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Blade Runner - Final Cut   (HD-DVD)

Blade Runner - Final Cut
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Original: Blade Runner   (USA, 1982)
Laufzeit: 117 Minuten (HD 1080p)
Studio: Warner
Regie: Ridley Scott
Darsteller: Harrison Ford, Rutger Hauer, Sean Young, Edward James Olmos u.v.a.
Format: 2.35:1 Widescreen (16:9)
Ton: DD-TrueHD Englisch DD-Plus Deutsch, Spa, Fr
Untertitel: Deutsch, Englisch, Spa, NL, Fr, It u.m.
Extras: 3 Kommentare, Making of, u.m.
Preis: ca. 30 €
Wertung: 2+/ 2+/ 1- (Bild/Ton/Extras)


"Erinnerungen an die Zukunft"

Der Kinosommer 1982 war auf zwei Filme nicht vorbereitet: Neben John Carpenters “Das Ding aus einer anderen Welt” war Ridley Scotts “Blade Runner” eine weitere Science Fiction Dysthopie, die vom Feel-Good-Alien “E.T.” in die Schranken verwiesen wurde. Diesen kalten wie düsteren Esoterik-Trip in eine kaputte Cyberpunk-Zukunft, in der die Erde zu einem urbanen Müllhaufen aus Neonreklamen, Regen und Umweltverschmutzung geworden ist, wollte zunächst niemand sehen. Zwar beeindruckte schon damals die perfekt ausgetüftelte Optik von gigantischen Techno-Türmen, riesigen Video-Werbetafeln und fliegenden “Spinner”-Cars, doch der einmalige Mix aus Film Noir und “Westworld”-Problematik konnte weder beim Publikum noch bei den Kritikern landen. Dies ist sicher auch zu einem gewissen Grad Ridley Scott anzulasten, der sich hier ganz in der Tradition von Stanley Kubricks “2001” bewegt und seiner Zeit wahrlich weit voraus war. Die vordergründige Handlung des Films - ein Polizist im Los Angeles des Jahres 2019 muss vier Androiden, sogenannte Replikanten, finden und töten - interessiert ihn nicht. Scott will in “Blade Runner” mittels erstaunlicher Bilder eine reale Welt erschaffen und mit ein paar sehr esoterischen und zukunftskritischen Motiven vermischen, die keinen festen Griff auf eine bestimmte Geschichte ermöglichen, sondern - ähnlich wie bei den Replikanten im Film - die “Erinnerungsimplantate” der Zuschauer anregen sollen. Was macht den Menschen eigentlich menschlich? Wie verhalten sich Leben und Tod zueinander? Können künstliche Wesen tatsächlich menschlicher als der Mensch sein? Da gibt es hilflose Wissenschaftler, die naiv wie verlassene Kinder ihren persönlichen Frankenstein-Komplex ausleben. Und, und, und. “Blade Runner” ist randvoll mit großen Motiven, die wie in einem Kaleidoskop vor einem aufblitzen, ohne jemals (und das mit Absicht!) konkret zu werden. Antworten sollen nicht gegeben sondern essentielle Fragen angestoßen werden. Deshalb sollte auch die Frage der Fragen - ist Polizist Deckard (Harrison Ford) tatsächlich auch ein Replikant? - eigentlich immer eine solche bleiben. Wie menschlich bist du schließlich selbst? - und zwar nicht durch deine Herkunft oder Physis sondern durch dein Handeln.
“Blade Runner” ist und bleibt eine effektive Ausstattungsschlacht, die ob ihrer minutiösen Ausführung auch 25 Jahre später nicht gealtert ist. Einzig die Entwicklung von Mobiltelefonen und dem Internet entgeht dem Film - für solche menschlich-technische Vernetzungen ist in der “Blade Runner”-Welt aber auch kein Platz. Bildtelefone sind hier selbst nur dazu da, um den Gesprächspartner schnell abzuwürgen.
Interessant ist nun allerdings festzustellen, dass 25 Jahre nach der Premiere von “Blade Runner” Ridley Scotts endgültiger “Final Cut” gar nicht so weit von der originalen vom Studio erstellten Kinoversion entfernt ist. Letztlich wurde “nur” der anno 1992 veröffentlichte “Director’s Cut” komplett restauriert und digital von einigen bekannten “Fehlern” befreit (Modell-Aufnahmen und Matte-Paintings wurden digital bereinigt, die Gesamtanzahl der Replikanten stimmt wieder, die Stunt-Sequenz von Zhora (Joanna Cassidy) wurde großartig digital korrigiert und einiges mehr) und äußerst geringfügig gestrafft bzw. ergänzt (die expliziteren Szenen der Exportfassung und die Hockeymasken-Geishas sind enthalten!)- auch im Audiobereich. Es fehlen nur die Off-Kommentare von Deckard und das “Happy End”. Somit bleibt “Blade Runner” eigentlich der Film, der er schon immer war. Trotzdem wirkt der “Final Cut” tatsächlich als Version am besten ausbalanciert - und vielleicht erstmals wie aus einem Guss. Ein Triumph? Ganz sicher. Auf der deutschen HD-DVD wird allerdings nur der “Final Cut” angeboten. Wer die anderen Versionen des Films sehen will, muss hierzulande zur DVD-Version greifen.

