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Invincible   

Invincible
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Original: Invincible   (BRD / GB, 2001)
Laufzeit: 125 Minuten (PAL)
Studio: Mediacs
Regie: Werner Herzog
Darsteller: Tim Roth, Jouku Ahola, Anna Gouari, Max Raabe, Udo Kier, u.v.a.
Format: 1.85:1 Widescreen (16:9)
Ton: DTS Deutsch DD5.1 Deutsch DS Englisch
Untertitel: Deutsch
Extras: Kommentar, Soundtrack-Highlights, Trailer
Preis: ca. 20 €
Wertung: 4+/ 2-/ 3 (Bild/Ton/Extras)


"Herzogs Heimatgeschichten."

Es mag überraschen, dass ausgerechnet ein Film, der zeitlich an der Schwelle zur Machtergreifung der Nazis in Deutschland (1932) spielt, kraftvoll die Themen Heimat und persönliche Bestimmung Ins Zentrum rückt. Die Heimat ist für Zische Breitbart, den muskulösen polnischen Schmied jüdischer Abstammung, zunächst sein »Städtel«, die kleine Scholle in einem beschaulichen Dorf, auf der sich seine Familie häuslich eingerichtet hat. Durch einen dummen Zufall wird er gezwungen, in einem gastierenden Zirkus gegen den starken Herkules anzutreten. Als er gewinnt, folgt Zische zögerlich einem Talentsucher nach Berlin, der ihn dort als stärksten Mann der Welt in Hanussens legendärem »Theater des Okkulten« groß herausbringt. Weil Berlin 1932 schon von Nazis durchtränkt ist, muss er hier jedoch vor dem Publikum seine jüdische Herkunft verleugnen und in dumpfem Symbolismus als teutonischer Held Siegfried auftreten. Schon bald kommt es zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen Hanussen und Zische, da Hanussen scheinbar größenwahnsinnig von einem eigenen Ministerium des Okkulten unter Hitler träumt und Zische weder diese Pläne gut heißt noch länger seine Herkunft verleugnen will. Werner Herzog jongliert geschickt mit seinen Hauptthemen Heimat sowie persönliche Bestimmung, wenn der Zuschauer mit dem naiv wirkenden polnischen Schmied eine Reise aus der bäuerlichen Provinz ins hektische Berlin unternimmt. Schnell erkennt man, dass dieser Handwerker, welcher von Gott viel kraftvoller ausgestattet wurde als ein Schmied sein müsste, seine Heimat erst noch finden muss. Darin sind er sowie Hanussen, welcher sich als Prophet des Dunklen in einer finsteren Grenzzeit sieht, aber nur trickreich sein Publikum blendet, schicksalhaft verbunden. Für den Zusammenprall beider Lebenslinien findet Herzog Bilder bedrückender Selbstverleugnung, absurden Theaters (der Jude mit blonder Perücke ausgestattet als Siegfried) oder erschreckender Unterdrückungsszenarien. Auch vor Plakativem schreckt er nicht zurück, wenn sich die im Theater anwesende SA-Staffel lauthals zu Wort meldet. So entfaltet sich das »bodenlose« Panoptikum einer Zeit, die Heimat nur noch in Scheinwelten oder tragischen Bestimmungen zulässt, wodurch sie bereits von der kommenden Katastrophe erzählt.

BILD

Invincible

In punkto Bildqualität landet die Scheibe im unteren Sektor. Dies liegt vor allem daran, dass mediacs in die Unsitte verfallen ist, “Invincible” nicht im Original-Kinoformat von 1:2,35 zu veröffentlichen, sondern statt dessen 1:1,85 gewählt hat. Man kann nur hoffen, dass eine solche Dummheit immer mehr die Seltenheit im boomenden DVD-Markt bleibt. Weiter schlägt negativ zu Buche, dass die Kompression häufig zu kämpfen hat, so dass ein unruhiges Bild entsteht. In Schwenks und Totalen leidet die Schärfe, ein Umstand, der durch die vorhandenen mittelstarken Rauschmuster verstärkt wird. Positiv fällt auf, dass es sehr gut gelingt, die teilweise triste Atmosphäre wiederzugeben. So sind blasse Farben und leichte Kontrastschwächen nicht etwa ein Fehler der DVD, sondern das bewusste gestalterische Element des Kameramanns. Auch bei der Vorlage gibt es nichts zu kritisieren.

TON

Invincible

Die Tonqualität des Films ist durchweg gelungen. Unterschiede zwischen dem deutschen 5.1-Ton und der englischen 2.0-Spur sind nur wenige vorhanden. Zum einen ist die deutsche Spur etwas heller geraten und zum anderen kommt in der 5.1-Abmischung die Musik deutlich besser zur Geltung. Atmosphärisch leistet der Surround-Mix sowohl in Bezug auf die Raumwirkung als auch hinsichtlich der Musikdynamik einiges. Das gilt gleichermaßen für die klassischen Stücke, wie Opernarien, und die Passagen, welche Hans Zimmer komponiert hat.

EXTRAS

Die Extras bestehen im wesentlich aus dem Audiokommentar, den Regisseur Werner Herzog und der Journalist Markus Ölschläger sprechen. Wie nicht anders zu erwarten liefert Herzog eine Sicht auf sein eigenes egomanisches Selbstverständnis, in dem er ständig betont, dass man Szenen heutzutage gar nicht mehr so drehe, wie er es mache. Die Hauptstoßrichtung seiner durchaus interessanten Ausführungen ist dabei der Grundsatz, dass man seinen Augen wieder trauen kann (es gibt kaum Effekte im Film). Außerdem liebt er die lange Einstellung. Ölschläger entwickelt während des Kommentars keine kritische Haltung dazu, sondern fällt in das Schulterklopfen ein. Darüber hinaus erzählt Herzog etwas zu den Produktionsumständen einiger Szenen, fällt bisweilen in ein Lob über die schauspielerische Leistung mancher Darsteller und äußert sich zur Musik. Kurz zusammengefasst wirkt der Audiokommentar zwar reichlich selbstgefällig, aber das ist durchaus faszinierend, und darüber hinaus ist er durchschnittlich informativ. Als Anheizer für den Verkauf des Soundtracks befinden sich noch einige Musik-Highlights auf der DVD und eine Abteilung mit Werbe-Trailern zu künftigen DVD-Veröffentlichungen.

FAZIT

Den faszinierenden Film sollte jeder Fan Werner Herzogs eigentlich zu Hause im Regal stehen haben, aber nicht in dieser Fassung. Das falsche Bildformat zu veröffentlichen, liegt heutzutage unter dem Mindeststandard. Wer “Invincible” aber noch nicht kennt, kann durchaus zur Videothek gehen, da die restliche Qualität erträglich ist.



Stefan Dabrock


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