affairs” als brillante Studie über das Duell zweier Maulwürfe – der eine in den Reihen der Triaden, der andere in den Reihen der Polizei – funktionierte, schlägt “Infernal Affairs II” den epischen Bogen in die Vergangenheit, als Hongkong noch britische Kronkolonie war. Im Jahr 1991 nutzt Triadenmitglied Hau ein entstandenes Machtvakuum in der kriminellen Organisation. Mit Geschick bugsiert er sich an die Spitze. Sam, der spätere Boss in “Infernal Affairs”, ist zu diesem Zeitpunkt ein kleiner Anführer auf unterer Ebene der Hongkong-Mafia. Die beiden Maulwürfe sind bereits in den jeweiligen Organisationen aktiv, wobei der in die Triaden eingeschleuste Polizist mit seiner persönlichen Herkunft zu kämpfen hat, denn er ist der Halbbruder von Hau. Trotz diese moralischen Dilemmas beobachtet er mit wachsender Beunruhigung, wie Hau eine immer größere Machtfülle an sich zieht, die eine Auseinandersetzung in den eigenen Reihen nach sich ziehen muss. Je mehr Jahre verstreichen, desto unausweichlicher wird ein Bandenkrieg. Es ist unmöglich die vielen Haupt- und Nebenfiguren des Prequels, das der im ersten Teil erzählten Geschichte seinen würdigen epischen Rahmen verleiht, aufzuzählen. Mehr als nur einmal erinnern schließlich beide Filme an die “Pate-Trilogie” von Coppola. Konsequent knüpft das Drehbuch sein engmaschiges Netz der Figurenbeziehungen, die alle auf irgendeine Weise ihr eigenes Süppchen kochen wollen. Loyalität, Verrat und Machtstreben bilden die Zutaten für ein Werk, das mit visueller Brillanz eine Szene nach der anderen produziert, die emotionale Tiefe und psychologische Analyse mit einander verbinden. Viele Fragen, welche der erste Teil bewusst ausgespart hatte, werden beantwortet, bis in einem fulminanten Finale die komplette Struktur des labilen Gefüges endgültig auseinander bricht und eine neue Machtverteilung entsteht. Auf dieser Basis spielt dann der erste Teil der Trilogie.

BILD

Infernal Affairs 2

Die Bildqualität der DVD vermag die gute Qualität des ersten Teils noch zu übertreffen. Das Bild ist insgesamt etwas schärfer und wird durch kein Bildrauschen getrübt. Verschmutzungen oder Bildpunkte sucht man bei der sehr guten Vorlage vergeblich. Der Schwarz-Level ist sehr tief, dies führt in dunklen Szenen dazu, dass Kleinigkeiten verschluckt werden. Die Farbwiedergabe entspricht den künstlerischen Ambitionen der Macher und ist sehr gut gelungen.



TON

Infernal Affairs 2

Beim Ton kann die DVD erneut punkten. Der kantonesische Original-Ton im 5.1-Format bringt in den wenigen Action-Sequenzen einen räumlich-wuchtigen Klang auf die Boxen, der Spaß macht. Auch sonst zeigt sich der Ton detailfreudig ausdifferenziert. Die Dialoge sind sehr gut verständlich und wirken organisch im Geschehen verankert. Für den deutschen Ton gilt ein ähnliches Lob, nur sind die Dialoge gegenüber den Umgebungsgeräuschen deutliche stärker in den Vordergrund gemischt. man muss also die üblichen Schwächen einer Synchronisation hinnehmen, sonst gibt es nichts zu kritisieren.


EXTRAS

Auch beim zweiten Teil hat mcone wieder das Bonus-Material aus Hongkong eingekauft. Auf der ersten Disc ist neben dem Trailer auch ein Audiokommentar von Andrew Lau und Alan Mak (beide Regie), Eric Tsang, Anthony Wong, Carina Lau (alle Darsteller), u.a. enthalten. Dabei handelt es sich wie bei “Infernal Affairs” nicht um einen echten Audiokommentar, sondern um Interviewsegmente, die passend zu den einzelnen Szenen über den Film gelegt wurden. Die damit verbundenen Nachteile, dass die Beteiligten nicht auf das reagieren, was gerade zu sehen ist, fallen hier viel weniger ins Gewicht, als noch beim ersten Teil. Tatsächlich konnten sogar viele szenenspezifische Interviewausschnitte zu einem fast homogen wirkenden Kommentar zusammengefasst werden. Dabei erhält man einige Einblicke in die Methoden der beiden Regisseure und der Schauspieler. Auch der Look wird beleuchtet. Insgesamt ein interessanter Audiokommentar.

Die Bonus-DVD enthält ein Making Of, das einmal als etwa 20minütiger Beitrag angesehen werden kann als auch in segmentierter Form enthalten ist. Dabei bietet das etwa 6minütige Segment A zusätzliche Informationen, während sich die übrigen Segmente stark mit dem 20minütigen Beitrag überschneiden. Die Mischung aus Filmausschnitten und Interviews, die manchmal etwas gewöhnungsbedürftig geschnitten ist, liefert neben einigem PR-Gerede auch ein paar interessante Aussagen der Darsteller über ihre Herangehensweise an den Dreh des Films. “Confidential File” ist eine 6minütuge unkommentierte B-Roll, die nur wenig Sehenswertes zu bieten hat. Vier entfallene Szenen sind auf der DVD enthalten. Am interessantesten ist sicherlich die Prügelei während eines Basketballspiel im Gefängnis, da es zur Charakterisierung zweier Figuren beiträgt. Die anderen Szenen sind eher von untergeordnetem Wert. Eine kurze Outtake-Rolle (etwa 2 Minuten) und drei TV-Spots runden die Bonus-DVD ab.

FAZIT

Mit “Infernal Affairs II” haben die Macher des ersten Teils innerhalb kürzester Zeit einen ausgezeichnetes Prequel nachgelegt, das durch seinen epischen Atem in emotionale und dramatische Höhen vordringt, die den ersten teil noch übertreffen. Mcone muss ein Lob ausgesprochen werden, dass sie das Bonusmaterial eingekauft haben, das Dank eines besseren “Making Of” als beim ersten Teil, den entfallenen Szenen und eines guten Audiokommentars auch erkennbar besser ausfällt als bei “Infernal Affairs”.



Stefan Dabrock


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