BILD

Blade Runner - Final Cut

Das anamorphe Widescreentransfer (2.35:1) in HD 1080p ist eine echte Offenbarung. Die frisch restaurierte Vorlage ist fehlerlos und bietet die Grundlage für ein extrem detailreiches Bild. Die Eröffnungsbilder der Hades-Landschaft zeigen bei den Explosionen detailliert Licht und Schatten auf den umliegenden Gebäuden. Schärfe und Kontrast sind hervorragend, aber offenbaren auch die kleinen Ungenauigkeiten in einigen Szenen. So sind einige Bilder ganz klar leicht unscharf gefilmt worden (z.B. Deckards erster Auftritt mit der Zeitung oder wenn Rachel beim Voight-Kampff-Test am Tisch sitzt). Die Farben sind absolut stimmig und kräftig. Der starke Kontrast zieht in dunklen Szenen den Schwarzlevel stark herunter, so dass man fast versucht ist zu blinzeln, um bestimmte Details zu erkennen. Dank der höheren Auflösung werden aber hier kaum Bilddetails verschluckt. In einigen Szenen lässt sich auch eine sehr geringe Körnung im Hintergrund ausmachen. Dies ist aber niemals auffällig oder störend. Die Kompression bleibt absolut stabil und zeigt ein ruckel- und rauschfreies Hintergrundbild. Der “Final Cut” ist visuell erneut eine Offenbarung und zeigt den “Blade Runner” in neuem alten Glanz. Großartig.

TON

Blade Runner - Final Cut

Egal ob der englische Dolby True HD oder der deutsche Dolby Digital Plus Track - die neu bearbeiteten Tonspuren von “Blade Runner” erwecken die Cyberpunk-Welt anno 2019 zu einem neuen Leben. Referenz-Direktionalität erreichen die mehrfach vorbeizischenden “Spinner”, die klar durch die Soundstage donnern und dabei sogar eine Art waberndes Echo erzeugen. Dazu kommt die unter die Haut gehende Musik von Vangelis, die sich voluminös über alle Boxen verbreitet ohne dabei die Soundkulisse zu schmälern. Die Dialoge wurden gut aufgeräumt und sind ebenfalls (teilweise) räumlich angeordnet. Die deutsche Synchronisation weist dabei eine leider unangenehm nachsynchronisierte Stelle auf: wenn Bryant (neu eingefügte) Hintergrundinformation zu Leon Kowalski bei Deckards Briefing verließt, ist eine deutlich andere Stimme zu hören. Im Direktvergleich ist sowieso eher der englische Track zu empfehlen, da die deutsche Übersetzung an einigen Stellen nunmal etwas ungelenk geraten ist. Insgesamt lassen die Audiotracks das gute Bild nicht im Stich. Auch hier ist “Blade Runner” lebendig wie nie zuvor.

