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Irgendwann in Mexico   

Irgendwann in Mexico
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Original: Once upon a Time in Mexico   (USA, 2003)
Laufzeit: 97 Minuten (PAL)
Studio: Columbia Tristar
Regie: Robert Rodriguez
Darsteller: Antonio Banderas, Salma Hayek, Johnny Depp, Willem Dafoe, Mickey Rourke u.v.a.
Format: 1.78:1 Widescreen (16:9)
Ton: DD5.1 Deutsch, Englisch, Ungarisch
Untertitel: Deutsch, Englisch, Tr, Ug
Extras: Kommentar, Making of, Deleted Scenes u.v.m.
Preis: ca. 20 €
Wertung: 1-/ 2+/ 1+ (Bild/Ton/Extras)


"Spiel mir das Lied vom Dope!"

Mit einem Gitarrenkoffer voller Waffen lehrte er seine Gegner schon in zwei Filmen das Fürchten: El Mariachi, der fahrende mexikanische Sänger mit dem Hang zum Töten, wird von Regisseur Robert “From Dusk’Til Dawn” Rodriguez zum dritten Mal auf die Leinwand bestellt. “Irgendwann in Mexico” ist jedoch keine echte Fortsetzung des lustig fluffigen Ballerspaß von “Desperado”. In parallelen Geschichten wird ein finsteres wie gewalttätiges Drogenkartellszenario mit Blei und Blut heruntergebetet. Der böse Puppenspieler hinter dem verwirrenden Kasperletheater ist der korrupte CIA-Agent Sands (Johnny Depp), der gleich drei wichtige Personen aus dem Weg räumen will. Da wäre zunächst mal der rechtschaffene aber irgendwie unfähige El Presidente von Mexico. Das Landesoberhaupt soll bei einem Aufstand von General Marquez, einem Handlanger des mächtigen Drogenbarons Barillo (Willem Dafoe), ausgeschaltet werden. Doch auch Marquez und Barillo stehen auf Sands Abschussliste, da er sich deren Geld unter den Nagel reißen will. Für diese Schurken heuert der CIA-Scherge El Mariachi (Antonio Banderas) und den FBI-Mann Jorge (Ruben Blades) an. Beide haben schließlich mit ihren Opfern noch eine persönliche Rechnung offen. Doch auch Sands fällt einer Intrige zum Opfer und verliert zum Schluss wortwörtlich den Durchblick. Mit einer Flut an gut besetzten Nebenfiguren (Mickey Rourke als schwuler Gringo und Enrique Iglesias als Mariachi-Verstärkung), ständigen Plotwendungen und fast zu hektischer Action bombardiert “Irgendwann in Mexiko” die Aufmerksamkeitsspanne des Zuschauers. Hier muss sicherlich Nachsicht mit Robert Rodriguez geübt werden. Neben Drehbuch, Kamera (komplett Digital!) und Schnitt kümmerte sich der Texmex-Regisseur diesmal auch noch um die Musik für das knallharte Epos über Verrat und Rache. Mit “Irgendwann in Mexiko” beweist Rodriguez, dass Genrekonventionen gleichzeitig gebrochen und gefeiert werden können. Völlig anders im Ton und der Struktur als seine Vorgänger huldigt der Film in vielen Szenen den Genre-Größen Sergio Leone und Sam Peckinpah. Johnny Depp Fans kommen nach dem “Fluch der Karibik” auch wieder auf ihre Kosten. Als gewissenloser “Equalizer” killt der durchgeknallte Charmebolzen persönlich zu gute Köche und rennt als verdeckter Ermittler in einem “C.I.A.”-T-Shirt herum. Dass die Auftritte von Banderas und Salma Hayek da vergleichsweise eher kurz bleiben, fällt deshalb kaum auf.

BILD

Irgendwann in Mexico

Der komplett digital entstandene Film sieht in seinem anamorphen DVD-Transfer (1.78:1) absolut fantastisch aus. Die Aspect ratio entspricht dabei dem originalen HDTV-Master (1080p/24). Analoge Fehler und Aussetzer weist der Film logischerweise nicht auf. Scharfe und Kontrast sind absolut glasklar und ausgeglichen. Auch die übliche leichte Kontrastübersteurung ist hier nicht vorhanden. Nur im finalen Shoot-Out gibt es einige Szenen, in denen das Bild ein wenig nach Digitalvideo und ein wenig “verwaschener” ausschaut. Dies fällt im Gesamteindruck aber kaum ins Gewicht. Die Farben sind brilliant und sehr kräftig. Dies verleiht dem Film eine unnatürliche Aura, die aber auch von Rodriguez im Sinne einer mythischen Erzählung erreicht werden will. Der Schwarzlevel ist äußerst tief aber trotzdem detailreich. Bildinhalte werden in dunklen Szenen nicht verschluckt. Die Kompression ist tadellos und verhindert die Bildung von Artefakten sowie Hintergrundrauschen. Ein sehr guter Transfer.

TON

Irgendwann in Mexico

Trotz einer ziemlich guten Abmischung bleibt der Dolby Digital 5.1 Ton etwas hinter den Erwartungen zurück. Während sich die kraftvolle Musik aus Rodriguez Feder sauber über alle Kanöle verteilt, wirkt die Räumlichkeit (frontlastig) und Präsenz der Shoot-outs etwas reduziert. Hier hätte die Knallerei noch etwas kraftvoller sein können. Auch der Tiefbass kommt nicht so tragend zum Einsatz, dass sich der Zuhörer um sein Trommelfell sorgen machen müsste. Die Dialoge sind fest im Center verankert und stets gut zu verstehen. Die Abmischung selbst ist gut gelungen und verhindert störende Überlappungen. Ein immer noch guter Audiotrack, von dem aber mehr erwartet werden durfte.