EXTRAS

Zum Hauptfilm auf der HD-DVD werden neben einer kurzen Einführung von Ridley Scott zum “Final Cut” drei Audiokommentare als Extras mitgeliefert. Auf dem ersten Track ist Regisseur Ridley Scott allein zu hören. Wie üblich geht Scott sehr versiert mit seinen Zuhörern um und schwelgt in Details der Konzeption und Aufbau des Films. Immer wieder schweift er aber auch ab, um produktionsrelevante Details zu besprechen und den Zuschauer an seiner Erfahrung als Filmemacher teilzuhaben. So verrät er einige simple Tricks, wie man filmtechnisch Geld und Zeit sparen kann, um einen Film trotzdem teuer und aufwendig aussehen zu lassen. Wieder einmal liefert Ridley Scott einen gelungenen Audiokommentar ab, der diesmal auch ein wenig persönlicher wird, wenn er über seine unterschiedlichen Erfahrungen als Filmemacher referiert.
Auf dem zweiten Track sind die Autoren Hampton Fancher und David Peoples sowie Produzent Michael Deeley und Production Executive Katherine Haber zu hören. Dieser Track zerfällt ein wenig zwischen den Duos. Während sich Fancher und Peoples amüsiert um Details der Storyentwicklung zanken, liefern Deeley und Haber Details über bestimmte Produktionsabläufe und die unterschiedlichen Arbeitsmethoden des amerikanischen Filmteams. Dazu werden auch einige hübsche Anekdoten geliefert, die später auch in der Dokumentation noch einmal auftauchen. Den interessanteren Part übernehmen hier sicherlich die beiden Autoren, die auch von zahlreichen alternativen Szenen und Fassungen ihrer Skripte berichten.
Der dritte Track ist schließlich den Technikern gewidmet: das Production-Design-Team (Syd Mead, Lawrence G. Paul und David L. Snyder) und die Special-Effects-Experten (Douglas Trumbull, Richard Yuricich und David Dryer) liefern einen detaillierten Einblick in ihre minutiöse Arbeit für den Film und teilen auch einige nette Anekdoten von den Dreharbeiten mit ihren Zuhörern. Wie beim zweiten Track teilt sich der Gesprächsanteil zwischen den Teams auf. Dennoch liegt hier eine bessere Verzahnung vor als beim zweiten Track. Für den normalen Zuschauer dürfte dieser Kommentar sogar ein wenig zu viel des Guten sein. Film-affine Geeks und Anhänger der “Blade Runner”-Religion dürften hingegen ausflippen, da hier die Magier ihre Tricks verraten. Sehr schön.

Die zweite Scheibe ist exakt die gleiche (normale) Bonus-DVD, die auch bei den unterschiedlichen DVD-Sets enthalten ist. Sie enthält allein die über dreieinhalbstündige (!!!) Dokumentation “Dangerous Days - Making Blade Runner”. Dieses Informationsmonster ist wirklich alles, wovon “Blade Runner”-Fans nur träumen konnten. Aufgeteilt in acht Kapitel (können einzeln aber auch zusammen abgespielt werden) werden so ziemlich alle Geheimnisse um den Film gelüftet, die auch nur ansatzweise zu “Blade Runner” existieren - und noch ein paar mehr. Besondere Aufmerksamkeit gilt der ausgefallenen Präsentation, die im Interviewfluss (alle noch lebenden Beteiligten sind dabei!!!) immer wieder noch nie gesehenes Behind-the-Scenes-Material, Outtakes, geschnittene oder alternative Szenen, Artwork und Fotos verarbeitet. Richtiger Irrsinn: Harrison Ford plaudert aus erster Hand über den seltsamen Prozess der Voice-Over-Aufnahmen für den Film, die von einem produktionsfremden Autor verfasst wurden. Als Beweis werden hier sogar Outtakes der Aufnahmesitzungen beigebracht, die das unglaubliche Prozedere belegen!!! Ebenfalls ein starkes Stück sind die nicht gefilmten Szenen und Konzepte, die hier anhand von Produktionszeichnungen nachgestellt werden. Darunter befinden sich eine alternative Eröffnungsszene, der verschollene Schlangentanz von Zhora und das eigentliche Schicksal von Tyrell. Noch vor “Hearts of Darkness” handelt es sich hierbei sicherlich um eine der besten Dokumentationen über die Entstehungsgeschichte eines Spielfilms. Diese Dokumentation verdient keine Wertung sondern ein Denkmal.

Leider kommen HD-Besitzer in Deutschland nicht in den Genuss der 5-Disc-“Ultimate Collector’s Edition”, die auf DVD erhältlich ist. In den USA ist davon ebenfalls eine HD-Version für HD-DVD und Blu-Ray angekündigt, die die alternativen Schnittfassungen des Films ebenfalls in High Definition (1080p) und natürlich auch die Blade Runner Archiv Scheibe mit ca. 45 Minuten an geschnittenen und alternativen Szenen enthält, die in keiner anderen Fassung zu sehen sind.

FAZIT

Selbst in der abgespeckten 2-Disc Variante ist der “Blade Runner”-Final Cut eine dicke Empfehlung wert. Die restaurierte Version in High Definition ist ein Muss und dem normalen DVD-Transfer klar überlegen. Die mitgelieferte Dokumentation und die Audiokommentare dürften ebenfalls die meisten Käufer mehr als ausreichend befriedigen. Dennoch ist zu beklagen, dass das 5-Disc-Komplettset nicht in HD in Deutschland angeboten wird. Hier werden Fans gezwungen, doppelt oder im Ausland einzukaufen. Wer das bei Warner entschieden hat, gehört eindeutig “in Rente geschickt”.



Kay Pinno


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