EXTRAS

Bei den Extras wird bei Robert Rodriguez wieder einmal geklotzt und nicht gekleckert. Im Audiokommentar kommt der Texaner wieder nicht zur Ruhe und erzählt ohne Pause über jedes noch so kleine Detail. Von der ursprünglichen Konzeption über das Casting bis zur Story-Entwicklung und Rodriguez’ Multifunktionalität, die sich hier auch auf den Soundtrack des Films ausdehnt, bleibt dem Zuhörer nichts verborgen. Für einige Zuhörer könnte Rodriguez Erzählstil ein wenig zu kompakt sein. Konzentriertes Zuhören ist erforderlich, um alle Informationen mitzubekommen. Ansonsten ein ziemlich genialer Track, den sich niemand entgehen lassen sollte.

Insgesamt sechs Filmdokumentationen befinden sich auf der Scheibe. Die “10-Minuten-Filmschule” beweist wieder einmal das filmische Low-budget Genie Rodriguez. Kurz und knapp verrät der Regisseur hier einige Tricks und Techniken, die bei der Entstehung von “Irgendwann in Mexico” zum Einsatz kamen. Besonders die vorteilhafte Verbindung zwischen dem Filmen mit digitaler Kamera und der späteren digitalen Bearbeitung wird hier sehr deutlich. Die “Tour durch die Troublemaker Studios” zeigt Robert Rodriguez in seiner kreativen Umgebung - seinem Zuhause. Ähnlich wie George Lucas hat er aus seinem Haus eine filmproduktionstechnische Festung gebaut, die er dem Zuschauer in kurzen elf Minuten vorstellt. Seine multifunktionale Arbeitsweise wird hier sehr geschickt verdeutlicht. Für angehende Filmemacher ein faszinierender Einrichtungs-Knigge, der zeigt, dass mit modernster Technik dem eigenen Schaffen wirklich keine Grenzen gesetzt sind. In der “10-Minuten-Kochschule” zeigt Robert Rodriguez persönlich, wie man am besten Johnny Depps mexicanisches Leibgericht “Puerco pibil” zubereitet. Wer seine Freunde mal mit einer cineastischen Delikatesse überraschen möchte, sollte den Schnell-Koch-Kurs mal absolvieren - und unbedingt auf den Hinweis für die nächste “10-Minten-Schulung” beachten! Für alle Puristen und ewig Gestrigen dürfte wohl der größte Schock die Dokumentation “Film is Dead” sein. Neben George Lucas dürfte wohl Robert Rodriguez inzwischen der größte Verfechter von digitaler Filmtechnik sein. In nur 14 Minuten macht er so klar deutlich, dass der klassiche Filmprozess absolut überholt ist und die neue Technik qualitativ mehr als nur mit dem klassichen Filmbild mithalten kann. Die größte Erleichterung liegt aber im vereinfachten Filmprozess während der Produktion: keine störenden Unterbrechungen für die Schauspieler während einer Szene mehr, weniger Lichtprobleme, sofortige Überoprüfbarkeit der Bilder, quasi unbegrenzter Materialvorrat zum Filmen und schnellere Möglichkeiten zur digitalen Nachbearbeitung lassen das digitale Filmen einfach wesentlich besser abschneiden. Die Zukunft ist auch im Filmbusiness digital! “Die Reise eines Anti-Helden ist ein klassisches Making-of (18 Minuten), dass allerdings ohne viele Werbesprüche auskommt. Nach einer kurzen Zusammenfassung von Rodriguez Mariachi-Mythos dreht sich die Dokumentation hauptsächlich um die Entstehung und Figuren von “Irgendwann in Mexico”, die mit einigen hübschen Behind-the-Scenes Aufnahmen angereichert ist. Im Vergleich zur “10-Minuten Filmschule” bleibt diese Featurette aber eher oberflächlich. Als letztes Video-Feature beschäftigt sich “The Good, the Bad and the Bloody” mit den verschiedenen praktischen Effekten der Jungs von K.N.B. Effects. Vom einäugigen Cheech Marin bis zum aufgespießten Matador werden hier alle Tricks verraten.

Insgesamt achte gelöschte Szenen mit optionalem Audiokommentar sind auf der DVD zu finden. Die Hälfte davon hätten dem Film sicherlich gut getan, um einige sehr sprunghafte Entwicklungen etwas auszubügeln. Darunter gehören vor allem zwei Szenen mit Danny Trejo alias Cucuy. Sein opportunistischer Wandel und sein Abgang werden hier etwas besser dargestellt. Auch die Flucht von El Mariachi aus den Klauen von General Marquez bekommt hier eine interessante Erweiterung. Bei seinem Entkommen wird er von der mexikanischen Polizeibeamtin aufgesammelt aber später wieder frei gelassen. Ansonsten bietet die Scheibe noch den Trailer, ein paar Filmographien und im DVD-Rom Teil zwei Spiele, die wirklich niemand vom Hocker reißen dürften.

FAZIT

Auch wenn Robert Rodriguez finaler Mariachi-Film nicht der Ballerspaß im Stile von “Desperado” geworden ist, wie ihn sich viele Fans gewünscht haben, dürfte “Irgednwann in Mexico” dem aufmerksamen Zuschauer aufgrund seiner komplexen Struktur und den comichaften Charakteren ans Herz wachsen. Die DVD von Columbia bietet dazu beste Qualität in Bild und Ton sowie hervorragende Extras, für die man gerne eine Handvoll Dollars hinlegen möchte.



Kay Pinno


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